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Central-Verein-Zeitung · 1925-12-24 · 52 (24.12.1925) · p. Seite 807

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
52 (24.12.1925)
Date
1925-12-24
Page
Seite 807 (sequence 5)
Language
German
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807 Sitzung der Kommission statt, welche über die Vorschläge zum Handelsabkommen beraten soll . . . Gehen Sie deshalb heute raus und gehen Sie mit 200 nach oben." — „Carnot von einem Italiener ermordet . . . Deshalb wird heute in Paris Panik für Italiener fein. Also rate ich dringend, heute wenigstens zwei Millionen Italiener mit Prämie lausen . . . Eine solche Gelegenheit fommt nicht leicht wieder." — „Das; England siegt, können Sie als sicher annehinen . . . Der schlinnnste Fall ist der, daß Friede geschlossen wird." Baron F r i e d ri ch v. Holstein, der Spekulant, cntstammte uraltem nckermärkischen'Adel. So sehr wir über die Tatsache entsetzt sind, das; e i n cj der m ä chLig st e n deutschen Staatsmänner seine Stellung und seine Kenntnisse benutzte, tun an der B ö r s e" s ü r sich Z u s p e k n l L e r e n. ja, seine Politik nach seinen Orders cmfiefitc und den Friedensschlnß verwünschte, so interessiert uns der Fall Holstein doch nur insoweit, als wir unsere Patentpatrioten, unsere Völkischen und ihre Gesinnungsgenossen fragen, ob sie die Kaiserzeit, die sie herbeisehnen, verjndet nennen wollen? Was hat man ans den Darmat-Geschäiten den heutigen Machthabern anhüngeu wollen, wie hat man Friedrich Eberl gil beschmutzen versucht, wie gegen Erzberger wegen einiger harmloser Geschäfte gehetzt!. Als Walther Rathenan Minister wurde, brach er sofort jegliche Verbindung zu seinen früheren Unternehmungen ab, er war zwar vorher Kaufmann gewesen, alxw war doch eben nur ein — Jude! Und Herr v. Holstein? Wir erwarten mit Spannung das Kesseltreiben, das nun doch wohl von nationalistisch-völkischer Seite gegen ihn einsetzen wird! K. Z. „Altsbau auf der Umkehr der Gesinnung." Vor einigen Jahren hat ein geistvoller Förderer des Keren Hajcssod im Rheinlands eine Rede gehalte'n. in der er die Unterstützung aller wahren deutschen Juden für den Keren Ilajessod deshalb verlangte, weil hier Zum ersten Male wieder eine ü b c r b r ü ck e n d e, Z u s a m m e n s ch w e i ß e n d e, ausbauende Forderung an die deutschen Juden heran trete. In dem Aus-gleich wnd der Versöhnung, die iu einer gemeinsamen Beteiligung am Keren Hajcssod läge, sehe er einen „Ausbau auf der U m k-e h r der G c s i n n n n g". Das sicher crnstzunehmende Worb des angesehenen rheinischen Juden in allen GH reu! In Wirklich Kit liegen die Dinge leider so, daß von dem B u r g f r i e d e n , der durch die Keren-IIajessocl- Aktion in Deutschland -angebrochen sein soll, wenig zu spüren ist. Obwohl niemals in diesen V'lätteru noch in den Versammlungen des Gcntralvereins elloas Gehässiges oder Unsachliches gegen den Keren Hajcssod gesagt worden ist, kann mau das von dem Verhalten des Keren Ilajessod 511m G. V. durchaus nicht (behaupten. Deutsche Zionisten verlangten von -dm; Anhängern des G. V., über den sie jetzt lwi passender Gelegenheit herfallcn, i-ud seinen Führern, sie sollen dem Keren Ilajessod mit hei Hern Herzen zugetan sein oder, wenn sie das nicht iveltanschaunugsmüßig vermögen, mindestens ruhig Zusehen, wie sich die Tinge weiter entwickeln. Für sich selbst aber beanspruchen sie die Freiheit, im geeigneten Falle Sturm gegen den G. V. Zu blasen, und Zwar iu Tonen, die alles andere als friedfertig und würdig klingen. Einige führeu.