Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 46 (13.11.1925)
- Date
- 1925-11-13
- Page
- Seite 733 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277569-2277615--02541-3537496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
733 Eine Antwort an Die „Jüdische Rundschau". In der „I ü d i s ch c n undscha lt" vom 3. November wird ticm E. B. ein großer Aufsatz mit weit leuchtender ltctcrfcfjrtjt gewidmet, für den Nachweis bestimmt, der EDV. treibe in ferner U n t e r st ü tz u n g des 0 st; üdische^i Sicdlungswcrkes ein Doppelspiel. Auf der einen ^eite verwahre er sich entschieden dagegen, für den Ausbau Palästinas einzntreten mit der Begründung. deutsch-jüdische Gelder dürfen weder ins Ausland gebracht werden, noch gar für national-jüdische Aufgaben Verwendung finden. Vluf der anderen ^eite lasse er plötzlich die warme —oime seiner Sympathien über die Arbeit der ,,OHT" scheinen, deren nationaljüdischen Charakter kein Kenner der Verhältnisse auch nur im geringsten anzweifeln könne. Sinkt also der E.B. nach beiden 3eitcn?_ Was hat uns veranlaßt, dem großen Werke im Cften herzliches Interesse zuzmvenden? Zuerst die Tatsache, daß Millionen von Elanbensbrüdern im Osten unsäglich leiden innigen, und das; jeder warmherzige Menschensrennd einem aussichtsreichen Hilfsvoerk, dieses Elend zu mildern, wenn nicht gar zu beseitigen, sein Herz schenken wird. Immer wieder muß betont werden^ daß e i n e iv i r k l i ch e Linderung des b e d a u e r l i ch e n D ch i ck s a l s der O st - j n d e n nur in den Ländern erfolgen kann, wo sie wohnen. Und ist cs wirklich nötige zum hundertsten Male zu sagen, daß eine Auswanderung oder Verpflanzung von Hundcrttansenden oder gar Millionen nach fernen Ländern imd ebensowenig nach Palästina ans den verschiedensten Gründen cin linding ist ' Neben diesem, sagen wir einmal jüdisch-rnenschlichen Grunde, kommt aber für dcnE.V. noch ein anderer, incht minder bedeutsamer Grund in Frage. Die Verhältnisse im Osten — man denke hier mir an Polen — sind leider noch lange nicht so gefestigt, day sich nicht eines Tages wieder, wie vor Jahren, die traurigen Ereignisse von Lemberg mit anderen Namen und in anderen Gegenden in mehr oder minder großem Umfange wiederholen können. Was dann? Sollen wieder Lstjnden in großen Scharen über die deutsche Grenze strömen? Sollen sie dazu beitragen, unsere ans lange Zeit hinaus leider dunkle Wirtschaftslage zu belasten? .Zollen sie den Judenfeinden bequemen Agitationssroff, allermeist gewiß mit Unrecht, liefern? Oder erfordert es nicht das deutsche Interesse, dafür einziureten. daß rechtzeitig durch entsprechende Umsiedlung, Ansiedlung und Neusiedlung große Teile der Osijndeu allmählich in Verhältnisse kommen, die sie nicht gleich zum Spielball städtischen Mordgesindels oder vor nichts zurückschreekcnder Soldateska werden lasten? Wir bejahen diese Fra gesund bestätigen diese Bejahung im warmen Interesse für das ostjüdstche siedln ngswcrk. Es ist möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß sich die jüdischen Siedlungen in S o w j e t r u s; l a n d . sobald sie dazu, in der Lage sind, einen jüdischen Selbstverwaltungskörper mit jiddischer Umgangssprache. sei cs in Form einer Nepnblik. sei es anderwie, geben werden. Beispiele ähnlicher Gestattung liegen genug vor. Tie d e u t f d) e n B a u e r n g e m e i n d e n in ü d r u si l a n d^ sind zu einer deutsch-sozialistischen Republik zusannnengeschlosien; die Georgier zu einer georgischen und andere Stamme wieder zu entsprechenden Gemeinde!;. Mit einem solchen Ausbau des Sowjetstaates must der Praktiker rechnen. Aber welcher lzünrnclwcite Unterschied eines solchen „nationarcn" Körpers von dem, was