Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 1 (22.4.1912)
- Date
- 1912-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jüdische Student 5 besonders brennend ist. Dort gibt es einen Verein jüdischer Akademiker aus Rußland, eine lose Vereinigung von ungefähr 150 Mitgliedern. Während dieser Verein bisher zionistische lind nationaljüdische Beschäftigung verpönt hat (man nahm Herzls und Nordaus Bild demonstrativ von der Wand!) und russisch- bzw. polnisch - revolutionäre Bestrebungen seinen Interessenkreis ausgemacht haben, setzt sich jetzt dank den Bemühungen einzelner damit beauftragter V. J. St.-er eine starke jüdisch-nationale Strömung durch. Das zeigt sich in der Anschaffung zionistischer Literatur und der Bestellung zionistischer, z. T. hebräischer Zeitungen und in dem Beschluß des Vereins, im nächsten Semester durch Vorträge und Kurse für die jüdische Ausbildung seiner Mitglieder Sorge zu tragen. Es wird die Sache der V. J. St.-er sein, als Werber für die nationale Idee einzutreten. Der Erfolg dieser Wendung zeigt sich bereits in dem schärferen selbständigen Eintreten dieser russischen Juden für ihre Studieninteressen. Leider ist der Versuch, eine russischjüdische Klinikerschaft im Gegensatz zur deutschen zu gründen, im vorigen Semester gescheitert. Was sonst in der Studentenschaft vor sich geht, ist belanglos und interessiert uns nicht. Die Freie Studentenschaft, durch die uns (besonders in Berlin und München) viel gutes Material verloren geht, beschäftigt sich fast ausschließlich mit der Frage der „Allgemeinen Studenten -Ausschüsse", von denen sie eine Regeneration des deutschen Hochschulwesens und eine neue Kultur erwartet. Da in absehbarer Zeit an keiner deutschen Universität ein Ausschuß zustande kommen wird, der irgend welche Bedeutung haben könnte, interessieren uns diese Fragen nicht. Zu berichten ist noch, daß sich an der B e r 1 i n e r Universität unter dem Vorsitz des Korps im S. C. Borussia alle unbedingte Satisfaktion gebenden Verbindungen an der Berliner Universität (einschl. der schwarzen Verbindungen, also auch der Hasmonäa) zu einer Akademiker-Versammlung zusammengetan und die Gründung eines schwarzen Waffenringes beschlossen haben. Zweck dieses Waffenringes ist, das Ramschen einzuschränken, Verrüfe durchzuführen und alle andern Inkorporierten (also auch die B. J. C.-er) und Nicht-Inkorporierten zum Belegen bei einer Korporation zu zwingen, die dem Ring angehört, also nach dessen neu ausgearbeitetem schwarzen Mensurcomment ficht. Wenn dieser Waffenverband zustande kommen sollte, werden wir hier in Berlin gezwungen sein, den Prügelcomment auch auf die Korporationen auszudehnen, die bisher noch unsere Waffen anerkannt haben.