Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 9 (1912-1913)
- Issue
- Heft 1 (22.4.1912)
- Date
- 1912-04-22
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Der Jüdische Student ist es jetzt gelungen, eine scharfe Grenze zwischen Juden und Assimilanten zu ziehen. Auf der einen Seite stehen wir und das K Z. V., auf der andern Seite der K G, die paritätischen Verbindungen und die Freie Studentenschaft Die A.D.B-Burschenschaften weisen in einem in den K CrBlättern vom April veröffentlichten Schreiben die Behauptung scharf zurück, daß sie nur 33y30/0 Juden aufnähmen. Uns können sie dadurch, daß sie soviel Juden, wie sie bekommen, aufzunehmen bereit sind, nicht gefährlich werden. Denn die Zahl der jüdischen Studenten, die zwar für uns geeignet sind, uns aber vom A. D. B. weggekeilt werden, hat bereits das Minimum erreicht, Und wenn diese Burschenschaften durch ihre Toleranz bezüglich der „Konfession" dem K G Leute wegnehmen, so hat ein guter Jude keinen Grund, traurig zu sein. Die einzige Korporation, die uns gefährlich sein kann, ist der K G Durch unsere energische Keilarbeit und unsere entschiedene Stellung gegen jede Form der Assimilation sieht sich jetzt der K G genötigt, seine Kräfte anzuspannen. In Königsberg entfaltet der K- C.-Stammtisch Friburgia eine rege Propaganda. Er versendet an die Bürgerschaft Königsbergs Flugblätter, in denen er mit langatmigem Pathos von den Heldentaten der Viadrinen erzählt, sich über die Seuche des Antisemitismus mit seinem „Rassen- und Klassenhaß" ausläßt und durch gesperrten Druck hervorhebt, daß die K C.-er deutsche Juden sind, „die alle Bestrebungen zur Lösung der deutschen Judenfrage außerhalb Deutschlands ablehnen". Wir wissen, daß der K G in seinem forcierten Deutsch-Patriotismus so weit geht, daß er in den Klinikerschaften bei der A u s 1 ä n d e r f r a g e mit den Deutsch-Nationalen gemeinsame Sache macht und die Gemeinschaft mit seinen Volkstind Glaubensgenossen aus Rußland leugnet, weil er fürchtet, Antisemitismus zu erregen! Diese Ausländerfrage ist eine Angelegenheit, der wir unsere ständige Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Wenn es sich auch nominell um „Ausländer" handelt, gemeint sind in Wirklichkeit die russischen Juden. Daß wir wieder antisemitische Ausschreitungen zu befürchten haben, ist nicht wahrscheinlich, ist ja auch für unsere Stellungnahme ganz belanglos. Wir müssen unsern bedrängten Brüdern in Rußland die letzte Bildungsmöglichkeit unter allen Umständen erhalten. Daß die Mediziner im B. J. C. in den Versammlungen der Klinikerschaften für die russischen Juden Partei ergreifen, ist selbstverständlich. Aber damit ist nicht viel getan. Solange die russisch-jüdischen Akademiker nicht dazu gebracht werden, selbst mit Energie ihre Interessen wahrzunehmen, werden wir nichts ausrichten. Ein gutes Beispiel sind die Verhältnisse in K ö n i g s b e r g, wo durch die große Anzahl der russischen Studenten die Frage