Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 786 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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786 Simon Dubnows Gefthichtswerk. Don Professor Dr. I. Elbo^err. Etz entspricht Professor DubnowZ vornehmer Gesinnung, wenn tzr sein monumentales Gcschichtswerk^) mit einer vollen Anerkennung der Leistungen seiner Vorgänger, beginnt, obwohl er in seiner Auslastung grundsätzlich von ihnen abzuweichen glaubt. Worin bestellt der Gegensatz? Darin, daß Dubnow statt der älteren „spiritnalifti- Ausfassung der jüdischen Geschichte die „soziologische" zugrunde iEgt, „daß das jüdische Volk in allen Zeiten und in allen Ländern, immer und überall, ein Subjekt, ein Schöp'er seiner Geschichte, nicht nur. ans dem geistigen, sondern auch auf dem Gebiete des sozialen Lebens überhaupt war. Sowohl in der staatlichen als auch in der!taatlosen Periode seiner Geschichte tritt das Judentum mir dem tark ausgeprägten Charakter einer Nation, nicht mir als einerreligiösen Gemeinschaft, unter anderen Nationen ans. Diese stets /ebcnslrästige Nation kämpfte inuner und überall für ihr autonomes Dasein sowohl in ihrer sozialen Lebenschhare^ als auch auf allen anderen Gebieten des Kulturschassens" (S. X\). Diese Auffassung ist nicht völlig neu, zumindest Graetz stand ihr recht nahe, sie ist auch in ihrer Einseitigkeit ebensowenig richtig mrd durchführbar wie heute die frühere. Es ist überhaupt bedenklich, moderne Begriffe, die eine schlagwortartige Bedeutung erhalten haben, ohne weiteres ans alte Zeiten zu übertragen; auch Dubnows Beariss eines „geistigen Nationalismus" (Bd. 1, £. 261) stößt aus erhebliche Schwierigkeiten, seine Grundlehre vom „Antonomisinus" des jüdischen Volkes beruht auf einer Verwechslung autonomen Daseins mit den: streben nmch Selbsterhaltung und Selbstoerwaltnng unter fremder Gewalt. Die jüdischen Detbstverwaltungsorgane bei sonst völlig rechtloser Abhängigkeit und sozialer Ausstoßung sind keineswegs Zeichen einer Autonomie, und die Bewegung der letzten Jahre zur Erlangung der ,,-liechte der nationalen Minderheiten" für die Inden ist darmn so kläglich gescheitert, weil die Inden keine nationale Minderheit im 3imic dieser Forderung sind und kein Staat daran denkt, ihnen neben der vollen Gleichberechnäung dieses Sonderrecht zu gewähren. Die jüdische Geschichte ist ebenso eigenartig wie das Dasein der Juden und sehr schwer ans eine einheitliche Formel zu bringen. . Man muß Dubnows Forderung' nach Wirtlichkeit-sinn, nach ..Erkenntnis der wahren Eristenzbedingnngen. unter denen das jüdische Volk seine soziale T-Z. .Y~ " 1 «..f. Ü 4 4.4 % wf, fc. die jüdische Geschieh'.e im Zusammenhänge der allgemeinen Gc-'chichte verständlich zn nrachern Es ist aber u-iederum eine einseitige Ueverspannuna, von einer „Weltgeschichte des jüdischen Bellcs" zn sprechen — so etwas gibt es trotz der Erläuterung in der Einleitung (3. XIII') nicht. Was gemeint ist, würde richtig „Geschichte des jüdischen Volkes jm Nahmen der Weltgeschichte" heißem Dubnows Geschichte ist die Frucht sorgfältiger unb tief eindringender Arbeit eines vollen Menschenlebens. „In der letzten Redaktion schwoll i) Simon Dubuoro: „Dellgkschichte des jüdischen Volkes. Von seinen Kr« vnfangen bis zur Gegenwart/' In Zehn Bänden. Autorisierte llebcrscüung aus dem Russischen von Dr. A. Steinberq. Orientalische Periode: Bd. 1: «on der Lntsrchunq des Volkes Israel bis zum Ende der Persischen Lcrnhc't in Judäa, XXXI und 4kO S.; Bd. 2: Vorn Beginn der gricchochen Herrn1>ast in §udäa bis zn dessen Zerstörung durch die Römer, €01 S. Berlin, Jüdischer «erlag. sie bis zu zehn Bänden an, die den gesäurten geschichtlichen Umkreis von ver Entstehung deZ Volkes Israel bis zum letzten Weltkriege umspannt. Die ungünstigen Zeitläufte verhinderten vorerst die Veröffentlichung der druckfertigen Bände, und erst jetzt ist es möglich geworden, sie gleichzeitig in russischer, deutscher und hebräischer Sprache erscheinen zu lassen." Der letzte Teil des Gesamtwertes, die „Neueste Geschichte des jüdischen Volkes", ist vor einigen Jahren erschienen und hat vermöge feiner geistvollen, anschaulichen Darstellung und seines reichen Inhalts zahlreiche dankbare und begeistere Leser gesunden. Jetzt liegt Vaud I vor. der zllnächst eine „Allgemeine Auffassung, der jüdischen Geschichte" und eine „Perivdisierung und Stoffverteilung"') bietet und sodann die älteste Geschichte Israels behandelt. Die Vorzüge der Darstellung sind ans den früher erschienenen Bänden bekannt. Tie glänzende Durcharbeitung. die wohl durchdachte Disposition und der architektonische Ausbau des'Stoffes sowie die geistreiche/ schillernde Dittion konunon auch hier zur Geltung, lleberdies bietet Dubnow uns die erste jüdische Darstellung dieser Zeit, welche die Ergebnisse der Ausgrabungen in Aegypten und in Vorderasien und die unermeßliche Erweiterung unserer Kenntnis der alten Welt berücksichtigt. Freilich ist die Anssassung nicht inuner selbständig und namentlich von Kittels „Geschichte des Volkes Israel" stark beeinflußt; aber der Verfasser versteht es vortrefflich, den Lestw zu fesseln und ihm ein lebendiges Vild dieses ihm sonst nur in denk kleinen Ausschnitt der „biblischen Geschichte" bekannten 3tofses zu bieten. Dubnows eigene Amsanmig kommt in diesem Bande, der in der Hauptsache die Zeit der cigeuen 3taat!ichkeit des jüdischen Volkes behandelt, wenig zum Ausdruck. In einigen „Ergänzungen und Exkursen" rechtfertigt er seine Einstellung zn nächtigen grundsätzlichen Fragen, vor allem 31t denen der Bibelkritik, in leichtsaßlicher Darstellung. Volle Anerkennung verdient die Nebersetznng von A. 3teinbcrg; wenn sie auch hie und da Seltsamkeiten auswcist, ist sie doch unvergleichlich bester als die der „Neuesten Geschichte". Ein SclMheiwsehler muß vermerkt werden. Sämtliche Bibelzitate sind nach der Uebersetzung von -Nnutz'ch gegeben, obwohl diese weder gut noch frei von antijüdi'cher Tendenz ist — eine dringende Mahnung, rccht bald eine »gute jüdüche Uebersetznug zn schassen. Diese Anzeige war bereits geschrieben, als mir Band II zuging. Derselbe weist die Vorzüge de-L ersten Bandes aus und vermehrt sie dadurch, daß Forschung und Darstellung weit selbständiger sind. Man wird nicht mit alten Anschauungen des Verfassers übereinsliinmen (seine Erklärung des Gegensatzes der Vharisäcr nn.d Sadduzäer z. V., auf die er großes Gewicht legt, befriedigt cbensoioenig wie diejenige der Entstehimg des Ehristeunnns), aber man nnrd von tiefer Ehrfurcht vor dieser "ernsten Arbeit und von Bewunderung für diese Gestaltungskraft erfüllt. 2) Ucbcr beide werde ich an euderer Stelle mehr schreiben. Hölnrlcti Msck Nachf« Ulm 0*0* eokie“ Esefoe § Mi© ugje EZaffeemasetoime A seit mehr als GO Jahren als beste Kaffeemaschine der Welt bekannt. Von allen empfohlen, die dieselbe längere Zeit Im Gcbraucn haben. Einfachste,sauberste Bedienung. Gleich mä-ssitc gutes, reines.!•; rät(i^es Getränk. Grösste Sparsamkeit durch höchste Atisnutzun des Kaffees. Nur echt, wenn der Wasserkessel II. L i c k e Berlin gestempelt ist. H. ESCUE, ESRUN WO, LGIPZifliSa S? BASSE 30. 7n} ...Jal ( : ^n-7n -41—«j r —! i, U GLU Li Li t i. 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