Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 8. Kriegsheft (30.4.1916)
- Date
- 1916-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 175 werden die Erinnerung an diesen lieben, prächtigen Menschen bewahren. Auch in unserem Kreis, in dessen Geist er lebte, wird er nicht vergessen werden. Wohl ist uns manch einer entrissen worden, der noch mehr für uns geleistet hätte, aber an edlem Sinn waren ihm nur wenige gleich! Siegbert Stein" Adolf Wolf Adolf Wolf, der seit Januar 1915 als Ersatzreservist und zuletzt als Gefreiter in der 5. Kompagnie meines Regiments war, ist gefallen. Wie mir ein Kamerad berichtet hat, hat ihn, als er auf dem Graben kniend schoß, ein Gewehrschuß in den Kopf eetroffen. Er war sofort tot. Das war am 26. September. Acht Tage zuvor, am Versöhnungstage, war ich zum letzten Male mit ihm zucammen. Ich hielt an diesem Tage für die jüdischen Mannschaften des Regiments einen Feldgottesdienst ab und blieb dann mit Wolf noch etwa eine Stunde zusammen.- Wie immer, so oft wir uns hier im Felde sprachen, galt unser Gespräch den Nachrichten, die wir aus dem Kreise der Bundesbrüder erhalten hatten, und den jüdischen Neuigkeiten, die uns die Lektüre der „Jüdischen Rundschau" vermittelt hatte. Ich hatte Wolf vor dem Kriege nur sehr wenig gekannt. So wußte ich von ihm nicht viel mehr als seinen Namen, als ich ihn im Februar oder März zum ersten Male im Schützengraben aufsuchte. Er zog gerade auf Posten, und an der echt rekrutenhaften Umständlichkeit, die er bei diesem einfachen Dienst an den Tag legte, erkannte ich sofort, wie schwer ihm, dem Assessor im Musketiergewände, der Dienst mit der Waffe fiel. Wolf entstammte der vorsportlichen Periode des B. J. C Er war ein guter Jude und überzeugter Zionist, von tadelloser Ehrenhaftigkeit der Gesinnung und guten Manieren. Auch zu seinem Ideal des Zukunftsjuden gehörte mit in erster Linie die körperliche Tüchtigkeit und Gewandtheit; vielleicht bei ihm wie bei vielen anderen besonders deshalb, weil er sich bewußt war, wie weit er selbst hinter diesem Ideal zurückblieb. Nun war er plötzlich im Kriege, nun galt seine wissenschaftliche Befähigung plötzlich gar nichts und seine körperlichen Anlagen