Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 48 (27.11.1925)
- Date
- 1925-11-27
- Page
- Seite 756 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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750 irl AsMM Der d e u t s ch n a t i 0 n a l c Parteitag i it Berlin hat gegen den Vertrag von Locarno scharf Stellung genommen. Er hat es aber auch als seine wichtigste Ausgabe bezeichnet, gegen d i e Locarno-Psychose anzntämpsen, d. h. gegen die nach seiner Meinung wie eine Seuche sich blitzschnell verbreitende Anschauung, als bedeute Locarno einzig und allein die Rettung des deutschen Volkes und die Heilung aller Gebrechen. Daß es aber auch eine L 0 c a r n 0 - P s y ch 0 s e s 0 z 11 sage n m i t n e g a t i v e n V 0 r z e i ch e n gibt, scheint dem deutschnationalen Parteitag entgangen zu sein. Die rechtsstehende ..Tägliche Rundschau" ist genötigt, gegen General Lndendorfs mit deutschsten 'Worten vorzngeljen, weil er den Reichspräsidenten H i n d c n b u r g als eine mögliche „Gefahr für den nationalen Willen" bezeichnet habe. Wörtlich schreibt die „Tägliche Rundschau": „Es krampst sich unser deutsches Herz zu sinnmen, wenn wir sehen, wie Lndendorfs seinen eigenen Ruhm opfert. Durch feine Unbeherrschtheit zerpflückt er selbst seinen Lorbeerkranz Blatt für B.att. So weit durste er unter leinen Umftiint'cn gehen. Hindenburg eine Gefahr für den nationalen Willen! Ist der Mann, der dem deutschen Volk einen Willen suggerieren mochte, den es doch unmöglich durchsetzen kann, nicht eine viel größere Gefahr?" So schreibt ein Mann wie Lndendorfs, der „Schirmherr der völkischen Verbände", derart heftige Worte wider die selbst von den Gegnern hochgeschätzte Person des Reichspräsidenten. Geschieht dies am grünen Holze, so kann man sich nnschwcr vorstelleu, was am trockenen Holze vor sich geht. Es wurde die Spalten dieser Zeitung weit überfüllen, 10oHteil wir z. B. nur die hemmungslosen Angriffe gegen die Reichsregierung veröffentlichen, die jetzt durch die völkischen Blätter alt täglich ziehen. Wir begnügen uns, als Gipfel „nationaler" Leistungen ans dem „B r ü it n e r 9)t 0 n t a g s blatt", einer schondes deutschen Mittelstandes^ (Venn 3t gendo Gedicht wiederzugeben: ,nnabhängigen Usod)en- Ottober 1925) das foI= „gocatnozüinü." Von Falk E n h a g e n. „L u m P Luther, Schadche n Stresemann — was will Jschariot mehr? — Sind hentt als bestes Hilfsgespann in Frankreich populär! Dom „Hoch aufs edle Helferpaar" Paris stolz widerhallt, Weil's ihm verkauft mit Haut und Haar, was uns heilig galt! Me faunisch grinste Luther dort, als Vriand ihn umschlang. Vom Widerspruch kein einzig Wort bei Deutschlands Schierlings trank. Wie glänzte Gustavs Biergesicht, von Ehamberlain begrüßt. Der ihm vom cw'gen Frieden spricht und seinen ^ieg genießt! Wie prunkte es im Kellnerwitz, als dies Berratsaeschmeiß Dem Feinde alles gab für'nichts — winkt doch der Nobelpreis." Jede Erläuterung ist überflüssig. Luther — ein ..Lump", Stresemann und Luther das „beste Hilfsgespann" für Frankreich, und beide zusammen nebst Reichsregierung „D erratsge s ch m e i ß". Noch keine tZeLuhignelg in Damaskus. Die jüdische Gemeinde leidet Not. Dem ausführlichen Bericht über die D e s ch i e ß u n g v 0 n Damaskus und die L e i d e n s t a g e der großen indischen Gemeinde dort können nur heute einen Bericht über die Lage, datiert vom 5. November 