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Central-Verein-Zeitung · 1925-12-18 · 51 (18.12.1925) · p. Seite 795

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
51 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
Seite 795 (sequence 5)
Language
German
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„Wehe, WLKK sie issgelKsfe^". Was uns 7923 zugeöacht war. — Eine Enthüllung nationalsozialistischer Pläne. d In Stuttgart lebt seit langem der Verleger und Schriftsteller Richard Ungewitter, der in Theodor FritschZ Halbmonatsschrift „Hammer" unD auch sonst in der völkischen Presse feine Werke zu r Nacktkultur anpreist. 'Das; diese Verlegertätigkeit seine Zeit nicht aussüllte. sondern das; er nebenher, anscheinend mit besonderer Energie und Hingabe, der völkischen Bewegung aktiv diente, beweist der hier wiedergcgebcne Brief, den der bekannte günstige Wind ans unseren Schreibtisch lvehte. Die Zeit, in der dieses wichtige Dokument geschrieben wurde, ist für uns deutsche Juden noch nicht vergessen. Hitler und seine n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e P a r t e i waren damals in blühendster Entwicklung. Eine Volksversa m m l u n g nach der anderen mit aufpeitscheudem Thema fand in München, in Bayern und auch hier und da in Süddcntschlarrd statt. S L n r m t r u P P s der Natio - u a! s o z i a l i st e n waren in großen und kleinen Orten ausgestellt, und Sonntags und Feiertags hielten sie vereinigt oder altem große militärische Hebungen ab. Der 1. Mai brachte in München ein stattliches nationalsozialistisches Aufgebot in Uniform und Waffen, aber die Negierung behauptete das Feld. Tie weitereu Entwicklungen sind bekannt. A in 9. u n d 9. N o v e m b c r dann die Proklamation der neuen N e i ch s r e g i e r u n g in Btünchen unter General L u d e n d o r f s und Hitler und tags daraus der Z u - s a m m e n b r u ch. lieber den völkisch gerichteten Eharakter dieser Borgange eil; Wort zu verlieren, ist wohl nnnötig. Was von den jugendlichen „Helden" Inden gegenüber zu erwarten war. zeigten die Vorgänge im K obnrgi scheu und Fränkischen, über die erst kürzlich hier an leitender Stelle gesprochen worden ist. In diese Zeit hinein weist der Brief, den"wir im Original und in Druckschrift veröffentlichen. Er zeigt, was uns zngedackst war. Der T n r n w a r t d e s M a i n - H a r d t e r T n r n b u n d e s sagt stolz, er habe in allen seinen Vereinen über d i e I u d e n - frage solo eit alisgeklärt. daß er von seinen Leuten sagen kann: „Wehe, wenn sie loogclasscn. Der Hast ist unter der Bauernschaft sowie unter den sogenannten Honoratioren fast allgemein geworden." Diese Voraussetzung scheint ihm wuchtig für die Bildung eines St n r m t r u p P s . über dessen Aufgaben man sich nach den vorhergehenden Worten nicht im unklaren sein wird. Mögen diese offenherzigen Auslassungen rückstchtsloser Gegner zeigen, was wir von ihnen zu erwarten haben: mögen sie aber vor allem dazu beitragen, die jüdischen Deutschen aus der Gleichgültigkeit flntf anszu rütteln, die sie jetzt wieder den sich anbahnenden Politischen Entwicklungen entgegenbringen. Wenn wir auch nicht meinen, daß diese sich cnhSchwere und Ernst mit der Lage des Herbstes 1923 niesten können, so wird es nicht nur gut, sondern unbedingt erforderlich sein, daß jeder aus dem P o st e n i st , und daß vor allen Dingen D e m F ü h r e r im K a m p f e, unserem Eentralvcr-ein, jegliche 11 n i c r jt ü tz u n g zuteil w i r d. Der Brief lautet also: övich'Üngewitter.öchnststkß'eru.^lerleger Ötufigerf, .(?iIvw^.1H4) ft-mf?£52? Av% V0^tsUvT ia* ty\- /UAA* t^yVVrv/*I » 'v^av*>v* wi «'A ,/rl*U/Ut . AVj /i-vJlr. /wvvvn \h\ fv** , i4svvW-Cv?,v.V, ^2vvT| aC /vvifl;/|V j ***** /Wv3 f Op _; jijy :A vr<v --— /VCVW, . ynXv. ,5uv j'T" , Ul L -M «ff* -- Wg vW *ivvW^|vJ/5uA a^;^6v{ */H . - Am . .. . Urnschrist des vorstehenden Drieses. Stuttgart, den 19. Ssters 1923. Fernsprecher 8ö22. An den Dors-and der Ortsgruppe der Nationalsoz. Teutschen Arb.