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Central-Verein-Zeitung · 1925-11-20 · 47 (20.11.1925) · p. Seite 743

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
47 (20.11.1925)
Date
1925-11-20
Page
Seite 743 (sequence 5)
Language
German
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Eiei v<DM Der Bericht eines Augenzeugen. Auf unseren kurzen Aussatz in Nr. 45 der „E. V.-Zeitung*: „Die Beschießung von Damaskus' ubersendet uns die Alllunce isr&ölite universelle freundlicherweise den nachfolgenden Bericht ihres Damaszener Schulleiters. Die Verantwortung für die Nichtigkeit ist Sache des Verfassers. Doch scheint das eine sicher zu sein: Zu aller Freude sind die Verluste an Toten im Judenviertel viel geringer als die ersten Meldungen besagten. Trotzdem hat das Judenvierlcl bitterböse Tage durchmachen müssen und ßat schmerzliche Verluste an Menschen, große Einbuße an Häusern, an Hab und Cut zu verzeichnen. Besonders groß sind, wie aus dem Berichte zu entnehmen ist, aber die Todesopfer der mohammedanischen und christlichen Bevölkerung von Damaskus, bedauerlich deren gewaltige materielle Einbuße- Ten Hinterbliebenen unschuldiger Opfer ist die allgemeine Teilnahme sicher. Möge sich an dem schönen Damaskus das alte orientalische Sprichwort: „Auf Leid folgt Freud'" bald bewähren- Die Schristleitung. Am Freitag, den 16. Oktober, bemächtigte sich um 9 Uhr morgenS der jüdischen Bevölkerung von Damaskus zum ersten Male eine Panik. Einige Drusen hatten versucht, durch das jüdische Viertel sich in Damaskus einzuschleichen. Sie wurden durch die syrische Gendarmerie nach einem kurzen Geplänkel herausgeworfen. Tie Schießerei hatte die Juden erschreckt, und einige Eltern kamen hastig, um ihre Kinder aus der Schule zu holen. Ter Sonnabend und Sonntag vergingen ohne besondere Vorkommnisse. Ruhe schien eingekehrt, und Sonntag früh erschienen alle unsere Schüler wieder in der Schule. Damaskus ist von drei Seiten mit Bergen umgeben. Nur die Südseite ist offen. Durch diese Seite kamen zu allen Zeiten die Einfülle. Gerade an dieser am meisten exponierten Seite l>esindct sich das jüdische Viertel. Dieses Vierte! hat, obwohl es von mehr als 10 000 Personen bewohnt wird, eine geringe Ausdehnung. Die Häuser stehen nahe beieinander, und die kleinen Straßen sind sehr eng und bilden richtige Sackgassen. Bor dem Kriege haben die Araber aus den südlichen Teilen von Damaskus die jüdischen Viertel kaum betreten, weil das Durchschreiten der Gassen, da sie ohne Zugang zur Stadt waren, ihnen nur Zeitverlust bedeutete. Wahrend des Krieges hat D s ch e m a l - P a s ch a (damals Generalgouverncur von Syrien und Palästina) eine große Straße mitten durch das jüdische Viertel anlegen lassen. Diese Straße trägt den Namen Scliari (d i e Straße) und wird von den Bauern der Umgebung, die zu den Basaren von Damaskus kommen, viel benutzt. (Zur Orientierung suche man die Stadtviertel, Oertkichkeiten und Straßen auf dem gegenüberstehenden Plane sowie aus dem Fliegerbilde nach, das auf der nächsten Seite wiederaegeben ist.) In dieser Straße fand der erste Zusammenstoß statt, den ich oben erwähnte. Wir glaubten, es wäre nur ein kleiner Vorfall ohne Fortsetzung. Da hörten wir. Sonntag, den 18. Oktober, mittags 1 •% Uhr, während wir noch Schule abhielten, einige Schüsse bei der Schultür, und danach stürmten etwa 100 erregte Männer und Frauen herein, um ihre Kinder unter lautem Geschrei zu holen. Das jüdische Viertel war nicht weniger aufgeregt wie die Schule. Bei den ersten Schüssen hatte sich ein wahres Entsetzen der garten Bevölkerung bemächtigt. Im Augenblick waren alle Läden geschlossen. Die Ursachen dieses plötzlichen Schreckens war ein Versuch der Drusen, durch die oben erwähnte Scliari in die Stadt einzudringen. Der syrischen Polizei gelang es. die Trusen nicht ohne Mühe zur'nckzndrängen, nachdem sie drei von ihnen getötet hatte. Die Ereignisse überstürzten sich mit blitzartiger Geschwindigkeit. Ganz Damaskus war bald ein einziges Kampffcld Das jüdische Viertel entging dom Unheil nicht. Es hatte ebenfalls Tote und Ruinen. Am Sonntag, abends 4 Uhr 20 Minuten, stürzte sich eine 50 Mann starke Schar von Drusen, die sich seit morgens in den Gärten am Ausgang der Schari versteckt hatten, ans das eine Tor der Stadt und machten in wenigen Minuten einige der Gendarmen nieder, die das Tor bewachten. Die anderen jchlugen sie in die Flucht. An der Spitze der Drusen zog ein Berittener, der schrie: „Junge Damaszener! Die Drusen kommen jetzt als eure Brüder! Vorwärts zum Krieg gegen den Fremdling nnd den Christen, der den Fremden in ders Land gerufen hat." Die wenigen französischen Soldaten, auf die die Drusen stießen, wurden mitleidslos niedergemacht. Alle Araber aus dem volkreichen Viertel Sehagur, das an das jüdische