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Central-Verein-Zeitung · 1925-12-18 · 51 (18.12.1925) · p. Seite 794

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
51 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
Seite 794 (sequence 3)
Language
German
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794 Sieg verhindert, das; sie schmählich zum Vaterlandsverrat verführt haben oder schmählich zürn Vaterlandsverrat sich haben verführen lassen. Auch in diesem Prozeß wurden, von den großen grundlegenden Behauptungen abgesehen, auch in Einzelheiten Aeußerungen gemacht, die so unbegreiflich sind, daß sie eine Fcßlegrmg verdienen. Der Oberst Jochim sagte als Sachverständiger, daß die Soldaten anderer Armeen erheblich genügsamer gewesen mären als der deutsche Soldat. Mit Recht wurde diese empörende Behauptung von einem richtigen Frontsoldaten, der als Zeuge vernommen wurde, dem Volksschullehrer Ludwig v. Rudolph, einem Inhaber des bayrischen Mar-Ioseph-Ordens, voller Entrüstung zu.rückgewiesen: ,chZch muß hier auf das Wort des Sachverständigen Jochim Hinweisen, das mir und Vielen anderen Frontsoldaten einen Emporunasschrei ausgepreßt hat, daß die Soldaten anderer Arnneen genügsamer gewesen seien wie der deutsche Soldat. Ich verstehe nicht, wie ein deutscher Ossizier sich so über seine eigene Truppe äußern kann. Das beweist mir aufs neue, mit welcher Ahnungslosigkeit diese Herren von dem Stabe den Tatsachen gegenübergestanden sind/ Wie erklärte sich die schändliche Beschimpfung der deutschen Soldaten und des deutschen Volkes durch die gemeine Dolchstoßlegende? Mau wollte mit ihr die Fehler der Führer verdecken; man wollte aber auch 'jenen Richtungen im deutschen Volke, die in völliger Verkennung der tatsächlichen sRachtVerhältnisse sich für eine ausschnoeifende Auuerwmspoli-ck eingesetzt hatten, nachträglich bestätigen, daß sie doch recht behalten hätten, wenn nicht dunkle Kräfte den Sieg verhindert hätten. Um das Ansehen der Führer zu retten, beschimpfte man den Soldaten. Um die Narrheiten von Schwämru in der Presse und an Stammtischen, um die törichten Phantastereien gewisser Leute, die am warmen Dsen die halbe Welt erobern wollten, nicht preisgeben m müssen, beschimpfte mau das deutsche Volk. Diese 'Niedertracht gegen die nationale Würde, diese Dummheit gegen die nationalen Interessen auch denen gezeigt zu haben, die bis jetzt noch nicht zur Erkenntnis gekommen waren, bleibt ein Verdienst des Münchener Prozesses. Daß Tausende unbelehrbar sind, muß als 'unabwendbare Tatsache hingenommen werden. Es wird übrigens auch genug Männer und Frauen in ganz rechtsstehenden deutschnationalen Kreisen geben, denen die unbegreifliche Politik des Generals v. Ludendorfs n n ch dem Kriege doch die Frage aufgedrängt hat, ob dieser Mann den klaren Blick gehabt hat, der an so bedeutsamer Stelle unerläßlich war. Nicht der Soldat und nicht das Volk haben unsere Niederlage verschuldet; die Führung hat die Fehler gemacht. Front und Heimat traten im ehrlichen Glauben an den Verteidigungskrieg in den Krieg ein. Durch unsinnige Annerionspläne wurde dieser Glaube, die stärkste Kraft für deu Sieg, der Front und der Heimat genommen. Auch politisch beraubte man sich all der Möglichkeiten, die die konsequente Vertretung des reinen Verteidigungsgedankens uns mehr wie einmal gab. In völliger Verblendung wurde die Macht der Feinde, vor allem die amerikanische Kraft unterschätzt. Der Pflicht, die körperliche und seelische Leistungsfähigkeit des eigenen Volkes richtig einznschätzen und zu prüfen, welcher Grad der Belastung möglich sei, entzog sich die Führung. Tie einfache und nüchterne Erkenntnis Friedrichs des Großen-, daß die Verproviantierung der Truppen erste Vorbedingung einer erfolgreichen Kriegführung ist, war vergessen. Tie halbe Wahrheit, Wille gleich Sieg, wurde unfer Verderben, weil die Erkenntnis fehlte, daß der Wille, der Unmögliches erstrebt, zum Zusammenbruch führen nun;. Es ist auch in diesem Prozeß daran erinnert worden, wie besonders durch die Schriften des Lehmannschen Verlages die Anschauung verbreitet wurde, das; ein Berständigungsfrieden die deutsche Zukunft vernichte. Wie glücklich untre unsere Gegenwart, wie groß wäre unsere Zukunft, wenn wir nicht als Sieger, aber unbesiegt, statt mit dem Versailler Diltat belastet, mit dem alten Besitzstand und ohne Kriegsentschädigung, jetzt so unwahr Reparationsverpslichtnng genannt, den Krieg beendet hätten. Ich bestreite nicht, daß die wilden Annexionisten auch in ehrlicher Vaterlandsliebe ihre Forderungen ausgestellt hatten. Aber sie waren in einem furchtbaren Irrtum besangen. Anstatt dann, wie es Schmerz und Scham erfordern würden, trauernd zu schweigen, drängten nicht wenige von ihnen wieder in den Vordergrund und sprengten ohne Rücksicht auf den Geist der