Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 51 (18.12.1925)
- Date
- 1925-12-18
- Page
- Seite 798 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- 798 tvahrend der Debatte tat, psychologisch und zeitgeschichtlich wertet, findet ein Faktum, von dem wir nun, da Siegfried Wagner das F r i e d e n s \v o r i gesprochen hat, in aller Ruhe reden können. Danach ist es unbestreitbar, das; die Schkammwelle des marktschreierischen lind banausischen Hitler-- tums sich an das Bayrcuther Festspielhaus gewagt hat und auch dis in die Villa Wahnsried, die Richard Wagners irdische Reste unter der ephemnnsponnenen Grabplatte birgt. Es ist ebenso wahr, das; man an diesen beiden Orten den Damm gegen die schmutzige Flut nicht stark genug gemacht und das; man mit denen geliebäugelt hatte, die von Richard Wagners Nationatwcrk so wenig wußten, das; sie glaubten, ihn zu ihrem Parteiheitigen machen zu können. Aber erst recht ist es wahr, daß diese Sympathie Bayreuths für die ungebildetste aller Parteien inzwischen anfgehort hat. Bayreuth hat gelernt, sich kritisch 51t ihr einzuslellen, und das kann nichts anderes bedeuten als: ablehnend. Bayreuth hat geprüft, was es verlieren, was es gewinnen kann, wenn es auch nur den Anschein erweckt, als wolle es die Fahne dieser absterbenden Gruppe hissen. Es ist zu dem Ergebnis gekommen, das; der Gewinn gleich Rull, der Verlust aber uneinbringlich groß sein müsse. Was Siegfried Wagner an diesem Abend sprach, war als Rückzug tapferer, als mancher Vormarsch ist. Er e r k l ä r L e sich für v 0 l l k 0 m m e n a p 0 l i t i s ch. Er stellte fest, das; ihm „jede Nationalität und Rasse" in Bayreuth gleich willkommen sei. Rückhaltlos stimmte er denen zu, die auf den besonderen Eharakter Bayreuths als eines neutralen Sammelpunktes hinwiesen. Er widersprach nicht, sondern er bekräftigte es, als ein Redner betonte, das; schon 311 Richard Wagners Lebzeiten diese Linie edler Neutralität zwei Männer wie Hans v. Wolzogen und Hermann Levy verband. Nur ein einziger Redner, itm von jener Ausnahme zu sprechen, wollte Del ins Feuer gießen. Es war ein Professor der Musik, jüdischen Ursprungs, der eine Attacke gegen alle ritt, die überhaupt irgendeinen Einwand, selbst einen künstlerischen, gegen das Bayreuth von früher oder heute jemals gewagt hätten oder je wagen würden. Er deutete auch das Verhältnis der Presse zu Richard Wagner ganz zuungunsten der Presse und mußte dann hören, daß viele Zeitungsmänner, und nicht zuletzt Juden, mit Schneid und Opfermut für den großen Tonmeister gestritten haben, mindestens so viele für als gegen ihn. Die kleine Störung ging rasch vorüber. Ter Aussprache entstieg wirkungsvoller und nachhaltiger die Tatsache, daß die B e r l i n e r P r e s s e, g l e i ch v i e l w e I ch e r P a r t e i, das Parteimäßige ausgeschaltet zu sehen wünscht, wenn das klangvolle Wort „Bayreuth" vernommen wird. Die Identität zwischen diesem Wunsch und den nun geklärten Grundsätzen Siegfried Wagners wurde -unzweideutig hergestellt und wird sich auch ' außerhalb der Reichs-Hauptstadt geltend machen. Bayreuth gehört nicht dir oder mir, Bayreuth gehört uns allen. Hier entscheidet nichts als die Kunst. Nichts als die wohlverstandene und darum entwicklungsfrohe Pietät. An die Pfosten dieses Tempels werden Parteiprogramme nicht angeschlagen, heute nicht, niemals. Dann erst ist Bayreuth echter Kulturboden, der mit der Vergangenheit die Zukunft düngt. Dann erst ist Bayreuth ein deutsches „N a t i 0 n a l t h e a t e r", weit überlegen den Parteigründungen, die jetzt wieder nach einer ,,Nationalbühne" schreien und nie über das Geschrei hinauskommen, erfreulicherweise. Wieviel Orte außer Bayreuth besitzen