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Central-Verein-Zeitung · 1925-11-20 · 47 (20.11.1925) · p. Seite 746

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
47 (20.11.1925)
Date
1925-11-20
Page
Seite 746 (sequence 11)
Language
German
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746 Ausführungen, namentlich im Zusammenhang mit der durchaus berechtigten Kritik an Ungchörigkeiten aus dem Gebiet des Kabaretts und der Witzbücher, teils über das Ziel hinaus, teils an dem Ziel vorbei zu schießen. Sie machen vorerst den Eindruck, als wenn Kaiser jüdische Men- S;en und jüdische Dinge absichtlich um ihres Judentums willen zur rundlage seines (im übrigen auch von mir .gegenüber seinen anderen Werken für aunerft schwach gehaltenen) Stückes gemacht hätte. Dies ist zweifellos nicht der Fall. Kaiser lag nur daran, einmal an einem Beispiel die Kehrseite des Heroischen und Erhabenen, nämlich das Lächerliche, zu dem ja bekanntlich in unserer aus Kontrasten bestehenden Welt nur ein schritt ist, auszuzeigen. Er lvollte, ohne daß es ihm freilich gelang, denselben Weg gehen, den Shaw in der Entlarvung des „Holden" auf heitere Art in seinem Bulgarent&cf auss grandiose in seiner „Johanna" ging. Wenn «: sich die eftalt der Judith als Typ dafür wählte, jo kann ihm dies keiner verargen. Kommt hinzu, daß das Hebbelsche Vorbild in seiner komplizierten Tragik ihm den Versuch wohl besonders reizvoll machte. Als Nestroy, aus einer ganz anderen inneren Gegnerschaft gegen Hebbel heraus, dies seiuerzeit unternahm, geriet er mit seiner Travestie in ein Fahrwasser, das vielleicht manchen der Einwände Dr. Wieners gerechtfertigt hätte. Bei Kaiser sind die Menschen nur durch Zufall Juden, weil es sich, ebenso rein zufällig, nun einmal um Judith handelt. Das Drum und Dran des^Biblischen und Religiösen zumal ist ebenfalls nicht dramatischer Selbstzweck, der seine Begründung in sich hat, sondern dient lediglich der Untermalung der rein menschlichen Situation. Man hat sich mit Recht dagegen gewandt, als verschiedene Kreise in Lautensacks „Psarrhauskomödie" einen Verstoß gegen das religiöse Empfinden sehen wollten, während die Institution der katholischen Kirche, soweit sie mit Vertretern und Riten aus der Bühne sichtbar wurde, nur als Milieu für die menschlichen Konflikte diente. So wenig hier Entrüstung am Platze war, so wenig ist sie es bei Kaisers „Jüdischer Witwe". Ich habe viele Einwande künstlerischer und ästhetischer Art gegen das Stück selbst wie gewisse Uebertreibungen der Inszenierung, aber der Einwand des verletzten religiösen Empfiud-ens kann in diesem Falle nur als Sentiment, nicht als Kritik oder Wertung krachtet werden und erscheint mir ganz besonders im Nahmen des Wienerschen Artikels nicht gerechtfertigt. _ Desgleichen ist die Hineinziehung der Frage des Bekleidungsthemas mit Berufung aus den deutschnationalen „Tag" insofern ein Äißgriff, als es mir unangebracht erscheint, dieses Thema anläßlich drese-s Falles in einem jüdischen Blatt anzuschlagen. Man gibt damit dem Gegner überhaupt erst die Möglichkeit, auf einer Ebene eine Diskussion über gewisse Vorwürfe von seiner Seite anzufangen, die auf eine ganz andere Ebene künstlerischer Diskussion gehören. Man kann schon gegen Stück und Aufführung sein, al^r nicht von der *- Seite und der Schau Herrn Dr. Wieners her." Dazu schreibt Dr. Alfred Wiener: „Ich habe in meinen Ausführungen keinesfalls behauptet, Georg Kaiser habe absichtlich jüdische Menschen und jüdische Dinge zur Grundlage seines Stückes gemacht. Ich habe auch deutlich gesagt, daß Stoff und Menschen der Bibel für den Künstler offen darliegen. Verlangen muß man aber, daß fie mit Behutsamkeit und Liebe in die Dichtung übernommen werden. Mit Behutsamkeit schon deshalb, weil unzähligen Menschen, und nicht nur religiösen, das biblische Gut in seiner Schlichtheit und Ewigkeit unendlich Wertvolles und Erhabenes ift, und weil es ihnen Schmerz bereitet, wenn sie erleben, wie unheilig dieses teure Gut dem Genießer. Publikum vorgejetzt wird. Ich habe keinen Zweifel, daß ein Dichter von der Oualität Georg Kaisers nicht