Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 47 (20.11.1925)
- Date
- 1925-11-20
- Page
- Seite 744 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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744 christliche Bevölkerung mu meisten aufregle und die Aufständigen ermutigte, war die Tatsache, dast der einzige französische Posten zwischen den beiden Quartieren Montagmorgen nicht besetzt war. Die Soldaten halten nämlich Besehl erhalten, an: Eingang zum armenischen Viertel, das am mersten bedroht war, Stellung zu nehmen. Unsere Wache war einigen syrischen Gendarmen anvertraut worden, von denen einer nach dem andern den Posten nach dem Abzug der Franzosen, wie üblich, verliest und sich schleunigst nach Hause begab. Wir erfuhren, dast der Posten nach dem Aufbruch der Gendarmen von. den AufsLäudigen geplündert und besetzt wurde. Während des ganzen Tages hat kein einziger Jude gewagt, an die Brandstätte zurückzukehren, um das Feuer 31t ersticken. Aber in der kommenden Nacht gingen die jungen Leute an die bedrohten Orte und bekämpften den B r a n d m i t aller Macht. Nach einer Nacht voller Arbeit hatten sie Erfolg. Indem sie mehrere Häuser einrissen, verhinderten sie die weitere Verbreitung des Brandes. Unglücklicherweise hatte das Feuer schon grostc Verheerungen angerichtet. Viele Familien waren ohne Unterkunft. Zehn Häuser und drei Geschäfte sind ein N a u b der F l a m m e n geworden. Diese zweite Nacht war noch schrecklicher als die erste. Wir hatten nicht nur die Fenersbrunst in unserm Viertel, sondern der Brand hatte Zeit gehabt, die Basare von Da ui a s k u 8 zu erfassen, die durch ihren Reichtum berühmt sind. Die Stadt war ln vollständiges Dunkel gehüllt. Nur die aus den Brandstätten schlagenden Flammengarben schleuderten ihren düsteren Glanz zum Himmel. Der Kanorrendonrrer bei diesem furchtbaren Schauspiel erhöhte noch das Entsetzen. Nach einer Nacht ohne Schlaf und voll Augst zog mit den ersten Sonnenstrahlen etwas Hoffnung in unsere Herzen. Wir hatten erfahren, dast in der Tat den Ausständigen ein Aufschub für die Unterwerfung bis 10 Uhr gewährt lvar. Ter eiustustreichsic geistliche mohammedanische Würdenträger von Damaskus mit einigen mohammedanischen Notabeln und dom christlichen Patriarchen hatten von dem General Eamelin diesen Aufschub erhalten. (Ter General war von den Trusenbergen eingetrossen, um die Operationen gegen Damaskus zu Leiten.) Wenn der Aufschub verstrichen war, ohne daß die Aufständigen sich unterwarfen, so würde die Beschießung sofort heftiger wieder ausgenommen. Unglücklicherweise siegte der Fanatisnms üb-er die Klugheit. Tie Ausständigen wollten von einer Unterwerfung nichts hören. Punkt 19 Uhr hov die Schlacht wieder an. 120 Geschütze bombardierten ohne Unterlast die aufständigen Stadtviertel und ebenso das jüdische Mertel. Die erste Bombe fiel vor unser Haus und zerstörte die protestantische Schule teilweise. Während des Bombardements, das bis mittag dauerte, waren wir in den Kellern eingeschlossen. Punkt 12 Uhr hörte das Feuer plötzlich auf. Wir bemühten uns um neue Nachrichten. Die ausständigen Stadtviertel waren durch die Be* s ch i e st u n g v 0 l l st ä n d i g 3 c r ft ö r t u n d durch die Tanks im Stur m gen0nrmen. Die Notabeln hatten alle Bedingungen