Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 45 (6.11.1925)
- Date
- 1925-11-06
- Page
- Seite 718 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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718 Ierne pointierte Schlußfolgerung unterschreiben: Die Deutch e n wurden erst Deutsche, als sie a u s g e h ö r t > a 11 e n, Ger m anen zu sei n. Im Germanentum der Deutschen kann also Lein Hindernis für den Juden liegen-, im Deutschtum aufzugehen. Denn all das geistige Gut, das den heutigen Deutschen geschaffen hat, ist ihm ebenso Zugänglich und von ihm aufnehmbar wie dem Deutschen. Selbst die verschiedene Religion kann kein Hindernis sein; denn das Christentum ist Geist vom Geist des Judentums und dem alten germanischen Götterglauben — von dem wir übrigens sehr wenig wissen — so fremd wie dieses, mag man über die Artgemäßheil des Christentums zum Germanentum denken wie man will. Die historische Entwicklung ist nicht inehr ungeschehen zu machen. Dennoch wollen romantisch-völkisch denkende Deutsche noch immer das Germanentum für sich in Anspruch nehmen und diezwischen uns und jenem liegende Umwälzung ignorieren! Sancta Simplicitas! Ja, sagt eine andere Gruppe von Romantikern, was den germanischen Geist betrifft, mögt ihr recht haben, aber den Germanenkörper haben uns die Vorfahren vererbt; den könnt ihr uns nicht wegstreiten. Es ist in diesen Blättern schon oft ausgeführt worden, wie gering der Anteil rein germanischen Volkstums bei den heutigen Deutschen ist; je nach der mehr oder minder scharfen Umgrenzung germanischer Merkmale wird er auf 2 bis 30 Prozent geschätzt. Es ist nicht anders wie bei dem semitischen Einschlag bei den deutschen Juden. Er ist natürlich auch vorhanden, oder sagen wir besser, ein vrientalischer Einschlag ist da. Aber er ist zahleumäsiig wohl nicht viel größer als der rein germanische Einschlag bei den Deutschen und geistig und kulturell ganz bedeutungslos. Nichts also in der körperlichen wie in der geistigen Struktur hindert „arische" — übrigens eine lächerliche Bezeichnung für einen fingierten Adel — und jüdische Deutsche, sich zu verstehen und zu vertragen. Seit anderthalb Jahrtausenden sind beide Gruppen der Deutschen von bcn gleichen Schicksalen betroffen worden; ihren Geist hat die gleiche Entwicklung und ihren Körper dasselbe deutsche Lund in gleicher Weise beeinflußt. Was wollen die geringfügigen religiösen Differenzen neben diesen gewaltigen Einwirkungen besagen? Es gibt äußerliche, aber keine» tiefgehenden Verschiedenheiten zwischen jüdischen und christlichen Deutschen. Ein Nebeneinander-, ja ein Zusammenleben aus dem gemeinsamen Heimatboden ist möglich und nötig. Die öejHießung von Damaskus. Das JuDeiwiertel schwer beschädigt, hunderte Juden getötet. Wer Damaskus mit seinen halbdunklen, von einer bunten Menge belehren Basaren, nüt dem Gewimmel seiner Moscheen. dein breiten Grün seiner Fruchtgärten, der stets von Beduinen und Trusen besuchten Borstadt Meidan kennt, den traf ein Stich ins Herz, als die Tageszeitungen die Beschieß u n n. von Damaskus berichteten, die Hunderten von Unschuldigen einen frühen Tod bereitete und Hunderte von alten, ehrwürdigen Bauwerken vernichtete oder teilweise zertrümmerte. Da die ..Times" insbesondere das zwischen dem Hmnidiebasur und der „Geraden Straße" gelegene Viertel als das mu schwersten beschädigte bezeichnen, das zu einein Teil an das I i: denviertel grenzt, so ist leider die Furcht Wahrheit geworden, daß auch die starke Damaszener Judengemeinde durch die Beschießung betroffen worden ist. Es scheint also sicher, daß die Granaten ihren Weg in verschiedene sehenswerte jüdische P r i v a t h ä u s e r gefunden haben. Diese Häuser, die einer baugeschichtlichen Würdigung noch bedürfen, enthalten geräumige, durch Stockwerke gehende Säle, reich, meist überladen verziert in einer eigenartigen Mischung islamischer Kunstsormen und nwderner italienischer Marmorarbeit. E. N. Adlers: „Bon Ghetto zu Ghetto" ist einer dieser Säle, allerdings recht mäßig, abgebildet. (S. 12.) Weit bedeutungsvoller sind die sehr alten, mit Bilder- und Ornamentenschmuck versehenen B i b e l h a n d s eh r i f t c n , die in den Synagogen mit Stolz gezeigt werden. Ter jüdische Weltreisende I. I. Benjamin beschreibt sie in seinem Buche: „Acht Jahre in Asien und Afrika" (18-36 bis 1855), S. 59, und datiert die eine vom Jahre 989, die andere sogar von 589. Sb die Beschreibungen zutresfen, wäre der Untersuchung wohl wert. Ten deutschen Soldaten, die im Weltkriege durch Damaskus zogen und das Judenviertel besuchten, wurden die Handschriften noch gezeigt. Mögen vor allem die B e r l u st e an Menschenleben in der jüdischen Gemeinde nicht so groß sein, wie die ersten Meldungen besagen? . Daß die Beschießung viele Opfer gefordert fjat, wird man leider kaum bezweifeln können. Tie uralte Gemeinde, die schon z u H e r o d r s Zeiten bestanden hat, hat früher schon manche Vertreibung und