Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 8. Kriegsheft (30.4.1916)
- Date
- 1916-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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176 Der Jüdische Student alles.>,'Sefri jüdisches Pflichtbewußtsein wollte ihn gern einen guten? Soldaten sein lassen, und so empfand er um so mehr und. schmerzlicher die Hemmungen, die seine ^mangelhafte körperliche Ausbildung im Gefolge hatte. Er litt darunter. Aber er hatte Energie und Ausdauer und leistete, soviel er konnte. Und gerade über diesen zähen Willen, mit dem er sich — mit Erfolg— der Bekämpfung seiner körperlichen Mängel hingab, freute ich mich an jenem Versöhnungstage besonders, da ich ihn das letzte Mal sah. Er gestand mir, wie er anfänglich vielem Spotte der robusteren Kameraden begegnen mußte. Darum unbekümmert, tat er peinlich gewissenhaft seine Pflicht. Und hierin wurde er nicht nur von seinen Vorgesetzten anerkannt und durch Ernennung zum Gefreiten und Gruppen-, führer belohnt; im Bewußtsein seiner Pflichterfüllung wurde er selbst ein anderer, er dehnte, reckte und streckte sich und wurde immer mehr Soldat. Ich habe mehrere Juden beobachten können, die der Krieg plötzlich aus dem Großstadtwohlleben in die Schützengrabennotdurft versetzt hatte. Sie haben mich in vielen Fällen in meinem Judenstolz betrübt. Sie hatten mit den gleichen Schwierigkeiten wie Wolf und so viele andere zu kämpfen, es fehlte ihnen aber an der energischen Zähigkeit, sich trotz ihrer Schwierigkeiten als Soldaten durchzusetzen; sie wurden „Drückeberger" und leider, wie immer, „die jüdischen Drückeberger". Unter ihnen zwei Typen: ein getaufter Journalist und ein schwarzgelockter Schauspieler, der auch den Lorbeer des Lyrikers zu pflücken gedachte, von seinem Judentum aber nichts wußte und ebensowenig wissen wollte. Die jüdischen Kameraden dieser Art haßte Wolf eben so stark, wie er jeden christlichen ehrlichen, anständigen, „guten Kameraden" liebte. Er suchte aber die Freundschaft der nichtjüdischen Kameraden nicht etwa, um als Jude vergessen zu werden. Der Zufall hatte es gefügt, daß in Wolfs Kompagnie eine den Durchschnitt überragende Anzahl von Juden war. Soweit es für diese innerhalb des militärischen Lebens ein gemeinsames , jüdisches Interesse gab, war Wolf ihr uneigennütziger Sachwalter. Er kümmerte sich um die Gelegenheit, jüdischen Feldgottesdiensten beizuwohnen, erwirkte Dienstbefreiung an jüdischen Feiertagen, ja er sprach jüdisch aussehende Mannschaften . aus anderen Kompagnien an und trat ihnen mit Rat