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Central-Verein-Zeitung · 1925-12-04 · 49 (4.12.1925) · p. Seite 766

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
49 (4.12.1925)
Date
1925-12-04
Page
Seite 766 (sequence 3)
Language
German
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766 deshalb völlig zerschlagen werden. Wenn Der Staat von der crftbczeichrreterr Partei, der großen Sammclpartei, gestützt werde, so gilt von den arrvcren beiden Parteien diesem Staat Ver Kampf bis zum Lutzerstcn. Also Kamps gegen Das gegenwärtige System Durch Hakenkreuz rrnv Sowjetstern! DcstzaLS Lenin rrnv Hitler". Das sind die Rattensängermelvdren, die jetzt allerorten und nicht minder von Mund zu Mund. aus Flugblatt und in der völkischen Presse den Arbeitern vorgejungen werden-. Der völkische Agitator denkt also: Bei der Unbill des Winters, die die entlassenen Arbeiter und Angestellten schwer mitnehmen wird, wird die Arbeiter- und Angestelltenschaft radikaleren Richtungen das Türlein öffnen. Sind sie erst durch die Strenge des Winters kirre gemacht, schrecken sie durch Kälte und Hunger vor nichts mehr zurück, dann hinein mit diesen Schäslein in den völkischen Stall. Und er ist so vertraut angestrichen mit kommunistischer Farbe. L e n i n und Hitler, beide wollen ja diesen Staat der Ungerechtigkeit, insbesondere gegen Arbeiter und Angestellte, zerschlagen. Und wer soll ihn zerschlagen? Ueberall regt es sich von mehr oder minder öffentlichen Mitteilungen über E e h e i m b ü n d e und Vers ch w ö r u n g e n. Verhaftungen erfolgen bald in Allenstein, bald in Berlin, bald anderswo. Der F r o n t b a n n , die völkische Kampjorganisation, arbeitet allerorten, in Mecklenburg und Pommern besonders stark. Großgrundbesitzer beherbergen Arbeitsko m m a n d o s. Und was für welche! Neue „Siedlungen^ werden in Angriff genommen. Femeprozesse rollen sich hinter verschlossenen Türen ab, und weitere werden folgen. Schon jubilieren die dem Froutbann eng verbundenen R o ß b a ch e r: ,,Wir sind des Roßbachs schwarze Harrscrr, haia oho! Und wollen mit Tyrannen raufen, haia oho! Spictz vorarr, drauf und dran, Setzt aufs Judcudach den roten Hahn. Den: Herrn; Im Hinnucl woll'n wir's klagen, Hais oho! Latz wir die Inden können lotschlagcrr, Hain oho! Spiest voran, drauf und dran, Setzt arrfö Judendach den roten Hahn"'). Locarno soll das blutige Hakenkreuzsanal werden. Rathenau siel der Mordwaffe unmündiger Schüler und Studenten zum blutigen Opfer dank gleicher Hetze. Jetzt wird Stresemanu, der deutsche Außenminister, aufs Korn genommen. Im bayerischen Landtag darf der völkische Abgeordnete Wagner anssprechen: „Ich kann es verstehen, wenn ein ausgewiesener Elsaß-Lothringer Stresemanu über den Hausen schießen würde/ Und sogar die „Preußische Lau» deszeitung", das offizielle Organ der Berliner Deutschnationalen Dolkspartei. scheut sich nicht, in ihrer Sonntagsausgabe wörtlich zu schreiben: „Wenn nun auch manche unserer Mitglieder der Ansicht sein mögen, Stresemanu sei s ch l i m m e r als ein Raubmörder../ Ihr Deutsche, Ihr deutsche Juden, gellt euch das Lied „Vom roten Hahn aufs Judendach" nicht in den Ohren, lest ihr dieses und behauptet noch immer, die völkische Bewegung sei abgestaut. Schließt ihr die Augen weiter, wenn nicht sogleich, wie vor Zwei Jahren in Nürnberg, fast alltäglich Juden ohne Anlaß Überfällen werden oder jüdische Elaubensbrüder im Fränkischen aus den Betten gerissen und aui freiem Felde von völkischen Banditen schwer mißhandelt werden? Was soll Lauheit jetzt, wo der Winter mit den Knochenhänden an die Türe Pocht? Der Jugend schreien falsche Patrioten, Betörte oder gar Gewissenlose ins Ohr, welches vermeintliche Verderbnis der Jude über Volt und Vaterland bringt. Geschickte Schriftsteller verfertigen mit beredter Feder Nassebücher voll lockender Abbildungen und einschmeichelnder Theorien, die ein großer Verlag zu Tausenden in die gebildeten Kreise bringt. In hohen Tönen der Vaterlandsliebe schwelgende Schriften, die zum Ausgleich mit dem Feinde am grünen Rheinstrom raten, „Brücken führen übev den Rhein — aber keine Kanonen", werden mit der Niesentrommel amerikanischer Propaganda zu Tausenden in die Menge geworfen und dann im letzten Kapitel die „Schlange im Rösenbeck": eine aus- {»eitschende Anklagerede gegen die — Juden. Flottckpreibende Schriftstellerinnen bearbeiten die ..Zeit" romanhast. Und dem Bankier Cohn oder dem Fabrikanten Levh wird bann eine grinsende Judenjratze voll Hinterlist und Tücke aufgesetzt. r- *) Bur „Die Welt om