-de Männer des G. B. sind mir warmem Herzen für die Ostsiedlungen eingetreten. Die „I ü d i s ch e N u n d s ch a u", das maßgebende nationaljüdische Organ Deutschlands, macht daraus, was wir hier festgenagelt haben, ein schwer kraulendes „Doppelspiel", d. h. das Interesse für den Osten sei bei diesen Herren nur taktischer Natur, um durch eine Ablenkung des Interesses nach dem Osten das Palästina-Ausbauwerk, wenn möglich, in d<n Schatten zu stellen. Die Heineren zionistischen Organe der Provinz und des Auslandes werden dann noch deutlicher und verletzender. Man kann hier vielleicht sagen, daß die „Jüdische Rundschau" nicht das Organ des Koren Hajcssod ist, wenn auch heute die gesamte Zionistisch-deutsche Politik unter der Flagge des Keren Hajcssod läuft. Aber Kurt V lu men feld, der Präsident der zionistischen Organisation in Deutschland, der mit denr Keren Hajcssod in engster Beziehung steht, halt gegenwärtig in größtem Umfange Werbeversammlungen für den Keren Hajcssod ab und benutzt diese Gelegenheit, so am 29. November d. I. in Hannover, Zu heftigsten Angriffen gegen den E. V. Glaubt Herr- Kurt Vlumenfeld und seine Nachbeter, damit im Sinne der Nicht- Zionisten zu handeln, die dem Keren Hajcssod Zugetan sind? Liegt cs nicht aus der gleichen Ebene einer unvor nehmen K a m p f c s tu c i je, wenn die neue st e Bros ch ü re des Keren Hajcssod einen Brief des verehrten früheren Vorsitzenden des Eeutralvereius deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens an die Zionistische Vereinigung für Deutschland wiedergibt, der vom 25. Dezember 1038 stammt und dadurch bei Unkundigen den trügerischen Anschein erweckt (wir nehmen nicht an, „erwecken will"), als enthalte dieser ganz anderen Zwecken dienende Brief die en dgültige Stellungnahme des 6. V. z u 0 u n st e n des KereriHajpsso(l,bcr damals n 0 ch garni ch t b e ft n n d. Der in der Broschüre veröffentlichte Brief des Vorsitzenden des C. V. bestand 51t Recht. Ter Hauptvorstand und die Hauptversammlung des E. V. haben zum Keren Hajcssod im Jahre 1921 Stellung genommen. Der von der Hauptversammlung gebilligte Beschluß einer großen Vorstandssitzung des E. V. vom 10. April 1921, der heute noch die endgültige Steltungnahme des Vereins zum Kcicir Hajcssod wiedergibt, lautet: ,Märe die Besiedlungvon Palästina nichts werter als ein großes soziales Hitsswerk, so wäre vom Standpunkt des E. V. aus gegen die Förderung dieses Werkes nichts zu sagen. Tie Besiedlung iu Palästina ist aber in erster Linie das Ziel der n a t i 0 n a! j ü d i s ch c n Politik, ihre Förderung und 11 n t c r st ü 1; u n g daher ab z n lehne n. Solange die sozialen und geistigen Einricht trugen des deutschen Volkes mrd die religiösen unb kulturellen Bedürfnisse des dclrtschen Iudeuttuns bitterste Not leiden, solange zahlreiche heimatlos gewordene I-uden unsere dringende und augenblickliche Hilfe brauchen, hat jüdischer Gemeinschaftsgeist und Wohltätigkeitssinn überreiche Gelegenheit und Pflicht Zu fruchtbarer Art>eit." Daraus geht klar hervor, daß der E. V. die nationaljüdische Besiedlung P a l ä st i n a s. die nach unserer Aussassuug noch immer im Keren Hajcssod sich dar stellt, aus grundsächlichen brwagrurgen nicht unter stützen kann. Das; der E. V. für jeden unpolitischen, wahrhaft neutralen Ausbau, der früher durch der; Hilisverein der