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Central-Verein-Zeitung · 1925-11-27 · 48 (27.11.1925) · p. Seite 758

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
48 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
Seite 758 (sequence 11)
Language
German
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758 LuZwlg Jacobowski. ein öeurscher Dichter. In seinem 2."». Todestag am 2. Dezember 1923. Bon Tr. LS. Biclefrld (Darmstadi). Im letzten Dezennium des vorigen Jahrhunderts gingen die Wogen des Antisemitisums gar hoch. Aber auch die Juden fanden den Willen und den Weg zur Abwehr. Eine markante Persönlichkeit dieser Zeit war Ludwig Jacobowski, dessen Todestag sich Heuer zum 25. Male jahrt. 1592 trat der Bhährige zum erstenmal mit seinem Nomen . V c r t T] e r, der I u d e" au tie -Lcssenllichkeit. Das Erscheinen dieses Buches war gleicherweise ein literarisches wie politisches^ Ereignis. Es brachte dem jungen 2li;trr nicht nur Dichterrnhm ein. sondern es Zeigte ihn damit als bewußten deutschen Inden, der sür sein Emanzipationsideal zu kämpfen gewillt ist. Jacobowsli schildert in dem Roman die Lage des jüdiichen Srudeuwn innerhalb der^ deutschen Gesellschaft. Er war ja selbst Student, er hatte soviel Bitteres erlebt! lind hier finden wir nun den Niederschlag all' dieses Erlebens! Hier schildert er fein.? Seelenpein, seine Kämpw? seine Demütignugcn. Welch Hobe Ideale brachte der Jüngling nicht mit zur alnm matcr, wie ich reell ich rva reu die Enttäuschungen. Und diesen Roman sc i n es eigenen L e b e n S schrieb Iacobowjki wirUichkeirsgemüß. Darum ist er uns so nwrtvoll, weil nur ein genaues, ein psychologisch durchaus richtiges Bild vom jüdischen Studenten der Jahrhundertwende, das in manchem vielleicht noch heute gültig ist. erhalten. Äan sollte das Buch, das sich wohl in allen Bibliotheken findet, wieder hervorbol.m, denn cs ist, von der uns interessierenden Tendenz abgesehen, eine spannende Lektüre. Wie Leo Wolfs, der Jdealtyp des intellektuellen deutschen Juden, in der feudalen Verbindung Mitglied wird, wie er seine blonde Martha liebt und miierr, wie er selbst endlich da ihm der Lieg und ein Weg ins Jreie nicht gleich gelingt, freiwillig aus diesem beben geht, er, der über alles die Idee vom edlen deutschen Inden stellt. Keines der belletristischen Werke, die den Emmnzipatwnskampf der Juden der Gegenwart schildern, ist künstlerisch und menschttch so wertvoll wie ./Werther/ der Jude". Und es hat auch eine graste Verbreitung gesunden. In fast alle Knltursprachen wurde es übersetzt. Noch 1910. also fast 20 Jahre nach seinem ersten Erscheinen, war in Berlin eine Massenauflage gedruckt worden. . Wollte Jacobowski in seinem Roman den I n d e n f e i n e r Z ei t d a r st e I1 c n, der mit aller Ehrlichkeit sein staatsbürgerliches und g e s e l l s ch a s t l i ch e s Deutschtum sich erringen wollte, wollte unser Autor dadurch die Herzen der Deutschen erobern, so wirkte er auch eifrig und kampfsroh in der politischen Arena, wo nicht so sehr an das Gefühl, wie an den Verstand appelliert wird. Er ging in alle politische:! Massenversammlungen/ Ileberall sprach er, überall klärte er mit einem selbst durchstudierteu Tatsachenmaterial aus. Ein neuer Deuwsthenes, denn wie jener litt er ursprünglich an einem Zungenfehler, den er mannhaft überwand. Auch zwei Broschüren schrieb er damals, 1991 die „O f f e n e A n t w o r t an A h l w a r d t", 1892 „Der Juden Anteil am Verbrechen". In seiner Vorbemerkung zur letztgenannten Streitschrift legt er in einem Satze seine ganze Lebensanschauungdar: . . . — mich leitete stets das Bewußtsein, Mitglied eines jungen, modernen Judentums zu sein, das eine Reihe antisemitischer Vorwürfe als berechtigt anerkennt, iaber für den allernwdernsten Gassenjungen-Antiscmltismns gute deutsche Waffen bereit halt." Wenige Jahre leider nur stritt so Ludwig Jacobowski in vorderster Reihe gegen die wüste Judenl>etze. War er so bald müde geworden? Oder ahnte er, daß nur ein kurzes Leben im lwftinunt