der Zionismus in Palästina erstrebt! Gin Unterschied, an den; keiner vorbei kann, der überhaupt Augen irn Kopfe hat. Mau hat nur nötig, dcrr gegen den G. B. gerichteten Aufsatz der „Indischen Rundschau" durchzulcscn, nur an den 2lrrsdrücken: „Das neue lebenspendende Zentrum in Palästina", „Palästina als zentrale Ausgabe?, ,,Zentrum der Gr- Utuernng hebräischer Kultur" klar zu erkennen, das; zwischen einer sogenannten nationalen Liedlung in Südrnstland und der national-jüdischen Siedlung in Palästina ein Vergleich überhaupt nicht in Frage kommt. ARzesehen davon, daß im Osten schon seit mehr als einem Jahrhundert geschlossene jüdische Siedlungen vorhanden waren, ist bisher von keiner dieser Siedlungen der Anspruch erhoben worden, nun etwa de r z u k n n ft i ge I n d e n st a a t sein zu wollen, die 2Bi egeciner neu 3 u j ch affenden hebrüi s ch e n K n l t u r, ein «taat, zu dem alle Juden der Welt, ob sie wollen oder nicht, gehören m ü s f c n. l>toch niemals haben also diese Siedlungen von sich behauptet, allein das jüdische Volk zu vertreten. Noch haben sie jemals behauptet, diejenige Instanz zu sein, der alle Inden der Welt zumindest im Geiste mllertan sind. Sic haben auch niemals ^fordert, das; von ihren Siedlnngsländern aus „die Nenbelebung der hebräischen Kultur und des jndiscl)en Lebens" in der sogenannten Diaspora anheben werde. Kurz und gut, sie sind landwirtschaftliche Siedlungen genau wie die in Argentinien und anderswo, und wenn sie Autonomie bekommen aus 'Gründen, die bekannt sind, so werden sie ebensowenig wie die Inden in Argen- Uuien behaupten, daß sie das zukünftige Heim des jübi]d>cn Volkes seien, noch werden sie verlangen, wie es die „Jüdische Rundschau" am Schlüsse ihres Aufsatzes tut, daß „nur der, der Palästina als zentrale Aufgabe bejaht, mit Fug und Sinn auch außerhalb Palästinas fruchtbare jüdische Hilfsarbeit wird tun können". Ter E. A. hat niemals etwas yegen eine wahrhaft neutrale Kolonisation gehabt. Es ist durchaus verkehrt, wenn die . „Indische Rundschau" schreibt, der E. D. haben den Grundsatz vrokta- > mied, deutsche Inden haben sich nicht um Angelegenheiten außerhalb j Deutschlands zu kümmern. Freunde, die zu unseren Besten zählen, haben im H i l f s v e r e i n deutscher Juden zugunsten ausländischer Glaubensbrüder jahrelang an erster Stelle gewirkt. Die Arbeiten der loa, des Esra, der Agudas Jisroel dort, wo Inden Not litten, und dort, wo in umfassender Weise Siedlungen geschaffen wurden, haben stets unsere Sympathie gefunden. Wir haben an dieser rnertvollen Arbeit bisher nicht selbst teilnehmen können, weil sie außerhalb der uns durch unsere Satzungen gezogenen Grenzen lag. Soweit wir es vermochten, haben wir sie gefördert. Auch Palästina ist uns, die nur in: Religiösen das Herzstück des Judentums sehen, und die tvir stolz ans eine große Vergangenheit sind, ein „Heiliges Land". Und jede Siedtungsarbeit auch in Palästina erscheint uns der Förderung wert, die nicht, wie die zionistische, im „Nationalen" zuungunsten der Religiösen das Ein und Alles jüdischen Aufbaues sieht. Winterarbeit öes knstituturn Judaicum. Professor Elbogeu spricht über „Esra". Das Institutum Judaicum an der Berliner Universität veranstaltet eine Reihe von Vortragen unter dem Titel „Bilder ans der jüdischen Religionsgeschichke". Der erste Vortrag fand am 29. Oktober statt: der Saal war lange vor Beginn durch eine vornehmlich christliche Zuhörerschaft über füllt. Der Direktor des Instituts, Prof. O. Tr. Greßmann, erösfnete den Abend mit einer Ansprache, in der er betonte, daß wie alle Universitätsinstitute auch das seine lediglich wissenschaftliche und keine missionarischen Aufgaben verfolge. Es habe sich