Verfolgung aus sich nehmen müssen. Sie war früher stark an Seelen. Der jüdische Reisende Benjamin von Tudela spricht von 3000 jüdischen Famiuen, die etwa um 1170 dort lebten. Ter Orientalist Alfred v. Krem er spricht noch 1853 von 4000 Seelen. Genau ist ihre Zahl auch heute nicht sestzustellen. Sie ist aber auch in unserer Zeit stattlich, besitzt jedoch im Gegensatz z. A. zur Kairiner, keinen großen Einfluß und auch in geistiger Beziehung keine besondere Stellung. Die Mitglieder sind sind zu einem großen Teile Espagniolen. Ter letzte Karäer — 200 Seelen lebten zu Benjamin von Tudelas Zeiten dort, ebenso 200 Samaritaner — starb etwa 1S00. Es wäre erfreulich, von dem Schicksal der alten Damaszener Gemeinde bald genaue, zuversichtlichere Nachrichten zu erhalten. Wst wünsü)en ihr und auch den mohammedanisch!: und christlichen Einwohnern der uralten syrischen Hauptstadt, daß sie sich schnell von den: schweren Schicksalsschlage aufrassen und neues Leben ans den Ruinen envecken. Das ist ösr wahre Deutsche! Eine Rede Des Dresdener Bürgermeisters im Verein für das Deutschtum im Ausland. Der vor kurzem zum ersten Vorsitzenden des Landesverbandes des Vereins für das Deutschtum im Auslande berufene Dresdener Bürgermeister, Reichstagsabgeordneter Tr. Külz, äußerte sich bei der Gründungsfeier einer neuen Dresdener Ortsgruppe dieses Vereins in einer Rede in Progrannnatischen Ausführungen über das Wesen wahren Deutschtums. Deutsch ist nicht der allein, jo führte er aus, der seine Vorfahren verfolgen kann in die Zeiten, wo sie aus Bärenhäuten im Teutoburger Walde lagen, deutsch ist nicht der, der seine deutsche Gesinnung auf allen Gasse:: ausschreit; denn leise spricht ^er Deutsche von dem, was er an: tiefsten fühlt, deutsch ist auch nicht der, der jeden anderen diskreditiert, der nicht zufällig seine eigene politische Gesinnung teilt. . . Deutsch ist, wer deutsche Kultur als eigene Knttrrr empfindet, wem die großen Ahnen des deutschen Geistes seine eigenen geistigen Ahnen sind; deutsch ist, wer das Erleben seines Volkes als eigenes Erleben fühlt; deutsch ist, wer die großen Persönlichkeiten und die großen Taten der deutschen Geschichte innerlich miterlebt; deutsch ist, wer die Not des deutschen Volkes als eigene Not empfindet und sich in dieser Not mit seinem ganzen Ich cinscht für fein deutsches Vaterland. Deut s ch ist kein R a s j e b e g r i s s und kein Produkt einer S tammbaumsor schu ng, sondern deutsch ist ein gewaltiges historisches Geschehen, ist eine ungeheure wirtschaftlich Energiequelle, ist ein ungeheurer Kulturbegrisf. ist ein Menschheitswert und eine Menschheitsidee, ohne welche die Menschheit nicht das wäre, was sie heute ist. Wer so das Deutschtum erfaßt, wird sich zu ihm gerade in der Zeit der Not mit Stolz, aber ohne Ueberhebung bekennen. „Den Treuesten öer Treuen". Die Denkmalsenthnllnng in Düsseldorf. Am letzten Sonntag ging unter gewaltiger Beteiligung der jüdischen und christlich!: Frontkämpfer und Gemeindemngtieder von D ü s s e l d o r f u n d U m g e g e n d die Enthüllung des Ehrenmals für die Gefallenen, eines Werkes des Bildhauers Leopold Fleischhacker. aus dein neuen Düffeldorser Friedhof vor sich. Das stolz und doch bescheiden ragende Denkmal ist durch die Ortsgruppe Düsseldorf des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten unter Leitung des rastlosen Vorsitzenden Ralph Lew in entstanden. Der erste Vorsitzende der Syuagogengemeinde Düsseldorf. Felsenthal, nahm das Denkmal in feine Obhut. Rabbiner Dr. Esche l buche r feierte iu hinreißenden Weiheworten die 112 Helden der Düsseldorfer Gemeinde, die ihr Letztes für das Vaterland hingegebon haben. "Ralph Lew in für. die Ortsgruppe Düsseldorf, Dr. Weinberg (Köln) für den westdeutsche!: Landesverband des Frontbundes fanden treffende Worte an heiliger Stätte. Im Namen der Stadt Düsseldorf legte Bürgermeister Genßen einen Kranz nieder. General Diesfenbnch, der Vorsitzende der Ortsgruppe Düsseldorf des Deutschen Ossiziersbundos, widmete den Helden diese Ansprache: „Die Treuesten der Treuen, die Helden des Weltkrieges s i nd diejenige!: K a m eraden, die irn Schützengraben gelegen haben. Viereinhalb Jahre habe ich in i t t i e f ft c r B eweg u n g der: Heldenmut der Kameraden u n -t e r den: T r o n: n: elfe u e r bewundert. Solange ich noch einen Atemzug i n meiner V r u st habe, w er de ich in t i ef st e v Dankbarkeit und Treue der g e s a l l e n e ndeutschen Helden gedenken." Für die evangelische Gemeinde führte Pfarrer Jacob: aus: „Die evangelische Genwinde Düsseldorf nimmt teil ar: den heiligen Handlungen, welche heute die Synagogengemeindc und der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten begeht. Wir gedercken auch derer, die Seite an Seite mit unseren "Glaubensgenossen für das Wohl unseres teueren Vaterlandes ihr Leben hingegeben haben. Gott, der Herr, gebe, daß aus dem Gedenken an diese Treue eine Segensfrucht für unser Baterland erwachse."