Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 44 (30.10.1925)
- Date
- 1925-10-30
- Page
- Seite 709 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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709 Das hrilige San- -er Eintracht. Die Seilbronner Denkmalseinweihnng. Am Sonntag, den IS. Cftofrcr, wurde in Heilbronn das Denkmal für die zahlreichen Gefallenen des Füsilierreguuents Nr. 122 enthüllt. Tie Weiherede hielt Generalleutnant v. Trieb i g, der der letzte Friedens- und der erste Fcldzugskommandeur des Regiments gewesen ist. Skaehdem er die bewundernngsavürdigen Heldeutaten des Regiments im Weltkriege gewürdigt hatte. wurde das Denkmal enthüllt. 10S Offiziere und 4040 llnteroffi)\nc und Mannschaften des Regiments haben den Heldentod gestunden, eine gewaltige Anzahl, derer heute noch alle wahren Patrioten mit Wehmut, Tnnkbarkeit und Stolz gedenken. Nach einer Rede des Oberbürgermeisters Beutinger Hch'ilbronn) lind der Geistlichen der leiden christlichen Konfessionen mrlM Stadt- und Bezirlsrablsincr Tr. B e e rm n n n (Heilbronn) das Wort und führte aus: „Tos Teukmat, das pietätvolle Liebe schuf und weihte. ruft uns zu: Ans Vaterland, ans teure, s ch l i e st d i ch an, hier find die st arte n W n r Z c l n deiner k rast. Das Vaterland liebeln heisst aber nicht nur, die Verge und Täler der Heimat schätzen, sondern die Menschen zu heben lind zu fördern suchen. Tie Seele der Liebe ist die Liede der Seele, die das Göttliche und Einige zu vermitteln sucht. So mag der Hirsch. Württembergs Abzeichen, der diesen Denkstein schmückt, an das Pfatinwort erinnern: .Wie der Hirsch schreit nach dem lcbendeli Wassergucll, so lechzt unsere Seele nach dir. o Gott.' Gott gemäß leben, heisst aber llicht im Ich. sondern im Tu die erste Person schau, und Hingebung imb Ansopfern r;g üben. In diesem Geiste sind nufere Helden den Opsertod gestorben. S ü ß und e h r c n v 0 l l i st ' s, s i't r s L' a t e r 1 a 11 d z u st e r b e u. a b e r s ü st und e h r e n voll i st 7 s a n ch. f ü r s Vater! a n d z n l e b e n und i in stille n -v e l d e n t u m d e s A l l t a g s E n t s a g u n g z u ü b e n n n d Q n t b c 1} r n n g z n tragen. Tie Römer -erzählten von einem Abgrund, der sich erst schloh. als ein opsermntiger Reiter sich freiwillig mit seinem -'kos; hinoil-stürzte. Ilm uns herum gähnt der gefährliche Abgrund der Zwietracht, der sich auch nur schliefst, wem: der gute Geist der Gutsagung und des Verzichtes am Werte ist. In den Augusttagen 1914 erfüllte uns heilige Eintracht, und während des Krieges sprachen wir von Burgfrieden und Schützeugrabei-geist. Angesichts der unendlichen Spser. die doch alle Richtungen, Bekenntnisse. Gruppen und Stände aus dem Altar des Vaterlandes au Gut und Blut dargebracht hoben. ist stan der Zeit, das; ein heiliges .V and der Eint r a ch t uns alle wieder umschlingt und wir das Tichterwort beherzigen: .Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Nor uns trennen und Gefahr'." Scholl Generalleutnant v. Triebig hatte zur Einigkeit im deutschen Botte gemahnt im Hinblick aus die Gefallenen und hatte treffend ausgeführt, sie sei für unseres Vaterlandes Macht und Größe unerläßlich. — Ter Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Heilbronn, halte, gleich lvie andere militärische Vereinigungen, einen Kranz am Teukmat nie berge legt. Ein vermie-Lner Rrieg. WochenbetrachLrrug. Nicht arm, lvie später