1925, anfügen. Er beweist leider, daß immer noch leine Beruhigung in und um Damaskus eingetreten ist und daß auch die jüdische Gemeinde schwer durch die kriegerischen Zustände leidet: „Nach einigen Tagen der Ruhe schien in unserem Viertel Vertrauen zur Lage cingetreten zu chün. Unglücklicherweise nur für kurze Dauer. Die aus der \c t a b t v e r t r r e b e n cn Ausständige n h a b e n letzten Sonntag v e r s n ch t. n a ch D a m a s k u s z u r ü cf 3 u 10l) x e n. Die Plänkeleien, die dadurch in der Umgebung entstanden, entfachten eine neue Panik in der Stadt. Viele Familien fuhren eiligst mit dem Zug nach Beirut. ^Tie L^age in der Gemeinde wird von Dag zu Dag kritischer. Sie hatte etwa MO türkisch.' Golepfnnd für den Ankauf von Gewehren auszu'bringen. (Buße seitens der französischen Militärbehörden.) Außerdem muß sie für mehr als 200 Familien das Nötigste zum Unterhalt besorgen, die sich durch die letzten Ereignisse im größten Elend befinden. Viele unserer Glaubensgenossen sind nämlich Händler, welche vor den Unruhen dadurch mühsam ihren Lebensunterhalt verdienten, daß sie-an die Aral^r ans der Umgegend Waren verkauften. Seit einigen Wochen ist Damasln-s von Ausständigen umgeben. welck)? Reisende und friedliebende Leute angreiscn. Die französischen Obrigkeiten haben, um diesem Zustand ein Ende zu bereiten, Operationen gegen die Aufständigen unternommen, die zur Folge hatten, daß ^an^e D ör f e r eingcä schert und bombardiert wurden. Diejenigen Israeliten, die vom Handel mit den Arabern der Nachbarschast gelebt hatten, sind seit einigen Wochen so ohne Verbienstmöglichkeit. Vorigen Montag durchliefen ganze Familien die Straßen, um Brot zu suchen. Es ivnrdeu Sammlungen veranstaltet und einige hundert Pfund kamen zum Besten der Unglücklichen znsamnien. Die Gemeinde von Damaskus ist leider Gottes ohne Hilfsmittel. Die meisten nwhlhabenden Familien haben die Stadt verlassen. Ter Handel ruht; und es ist noch keine Besserung der Lage abzusehen. Die Gemeinde von Beirut hatte den Edelmut, einige hundert Pfund zur Verteilung unter den schwer geprüften Familien zu überschicken. Trotz aller Bemühungen leiden diese Familien noch immer Not. 5. November 1925. A. eU&cvficitt, Leiter der Allianceschnle in D a m asku 6/ Elternhaus unö Jugend. Zum Wochcnabschnltt. Unsere Zukunft liegt in der Hand der Jugend. Es ist die Frage, wie beschaffen sind unsere jungen Männer und unsere jungen Mädchen, wenn sie das Elternhaus verlassen und in die Fremde hinanskommen. wo Versuchung und Verführung und Anfeindungen an sie herankreten. Sind wir sicher, daß unsere Kinder selbst untwrsehrt bleiben und auch den schweren Kampf gegen alle Anfechtungen kämpfen werden, bis der Sieg errungen ist. Was hat das Elternhaus zu tun. um die Kinder gerüstet ins Leben zu schicken? Da kommt uns die Heilige Schrist liebreich und belehrend zu Hilfe. Der Patriarchensohn Jakob verläßt sein Elternhaus in Berseba. Noch ist er jung, und doch ist es merkwürdig, wie er sich sofort bewährt. Aus dem Wege nach Haran zu seinem Onkel Laban, wo er sich für seinen Lebensberuf einrichten will, kommt die finstere Nacht. Fern von den Eltern, legte er aus einen Stein sein Haupt, doch fürchtet er sich nicht. Er hat einen wunderbaren Traum von der Himmelsleiter, auf der Engel Gottes auf und ab gehen und ans der oben Gott ihm zürnst: „Mein lieber Jakob! Ich bin der Gott deines