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Central-Verein-Zeitung · 1925-11-13 · 46 (13.11.1925) · p. Seite 732

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
46 (13.11.1925)
Date
1925-11-13
Page
Seite 732 (sequence 7)
Language
German
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732 .Lieblosigkeit ist öle Wurzel alles Urbels." UnwerfitätSprofcsior Schröck (Köln) zur Indensrage. P v t b c m c v t u n g. 5?cim 2 5 t a b r i ß c n Jubiläum der Solltet HandwcrksLa m m e r batte ich Gel.aenheit genommen, mich über die Stellung des Iucdeirtums zum Handwerk, seine Aussasinng von denen sittlichen Werten zu äußern, sowie über weine fast dreißigjährigen Ersabrnngen vorn ersprießlichen, verständnisvollen ZusainmeMoirten der Bekenntnisse in unserem Köln ans allen Gebieten. Im Anschlag daran übersandte mir Professor 8 et; liu r. der bekannte Anglist der hiesigen Universität, seine Studie „V ö l k c r p s v ch o l o g i e". und zroar, wie er mir schreibt, „unter demschönen Eindruck Ihrer Tischrede beim gestrigen Festmahl der Hmidwertskaimmr, mw indem ich mich der Hoffnung hingebe, dag Sie die Aussührungen ans Seiten 36 bis 38 in dem Lrenischen Sinne anfnehmen, in dem sie ßenreint sind". — Ich halte diese Ausführungen für bedeutsam genug, sie den weitesten Kreisen bekannt zu nrachen. Sie snd in der erwähnten Schritt (Sonderdruck ans: „Probleme der englischen Sprache und Kultur', Festschrift für Iobanes Hoops znm 60. Geburtstage, Germanische Bibliothek ] l *20. Carl Winters Universtätsbnchhandlimg in Heidelberg"! geknüpft an die Forderung, „die einzelnen Böller zu verstehen, zu erkennen, wie sie geworden sind. Damit dienen wir auch der ganzen Menschheit wie ledern einzelnen Borke am besten, gegenüber der furchtbaren Verhetzung und wechselseitigen Mißdeutung, die such auf oberflächliche Schlagwörter stützt". Ter Geist echter Wissenschasl, dazu ans einem Gebiete, auf dein Männer wie Lazarus und Steinthal bahnbrechend geworden sind, und des ans der echten Wissenschaft strömenden echten Hninanismris obwaltet in! dem „Werturteil" Professor Schröers zur Indenfrage.! Nadbiucr Dr. Noscrrthal (Köln). Wohin kommen wir. Yoenn z. B. das m. E. jedenfalls nicht am wenigstens wertvolle Volt der Weltgeschichte, die Juden, deren tiefgehende Einwirkung auf alle hente^lebenden Kulturvölker unleugbar ist, bei völkerpsychologischen Betrachtungen vielfach als ob gar nicht vorhanden übergangen oder höchstens nur oberflächlich gestreift werden, und über die man kaum ein ernstes Wort reden darf, ohne sofort entweder als Antisemit oder Philofeinit gebrandmarke zu werden? Ich will gerne zugebeu. das; mein hier geäußertes 29errurfcil subjektiv erscheinen mag, obwohl es das Ergebnis entften Nachdenkens und Prüfens während eines halben Jahrhunderts ist; also möge dies Werturteil meinethalben als Werturteil dahingestellt bleiben.^ Aber, ist cs wissenschaftlich, daß;nan aus Scheu, zu noch ungewissen Werturteilen zu kommen, dem Problem überhaupt ängstlich aus dem Wege geht? Was für schiefe Urteile, von der Parteien Haß und Gunst gemünzt, sind über die Juden im Umlaus! Tie Juden sind an sich z. B. weder komisch, noch feige, noch irgendwie.- sonst minderwertig, sie können aber all das und noch viel mehr' werden, sobald sie aus ihrem natürlichen Gleise geraten. Wo sie ihre ihnen besonders eigenen traditionellen Stammeseigenheiteu bewahrt haben, sind ans dieser unverneglichen Kraftquelle, auch wenn sie sich in fremde Kultnrwelten hinemleblen, nicht selten die edelsten Blüten am Baume der Menschheit erblüht. Nur wo sie es ausgabeu, sich selbst treu zu bleiben, und als etwas anderes erscheinen wollten, kamen sie aus ihrem natürlichen Gleichgewicht. So ist die stttliche Entrüstung edler Juden, wie die des bekannten Marburger