Volksgemeinschaft die Lüge vom Dolchstoß aus. Daß man ihnen im Unglück des Volkes trotzdem vielfach Gehör schenkte, daß man sie überhaupt sprechen ließ, ist eine der großen Unbegreiflichkeiten unserer Zeit. Die deutschen Juden, die ganz gewiß zu all den Problemen, die Krieg und Niederlage gebracht haben, in sehr verschiedener Weise Stellung nehmen und nur e i n gemeinsames Ziel, die Rettung des deutschen Vaterlandes kennen, haben an der Aufklärung, die dieser Prozeß gebracht hat, als Deutsche, aber nicht als Juden, ein Interesse. Die dunklen Kräfte, die Deutschland vernichtet haben, sollen zwar je nnef) der verschiedenen Einstellung der verwirrten Köpfe nicht nur S v z i a l i st e n, Katholiken, Jesuiten, Freimaurer, und ich weiß nicht, was sonst noch alles, sein; auch die Juden sollen in ganz besonderer Weise au dem Dolchstoß beteiligt sein. Die Stolzen und Ausrechten unter uns hatten für diese Behanptmlg immer nur ein mitleidiges Lächeln; wir brauchen keine Aufklärung durch das Münchener Cchöfsengericht. Die v e r st ä n d i g e n M enschen habe n für die Wü r d i g n ng großen g e s ch i ch t l i ch e n Erlebens einen anderen M a ß st a b als den, der e n g st i r n i g e r antisemitischer Hetze entspricht. F ü r d i e R a s s e n f a n a t i k e r aber g i b t e s keine A u f k l ä r u n g. Wir denken an unsere zwölftauseud Toten und sagen einfach und schlicht, daß der deutsche Sieg auch unser Sieg gewesen wäre, wie die d e u t s ch e Niederlage in all ihren surchtbaren Folgen auch unsere Niederlage ist. Ei lies vor allem wissen wir: Man dient dem Volke nicht damit, daß man in schwerer Not Volksgenossen gegeneinander hetzt; man dient ihm mit der Lehre, daß die Not der Gegenwart in harter Arbeit überwunden werden muß und daß der Glaube an die deutsche Zukunft die stärkste Kraft des Wiederaufbaues ist. Ein Nachwort zu Den Feureprozessen. Von Dr. Marie Elisabeth Luders, M. d. N. Bei den letzten Wahlen wurde eine erschreckend große Anzahl junger Leute aller Altersgruppen — zum Feil sogar noch Schuljungen — sesrgenommen, die sich an politischen Prügeleien mit mehr oder weniger gefährlichen Waffen und mit dem Erfolge mehr oder weniger schwerer Körperverletzungen beteiligt hatten. Bei einer dieser Raufereien verlor ein junger Mann sein Leben, in einer anderen wurde einer des Augenlichts beraubt! Schon damals fragten sich viele, wie es denn möglich ist, daß so viele junge Leute trotz des Verbotes des Wasfentragens immer wieder mit geführlid^n Instrumenten aller Art ausgerüstet sind und weshalb nicht endlich mit einem radikalen Verbot des Tragens von Stahlruten. Gummiknüppeln. Hitler-Pinseln, Schlagringen und so weiter diesem gemeingefährlichen Treiben ein Ende gemacht wird. Es wäre interessant zu hören, ob wenigstens der Nute r r i ch t s m i n i st e r endlich mit rücksichtsloser Scharfe unter den Schulbuben eingreifen will. Es würde sicher zur politischen Beruhigung dieser unreifen „Hoffnung der Ration" dienen, wenn jeder Schuljunge, der cn der Teilnahme bei politischen Demonstrationen betroffen lvird, mit Fürsorgeerziehung bedroht wird. Die Eltern aus Berl i n \VW würden dann wohl in Kürze für ihre Söhnchen an dem Studium von Eäsars literarischen Kämpfen mehr Gefallen finden, als an deren politischen Rad- und Autostreifen mit Fahnen und Musik. Und auch in den Arbeitervierteln würde die Heranwachsende Jugend sich bald gefahrloserem Zeitvertreib an den Wahlsonntageu widmen, als es politische Umzüge und Versammlungen sind. Wenn die Eltern selber, die doch sonst ein großes Geschrei um jeden angeblichen Angriff aus ihre Elternrechte erheben, ihre elementarsten Erziehungspflichten ebenso unverantwortlich versäumen, wie sie offenbar jeder Autorität bar sind, dann muß ihren eigenen Mängeln zum Ruhen ihrer Kinder und zum Schutze der Gesamtheit leider von oben her mit Nachdruck aufgeholfen werden. Aber — wird vielleicht mancher sagen —, was sind diese Prügeleien im Vergleich zu den grauenhaften Morden, die in jüngster Zeit abgehandelt wurden? Morde? Wie cs scheint, ein ganz falsches Wort, sondern Taten von Uebcrzcugungs- Verbrechern, die glauben „ans sittlicher, religiöser oder politischer Uebcrzcngung zu ihrer Tat verpflichtet zu fein". Als solche sollen sie wenigstens nach dem neuen Entwurf zum Reichsstrasgesetzbuch beurteilt und ihnen die Brücke zur goldenen Freiheit offengehalten werden. Wir sind auf dem besten Wege, durch weltgeschichtliche Erlebnisse in unseren einfachsten Moral- und Ehrbegriffen unsicher gemacht, in geistig-seelischer Hilflosigkeir aus der schon für das persönliche Leben recht fragwürdigen Weisheit: alles verstehen, heißt alles verzeihen, auch für das össeutliche Leben die Konsequenz zu ziehen. Diese Konsequenz führt über die schwäch-

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