Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 49 (4.12.1925)
- Date
- 1925-12-04
- Page
- Seite 768 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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768 Die religiöse Not auf öem ftachsn Lande. Cinc Entschlicsznng -cs LandcSverbandeS Heffen-Nasfan VcS 6. V. Am Sonntag. 22. November, fand in Fulda die Landesverbandstagring des Landesverbandes Hessen-Nassau und Hessen des Centralvereins unter starker Beteiligung der Ortsgruppen statt. Nach Berichten über die Lage und Mitteilungen aus unserer Arbeit, die Syndikus Dr. Alfred Wiener (Berlin) und Dr. Marlin Marx (Frankfurt a. M.), der Syndikus des Landesverbandes Hesstm-Nassau, erstatteten, tarn c'Z zn einer längeren Anssprache, bei der auch sestge-- stellt wurde, wie leider die religiös e B e r s o r g n 11 g n it s e v c r G! anben § b r üde r au} b e m fl a ch e n Laude innner weiter und weiter zurückgeht. Der Wunsch wurde laut, das; der Preußische Landesverband jüdischer Ge m e i n d e n wie auch der H a l b e r st ä d t e r Verband g e s e st e s t r c u c r G e - m e i nden mit Energie, und Beschleunigung daraus binarbeiten, die religiöse Versorgung aus drin flachen Laude, wenigstens in einem gewissen Umfange, sicherznstelten. Die Besorgnis der anwesenden Vertreter des Landesverbandes kam in folgender Cntschliestnng zmn Ausdrikck: „Die Tagung des Landesverbandes Hessen-Nassau und Hessen des Centralvereins in Fulda am 2'S. 'November 1925 stellt aus den Berichten kundiger Vertreter des Landes mit Erschrecken fest, das; die religio s'e u n d re! i g i ö s - u n t e r r i ch t I i ch e V e r - s o r g d ii 0 der j ü d i s ch e n B e iv o h u e r d e S f l a d) e n L a n d e s i n H essenst a s s a n innner weiter zurnckgeht. Bon der Tatsache ausgehend, das; W i s s e n v o m I n d e n t n m eine Grundlage auch unseres Kampfes darsteUt, ioroert der Landesverband den Hanptvvrstand des Centralverei.no auf. diesen bedauerlichen Tatsachen immer erneut seine Annnertmmllit zu scbenlen und in Frage kommende andere Drganinnienen. die in erner Linie zur Abhilfe berufen sind, um energische Abstellung dieser, das deutsche Jndcntnm schwer bedrohenden Zustände, zu ersuchen." Am Abend vorher fand in Fulda eine stark besuchte Lrisgrnppenversammlnng statt, in der Herr Dr. nu-d. H c r z v.nn ersten Vorsitzenden der Ortsgruppe des Centralvereins gewählt vourde. Herr Dr. Alfred W i e n e r sprach über „V o n St ö ck e r b io H i t l e r". Das schone EmvernehnleK. Zum Jubiläum der Gemeinde Rothenburg o. T. Am Sonnabend, den lll. Oktober, fand in Nothenburg o. d. Tauber das Jubiläum der 50 jährigen Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde, verbunden mit dom 50 jährigen Ortsjubuänrn ihres'Lehrers, des Herrn Mojes Hofmann, statt. Tic Festprcdigi in der Synagoge hielt Herr Distrikrsrabbiner Dr. Hanover ans Würzburg, ansbanend ans den Psalwcnversen „Ich sterbe nicht, nein, ich lebe, und erzähle die Taten Jahs" nsw. Am'Abend des Jnbcltages rwrfammelte sich die Gemeinde nebst Gästen zu einer Ehrung des seit 50 Jahren in der Gemeinde amtierenden Hauptlehrers Moses Hosmann. Ein beredtes Zeichen für die gutnachbarlichen Beziehungen der verschiedenen Religiousgemeinden geben die beiden Schreiben des katholischen wie des ewangeli scheu Stadlpfarrers. Sie Sn, daß es noch manche Gemeinde in Deutschland gibt, in der , n den Konfessionen ein vo rb i ldl i ch es C invern eh m e n zu Nutzen und Frommen der Stadt, der