Philosophen Professor H e r mann Cohe n, zu erklären, wenn er das deutschfeindliche Benehmen ehemaliger deutscher Juden im Auslände brandmarkt und n. a. („Deutschtum und Judentum", 44) schreibt: „Aber es gehört hierher auch, die Schmähungen des französischen Philosophen bkoßzustellen, der mit allen Mitteln der Virtuosität und der Reklame, die Leider auch reichlich in Deutschland ihr Glück machte, als ein Originalphilvsoph sich aufspielte; er ist der ^ohn eines Polnischen Juden, der den Jargon sprach. Was mag in der Seele dieses Herrn Bergson Vorgehen, wenn er seines Bakers gedenkt und Teutschlaud die .Ideen' absprichU" Es ist bezeichnend, daß gerade diese „Abtrünnigen", die dem Judentum laugst den Nucken gelehrt zu haben glauben, in ihren Anschauungen und Empfindungen oft so auffallend übereinstinnuen und sich gegenseitig verherrlichen, ohne sich dessen bewußt zu sein, daß das, was sie aneinander bewundern, im wesentlichen Werte sind, die sie dem Judeutlrme verdanken. Das Schlimmste dabei aber ist, daß nicht nur unleugbare Werte cmf diese Weise in den Vordergrund drängen, sondern auch Gutartungen, wie z. B. ungesund übertriebenes Interesse für Sexuelles und Perversitäten, die, wenn sie literarisch mit Vorliebe und niedriger Spekulation auf Sensation behandelt werden, nur zu leicht ihr Publikum finden. So wird unsere deutsche Literatur von einer gewissen Sorte uon Literaten verseucht und Urteil und Geschmack des Publikums verwirrt, es wird z. B. ein Schriftsteller wie Gustav Mcyrinck*) als ein großer deutjcher Künstler augepriesen, dessen Stil allein schon, ganz abgesehen von dem Inhalte seiner Geistesprodukte, aus Schritt und Tritt den jüdischen Jargon widerspiegelt, der mir seit meiner Kindheit vertraut ist — denn mehr als die *) Hier ist dem geschaßten Verfasser ein Irrtum unterlaufen. Gustav Meyrinck ist weder Jude noch jüdischer Abstammung. Die SchrtfNritung. Hälfte meiner Mitschüler und intimsten Freunde am akademischen Gymnasium in Wien waren Juden —. aber doch kein rein deutscher Stil ist. ^l> werden die Begriffe völlig verschoben. und das Urteil verwirrt. Wieviel wertvoller, interessanter und charakteristischer für jüdisches Wesen und literarisch dramatisches Können ist dagegen das rein jiddische Theater! Und in der Wissenschaft, was haben wir doch für lautere, vornehme Gelehrtengestalten, die ihrem jüdischen Wesen treu geblieben und damit vorbildlich in rührender Bescheidenheit und unermüdlicher sachlicher Hingabe gewirkt haben und noch wirken, seinsinuige Geister, über alle Eitelkeit erhaben in ihrem reinen Idealismus, und dabei gute Deutsche! Wir brauchen nur unseren unschätzbaren Herausgeber der ags. Gesetze $u nennen. Könnten wir eitle solche ehrsnrchlerwcckende Gestalt in unserer Wissenschaft iniffcit? Gerade die wundervollen Züge jüdischer Ethik und Geistigkeit, gepaart, aber nicht verwischt, mit deutscher Gclehrtenart machen rhu uns teuer. Wir wünschen uns ihn gar nicht anders und verlören unsagbar viel, wenn nur ihn nicht hätten, ihn und seinesgleichen! Air ein Anssterbcn. wie es Felir A. Theithaber (..Ter Untergang der deutschen Juden." Eine volkswirtschaftliche Studie, München 1911) im Auge hatte, ist wohl in absehbarer Zeit nicht zu denken, und ein endgültiges Erlöschen dieses Blenschheitstypus, dem nur doch letzten Endes einige der lebenskrästigsten Wurzeln unserer ganzen Kultur verdanken, wäre ein Ereignis von welterschütternder Tragik und ganz unübersehbaren Folgen. Es kann sich also nur um ein Erhalten und Bewahren in möglichster Reinheit handeln, zum Besten der Juden und zugleich dem aller andern. ^Tas kann aber nur von einer ganz andere n Verwertung dieses „Malzes der Erde" erhofft werden, als sie bis jetzt seit der Zerstreuung der Inden in alle Wclt verwirklicht, geschweige