Vaters! Fürchte dich nicht, ich werde mit dir sein! Ich werde dich begleiten aus deinem Lebenswege, nie werde ich dich verlassen!" An diesem Traume erkennen wir. wie es im Herzen Jakobs ausgesehen. Ihn erfüllte der Gedanke: Gott, der Vater und Mutter beigestanden in allen Noten, wird mich auch jetzt aus meinem Wege begleiten! Darum erscheinen ihm auch die Menschen, mit denen er zusarnmenkommk, als Engel, die aus der Leiter ans und ab steigen. Das Geheimnis seiner Eharaktersestigleit ist die Erziehung irn Elternhanse! Was der Sohn und die Tochter von Vater und Mutter vor sich gesehen, ist ihnen Leitstern fürs Leben. Jakob richtet den Stein, auf dem er geschlafen, als Denkmal auf und nimmt von ihm Abschied, indem er folgende drei Bitten ausspricht: „Lieber Gott, sei mit mir und behüte mich auf meinem Woge! Gib mh' Brot zum Essen und ein Kleid zum Anziehen! Führe auch wieder in Frieden heim in mein Elternhaus! Dann soll dieser Stein zu einem Ort der Gottesverehrung werden, und von allem, was du mir gibst, null ich den zehnten Teil, Maasser, den Armen geben." Betrachten wir diese drei Bitten: Die erste Bitte ist: Gott sei mit mir! Das höchste Ziel ans der Stufenleiter war dem Patriarchensohne der Gedanke an Gott! Wenn jetzt in nuferer modernen Zeit ein junger Mensch das Elternhaus verläßt und in die Fremde zieht, woran denkt er? Welches ist sein höchstes Jb^at in seinem Streben und Wünschen ans der Stufenleiter seines Lebens? Ist es nicht das Streben nach Reichtum und Ehren, nach Vergnügen und Genuß? Jakob aber harte nicht um Reichtum und Prachtgewänder, nicht um Aenßerlichkeiten gebetet, sondern bescheiden betet er in seiner zw e iten Bitte um Brot und Gewand. Und gerade wir in unserer schweren Zeit haben erkannt, wieviel auch das schon ist. Noch eine herzliche Bitte hatte Jakob, in Frieden ins Elternhaus zurückznkchren. Er geht fort von seinen Eltern, doch sein Herz und seine Gedanken sind von Sehnsucht nach Baker und Mutier erfüllt. Gerade in der Fremde wird ihm der <'5edanke an die Eltern zur Srhnl-.wehr gegen jede Verirrung. So oft die Sünde an ihn vertonend herantrat, erscheinen vor seinem geistigen Auge Vater und Mutter, und sofort war cr wieder auf dem rechten Wege. Jakob kommt in das Hans Labans und bewährt sich durch Fleiß und Zuverlässigkeit, er eatroiefeft sich durch alle Irrungen und Anfechtungen des Lebens zu einem Israeliten, zu einem Gotteskämpfer. Diese wundervolle Erzählung der Heiligen Schrift sagt uns. wie die Jugend im Elternhause zu erziehen sei, wenn ne im Leben bestehen soll. Unsere Söhne und unsere Töchter lernen viel, mehr als einst ihre Eltern in der Jugend gelernt haben, aber dennoch können wir nicht immer mit der heutigen Jugend zufrieden sein! Denn sehen wir nicht oft die Gebildeten ohne Lebenscrnst und die Kenntnisreichen ohne inneren Halt, so das; dasjenige, loas die Erziehung eigentlich soll, den Charakter festigen, oft doch nicht erreicht wird? Seien wir vor allem unseren Kindern selbst Vorbild und Muster ln allem Guten, in Charakterfestigkeit und Pflichttreue, in Anspruchslosigkeit und in Frömmigkeit, dann können nur hoffen, daß die Vorbilder von Vater und Mutter dem Sohne und der Tochter in der Ferne Sclpch gegen alle Anf-eindungen, gegen alle Verführung und Verirrung sein werden, so daß sie ans allen Kämpfen deS Lebens als Sieger hervorgehen werden! GezirkörabbineV Dr. Lewit (Alzey).