des Generals Gameliu angenommen, und zwar: Eine Strafe von 120000 türkischen G 0 l d p f u n d e n, Ablieferung von 3000 Gewehren und 100000 Patronen. Im Fall, dast diese Bedingungen bis Sonuabendmittag nicht erfüllt sind, werden die ausständigen Stadtviertel von neuem beschossen. Allmählich atmete das jüdische Viertel auf. Leider Gottes muhten wir erfahren, dast m c f) r c r c jüdi s ch e Familien unter der letzten Beschiestumg nud den Ereignissen der letzten drei Tage schwer gelitten hatten. Zwei Personen waren getötet, eine Iran und tin junger Mann von 10 Jahren; 10 verwundet, davon die meisten schwer, so dast ihr Zustand Operationen nötig machte. Zehn Häuser durch die Kugeln und durch Bomben beschädigt. Zehn Häuser und drei Läden durch den Brand vollständig zerstört. Drei Häuser und zwei Läden geplündert. Einige zwanzig jüdische Geschäfte, welche in den muselmanischen Basaren gelegen sind, ansgebrannt und vernichtet. Hunderte von Toten und Verwundeten, das ist die Bilanz der traurigen Vorkommnisse der letzten Tage. . . Unsere Schulen haben nicht gelitten. Unser Lehrpersonal ist heit und gesund. Das jüdische Viertel, welches Sonutagsrüh 10 000 Einwohner zählte, weist heute nur 7000 auf. 3000 waren nach Beirut oder nach S a la h i j e ausgebrocheu. Mittwochmorgen fanden sich die religiösen Obrigkeiten zusammen und setzten fest, welche Zahl von Gewehren jedes Stadtviertel abzuliewrn habe. Das jüdische Viertel must 60 Gewehre abliesern. Unnötig zu sagen, dast es vollkommen unmöglich ist, auch nur ein einziges (Sc wehr in unserem Viertel zu finden. Aber die Juden sind voll der .strafe ebenso wie die anderen Einwohner betroffen. Sie sollen einen Teil davon zahlen. Die Juden haben eine Sammlung eröffnet, um das Geld zur Anschaffung der 60 Gewehre zusauunenznbringeu. Unsere Glaubensbrüder von Damaskus sind jedoch so arm, daß sie wohl schwer 500 oder 600 türkische Goldpfnnde heran schaffen können, die für die 60 Gewehre gezahl werden müssen. Seit Sonntag sind alle Geschäfte geschlossen. Trotzdem die Frauzosen die Herren der Situation sind, ist das Vertrauen der Bevölkerung zur Lage noch nicht da. Es ist sehr schwer, die allcrnötigsten Sachen zu erstehen, selbst zu sehr teueren Preisen. Ich hoffe, dast cs nicht lauge so bleibt, und dast das Vertrauen wiederkommt. Dann werden auch alle die in ihre Behausungen zurückkehren, die unsere Stadt verlassen haben. A. Silöerstcin, Leiter der Allianceschule in Damaskus. ' * fP ylP. S~*r . Damaskus vom Flugzeug. (Deutsche Fliegeraufnahme während des Weltkrieges.) 1. Das Jadenvicrtel. 2. Der von Dschcmal Pascha während des Krieges veranlasste Strassendarchbruch durch das Jndenviertel (Schari genannt). Durch diese Strasse drangen die Drusen in die Stadt ein. 3, Das mohammedanische Viertel Schagur. 4. Die seit alter Zeit bestehende „Gerade Strasse“ (Fortsetzung des von rechts auf die (4) zu laufenden überdachten Basars). Sie trennt Juden- und ChristcnvierteL 5. Das ChristcnvicrtcL 6. Die Omajjadcnmoschce. 7. Die Zitadelle. 8. und 9. Die Basarviertcl, in denen es zu den heftigsten Kämpfen kam und die durch Beschicssung und Brand fast völlig zerstört wurden. 10. Das Viertel Meldan. 11. Der von Dschenial Pascha errichtete Boulevard, der am Hedschas-Bahnhof (12) vorbeiführt.