Heimat und des Vaterlandes herricht. Daß der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden ein herzliches Glückwunschschreiben an die Gemeinde Nvthenburg o. d. Tauber wie an den Jubilar gerichtet hat, sei noch erwähnt. Die Schreiben der beiden Stadtpsarrer lauten: Katholisches Stadtpfarramt, Rothenburg o. T. „Das ergebenst unterfertigte katholische Stadtpfarramt Nvthenburg o. T. freut sich, der israelitischen Kullusgemeinde Avthcnburg a. T. -um Iubcktage ihres halbhundertjährigcn Beneheus die besten Glückwünsche aussprechen Mi tönucn. Was das Pfarrantt besonders freut, ist. daß es am heutigen Tage Hinweisen sann aus das schöne Verhältnis, bas von jeher in diesen fünfzig Jabreu zwischen der tathvlischen Gemeinde Rothenburg o. T. und ihren Seelsorgern einerseits und der israelitischen Kultusgemeinde anderseits bestandbat. Es sei der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß niemals eine Zeit wiiunen nürd, ivv dieses schöne Einvernehmen getrübt werden wird. Garn besonders fei auch der israelitischen Kultusgemeinde gratuliert zu dem Umstande, das; sie in der Person des Herrn HauptlchrerZ Moses Hvstnaun einen solchen vorbildlichen Jugeuderziek-er und Kultnsdiencr gehabt hat. In vorzüglicher Hochachtung! flej.: Albert, StadtpsarrerB Evangelisch-lutherisches Stadtpfarramt St. Jakob. Rothenburg v. T. „Die israelitische Kultusgemeinde darf das Fest ihres 5Vjährigen Bestehens festlich begehen. Unter den Gratulanten dieses Tages soll auch die evangelische Gemeinde nichl fehlen. Mit dankbarer Freude denken wir daran, wie Glieder Ihrer Gemeine immer wieder unsere Liebestätigkeit in unserer Gemeinde in wertvollster Weise unterstützt und gefördert haben. Das soll nie vergessen werden. Möge das gute Verhältnis zwischen den Gemeinden immer erhalten bleiben. Unser Glückwunsch gilt auch dem ehrwürdigen Lehrer Ihrer Gemeinde, der nun ein halbes Jahrhundert hindurch mit groher Treue seine wichtige Arbeit in Ihrer Gemeinde getan hat. Wir wünschen ihn? i von Herzen noch einen recht schonen gesegneten Lebensabend. Möge auch an ihm sich das alte Psalmwort erfüllen: ,,Tie Lehrer werden viel nur Segen geschmückt." Mit vorzüglicher Hochachtung! gez.: Fabrick Hanöeln Patrioten jo? Bcrgwcrksgcses!schast Georg v. GiescheS Erben. Mit den: Schwierigkeiten bei der Bergwcrksgesellschasl GiescheS Crbeu hoben die Folgen des Krieges und des Versailler Vertrags ein Unternehmen ersaßt, das durch'sein Aller (gegründet 1701). durch seine wirtschaftlich? Monopolstellumz und auch durch seine Stellung zu den Juden einzigartig in Deutschland ist. Die Statuten der Bergwerksgcsellschaft haben von jeher bestimmt, daß Anteile der Firma nicht in dieHändevon Jude u gelangen dürfen, eine Bestimmung, die bis auf den heutigen Tag strikt eingeholteu wird, lleberflüsüg zu sagen, daß auch die Verwaltung des Unternehmens judenrein ist. Unter diesem Gesichtswinkel die letzten Vorgänge bei diesem „Jdealnnternehmen" kurz zu betrachten, ist nicht ohne' Interesse. Dos; dieses Werk, das durch seine morwpolähulichc Stellung aus dem deutschen Iinkmarkt immer große Gewinne abwarf, zum großen Teil durch die 'Schuld einer unfähige:! Verwaltung, zusammengesetzt aus Männern, die nicht auf Grund ihrer Leistungen, sondern ihrer Aamui und Herkunft wegen an die Spitze des Unternehmens berufen wurden, in Schwierigkeiten geraten ist, mag zu denken erben, ist aber letzten Endes Privatangelegenheit der beteiligten Kreise.! Wesentlich ober ist, das; ein