war? Und wollte er die Tage nutzen, für die Arbeit, die ihm Berus und Freude zugleich war? Er schrieb noch den Ronmn ..Loki", in welchem er Gestalten der nordischen Sage wieder belebte, Novellen und Skizzen und auch eine Komödie „Dyab, der Narr", die im alten Orient spielt. Zu den Gedichtsammlungen - seiner Jugend: „A ns b e w e g t e n t u n - Den" (iSNk) und unke n" (19901 erschienen dann die Gedichtbücher ..A n s T a g u n d T r a um" (18951 und 1898 ,.L c u chtende Tage". Tie nachgelassenen Gedicht gab illOl Rudolf Steiner heraus. Die'„Leuchtenden Tage" zeigen unseren jungen Dichter cu* gereisten Mann, der Sturm und Drang, der den Pessimismus überwunden und der weist, dast die Welt voller Glück sei, das man allerdings' Nd.r unter Schmerzen geniesten könne. In der Tat war das ganze Leben Jacobowskis von barten Schiclsalsschlägen durchtobt. In dem kleinen posenschen Städtchen Strelno. wo er am 21. Januar 1868 als dritter von fünf Jungen geboren war. ging es seinen Eltern sehr schlecht. Als sie etwa 1874 nach Berlin verzogen, verbesserte sich die materielle Lage der Ettern etwas, aber bald starb die Mutter, die jahrelang krank ans Bett gesegelt war. Wenig später der Vater, dan:: zwei Brüder. Auch seine Braut, die geliebte, blonde Martha, erlag dem Typhus: gerade als er vom Begräbnis des einen Bruders zurückkehrte, überbrachte inan ihm diese Schreckensnachricht. Und trotz dieser äußeren und inneren Schi-ksalsschtäge dielt er den Kopf hoch und arbeitete. Arbeitete sür sein Judentum, sür seine Kunst, für' seine literarhistorischen Studien, deren Früchte in einer Reihe Bücher und Broschüren vor uns liegen, und arbeitete an seiner Lieblingsidee: der Verbreitung billiger und guter Literatur. . Er hat damals 10-Psennig-Hefte herausgebracht, die in Massen ins Volk drangen und die Kenntnis der Klassiker und zeitgenössischer Lyrik vermittelten. Daß die Massen diese Hefte anfnahmen, teilweise begeistert, war seine große Freude: leider auch seine letzte. Zu Anfang des Jahre? 1900 zwang ihn seine geschwächte Gesundheit aufs Krankenlager, bis ihn a:n 2. Dezember 1900 der Tod von allen Schinerzen befreite. In Weißensee hat man ihn: ein schlichtes Grab bereitet. Ludwig Jacobowskis Name lebt in der deutschen Literatnrgesch'chte alS Dichter fort, aber auch innerhalb des dculschen Judentums sollte man seiner stels gedenken als eines aufrechten und kampsfrohen deutschen Juden, der sein Leben und seine Kunst in den Dienst der jüdischen Lache stellte. In einer Tagung des Landesverbandes Oberschlencrr in Dppcln wurde Rabbiner Dr. 23 r q im f d) ö c i g e u einmütig Airm Vorsitzendeu des Landesverbandes wisdcrgcwählt. Dir ausgezeichnet verlaufene Veranstaltung brachte einen Bericht des Herrn Dr. Braunfchweigcr über die Tätigkeit des Landesverbandes, den Geschäftsbericht des Syndikus Dr. Iacobowitz, ein Referat des Vorstandsmitgliedes Rechtsanwalt Dr. Lustig über die politische' Lage und vertrauliche Mitteilungen des stellvertretenden. Syndikus Artur Schweriner von der Zentrale in Berlin. r~% ) "" (()/ ———M> Lj V_„j i_j i_J!_j LJ _j j Katarrhe Äfthma. öicht, Zuckerf örippefölgen Nierenleiden <1 j.iieo , i itü * *1 i ü 'W'i zum rrnraingten Vor» zugSvr» iS v. 0.45 Dtark pro Zeile. Hoiel-Restaurant „Continental“ C©blens a. Rhein am Hauptbahnhof II Krnst J. Meyer. Aile Zimmer fiicEsendcs Wasser. Aus5teNun^s2l;nmer. Lcirrs'Unna.Le-'jneluNermt. Te]p."ramTnR* Contihotel. - Telephon: 40 u. 1101. Das machen €ie an lanoen Bin{grc5"r5?n? No find n Ste b e teile und bMigüe gcrflreunnp? dei einem DMösss BmÄ das Sie aber riichl zu raufen brauchen, ländern ms Der MWlwtlrek ent nehmen. Cs kosten bei beliebigem Umtausch Bücher oder H Bücher 1 Jakir. 0 Ätonate..... 9 Monate..... 1 Monat. M. 65.- ÜH. <0,— M 25.— M. 12,— M. 50,- M. 30.- M. 20.- M 10.- petto w Lasten des LeserS. Manvcrlange fiatalSg. püul Vaumann Buchhanälung Adt. Leilchibtir-ttzer Charlottenburg 4 WUmerüdorser Clr. 6ö.V7. Postscheckkonto: Verttn NW? 16503.

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