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Der jüdische Student · 1916-04-30 · 8. Kriegsheft (30.4.1916) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
13 (1916-1917)
Issue
8. Kriegsheft (30.4.1916)
Date
1916-04-30
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Der Jüdische Student 173 hinkam. Auch den Bundesbrüdern ist es so ergangen. Ich weiß noch, wie große Erwartungen und Hoffnungen wir auf ihn setzten, als er sich in der Ivria aktiv meldete. ' Und dann kam das, was wir „Enttäuschung" nannten. Er konnte sich nicht hineinfinden, er lehnte sich gegen den Zwang auf, er wollte heraus. Dabei blieb er uns allen ein lieber Freund. Für ihn, dem Zionismus eine Selbstverständlichkeit war, war seiner Sinnesart entsprechend die Korporation nichts anderes als der gesellige Zusammenschluß Gleichgesinnter. Diese Auffassung entsprach nicht mangelndem Interesse — er war in seinen zionistischen Ansichten recht radikal und hatte für alles, was im Zionismus vorging, lebhafte Anteilnahme; aber ihm, der oft erzählte, er könne nicht sagen, wann er Zionist geworden seir da er es eigentlich immer gewesen sei, floß der Zionismus aus seinem geraden und natürlichen Charakter, es war ihm nichts Errungenes und nichts Erkämpftes und nichts, was man sich jeden Augenblick erneut erkämpfen mußte. Darum sah er nicht die Notwendigkeit der innerjüdischen Arbeit im Kartell, darum stand er als Ehrgeizloser passiv dabei. Er hatte sich aber dareingefunden, hatte die Arbeit der Anderen gehen lassen. Zuletzt hing er doch mit vieler Liebe an der Verbindung, die ihm so manchen Freund gegeben hatte. Aber für die große Masse der Bundesbrüder war er nun der „Blender" gewesen, der jetzt versagt hatte. Da draußen, wo er nicht mehr der Selbstsichere von früher war, wo auch ihm ein innerer Kampf beschieden war/ habe ich ihn erst würdigen gelernt und gesehen, wie falsch unser Urteil war. Das, was wir von ihm erwartet hatten, hätte er freilich nie werden können. Wir hatten in ihm eins der organisatorischen Talente zu erwerben gehofft, deren wir manche besitzen, noch mehr aber bedürfen. Das war Arthur Schweitzer nicht, — nicht aus Mangel an Begabung, die hätte gereicht; der Wille fehlte ihm dazu. Er war Individualist. Sein Ich war ihm einziges Gesetz des Handelns; was von außen kam, lehnte er ab; jeder Zwang, physische wie moralische, war ihm verhaßt. Er war keiner von den Ichlingen, die sich in Ueberschätzung ihrer Bedeutung für den Mittelpunkt der Welt ausgeben. Es war nichts Ueberhebliches an ihm; sein Drang, nur seiner Eigenart leben zu wollen, war ein vollkommen natürlicher und selbstverständ-

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