solches Unternehmen, dessen Hauptbesitzer den Kreisen augehören, die den Patriotismus für sich gepachtet zu haben und nicht scharf genug gegen den „iniernalivnalen und jüdischen Kapitalismus" zu Felde ziehen zu tönneu meinen, sich ans seinen Nöten helfen will ans eine Weise, die eine voll ft ä n d i g e A u ß erachtlassn n g d e n t s ch e r W i r t s ch a f t s e r s o r d e r n i s s e und eine empfindliche V e r l e tz n n g deutscher Interessen bedeutet.; Als die Herren der Verwaltung iahen, daß sie allein nicht mehr i weiter tonnten, nahmen sie die Verhandlungen zwecks Beteiligung neuer stträfte gleich nach zwei Seiten ans; einmal mit dem preuß i s ch cii Staat, der an einer so bedeutenden Zinkproduktion großes Interesse haben nurßte, und dann mit der amerikan i s d) e n G r n P P e H a r r i m a n - A n a c o n d a , den größten Zmlproduzenieu der Welt; die ein tatsächliches We lt zink mono- . poi haben werden, ivcnn sie die Gieschesche Produktion in ihre Hand bekommen. Die Mehrheit des Gewerks entschied sich für Annahme des amerikanischen Vorschlags, obwohl dadurch nicht nur die Majorität d e v A nteile am Bcsi tz der jetzt in Polen gelogene n Felder au H a r r i m a n übergeht, sondern auch die deutsche Z i n k p r o b n l i i o n auf s fi n f n n dzivanzig Jahre an d i e A mcTiltnifr ansznliefer n ist, zu Bedingungen, die den e iv in u f a st vollstäudig nach d e n Bereinigten Siaaten fliesten laßen. Die deutsche Handelsbilanz ioird dadurch der krafligen Stütze beraubt, die ihr die Iinkaussnhr bischer bot. Noch ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit nicht gesprochen. Der preußische Staat ioird hoffentlich von seinem weitgehenden Cinsprnchsrecht gegen die Beschlüsse der Gesellschaft Gebrauch machen. Aber es zeigt wieder einmal, ivie sich gewisse Kreise, die uns die Vaterlandsliebe abznsprochen versuchen, verhalten, ivenn cs sich um ihren Prosit handelt. Und für uns ioird es wichtig sein, diese Herrschaften gelegentlich aus das Verhalten der Repräsentanten der Bergwerks« gesellschast Georg v. GiescheS Erben hinznuxusen. Dr. L. A. Loeb. Sechs Monate blcsangnis für cinen Rohling. Als unser heuer Aieiirib und Svlfev, Stadtv.'rerdneter x it ft Behrendt in 'ieuthen, in Der MWst ,]um 20. Juni mit einigen Be kannten nach Haustging, wurde er von einem Völkischen angerempelt, und mit bcii bei wichen?,,tn'a:nmeunru;ai üblichen Schimvfwvrten über Drückebergerei asw. bcDaiOt. bin roher chm stück, lag ins Gesicht folgte den Worten. Bei der öffentlichen Antlagecrhetmng der StaatSanwaltsckzast stellte sich heraus, das; der Angeklagte gar kein Einheimischer war und schon ziveimal wegen ähnlicher Vergehen vordestrast worden ist; unter anderem iv c g e n ‘it u f r e i z it ti g \ n m K lass e u h a st , weil er vor zwei Jahren bei einem 'Angriff ans Juden beu Anstährcr spielte. Für diese Tat erhielt er scirrerzeil zioci Aionate (tzesängnis. In der Verhandlung wurde sestgestelkt, das; Herr Behrendt und seine jüdischen Begleiter ihrer Krieg-?- Pflicht an der Front durchaus uachgekounnen sind. Ter StaalSanivalt betonte das und wies darauf hin, das; auch cr im Felde als Kvmpaniesührcr mit den jüdischen Soldaten iu seiner Kompagnie gute Grsahrungen gemacht habe. Das (Bericht verrirteilte den Angeklagter: zu einer Gesang n i s st r a f e von sechs M o n a t c u. Tem Beleidigten als Nebenkläger stand der bewährte Vorsitzende ruiserer Denthencr Ortsgruppe. Herr Nechksanwalt Tr. Schmidt, zur. Seite.