Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 783 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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783 Gesetz und willigten in des Königs Gebot, so wollen doch ich nnd meine Söhne und Brüder im Bunde unserer Väter wandeln. Da sei Gott vor! Das wäre uns nicht gut, das; wir von Gottes Wort und Gottes Gesetz absielen. Wir wollen nicht willigen in das Gebot des Antiochns und wollen nicht opscrn und von unseren! Gesetze abfallen und eine andere Weihe annehmen/ An anderer Stelle' heißt es: „Und Mattathias schrie laut durch die ganze Stadt: Wer um das Gesetz eifert und dem Bund halten will, der ziehe mit mir aus der Stadt." . Die Makkabäer eiferten für den Bund und das Gesetz und hielten Gottes Wort heilig. Zur Erinnerung an diesen Kamps feiern wir das Ehanukkafest. In feinfühliger Erfassung dieser Tatsachen nannten die Alten das Fest nicht Makkabäersest. sondern Fest der Weihe des Altars. Der wieder geheiligte Altar war das erhabene Symbol, welches Israel einigte. Tie Menschen. wenn auch noch so groß, traten hinter den Altar zurück. Tas kann das einzige Ziel jeder wahrhaft jüdischen Politik sein, Gottes Gesell und Wort heilig zu halten nnd für seine .Heilighaltung zu kämpfen. Dafür kämpfen die Makkabäer. Darum feiern wir Chanukka. H o f f m a n n. tfr££5 Mit hochtrabenden Worten hat die deutsche völkische Presse (so „Völkischer Kurier" vom 20.Oktober, „Deutsches Tageblatt" vom 22. November) von ei nem a n t i f c m i t i f ei) e n Weltkongreß in Bndape st geschrieben. Streng geheim sollte er sein, aber er sei verraten worden. Das; dieser „Verrat" anscheinend durch einen Teilnehmer geschehen ist, wird wohlweislich verschwiegen. „Tie Namen der Kongreßteilnehmer lassenwir ungenannt, da die ‘ jüdi s ch e B e r sch w 5 re r m n ch t sonst sofort mit einem .Kesseltreiben gegen sie ein setzen würde." Ter folgende Bericht, der uns von besonderer Seite zugeht, führt sie auf. Es wird ihnen kein Härchen gekrümmt werden. Wer von den Juden besitzt Mordwaffen wie die völkische Feme in Mecklenburg nnd anderswo? Und wer würde überhaupt den Gedanken hegen, den Gegner mit Gewalt über die Klinge springen zu lassen? Der interessante Bericht, der die Uebertriebenheitcn der völkischen Organe ins rechte Licht setzt und erweist, luie völkischer H a ß s e l b st v o r B e r b r n d e r u n g m i t Feinde n des Vaterlandes sich n i ch t s eh ent, lautet also: Professor Euza, der Führer der rumänischen Antisemiten, erzählt in Bukaresler Blättern und auf Bersauttnlungen sensationelle Dinge über einen geheimen internationalen Llntisemitenkongres;, der im Monat Oktober in Budapest ab geh alten worden sei. Nach den Darstellungen Euzas sei es ein wahrer Weltkongreß gewesen, der das „jüdische Problem" in seinem ganzen Umfange und in allen seinen internationalen Beziehungen durchberaten und theoretisch gelöst habe. Tie Zeit sei nicht mehr fern, wo „der internationale Antisemitismus sich zur Tat aufrasfen und die Inden abschütteln werde". Der Kongreß, von dem Euza spricht, wurde am 3. Oktober tatsächlich abgehalten. Nur hat Professor Euza seinen Umfang und seine Bedeutung — sagen wir: stark übertrieben. Auch in Budapest gibt es Fremdenbücher, nnd auf Grund dieser ist folgendes festzußelleu: An dem „Weltkongreß" haben insgesamt neun ausländische Antisemiten teilgenommeu, und zwar E n z a , S o m o l e a n it und Bl v z a aus R u - mänien, S eh a g e r , T e u f f c I nnd K v r b e r aus W i e n und Pachta. Traun und Böplechns Bayern. Außer diesen drei Ländern w a r kein t a a t der alten oder der neuen Welt vertreten. Die ungarischen Nechtsradikalen behaupteten anfangs, es seien die AiKiseunlemührer von lll Ländern zu dem Kongreß nach Budapest gelommeu, als mau ihnen aber die Fremdenbücher vorhielt, schwiegen sie verlegen. Tie Wiener Antisemiten Schager und Teusfel haben übrigens in Zeituugserklärnugen gleichfalls nur die hier ausgezählten Kongreßteilnehmer nennen können. Der Plan der ungarischem Antisemiten ging dahin, in Budapest so eine Art Gcgcukongref; gegen der; Wiener Jkonislenkongres; zu arrangieren, und sie ließen tatsächlich an die Antisemiten aller Länder Einladungen ergehen. Schmeichelten sich ^auch wohl mit einem größeren Zulaus, denn es wurden Ende September in allen größeren Hotels von Budapest je zehn bis zwölf Zimmer für die ersten Oktobertage belegt, man nahm aber schließlich nur einige Zimmer im Hotel Bristol in Anspruch, wo die neun „Kongreß"-Teilue!)mer uutergebracht