Viertel augrenzt, tute die Drusen aus dem Viertel Meidan, greisen zu ihren Waffen und verstärken die Zahl der Ausständigen. Die Ausständigen eilen sofort zum Armenierlager, wo sich Tausende von Flüchtlingen befinden, und stecken es in Brand. Der Hockscbas-Vahnhof wird gestürmt, und etwa 6 0 Armenier, die sich dort in die Waggons geflüchtet hatten, werden getötet. Französische Militärabteilungen eilen herbei. Ein heftiger, mörderischer Kampf entbrennt. Kanonendonner setzt ein, Maschinengewehre rattern. Tie jüdische Bevölkerung ist voll Entsetzen. Die Ausständigen versuchen die Mcrdsche zu besetzen (die klardselia ist ein großer Platz, auf dem öffentliche Gebäude und Denkmäler stehen), ebenso das Stadtviertel Salahije, das von Franzosen und anderen Europäern bewohnt wird. Sie werden durch die französischen Truppen gezüngen, sich in daS Vasarviertel zurückzuziehen, wo sie sich verbarrikadieren. Die französische Oberleitung fordert die Aufständigen auf, sich sofort zu ergeben und ihre Wassen abzuliefern. Sie antworten auf diese Aufforderung, indem sie an verschiedenen Stadtenden Brände verursachen in dem Glauben, sich selbst dadurch zu schützen. Sie fangen zu plündern an. Sofort nach dem Eindringen der Drusen in die Stadt errtstand eine allgemeine Schießerei auch irr dem jüdischen Viertel, weil sich in diesem Viertel auch von Arabern bewohnte Häuser befinden. Die jüdische Bevölkerung, die schon in gewöhnlichen Zeiten leicht erregbar ist, wurde von Entsetzen ersaßt. Alles flüchtete in die Keller. In der Nacht vom Sonntag zu Montag wogte der Kamps unaufhörlich zwischen den Ausständigen und den Franzosen hin und her. Während dieser Nacht wurden die Juden nicht sehr beunruhigt. Nur in drei Häuser drangen Bewaffnete über die Dachterrassen, welche die Häuser verbinden, ein und zwangen die Familien durch Drohungen, Geld und Lebensmittel auszuliefern. Diese Familien entgingen dem Tode nur dadurch, d-aß sie etwa 30 türkische Goldfunde. Schmucksackzen und Lebensmittel, die sie im Hause hatten, ablieserten. Montag morgen sammelten sich die Aufständigen im jüdischen Viertel und belagerten einen französischen Posten, der von vier Senegalschützen mit einem Maschinengewehr gehalten wurde. Als die Rebellen merkten, daß sie mit den Senegalnegern nicht fertig wurden, steckten sie das Wachgebäude in Brand. ^Jn wenigen Minuten war das Gebäude eingeäschert und die Senegalschützen verkohlt. Das Feuer sprang auf die benachbarten Häuser des Judenviertels über. Mir fehlen die Worte, um das Entsetzen zu beschreiben, das sich uns aller, als wir das Viertel brennen sahen, bemächtigte. Das Feuer war unweit der Kleinkinderbewahranstalt und der Mädchenschule, in der wir uns befanden, ausgebrochen. Auf die Straße sich zu flüchten, war undenkbar, weil die- Flieger überall Bomben abwarfen und die Kanonen die ganze Stadt bombardierten. Gegen 10 Uhr morgens wa». man so weit, die Feuerbrunst zu lokalisieren. Aber ein Flieger schleuderte eine Bombe auf die Personen, die auf den Dachterrassen dabei lvaren, dem Feuer Einhalt zu tun. Alles floh. Man ließ das Feuer wüten. Tie sranzösisth-en Flieger befanden sich in sehr großer Höhe. Gerade diese haben die Bomben ans das brennende jüdische Viertel geworfen, in der Annahme, daß die Leute, die aus den der Brandstätte benachbarten Häusern Sacken retteten, Plünderer seien. Sicher ist, daß die Flieger über dem jüdischen Viertel aus mohammedanischen Häusern beschosten worden sind. Seit einigen Jahren mehren sich die arabischen E i n - w o h n e r im jüdischen Viertel. Sie nehmen die Wohnungen jüdisckfer Familien ein, die ans Mangel an Arbeit auswandern. Die Araber, die im jüdisckjen Viertel wohnen, sind fanatische Schiiten. Unter der ganzen muselmanischen Bevölkerung haben gerade die Schiiten als erste die Partei der Drusen freudig ergriffen. Ohne Zweifel, weil die Schiiten glauben, mit den Grusen verwandt zu sein, die. wie man sagt, die Nachkommen des Persers Parazi sind. Er fall sich im 12. Jahrhundert in d-en Trnseubergen niedergelasscn haben und wird als Gründer des großen Stammes der Trusen angesehen. Tie wenigen schiitischen Familien des jüdischen Viertels haben also die Beschießung der jüdischen Häuser verursacht. Den ganzen Montag (19. Okt.) fürchteten wir, getötet zu werden oder zu verbrennen. Den Tag über kämpften in den Straßen unseres Viertel? Senegalschützen mit vielen Ausständigen. Acht S e n e g a l s ch ü tz e n fanden in diesen Kämpfen den Tod. Ihre Leickzen blieben bis ^inn Donnerstag in den Straßen liegen. Sobald die Kanonen aushörten und die Flugzeuge ewige Augenblicke Ruhe gaben, rannten die Leute an die Fenster, um Neues zu erfahren. Alle möglichen falschen Gerüchte liefen um. Was die züdifche und

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