das Ziel g e st e ck t, das n a ch b i b l i s ch e I u d e n t u m w isse n schaft - l i ch z u erforschen, das nicht nur, weil es die Mutter d e s E h r i st e n t u in s ist, sondern auch wegen seiner Bedeutung als lebendige Religion Anspruch daraus habe, an der Universitas jltorarum vertreten zu sein. Wie namhafte evangelische Theologen wiederholt erklärt haben, sei auch er der Mennrna. daß.das Judentum Anspruch ans cme theologische Fakultät an der Universität habe, und die religionsiviyenschastliche Arbeit jüdischer Forscher rechtfertigt diesen Vorschlag. Wenn jetzt eine starke judengegneri'che Welle durch das deutsche Volk geht, sei gerade die Wissenschaft berufen, in ruhiger, sachlicher Arbeit die Begriffe zu klären. ' Hieraus erteilte er Prof. Dr. E l b o g e n das Wort zu dem Vortrags „Esra und das nacl-erilische Judentum". Seine historische Tat sei die Aufrichtung der Religion der Thora, einer lebendigen, entwicklungsfähigen Lehre, die den Glaubensproblemen der Jahrhunderte standhalten konnte, eines Gebotes, das kein Joch, sondern freudige Erhebung war. Durch Einführung regelmäßiger Vorlesungen aus der Schrift erhob es diese zu einem der wichtigsten Erziehungsmittel der Menschheit, begründete gleichzeitig die Laiengemeinde und den religiösen Individualismus mit seiner edelsten Blüte, dem Gebetsleben. Die Begeisterung für diese Retigion befähigte ihre Bekenner zum Martyrium. Ein hanöel. Betrachtung Zum Wochrrrabschintt. Ein eigenartiges Momentbild aus dem Leben ältester Zeiten. Der erste Handel. Eben ist Abraham die Gattin gestorben. Ta steht er aus von seiner Toten, um zu handeln. Hat er denn kein Herz, dieser Jude, kann er nicht eine Weile in stiller Trauer verharren? Ihr liebevollen Spürhunde, die ihr unsere heiligen Bücher mit solcher Emsigkeit nach Spreu und Staub durchsuchet, warum bringet ihr denn gar nichts von diesem Handel des ersten Inden? Abraham steht vor den Fürsten des Landes. Was braucht der reiche Herdenbesttzer in dieser ernsten Stunde? Er will ein seltsam Ding, ein Grab sür seine teure Tote. Und nun seht euch einmal diesen Handel an. Wer fälscht, wer übervorteilt, wer wirst mit Schmeichelworten um sich, um den Käufer zu locken und zu betören? Wahrlich, die Kcmcmiter, die Kramer, waren damals nicht die „Fremden", sondern die im Lande saßen. Tu sollst das Beste der Gräber haben. Wer könnte dir, Fürsten Gottes, etwas versagen? Ich schenke dir das Land, ruft der eine, der das gute Geschäft wittert. Begrabe nur deine Tote. Was macht denn das zwischen uns ans? Uebrigens es kostet vierhundert gute, vollwertige Silberschekel. Nun ist es heraus. Er nutzt die Notlage des Fremden aus. Biele gute, süße Worte, und der Jude muß zahlen. Ein alter Handel? Nein, ein ewiger, sich immer von neuem wiederholender Handel. Tie Inden beuten die Völker der Welt aus (schreien die andern), sie bemächtigen sich ihrer Neichtümer, sie beherrschen die Welt. Was ist ihnen denn von all den guten Geschäften geblieben, die sie nun schon seit Jahrtausenden treiben? Arm und elend ist die Masse des jüdischen Volkes. Ihr Gold hat man immer recht gut verstanden, ihnen wieder abznnehmen. Sie verstanden das Geschäft, die Herren des Landes. Und war man nicht willig, so fanden sich rohe Fäuste, die sanft nachhalfen. Was ist die Bilanz des jüdischen Handels? Gräber sind uns geblieben, Gräber in allen Teilen der Welt. Das ist der Ertrag des Schweißes von Millionen durch Jahrtausende. Und doch, unterschätzet sie nicht, die Macht dieser Gräber. Einst werden sie sich mtfhm und ein lauter Schrei sich erheben nach Gerechtigkeit. Er wird widerhallen bis zum Throne des allmächtigen Gottes. Wohl dem, der vor seinem Gerichte besteht. Hoffmarnr.