Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 50 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 782 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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782 Nur cinf dem Fundament einer völkischen Kultur ist eine gesunde Wirtschaft möglich. Die jüdische Geschäftswelt aber verkennt geflissentlich diesen Zusammenhang. Sie allein ist an Locarno interessiert, nur sie setzt sich für die Unterzeichnung des Paktes ein, während alle anderen Bolkskreise Argwohn und Mißtrauen erfüllt. Frisch urirb eine neue Lügenlegende zusammengesponnen: alle führenden Männer, die zur Unterzeichnung des Paktes geraten haben, sind fast ausschließlich Juden. (Siehe Morgenallsgabe der „Deutschen Zeitung" vom 24. November und Abendausgabe vom 26. November.) Deutschlands letzte Bewegungsfreiheit ist von ihnen ansgeopsert worden' für ein Linsengericht. Die sremdrassige Pressekanaille hat am Unterzeichnungstage gejubelt,^ hat Orgien einer leichtfertig-fröhlichen Berichterstattung gefeiert, weil der 1. Dezember uns wieder einen Schritt näher mi das Ziel gebracht hat, das ihr vorschwebt: die völlige Selbstaufgabe Deutschlands und die Zerschlagung jeder nationalen Regung. Damit sind die Grundzüge des neuen Märchens vom jüdischen Locarno zusammengestellt. Man sieht, zu einer unveränderten Melodie eine neue Tertcimage. Wo sind die Grundlagen für jene' schnurrige Kultnrltzeorie, die die Wirtschaft mit Seelenruhe verlumpen, den Produttioirsapparat zerfallen und die Menschen in Arbeitslosigkeit verhungern läßt, weil die „Knllnrbedingnisse" der Wirtschaft vorausgehen? Wo hat rnan die Beweise dafür, daß alle führenden Männer, die zur Unterzeichnung dls Paktes geraten haben, fast ausschließlich Inden sind? Wo findet sich die leichtfertigfröhliche PerichtersLattung, die über die ^elbstaufgabe Deutschlands jubelte? Es wäre vergebliche Mühe, hier Beweise oder Belege zu fordern. Die Lügenmär vorn jüdischen Locarno wird deshalb doch von derr Tribünen herab verkündet und in den Gassen wiederholt werden und eine neue Schnmtzwoge wird über Deutschland hinweggehen. Wir aber werden we'uerhiu in der alten Arbeit stehen und werden den Be'en in der Hand festhalten müssen, um den Unrat ausznsegen, der von aller: Seiten herandrängt. Zu müder Resignation ist dennoch kein Anlaß. Denn obgleich eine Woge nach der anderen ans uns zurollt, wir wissen, daß diese trübe Onelle sich einmal schließen muß. Wenn nicht alle Anzeichen trügerr, stehen wir an einer Wende. Wir haben immer die Ansicht vertreten, daß der heutige Antisemitismus sehr ent s ch erdend z u s a m m e n h ä n g t mit der a rr ß e n p o l i t i s ch e n Konstellation. Er ist eine zwanglänsiae Folge des auf Deutschlands Grenzen lastenden politischen Druckes, den wir nach innen weiterleiten. Als sich der feste Boden unter unseren Füßen m politisches und soziales Srrmpsland verwandelte, waren die Wachstumsbedinaungen für das Sumpfgewächs Antisemitismus gegeben. Solange die Lust geladen ist mit so viel ungesunder Spannung und Schwüle, wird immer nach einen: Blitzableiter gesucht werden, und der Jude muß hcrhalten. Den inneren Z u s a m m e n b r u ch, den m a n f i ch n i ch t e i n g e st ehe:: m a g. projiziert in a n a u f e i n f r e n: d e s S ch n l d f o n t o, voobei man notwendig auf den „landfremden Juden" stößt, der hierfür sozusagen auf der Linie des geringsten Widerstandes liegt. Endgültig vom Antisemitismus können wir erst dann befreit werden/wenn die außenpolitische Umschnürung, sich ausweisend durch Fremdherrschaft und Siegerdiktat, vor: uns genommen ist. Diesem Ziele aber bringt uns Locarno einen rnerlbaren Schritt näher. Gewiß übersieht keiner, daß berechtigte Forderungen, daß lebensnotwendige Ansprüche unerfüllt blieben. Rheinland, Saargebiet, Lberschlesien, Memel, Danzig, West- Preußen, Oesterreich — soviel Worte soviel klaffende Wunden. Noch ist die Gefahrenzone nicht durchschritten, noch sind wir erst in das G e n e s u n g s st a d i n in , nicht in das der Gesundung ringetreten. Noch ist erst Morgengrauen, noch nicht die Stunde des sieghaften Morgenrots. Aber ein Weg ist eröffnet :u:d ein Ziel ist aufgesteckt: Der Gedanke u n v e r b r ü ch t i ch e r S ch i ck s a l s g e m e i n s ch a f t aller europäischen Völker beginnt sich machtvoll zu regen. Ter g e i st i g e K r i e g s z u st a n d wird liquidiert, man wendet sich ab von den alten G e w a l t m e t h o d e n und versucht das gegenseitige Verhältnis auf die Grundlage des Rechts und der Ebenbürtigkeit zu stellen. Rechts und links vom Wege grinst der Ruin. Jedes der schwergeprüften Völker hat den Knochengriff des Todes erschauernd gespürt. Tie schmale Straße des Lebens und der Zukunft aber, die herausführt ans Wirrnis und Untergang, hat zum Ziel die Vereinigung Europas. Diese Erkenntnis, als bittere Notlage gesuhlt, als Schicksalswink