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Central-Verein-Zeitung · 1925-12-04 · 49 (4.12.1925) · p. Seite 771

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
49 (4.12.1925)
Date
1925-12-04
Page
Seite 771 (sequence 13)
Language
German
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daS nunmehr im Mittelpunkt der Erzählung steht. ist düster und tief tragisch. Es wachst heran, nicht wie ein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern wie „aus Wachs". „Was die Wett erhält, ist der reine Atem der Binder, die die Thora studieren", sagt der Talmud. Und Nu den soll ja mithelfen, ..die Welt zu erhalten". Kann er da etwas anderes tun als im Cheder sitzen und ..lernen"? Für ihn gibt es keine Berge und keine springenden Bächlein, für ihn duften nicht die Akazien und blühen nicht Nelken und Geranien. Tenn steht nicht geschrieben: ..Wer seinen Blick vom Studium der Thora abwendet, um zu sagen: Wie schön ist dieser Daum! der hat den Tod verdient . . So wellt auch Nutzens zartes, schönes Gesicht rasch wie das aller Judenknaben. Wenn man ihn genau ansieht, so bemerkt man schon etwas Frühreifes,. Hastiges, Ungesundes, bereits Müdes. Wird auch er den Weg aller anderen gehen? Wird sein Körper. Hart wie der eines Bögelchens, auch bald so häßlich und mißgestaltet sein, denn ..die Kinder dort sind göttlich, die Greise wie exhaben, die Erwachsenen aber abscheulich"? . . . 'Nein, es bleibt ihm erspart. Er stirbt, durch einen tragischen Opfertod voller Aberglauben und doch voller Neinheit. vom Ghetto zerbrochen. Wir sehen schon, das ist keine Geschichte im hergebrachten Stile. Sie ist von unendlichem Mitleid für d:e jüdischen Knaben erfüllt, die „ohne Liebe und ohne Natur" answachsen. Können ne Menschen werden wie wir. wenn sie in der menschensernen und menschenfeindlichen Enge ihres Ghettos bleiben? Nein! Und jo wird das ganze Buch, das einen solchen Glanz von Poesie über die Innigkeit des Familienlebens gießt (Sabbat, Seder). das voller Bewunderung für die Intelligenz, die Fähigkeit und das Gvttvertranen des jüdiscl-en Volkes ist, doch als Ganzes, im Namen der Menschlichkeit. zu einer leidenschaftlichen, vernichtenden Anklage gegen das Ghetto. ES übt auch, deutlich oder versteckt, selten in offenem Angriff, manchmal leicht ironisch, ja vottairiich, niemals aber geschmacklos oder gar verächtlichen Tones, scharfe Kritik an vielen Lebcnsgewohuhcilcn jener Juden, von denen auch uns manche barbarisch vorkonunen. und diese Kritik ist nicht der letzte Reiz des außer gew ähnlich en Br' ches. D.ie „göttlichen" Kinder fehlen in der Episode aus den: Leben der Juden von Schwarze Teme l„E in Königreich Gotte s"). Tarmn erscheint der Ton dieses Buches, das eine besonders arme und besonders kulturferne Judengcmeinde in Erwartung eines Pogroms schildert, um einige Nuancen schärfer. Hier versöhnt nicht die Grazie der Kinder mit der Häßlichkeit der Männer, und die Poesie verklärt in diesem Buche seltener das Leben dieser Menschen mit ihrer eigenen Moral, die nicht immer die unsere ist. wenn sie auch glauben, „im Schoße Gottes" zu leben. Tenn die ärmste und letzte Hütte dieser chassidischen Juden, denen in der Verzückung ihres Gebetes alle Harmonien des Himmels erklingen, ist ja mit dem goldenen Throne Gottes 771 -- im Himmelsblau durch eine neue Jakobsleiter verbunden, auf der die Seraphim, die geflügelten Boten Gottes, auf- und niedersteigen. Der phantastischen Metaphysik des Buches Sobur. der Lehre des Baal Schern. Begründers des Chassidismus, ist die hochinteressante Einleitung des Luches gewidmet. Tw armen Juden von Schwarze Teme glauben im Schoße Gottes zu leben, aber Gott prüft schwer und lange sein auserwähltes Volk, bevor er es in die alte Heimat zurückführt. In der unheimlichen Zeit vor dem drohenden Pogrom ist der Nm nach Zion, die tausendjährige Sehnsucht nach dem Messias, besonders erschütternd. Ist in den 'Mondnächten nicht schon ein Vorzeichen am Himmel zu sehen, das die Ankunft des MessiaS ankündigt? Bon Jahrhundert zu Jahrhundert, während des unendlichen Leidensweges beschäftigte sich die jüdische Phantasie mit dem messianijchen Traume einer idealen Stadt ohne Reiche, ohne Anne, wo vollkommene Gleichheit Mid Gerechtigkeit herrschen. Tieren Traum, so meint der Verfasser. haben Trotzli. Bela Kun lind die anderen geträumt, als sie. müde, das Reich Gottes iw Himmel zu suchen, es aus die Erde verlegen wollten, ein neues Jerust.lem an der Newa oder an der Donau, dem jüdischen Gehirn Karl Marx' entsprungen, von jüdischen Händen ans uralten Gedanken gebaut („W e n n Israel König ist"). Ter Verfasser hat. mitten im Ghetto, hinter der alten Zionsklage die ewige Unruhe der Juden zu vernehmen geglaubt, ihre Unzufriedenheit, Unrast, ihren Wunsch nach anderen Tempeln. nach einer neuen idealen Gesellschaft, in der die ganze Menschheit ihrem Geiste unterworfen wäre. Jn'.mcr hat Israel diesen mächtigen Drang gehabt, über die Welt zu herrscl-cu. Wie tcin anderes Volk berauscht von dem Gleichheits- und Gerechtigkeitmranun, ist es da rinn auch revolutionär wie kein zweites . . . Nun haben die Juden „ihre" Revolution gehabt. Tenn fast alle ungarischen Revolu tion? manner sind Juden gewesen. Ach, die Erfahrung bat gelehrt, daß di? alten Propheten besser inspiriert waren, als sie das Reich Gottes in die Wolken verlegten . . . Tenn die irdische Herrlichkeit dauerte nicht lange, unö wieder mussten die Juden, nach doppelten Leiden, den ^rab AhasverZ in die Hand nehmen. Gegen die berells im Buchtitel ansgedrückte und von uns scharf obznlchrrende Fiktion, daß es sich in Ungarn um eine ..jüdische" Revolution handelte (wenn auch, wie es leider tatsächlich der Fall gewesen ist, n. ch so manche Inden Führerrollen dabei gespielt haben), brauchen wir hier nicht zu kämpfen. Das Buch gibt, weit ausholend, Dichtung und Wahrheit mischend, aber wieder in blendender, ungewöhnlich reizvoller Darstellung, eine Geschichte der Sowjetherrsel-rch in Budapest, verbunden mit der Geschichte der Juden in Ungarn. Gs schließt mit einem „Dialog ohne Ev.de". einer Anklagerede gegen die Inden und deren Verteidigung. Darin ist alles enthalten, was sich zu Recht oder zu Unrecht gegen und für die Juden sagen läßt, die „in einem gesunden Dü ZWÖLF HAUPTGRÜNDE DER LEISTUNGSFÄHIGKEIT DER ALTONA-BAHRENFELD ❖ REISHOLZ BEI DÜSSELDORF BUSSUM IN HOLLAND DAS STUDIUM DES TABAKS QER RECHENMASCHINE DES RAUCHERS

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