denn erfüllt worden ist. Die Inden müßten, wie es ihre Bestimmung ist — soweit wir überhaupt geschichtlich im Rahmen der uns übersehbaren Atenschheitsgeschichte urteilen können — zum 3c ßeil der g auzen Menschheit werden, und n i ch t z u m F t u ch , als ein Gottesvolk, das seiner hohen ethischen Werte und Geistigkeit wegen allen Kindern dieser Welt vorbildlich und somit förderlich sein könnte. Das Judeutuur in seinen traditionellen Werten kann die Menschheit nicht missen. Tenn auch Ghristus ist gekommen, nicht um es aufzulösen, sondern zu e r - füll e n. In dieser Erfüllung und dadurch heilsamen Wechselwirkung zwischen Judentum und der übrigen Menschheit, nicht in der Vermischung und dadurch im Untergang des Judentums und der Verwirrung der übrigen Menschheit, läge das gesuchte Reich Gottes auf Erden,'das vorderhand von den Engländern einseitig und ausschließlich proklamiert wird. Gewiß hat die Befreiung der Juden aus jahrhundertelanger Unterdrückung mid Verfolgung durch das Unvermittelte ihres ungehinderten Eintritts in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der anderen Völker unerwartete Störungen und Schwierigkeiten hervorgernfen, deren Ende gar nicht abznsehcn ist. Aus welcher Seite da ein Verschulden anzunehmen ist, und was für eines, sollte, hier doch vor allem sine ira et studio geprüft werden. Ist es doch eine tragische Tatsache, daß oft edle Juden gerade in dem ehrlichen Bestreben, es ihren nichtjüdischen L-andslcuten recht zu machen oder gleich zu tun, damit am wenigsten Erfolg haben, so daß, wie immer sie es machen, es immer wieder falsch ist! Man macht sich meistens gar keine Vorstellung davon, was gerade edle Juden, die mit vollem Herzen gute Mitbürger sein wollen, bei ihrem ethisch so seinen Empfinden und daher natürlich auch bei ihrer übergroßen Empfindlichkeit leiden müssen, wenn sie das Gefühl haben, trotz redlichsten Bemühens nicht als voll genommen zu werden. Doch ist dabei irreleitend, wenn man in solchen Fällen sich über „Vorurteile" beklagt, sticht die Vorurteile sind das Schlimme, sondern die Ungerechtigkeit, Unduldsamkeit, Lieblosigkeit, mit der diese Vorurteile verwertet werden. Wenn mau mit einem Juden zu tun hat und dabei erfahrungsgemäß a priori von der Amwhme ansgeht, daß er ein besonders zärtlicher, selbstausopfernd fürsorglicher Gatte und Baker ist, ist das geradeso ein „Vorurteil", wie wenn man bei ihm irgendeine durch die jahrhundertlange Leidensgeschichte seines Volkes erklärliche Eigenheit oder Schwäche als wahrscheinlich voraussetzt. Wir sollen unsre Mitmenschen aber mit all ihren starken und schwachen Seiten gerecht zu. beurteilen suchen und lieben! Mir sind meine jüdischen Freunde nicht als abstrakte Schemen, sondern als wirkliche Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen teuer, selbst wenn sie an letzteren nahezu ebensoviele haben sollten wie ich selbst. Vorurteile sind also nicht die Wurzel des Nebels, sondern gedankenlose Lieblosigkeit. Die Richtjudcu sollten sieh doch vor allem ernstlich die Frage vorlegeu, was s i e denn machen würden, wenn f i e Juden wären. Einfach ist diese Frage freilich nicht zu beantworten, aber dadurch, daß man ihr feige aus den: Wege geht, wird die Sache für beide Teile nur schlimmer. Dadurch femnten die unleugbar großen Werte jüdischen. Wesens einerseits nicht zu freier und der ganzen Menschheit segenbringender Ausgestaltung, anderseits können sie durch falsche Verwertung zu verhängnisvollen Gefahren ausarten. Wenn mau dieses große, ganz Europa und nun auch Amerika bewegende Problem, anstait eS zu vertuschen, objektiv, d. h. vi) l k erp sy ch o l o g i sch behandelte, würde man gewiß zu einer Lösung gelangen, die der Wurde der Menschheit entspräche.

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