ehrfürchtig empfunden, als Zukunstshoffnung überschwänglich gepriesen, sie ist das eigentliche Resultat der Konferenz von Locarno. Denn hier handelte es sich nicht darum, zu siegen, wndern eine gerne in saune Einsicht zu gewinnen. Alles wird davon abhängen, ob es gelingt, den Geist, der in Locarno der dürftigen und verhaltenen Sprache der Diplomaten Pfingstwnndcr des Wortes entriß, zu einer dauernden Triebkraft des europäischen Völkerlebens zu machen. Wenn je der Geist wichtiger war als der Buchstabe, so ist es hier. Darum will es uns auch bedenklich erschei::en, durch allzu lautes Verlangen nach noch so berechtigten „Rückwirkungen" das Allskeimen der neuen Geistigkeit im Augenblick zu stören. Durch momemane Ueberforderungen könnte leicht die Lkusreifung höherer Dinge verhindert werden, die Zeit zu ihrem Wachstum brauchen. Es kouunt in der gegebenen Situation weniger darauf an. daß die Tnrchsctzuugchoickreter Rückwirkungen, als daß die Durchsetzung dieses neuen Geistes gelingt. Dann werden sich zu ihrer Stunde Rückwirkungen von selbst ergeben, die über den Nahmen des jetzt Erreichbaren mit glatter jtnb reibungsloser Selbstverständlichkeit hinausgehen. Esin rüdes Geschrei aber kann zur Stunde viel verderben, weil dew Eindruck entstehen müßte, das; nur nüt unsauberen Gedanken, an den Verhandlungstisch traten, daß wir nur Kulissen um uns herum stellten, um hinter ihrem Schutz plötzliche Ueberfäl'le zn inszenieren. Nachdrückliche Vertretung berechtigter und angesichts der vorliegenden Situation möglicher Forderungen soll dadurch gewiß nicht behindert werden. Aber auch sie hat im Zeichen jenes neuen Geistes zu erfolgen, der zu Vertrauen und Rücksichtnahnw beide Teile verpflichtet.^ Es wäre eznt, wenn der Akzent der Verhandlungen von der «eite schroffen Fordcrns am die Seite freiwilliger Gewährung verlegt werden könnte. Wichtiger als Rechte zu behaupten und Forderungen durchznsetzen ist, den Fundus moralischen Vertrauens wieder anszufnllen, der in bösen Jahren restlos verschlissen wurde. i Wie weit Erfüllung gelingt, steht in den Sternen/, Sicherlich ist Jllnsionismus'der Gegensatz aller guten Politik^ Aber ebenso unpolitisch und lebeusseindlich dazu ist jene Im. uns heute grassierende prinzipielle Skepsis und Nörgelsncht, .die so lauge die Unmöglichkeit jeder vernünftigen Regelung berveist, bis sie die traurigen Scherben auslesen kann, ans die ihre Absicht zielt. Dieser Geist der Zersetzung, angeblich - eilt Geistcsmerkmal der jüdischen Ralle, wird vom völkischen Lager ans mit sichtbarem Erfolg seit Jahren . ü b e r T e n t f ch l a n d a u s g e b r e i t c t, und viel verdorrtes Wachstum legt Zeugnis ab von seiner Wirksamkeit. Jetzh soll ihn: Locarno zum Opfer fallen. Tie Frage ist, ob sich .unser : positiver Lebenswille stärker erweist als jene ätzende undzersctzende Kritik. 1 Führt Locarno zum Ziel, so wird der 1. Dezember l92.tz in! den Annalen der Weltgeschichte als großer Tag gebucht werden, j Als Tag der Befriedung Europas, als Beginn eines neuem j europäischen Ausstiegs wird Klio dieses Geschehnis feiern. i | wofür örs Makkabäer kämpften. I Betrachtung zrnn Ehauukkascst. Auch Feste haben ihre Schicksale. Von gleicher Tradition geboten, j vom Hauche gleicher Heiligleit mnwobcn, werden doch manche von ihnen gewissermaßen Lieblingskinder ihren Gläubigen. So ist cs dem Ghanullaseste ergangen, welches im lebten Jahrhundert eine Art Lieblingssest des Judentums geworden ist. Tie einen ehrten es, weil es in die gleiche Zeit fällt, in welcher das herrschende Bekenntnis fein Hnuptsest feiert, auch mit Weihe, mit Lichtern und Gaben besonders die Jugend fesselnd, weil cs ferner in einer Zeit, in welcher kriegerische Tugenden etwas galten, den Zcniber jüdischer Heldengestalten ins Gedächtnis ries. In den lewen Jahrzehnten wieder iourde inner Fest in den Vordergrund gestellt, weil man sich in dem Glan; nationaler Größe und Selbständigkeit sonnen wollte. Wofür känrpstcn aber in Wahrheit die Makkabäer? Feit der Zerstörung des ersten Tempels kannte Israel leine national-politische Unabhängigfeit mehr. Es lebte iin Schatten der asiatischen Großmächte. Es sah Babylonier, Perser, Aegypter und Syrer nacheinander als Herren über sich. Es war zufrieden, wenn man ihm seine religiös-kulturelle Eigenart ließ. Die Geschichte jener Zeiten ist in Dunkel gehüllt. Wir wissen mir, daß in jenen Jahrhunderten die Grundlagen gelegt wurden, ans denen der feste Vau des Judentums erwuchs, der allen Stürmen der Zeiten trotzen konnte. Erst als der Syrer seinen Eingriff in das religiöse Leben der Inden unternahm und sie mit Gewalt der hellenistischen Kultur j assimilieren wollte, griffen die in ihren heiligsten Gefühlen Verz letzten zu deu Waffen. Lesen wir die Geschichtsguellen jener Zeit!! „Ta sprach Mattathias frei heraus: Wein: schon alle Länder dem ' Anti och us gehorsam wären und jedermann al-sicle von seiner Väter