und auch das welterschütternde Ereignis selbst vor sich ging. Ein Weltkongreß im Hotelzimmer. Es war ursprünglich gar weht geplant. den Kongreß geheim zu halten, im Gegenteil, mau wollte der?ganzen Welt — und besonders der Judenschaft — in öffentlicher Berammlung die Macht des intcxnatioiialcn Antisemitismus zeigen. Zu einer geheimen Versammlung entschloß man sich erst, als man den internationalen Mißerfolg der Aktion feststeltcn mußte. Die Geheimhaltung des „Kongresses" gelang übrigens nicht, denn schon einige Tage nach der Abreise der Gäste kam die Sache auf. Was im Hotel Bristol besprochen wurde, hat Tibor v.Eckßatbt, der F ü h r er der E r w a ch enden Nt a g y a r e n, als kr wegen der Fraternisierung mit dem wildesten Feind der Magyaren. dem Professor Euza, im Parlament angegriffen wurde, in einer verlegenen Verteidigungsrede dargelegt. Das heißt, er ließ die international sattsam bekannten Phrasen der Völkischen der Neihe nach vom Stapel nnd legte dar, daß er sich gegen die „Iudengofahr" nicht nur Professor Euza, sondern mit Vergnügen auch dem Teufel verbünde. Denn schließlich seien doch auch an dem Sieg der Entente und der Bereicherung Rumäniens mit ungarischem Boden — die Juden schuld. Aus der anderen Seite machte E u za der rumänischen Oessentlichfeit Mitteilung von dem Dudapester Kongreß. Er unterzog sich den Mühen einer wochenlangen Propagandareise durch Rumänien, um überall im Lande zu verkünden: In Budapest haben Nur nicht nur die InDcnfrage gründlich bereinigt, sondern wir haben auch einen anderen Feind erledigt: die ungarischen Nationalisten, von denen unserem Land so große Gefahren drohten, haben uns die Bruderhand gereicht nnd mit uns den Friedenskuß getauscht! Rumänien kann ruhig sein, die braven ungarischen Nationalisten Helsen uns nicht nur gegen die Inden, sondern and) gegen die — Ungarn. Es gibt keine ungarische Jrredenta mehr! Der ungarischen Oessentlichkeit bemächtigte sich begreifliche Erregung, als sie von Eckhardts Verhandlungen mit Euza erfuhr. Euza ist nicht nur ein unersättlicher Judenfresser, sondern ein womöglich noch unersättlicherer Magyarenfresser. Ihm wird alles Böse zugeschrieben, das die magyarische Minderheit Rumäniens zu erleiden hat. Er veranlaßio die Sperrung der magyarischen Schulen Siebenbürgens: seine Gesinnungsgenossen waren es. die bei den Reise-- Prüfungen im Sommer an fast allen siebenbürgischen Mittelschulen die ungarischen Kandidaten durchfallen ließen, er hetzt ständig zur Konfiszierung der ungarischen materiellen nnd Kulturgüter in Rumänien. Tie Presie Eckhardts versuchte den Schritt des Führers mit ergreifenden Schilderungen der „Judengefahr" Zn entschuldigen nnd begreiflich zu machen, doch schließlich wendete sich selbst der Verein der Erwachenden gegen ihn, nnd die von Eckhardt selbst gegründete rechtsradikale „Presseakademie" gab ihm zu verstehen, daß sie auf seine weiteren Borträge verzichte. Auch die ruagparische Ocfseutlichkeit Rumäniens wendete sich empört gegen Eckhardt, Den sie Des Vorrates an Den heiligsten Gütern Des Magyarentnms zieh. Eckhardt fand cs demgemäß geraten, für die nächste Zukunft jedes öffentliche Auftreten zu meiden, und er hält sich seit Monaten auch dem Parlament fern. Das Euza - Abenteuer hat die Krise des ungaris ch mi Anti f e m itis m u s wieder um einen Schritt — einen gewaltigen Schritt — vorwärts gebracht. Der Magvaro ist überhaupt nicht Antisemit, und das völkische Geschrei, das mau im Ausland aus der Richtung der rotweißgrünen Grenzpsähle hört, wird immer nur von Eckhardt und äyulich?n Renegaten gemacht, die, wie der Fall Euza zeigt, ihrem Antisemitismus gern das Magyareutnm opfern. Am sichersten läßt sich ans die Stimmung eines Landes aus dem Konsum an Zeitungen schließen. Nun, eben zur Zeit des antisemitischen „Weltkongresses" hat eine der völkischen Zeitungen, „A Nep", endgültig das Zeitliche gesegnet. Tie zioeite, vegetiert mit zwei- bis dreitausend Lesern nnd ändert alle Monate ihre Erscheinungszeit. Tie dritte, „ölagvar.^üg", vermag sich nur zu halten, loeil sw den Antisemitismus nur als Nebengeschäft betreibt nnd das Organ des aristokratischeu nnd bnreaukraiischen LegitimismuS ist. Dagegen verfügen die fünfzehn liberalen Blätter über einen ansgebreiteten Leserkreis. Daß in Ungarn doch nicht liberal regiert wird, liegt an den Machtverhältnissen, die noch ans der Zeit nach dem Sturze des Kommunismus stammen nnd die die Organisierung der liberalen öfsentlichen Meinung mit dem Ansgebote aller Kräfte verhindern.