-Partei, Stuttgart. Am 21 Hartung schreibt mir ein Freund: „Seit einem Jahre bin ich Tnrnwart des Acain-Hardter Turnerbundes. Es tritt nun die Ausgabe an mich bercm. Turuerbimd, Iriegcrverein und, wenn cs möglich ist, eine neu zu gründende Schüyeugeseus6>rft zu vereinigen. In allen Vereinen habe ich über d i e I u densrage soweit a u s g c k l ä r^t, so daß ich von meinen Leuten sagen kann: „Wehe, wenn sie losgelapien." T'er Hast ischunter der Aauernschast sowie unter dm sogenannten Honoratioren fast allgemein geworden. Ich würde nun die Bildung eines Sturmtrupps übernehmen und durchführen, smoeit dies eben unter den hiesigen Verhältnissen möglich ist . . . Ich beabsichtige, mich auch mit den Nationalsozialisten in Verbindung zu setzen. . ." lrche Duldung der einen zu der geselischaftszerstöreltden Geavalt der anderen. Wollen w i r;rud null sich das Gesetz wirklich damit „a b s i u d e n", daß „heutzutage" die Blenichen aufgeregt, die Sitten gelockert, die 111or:tat geschwächt, die Disziplin untergraben und rohe Genua!t. soziale Verfolgung, politischer Terror bis zu Mord und Totschlag Trumps ist?! Sollen Partei-, Klassen- und Nasseuhaß grun.dsäulich über ^i! trüge setz und geschriebenes Necht siegen; wollet; wir die Segel streichen vor brutaler Gewalt und dreistem Verbrechen!? Dann können Nur uns getrost des Anspruches auf Gesittung und auf moralische Anerkennung in der größerer; Welt begeben. Tann haben wir uns aber auch nicht mehr darüber zu bellaaer;, tveru; unsere wirtschaftliche Krajt und unsere politische Mackst zu versinken drohen, denn letztlich erwächst und erhält sich' altes nur ans den moralischen Krästei;, die in einer Nation lebendig sind. Die Mord Prozesse der letzter; Nkonate werden jeden, der noch ein halbwegs nnverbogenes Empfinden besitzt, mit tiesstem menschlichen Absehen erfüllen, aber es muß darüber hinaus allen klar lverden, daß es sich bei ihnen nicht nur urn eine einzelne Tat, sondern um ei:; Smnptou; allgemeiner sittlicher Verwilderung handelt, der gegenüber die nnverantworttiche Gleichgültigkeit und stillschweigende 'Dnldung nach und nach so selbstverständlich zu werden scheint, daß es die höchste Zeit ist, zur Aluoehr zu greisen. Diesen Abwehrkampf zn sühren, kam; nicht nur den Nichten; überlassen tverden. von denen sieh manche ofsenbnr heute lveit mehr für politische Psychoanalyse als für ihre schwere rechtspädagogische Verantwortung interessierci;. Die Abwehr hat um der Würde des ö s f e n t l i ch e n Lebens und des politischen N u s e s unserer Natron willen jeder einzelne zu führen. Cs gibt niemanden, den es nicht anginge! Tua res agitur! „Deine eigene Sache st e h i auf dem Spiels ^Nachs". »ölkische Höchstleistung^,. Tie „Deutsche Arbeiterzeitung", das Hitler-Organ Ostpreußens, hat ein Flugblatt „Locarno-Zauber" in K ö n i g s b e r g verbreitet, das an schmutzigen Beschimpfungen des Jnden.tums alles weit hinter sich läßt, was in letzter Zeit a::s diesem Gebiet das Licht der Welt erblickt hat. Es wendet sich im wesentlichen an die Arbeiter, und fast in jeder Zeile des vierseitigen Blattes werde;; die Juden alS skrupelloses Gesindel abgemalt, das planmäßig Deutschland zugrundegerichtet hat und nun aus den Trünnueru des Deutschen Nciches den Einwohnern Deutschlands das Letzte nimmt. Wer würde sich darüber wundern, wenn der oder jener, durch solche vor nichts zurückschreckenden Verleumdungen ansgepeitscht, nun an den Juden, die alles Unheil Heraufbeschnooren haben, auch wirklich Rache nehmen wollte? Und dazu wird offen austzesordert; denn es heisst ans der letzten Seite des Flugblattes wörtlich: „Deutsche Arbeiter! 2$ sinken bodenständige Völker, die sich von vagabundierenden Stinkjuden ihrer Bodenschätze berauben lassen, herab zur Handelsware. Dahin haben Euch Eure Führer und Regierungslente gebracht: Handelsware aus dein iirternationalen <5ckavenu;arlt!" . . . Tie jüdischen Varnpire und Schlachtseldhyänen wollen darin eine Garantw für ihren Frieden habe;;, damit sie in aller Ruhe den von ihnen blutleer gemachten Böller;; auch;;oeh das Fleisch von den Knochen schälen können. Es gibt nur eine Antwort: Fort mit Versailles bis Locarno. Rache den Juden und Judenlnechlen!" Die Ortsgruppe Königsberg hat gegen den Hersteller und Verbreiter des Flugblattes entsprechende Schritte unternommen.

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