wir Deutschen? Orte, die über die grausamen Fragen und brutale;; Gegensätze der Zeit hinausrageu und e i n Dach bilden für alle, die des cjnten Willens sind, in geistigen und künstlerischen Dingen friedfertig nebeneiuanderp'.hansen? Außer Bayreuth gibt es nur noch einen. Er heißt W e i m a r , Sri n n c r u 11 g s st ä t t e an die H ö ch st l e i st u n g deut s ch e n W e s e u s , voll der Spure n e i n e r T 0 l e r a n z, die den Menschen nach nichts als seinem Werte abschätzte. Wenn dieser Geist des gegenseitigen Verstehens nun die Tanbenflüget wieder über dem Hause eines deutschen Genies anfsyannt, wenn wir wieder nach Bayreuth ziehen werden, ohne daß die Fanfare des Bürgerhasses uns andröhnt, ist das zugleich eine Mahnung, die Stadt der Goethe und Schiller, der Herder und Wieland zu ehren, indem man sie rein erhält. Fritz Engel. * Nachstehenden an Herrn Rechtsanwalt Sr. Bruno Weil gerichteten Brief verossenNichen mit mit Erlaubnis des Empfängers. Berlin, den 12. Tezember 1925. Sehr verehrter Herr Doktor! Der ausgezeichnete Verlauf des Abends im Verein Berliner Presse, der durch Ihre Vermittlung zustande geloinmen ist, gibt mir Veranlassung, Ihnen meinen herzlichsten Dank für Ihre gütige Für sorge a 11 e-zin pr echeu. Ich hoffe, das; durch die Worte, welche ich an dem Abend sprach, alle Mißverständnisse, die etwa noch in der großen Hin; st gemein de Berlins bestunden haben mögen, ein für allemal beseitigt sind. Meinen Dank wiederholend, bin ich Ihr ganz ergebenster gez. Siegfried^ Wagner. Grkläruug. Herr Rcchtsanwalt Foerder (Breslau) bittet uns um Ausnahme folgender Erklärung: „Sie beiden von dem Vvrsiyenden des Verbandes nationaldeutscher Juden, Herrn Sr. Naumann, gegen Herrn Rechtsanwalt Foerder angestrengten Bclcidigungsvrozesse nub aus Grund der Amncsticverordnung, die anläßlich des Reichspräsidentenwechsels erlaben wurde, eingestellt worden. Sr. Naumann hatte gegen die-'Einstellungsbeschlüsse des "Amts- und Landgerichts Berlin beim Kammcrgericht Beschwerde eingelegt. Leide Gerichte haben diese Beschwerden zurückgewiesen. Sr. Naumann hatte sie damit begründet, die Amnestie könne keine Anwendung finden, weil das Vorgehen von Nechtsanwalt Foerder gegen ihn von Haß, Roheit der Gesinnung oder sonstigen niedrigen Beioeggründcn diktiert ivordcn sei. (Beim Borliogen derartiger Gründe soll nämlich die Amnestie nicht angewcndet werden-) Sie beiden Gerichtsbeschlüsse stellen übereinstimmend das Fehlen solcher Motive fest/ , Herrn Sanitätörnt Dr. Wehser. Sie werfen Herrn Dr. M«rx Fält schungen vor. offenbar in dem Glauben, daß er aus Ihre Vorwürfe nichts zu 1 erwidern har. Dieser Glaube ist gänüich irrig. Die Herren Rabbiner Dr. I 93 a t cf . Neichsiagsabgcocdncter Dr. Ludwig Haas und Iustizrat Sonnen«! f e l d gaben sich bereit erklärt, zusammeuzutreten und Ihre Vorwürfe zu prüfen; ihr Spruch wird demnächst bekanntgegeben werden. •ContlneniciV e.Fdbeta „ - ifn Hauptbahnhol'> Ernst J. Meyer. JÜJe Zimmer messendes Wasser. ÄnsatdlnTigßzlinmcr. ßchreibmascbiiiendlenst telegramme: ContiiioteL — Telephon: 40 n. 1101. r~~-; LS.J 100 versch. Aoian, Mnka.Ausir£lien2M 70 S.sbrto Preis!. such fiter Alten, kostcnl. Lias ll:rbsr,'Wck!i..h' nrn'ag.S. C' r-? r^\ r*-®. Aniran f — Verb an f. Monatl.Preisliste gratis. BI. Eliindlicfm Nfl. Bacl'urö.KsaJünilsrnsüaäl. tr. p "• n Feiusrer.gar. re in. Lin dem LNülem hell, aro-nat., neue ErMe. N>Pf0..Postdose M. 12.5-0 franko. Imkerei Holsaila, Qnläöom (Holst.) 10-L In SCKLACIITÜXG 1A RauehHelHCii ohne Knochen Pfd. 2,40 M. „ mitKnocben Pfd. 1,80 bis 2,<io M. In Kettunrst.Pfd. 2,20 M, kn Pfd 2.50 M. In KochTrur.sf.Pfd. 1,80 EL Rudolf Jona9, Pattensen (Leine). üiOEUf 5CHE .UlERT-ZIGflRETTE