Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 8. Kriegsheft (30.4.1916)
- Date
- 1916-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Der Jüdische Student kämpfte, nicht niedergedrückt. ■ Er verlor nicht einen Augenblickdie Hoffnung auf seine Wiederkehr. Bezeichnend dafür ist, daß er meinen Vorschlag, für den äußersten Fall letzte Aufzeichnungen gegenseitig in Verwahrung zu nehmen, für sich, ablehnte mit der (entschiedenen Begründung, er wolle sich nicht lächerlich machen, wenn er wieder nach Hause käme. Diese unerschütterliche Hoffnung macht sein plötzliches Ende noch tragischer. Nun hat ihn, dem das Leben so leicht geworden,, der Tod im Felde, den er so oft im Widerspruch zum Soldatenlied als den schlimmsten bespöttelte, gemeistert. Der Eindruck, den ein jeder bei der ersten Begegnung von Schweitzer hatte, war der eines bezaubernden, liebenswürdigen, und begabten Menschen. Er gewann gleich auf den ersten Blick einen jeden für sich; sein Auftreten, das von jeglicher Pose frei war, war sicher und unbefangen. Alle mußten diesen Menschen, dem die Natur nicht nur einen edlen Wuchs, ein schönes jüdisches Antlitz, eine klangvolle Stimme geschenkt: hatte, sondern der es auch verstand, durch seine Geistesgaben auf liebenswürdige, unaufdringliche, weil selbstverständliche - Weise sich zum Mittelpunkt einer jeden Gesellschaft zu machen^, lieb gewinnen. Schweitzer gehörte zu den Naturen, die ihre. Gaben und. Fähigkeiten erst im Verkehr mit Menschen entwickeln können; all das Gute und Edle, was in ihm« schlummerte, brachte erst der Umgang mit anderen zur Entfaltung. . Aber trotz des Dranges, stets mit Menschen,: nie vereinzelt zu leben, gab er nichts von seiner Eigenart auf,, sondern er war in jeder Gesellschaft der Leitende, der die; Anderen mit fortriß. Dieser Hang zum geselligen Leben war der herrschende Trieb in ihm. Er lebte wahrhaft mit und in seiner Familie und entwickelte einen Familiensinn, der das gute jüdische Durchschnittsmaß noch überragte. Aus diesem Geselligkeitstrieb suchte und fand er, ein beliebter Gesellschafter,., Eingang zur Gesellschaft seiner Heimatstadt. Wenn er in* Glogau war, gehörte der Tag den vielen Familien, in denen er. freundschaftlich verkehrte. Er wurde dabei kein oberfächlicher Gesellschaftsmensch; Geselligkeit war ihm nicht wie vielen. Flucht vor der eigenen Unbedeutendheit, sondern war ihm Entfaltung seiner Eigenart, die, ihm viele Freunde brachte. Ich habe es oft beobachten können, wie er alle bezauberte, wo er auchu