Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 8. Kriegsheft (30.4.1916)
- Date
- 1916-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 169 -verschickten Korporationsrundschreiben, allmählich würde auch «die militaristische Gehirnlähmung einiger sonst so rede- und schreibfroher Leute ihr Ende finden. Der J. St. zeigt, daß das K. J. V.-Leben weitergeht, . und wir hier draußen wollen an ihm teilnehmen. Sei es auch nur, um zu erleben, daß immer die gleichen!Fehler gemacht werden. So in der Ausländerfrage. Der Berliner Studentenausschuß rollte die Frage wieder auf. Das stand zu erwarten; ebenso der Beschluß, den er fassen würde. Um ihn zu vermeiden, versuchte man, „die Sache abzudrehen". Was natürlich mißlang, weil ein einzelner einer von der großen Mehrheit bewußt gefaßten Absicht in einer Versammlung nie entgegentreten kann, wenn er nicht völlig neue Dinge in die Wagschale wirft. Es hätte uns klar sein müssen, daß eine Abdrehungspolitik weder der Zweckmäßigkeit noch unserem Selbstbewußtsein entsprechen kann. Wir wissen doch zur Genüge, worauf alle diese Dinge hinausgehen. Offen unser jüdisches Solidaritätsgefühl zu betonen und unseren Standpunkt klar festzustellen, ist unsere einzige Aufgabe. Auf die Beschlüsse, die dann gefaßt werden, kommt es nicht an. Die Maßnahmen unserer Regierung werden von anderen Dingen geleitet, als von der. Abstimmung einiger Reichskrüppel. Der PHilippson-Warburgsche Streit mit all seinem Drum und Dran kann uns auch wieder eine Lehre sein, •daß es in jeder öffentlichen Diskussion darauf ankommt, die Angelpunkte der gegnerischen Anschauung klar zu erfassen und .zu widerlegen. Nur dadurch, nicht durch Eingehen auf jedes Argument können wir Verständnis für unsere Sache gewinnen. Und das scheint mir das Wichtigste. Wir litten schon genug unter allzuviel Umständlichkeit. Wie prächtig, so recht aus der tatenfrohen Zeitstimmung /heraus, berühren uns da die Sätze Nach Palästina. Und doch darf gerade hier die Kehrseite der Medaille nicht unerwähnt bleiben. Ist es wirklich so schwach mit unserem Palästina- Willen bestellt, daß es dieser fast krampfhaften Selbstüberwindung bedarf? Ich denke, wer den rechten Palästina-Willen hat, dem wird er nicht in den Jahren, die zur sorgfältigen Vorbereitung der Uebersiedlung hier in eiserner Arbeit abgesessen werden müssen, erkalten, sondern von Tag zu Tag zwingender werden! Fangen wir aber mit der Organisation dieser Arbeit an. Sprachkurse, die nicht nach einigen Wochen einschlafen. Eine .Lebensweise, die unseren Körper nicht erschlafft. Eine Berufswahl, die nicht an Europa fesselt. Es mu ß uns gelingen, Füxe zum Studium der Landwirtschaft zu bewegen. Nicht Bauernwirtschaften, sondern Musterfarmen sollen drüben von uns JK.J.V.-ern geschaffen werden. Erst hier zu lernen, dann dort