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Der jüdische Student · 1912-04-22 · Heft 1 (22.4.1912) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
9 (1912-1913)
Issue
Heft 1 (22.4.1912)
Date
1912-04-22
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der Jüdische Student 3 Die Erlebnisse auf diesem Gebiete sollten auch bei den Jüngsten strengste Privatsache sein, über die zu reden oder gar zu renommieren abgeschmackt und würdelos ist. Das scheinbar doch nicht so oberflächlich wurzelnde Bedürfnis, sich hin und wieder gegenseitig als Sexualwesen zu geben, alias zu schweinigeln, kann dann und wann in dem entsprechend bezeichneten Teil einer Fidelitas seine ausreichende Befriedigung finden. Jüdisch-akademische Aionatsübersicht Von Ludwig Davidsohn (Maccabaea) Es ist bezeichnend für unsere Stellung in der deutschen Studentenschaft, daß heute unser unangenehmster Gegner der AT. C., also eine jüdische Korporation ist. In den Anfangszeiten des V.J. St. war unsere Stellung in der akademischen Welt charakterisiert durch das Eintreten für alle Juden gegenüber den rohen Anfeindungen der Antisemiten. In diesem Kampfe kam es vor, daß wir mit dem K- C. zusammengingen (so bei den Wahlen zur Akademischen Lesehalle in Berlin). Die Antisemiten haben inzwischen ihren Antisemitismus nicht aufgegeben, aber er hat kultiviertere Formen angenommen, und der Kampf gegen ihn ist in ein weniger aktuelles Stadium getreten. Die V.D.St.-ev, die historischen Träger des Antisemitismus auf den Universitäten, sind allmählich zu der Einsicht gekommen, daß Antisemitismus noch keineswegs identisch mit deutschem Nationalismus ist, genau wie wir V. J. St.-er wissen, daß die Bekämpfung des Antisemitismus nicht unser Judentum ausmacht. In der jüngsten Programmschrift der V. D. St.-zn wird ganz sachlich, ohne den Ton des Hasses, erklärt, daß die V. D. St.-en in dem starken Einfluß der Juden auf die Kultur und das Wirtschaftsleben der Deutschen eine große Gefahr für die nationale Eigenart des deutschen Volkes erblicken, daß sie eine entschiedene Stellungnahme zur Judenfrage zur Pflicht machen und daß sie „selbstverständlich nur deutsche Studenten aufnehmen, unter deren Eltern sich weder getaufte noch ungetaufte Juden befinden". In ihrer Zeitschrift, den Akademischen Blättern, werden z. B. Bubers Reden über das Judentum besprochen und zur Lektüre empfohlen. So verliert das Leben in den nicht-jüdischen Studentenverbänden immer mehr an Wichtigkeit für uns, und unser ganzes Interesse konzentriert sich auf den jüdischen Teil der Studentenschaft. Auch hier, wie überall in der jüdischen Politik,

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