deutschen Inden, den Esra. die Agudas Jisroek jetzt, im Heiligen Lande betrieben wird, förderndes Interesse hat, ist in diesen Blättern schon betont worden. Das jüdisch-nationale Ausbauwerk iu Palästina sollte eine r eine A n g c 1 e g e n h c i t d e r deutschen N a t i 0 u a I j lt b c n fein. Sie lim gewiß mit bekanntem Eifer das ihrige. Wir wünschen gewiß nicht, daß, wie neuerdings stärker befürchtet wird, Störung odergar Zerstörung der Arbeit drüben eiutreten. Verlangen muffen wir aber, daß anch nationaljüdische Kreise die gleiche Ach t u n g vor den Beweggründen unserer, den Keren Hajcssod ablehnenden Stellung haben, wie nur sie vor ihrer Znstimmendeu hegen. Sollte sich der Keren Hajcssod Zu einem Instrumente enttvickeln. das zu seinen verdeckten Ausgaben auch die Bekämpfung des E. D. rechnet, so werden wir, zwar w ü rdig, wie es inucrjüdischeu Auseinandersetzungen Ziemt, aber mit alter, u n g e s ch w ä ch t e r Kraft dem zu begegnen w i s se u; darauf können sich die mehr oder minder vorsichtigen Rufer im Streite fest verlassen wahre deutsche „brüZerüchkeit". Walter Btoem über Deutschtum und JuDeuhas;. In einem au da? „Israelitische Familieublatt" gerichteten Brief offenbart der bekannte Romanschriftsteller Walter Bloem im Hinblick aus seition Roman „Brüderlichkeit" seine Auüaüung vom wahren Judentum, Judenhaß und deutscher Zuktmst. Er schreibt: „Ich bin Deutscher von Blut. Gefühl, Geschichtsauffassung. Aber ich glaube, daß die Zeit der einseitigen Betonung des nationalen Moments im Geistes- und Seelenleben der Menschheit durch den Weltkrieg ad absurdum geführt ist. Ich bin entsehloffeu. meine Sonderart des Deutschen Yeeufo stark und bewußt zu enttvickeln itnb zu bewahren wie mein Rheinländertnin. Aber über die nationalen Grenzen hinaus habe ich mich, zumal seit dem Kriege und durch ihn, als Mitglied wie meines Gesamtvoltes, so der Menschheit — und zwar zunächst ihrer „abendländischen" KulturgrtiPPe — fühlen gelernt. Ich war nie Rassesanatiker, nie antisozialer bürgerlicher Knstenmeitzch nie engstirniger Nationalist . . . ^eit dem Kriegsende ist es mir zur unwiderrusliehett Ueberzetigung getvorden, daß nicht nur wir Deutsche, daß wir Weiße Zusammenhalten ^müssen im Kampfe für unsere Kulturgüter gegeti drohende Neberslutuitg durch die Barbarei. Muß lch bei solcher Einstellung noch hervorhebert, daß ich den Autisemitisntus als rückschrittliche, lultrrr- und enNvicktungefeindliche Verirrung ablehne und bekämpfe?! Daß mir aU- Deutscher gilt, wer an deutscher Geistig,feit und Gesittung Anteil besitzt und fordert, einerlei, welches sein Bekenntnis und seine „Rasse" sein möge?! Aber des Dichters Ausgabe ist es nickst in erster Linie, Thesen ztt verfechten und Zu Problemen „Stellung Zn nehmen". Er soll gestalten! . . So habe ich hiueingegrissen in die gärende Gegenlvart und Gestalten herausgeholt urtd widereinander gestellt . . . Was für „Lehren", für „Erkenntnisse", für „Ueberzeugnugen" aus dem In- und Widereinattder dieser Meuschengebilde Ztt gewinnen sein möchten — das Ztt erkennen und 31t würdigen, muß ich meinen Lesern überlassen. Möchten sie das eine fühlen: Hier spricht und bildet ein Liebender — ein Mensch, der alles, was Menschenantlitz trägt, mit gleicher Hingebung und Aufgeschlosseuheit umfaßt uitd keinerlei Gegensätze zwischen seinesgleichen anerkennt als die Stufen der Güte, der Tüchttgkett, der Schassensmacht."

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