Montagssn 80. November 1925. Die großen „Talmuds orscher" in Leipzig, Stuttgart und München, die von Hebräisch oder Aramäisch soviel verstehen wie der friesische Bauer von Suaheli, schreiben und schreiben wöchentlich und monatlich, schreiben Broschüren und gelahrte Bücher über die angeblichen Niederträchtigkeiten jüdischen Schrifttums. Wir, der Eentralverein. stehen auf der Wacht. Wir wissen dem Feinde zu begegnen. Auf einen Redner müssen wir zwei setzen,' auf ein Flugblatt müssen wir zehn setzen. Wir müssen überall, wo es not lut, bei den Parteien, bei den Regierungen, sagen, wie die Dinge stehen. Wir müssen unsere deutschen Volksgenossen aufklären über die Gefahren, die hinter dem Nebelvorhang des Winters vielleicht Heraufziehen. Wir müssen ihm sagen, — und das ist heilige Wahrheit — nicht um des Judentums willen Kamps und Abwehr der völkischen Bewegung, sondern um des deutschen Vaterlandes willen, das unter der Herrschaft eines Wulle, eines Hitler in ein Meer von Blut und Tränen, in den Abgrund sinken würde. Wir wissen, das deutsche Judentum leidet bitter unter der wirtschaftlichen Not. Wir sind stolz darauf, daß Zehntausende und aber Zehn tausende unsere Arbeit vertrauensvoll unterstützen. Aber wieviel mehr könnte geschehen, wenn sich die Herzen noch weiter auftäten, die Hände noch freigebiger spendeten. Der Göttin der ,.T a t" reicht der Dichter unter den Bewerberinnen den Lorbeerkranz. Sie ist auch unser Wahrzeichen. Aber oft müssen wir kluge Schritte hemmen: manche wertvollen Pläne verstauben in den Schränken. weil die Bleigewichte Geldmomwl. ^nuMt unN vob^'''e Kurzsichtigkeit uns oft nicht vorwärts schreiten lassen. Nicht nur den leidigen Siammon mühen um joiuecu. ^en ganzen Menschen beanspruchen wir. Er entziehe sich nicht der Ehrenarbeit für die Wohlfahrt von Staat. Gemeinde, Volksgenossen. Sein Leben, sein Handeln, seine Arbeit leuchte als Vorbild von Treue, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit. Vaterlandsliebe. Er schaue rechts und links von seinem Wege und „richte die Gebeugten aus" mit wohltätiger Hand, mir mildem Zuspruch, und frage nicht nach Herkommen und Religion. In das Schatzkästlein deutscher Literatur und deutscher Knust greise er froh und tief hinein. Aber er vergesse nicht seine stolze Abstammung. Und was jüdischer Geist und jüdische Religiosität über Tausende von Jahren, beginnend mit der altehrwürdigen Bibel, geschaffen, soll er sich erwerben, um zu wissen, warum er sein Judentum verteidigt. Soll man lachen, soll man weinen, daß sich trotzdem innerjüdische Richtungen an dem großen Bruder Centralverein reiben? Laßt sie schimpfen! Laßt sie anklagen. Soll erst die Not der Stunde ihren Mund verschließen? Unser Weg ist helleuchtend und eindeutig: Fi'w stolzes Judentum, für heimattreues Deutschtum und stets zum Wohl des deutschen Vaterlandes. Dr. Alfred Wiener. der vsrZLrblrche Spaltpilz. Eirr§ Aerrszevrnrg der ,,König Zberger Allgemeinen Zeitung". In Königsberg i. Pr. hat vor kurzem der bekannte völkische Neichstagsabgeordnete v. Ncnrnn in einer Veranstaltung der Deutschvölkischen Freiheitsbewegung über den völkischen Gedanken gesprochen. Aus diesem Anlaß beschäftigt sich die der „Deutschen Vo-Mpartei" nahestehend- „Königsberger Allgemeine Zeitung* vom 13. November (Nr. 534) mit der völkischen Politik überhaupt. Sie stellt die Haltung der „Deutschen Dolkspartei" dazu mit folgenden abschließenden Worten fest: „Nur so lange „völkisch" im geistig-kulturellen Sinne definiert und angewandt wird, hat es seme politische Berechtigung. Das Gegenteil trifft ein. wenn völkisch etwa mit rassenbiologischen Momenten vermischt wird, wie es gerade u. a. die Deutschvölkisch? Freiheitsbewegung tut. Ganz abgesehen von der heute noch mangelhaften wissenschaftlichen Unterbauung des völkischen Gedankens, schon durch die Trennung der g e s ch i ch 1! i ch gewordenen deutschen Nation in einen deutschrassischen und etwa fremdrassisch? Teile wird ein verderblicher Spaltpilz in dle Volksgemeinschaft getragen, die angesichts unserer innen. und außenpolitischen Lage, das unerbittliche Gebot der Stunde ist. Eine solche destruktive Praxis des völkischen Gedankens ha! die Deutsche Dolkspartei von jeher abgelehnt und wird sie immer ab lehnen. Wohin diese „völkische Politik" führt, haben wir in den Nachkriegsfahren des öfteren erleben müssen. Eine solche gewaltsame „völkische" Betätigung aber war und soll auch weiter die Domäne der Deutschvolkischen Freiheitsbewegung bleiben/

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