Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 13 (1916-1917)
- Issue
- 8. Kriegsheft (30.4.1916)
- Date
- 1916-04-30
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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;i?62l Der Jüdische Student fi *,'\? wqrtung, zu fragenentschlossen ist, darf überhaupt an den Plan herantreten. t Ich bin, von dem Aufruf sehr betroffen worden und habe ziemlich lange zu tun gehabt, bis ich auch nur einigermaßen mit mir darüber im Reinen war. Der Grund zu dieser, wie ich gestehe, ausnahmsweisen Wirkung war das zunächst alles .andere überwiegende Gefühl: die Leute haben recht. Man sieht wieder einmal mit aller Deutlichkeit, daß die Rettung nur in Palästina liegt. Und alle Bedenken, die sich natürlich gleichzeitig einstellten, sind im Grunde schon damit widerlegt, daß sie hier dem Entschluß zu einem wirklichen Opfer, zum Opfer des persönlichen Lebens und aller persönlichen Hoffnungen auf die Zukunft gegenüberstehen. Darin liegt eine Kraft und Begeisterung, die alle Gegengründe überwinden müßte (und die aufzubringen man ebenfalls verpflichtet wäre; dieses Gefühl hatte ich gleichzeitig). Ich sagte mir insbesondere, daß die sofort bereit liegenden Einwendungen überhaupt nicht in Betracht kommen: einmal, daß man sich durch eine jetzt erfolgende Uebersiedelung die Möglichkeit eines späteren Lebens in Palästina in einer persönlichen Ansprüchen mehr zusagenden Form nehme. Es ist richtig, diese Möglichkeit, die jeder von uns im Innern erwägt, ist in der Praxis der Verwirklichung so fern, daß unsere Hoffnung nicht mehr als ein Spielen mit dem Gedanken ist. Auch daß wir „der Bewegung hier mehr nützen" könnten, darf man, so richtig das an sich ist, nxht vorbringen. Diese Hervorhebung einer vielleicht vorhandenen eigenen Bedeutung kann nicht in Betracht kommen, wenn man für sein Schicksal zwischen einer ganzen Lösung und einem Kompromiß wählen soll. Trotz alledem — ich hatte diesen starken Eindrücken gegenüber noch immer das Bewußtsein, daß das nicht alles sei. Was mich so aufstörte, ja beinahe verstörte und vor den Kopf stieß, war die Erkenntnis, daß mit der restlosen Notwendigkeit der augenblicklichen Wahl von Palästina das Todesurteil »über unser gesamtes, auch unser jüdisches Leben in Deutschland gesprochen ist. Wir müßten dann den V. J. St, Blau-Weiß, die zionistische Organisation und alles, was uns in unserer Art beschäftigt, ebenfalls als schwächlichen, unbefriedigenden und zwecklosen Kompromißversuch bewerten, und für so etwas seine Kräfte einzusetzen, könnte man nicht ertragen. Diese Sachen wären also erledigt. Es hätten dann natürlich auch die Aufgaben der Zukunft: die Ostjuden und alles, was jetzt Neues wird, keine Bedeutung. Alles, was im Golus lebt und werden kann, müßte beiseite gesetzt werden. Dieses vernichtende, jede jüdische Zukunft — die doch noch immer auf das Golus angewiesen ist — zerstörende Ergebnis kann von der Geschichte nicht gemeint sein. (Ich sage