um der jüdischen Religion eins auszuwischcn und nicht, um Eindeutigkeiten letzter Art gedruckt zu sehen, sein Werk ^schrieben hat. Aber: Geschrieben ist es vielleicht erträglich. Gespielt erhält es ein abstoßendes Gesicht; Nebensächliches wird zum Hauptsächlichen; leicht Angodeutetes und daher vielleicht lieberschbares wird auf der Bühne zur üblen Fratze. So ist im gewissen Sinne (und das ist auch von mir deutlich gesagt worden) nicht der Dichter Georg Kaiser der Schuldige, sondern bet obct oderdie, diediefes Kaisers literarischen Wert nur mindernde Stück vor das Rampenlicht gezerrt haben. Sollte ein Dichter nicht ahnen, was einem religiösen Juden die Erinnerung an eine große Geschichte, an den Tempel und an den Hohenpriester bedeutet? Sollte das doch vor den übrigen Menschen noch verfeinerte Gefühl des von der Muse begnadeten Künstlers nicht spüren", wie es einern Religiösen zumute sein muß, wenn er tiefen Tempel als anscheinend übliche Stätte an Vergewaltigung grenzender Handlung, den Hohenpriester als anscheinend üblichen Vollender aufgepeitschtcr Sinneslift eines manustollen Weites in diesem Spiel erkennen muß? Darüber hinaus aber mußte vom deutschen Standpunkte aus, dein diese Blätter ergeben sind, bei dieser dazu scharf herausfordernden Gelegenheit einmal gesagt werden, welche unerträglichen Aus uni ch s e m an ri) c chau b ü h n en v o n heute s i ch leisten. Gewiß ist der Fall deutbar, daß sich, sagen wir bei einem Sklavenmarkt oder bei einer Haremsszene, Männer und Frauen in leichtester Kleidung den Zuschauern, sozusagen aus Notwendigkeit, zeigen müssen. Warum aber, noch dazu in dem Judithspiel, und noch dazu in W i d e r j P r n ch m i t allen kulturgeschichtlichen Wahrheiten sich Judith, Ncbukadnezar, der Hohepriester und zuweilen auch Manasse in einer leichten Hülle durchsichtigster Art ans der Bühne bewegen, das wissen die Götter oder der Spielordner des famosen Judith-Stückes. Ernst zu nehmende „Wege zu Kraft und Schönheit" sind solche Wege beileibe nicht. Das wäre ziz Dr. Manfred Georgs Ausführungen zu sagen, für die ich ihm herzlich dankbar bin." Zwci ArrfklarungSvcrsarriirrlungen im Reiche. Tie völkischen Versammlungen in R e m s ch e i.d und Düsseldorf machten cs erforderlich, unsererseits Versammlungen einznberusen, um die Wahrheit über das bcutid>e Judentum unter die christliche Bevölkerung zu tragen. In R e in scheid sprach Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund) vor 500 bis 400 geladenen Gästen aus allen Teilen der Bevölkerung. Besonders waren Beamte und Lehrer der Einladung gefolgt, Angehörige aller Parteien bis' zu den Völkischen. Nach dem fesselnden Vortrage Tr. Jacobs über „Die Juden im christlichen und modernen Staat" fand eine rege Aussprache statt, an der u. a. Rektor Gesenberg, Gewerbelehrer Löblein und Eewerkschastssekretär Stockhingcr teilnahmen. — In Düsseldorf sprach in öffentlicher Versammlung vor mehr als tausend Personen Dr. Bruno Weil (Berlin) über die „jüdische Internationale". Tie Zuhörer folgten mit schärfster Aufmerksamkeit den schlagenden Ausführungen des Redners. Die Diskussion brachte nichts Erhebliches und nichts, was die Gründe des Referenten irgendwie erschüttern konnte, zutage. Tie Veranstaltung fand nicht zum wenigsten durch das Schlußwort des Rabbiners Dr. E s ch e l b a ch e r machtvollen Anllang. iRoi IfnnfHpfi Ftaa Br.Müh [iiiiiniiiniiiiuiiüiiiiiiüiiiiiniiiüünnHHi! Glänzende Gutachten von Kliniken und Aerzten ErhSittllch ln cxllorn A pothokon. KepMiüöI-Taül. Alleinige An zeig cn-Annslirne Rudolf Mossc, Anzeigen-Annattme iür »amtl. Zeitungen Deutschlands und des Auslands » Berlin 8V/19, Jerusalemer Strohe <6-49 / Breslau /Chemnitz /Dresden /Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a.M. I Halle (Saale) / Hamburg } Hannover f Karlsruhe J Köln a. Nh. ' Leipzig / Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg i Elevin / Slutigarr / Amsterdam / Barcelona / Bafel / Budapest / Bukarest / Prag / Warschau / Wien / Zürich. y\ OO OTmi M )>/ ,! /■ fj K\ □ J .J OIE DEUTSCHE U!ERT-ZIGflRETTE

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