sein Enkel, hatte Abraham die Heimat Verlusten. Seine Habe war groß, und zahlreiche Knechte dien teil ihm. In dem neuen Lande hatte sich der Segen Gottes an ihm erfüllt. Neben ihm aber hatte sich eine andere Macht entwickelt. Auch Lot war grost geworden, reich an Schafen, Rindern lind Zelten. Und nun trat zwischen diesen beiden Mächten das ein, was für die meisten späteren Kriege die tiefere Ursache bildete. Tas Land trug sie nicht, um beieinander zu wohnen. Tenn ihre Habe lvar zu grost. Tie Partei Abrahams ging friedlich ihrem Berufe nach. Wenn sie auch wußte, das; das Land ihrem Herrn als Erbe verheisteu lvar, so lvar doch zurzeit der Kananiter der rechtmäßige Besitzer. Sie weideten also nur dort, lvo die Eigentümer es ihnen erlaubten. Tie Partei Lots aber trieb Macht- und Gewaltpolitik und fand auch ein Rechtsmäntelchen. mit dem sie ihre Gewalttaten verhüllte. Sic kiesten ihre Tiere aus fremden Feldern weiden. Wenn man ihnen Borlvürse machte, so erwiderten sie: Tas Land sei dom Abraham gegeben. Ta dieser leinen Sohn habe, so sei Lot sein Erbe. Ter Streit konnte nur durch Blutvergießen entschieden werden. Ta verkündete Abraham einen neuen politischen Gcdankeil. Ter Manu, der zum Segen der Familie der Erde werden sollte, konnte seine Laufbahn nicht mit einem Bruderkriege beginnen, Willst du zur Linken, so gehe ich zur Rechten. Willst du zur Rechten, so gehe ich zur Linken. Wieviel Kriege wären vermieden worden, lvie glücklich hätte die Welt sein können, lvenn die Mensehen dem erhabenen Vorbilde des Patriarchen gefolgt lvären. Ist nicht noch unermeßlich? Kulturarbeit zn keiften? Was streitet ihr euch und führet mörderische Kriege um einen Fetzen Landes? Wollt ihr euch nickst endlich daran erinnern, das; ihr Brüder seid, euch brüderlich die Hand reichen zur Erfüllung der grasten und schlvcren Ausgaben, welche nur in gemeinsamer Arbeit der Völker und Stämme zu lösen sind? Tas Glück per einzelnen und der Völker kann nur begründet werden durch Verständigung und durch ehrliche und friedliche Arbeit. H 0 s s m 0 n n. Mörschs VeraKftültrmgekr -er letzter? Woche. TRrö zionistische Aktiorrskounkec in Berlin — Prcssckorrsercnz mit Weizmanu und Sokolow — Inbotinski gegen die zionistische Leitung — Zionistisches Massenmeeting — Dr. Hcnrst Moskowitz über jüdische Kolonisation in Nustland — Zionismus und „Ort". Stach Beendigung des 14. Zionistenkongrcsses in Wien ist durch den Zusammentritt des Aktionskomitees b_e r zi 0 nisti - } dj c n Weltorganisation in Berli n der Schwerpunkt des zionistischen Interesses nach Deutschland verleg: worden. Tie letzte Woche brachte so in Berlin eine Reihe von offiziellen Veranstaltungen von zionistischer Seite, aber auch solche der zionistischen Opposition, daneben Kundgebungen anderer nichtzivnistischer jüdischer Gruppen, auf die durch die Parallelität der Ereignisse ein besonderes Licht fällt. * Einen sehr instruktiven 'Einblick in die Absichten der zionistischen Leitung gewährte der Presstempsaug, den ^otolow und Weizm a 11 n uu Kauer Hof am 22. Oktober abhielten. Tie deutsche Presse, insbesondere die Rechtspresse, lvar stark vertreten. Nach der Begrünung durch Kurt B ( u m e u f e l d legte S v k 0 - low in längeren Ausführungen die Grundzüge der zioniitischen Idee und die Beweggründe und Ziele des nationalen Pulästinaausbaucs dar. Weistnauu beantwortete hieraus eine gröstere Anzahl schriftlich an ihn gerichteter Fragen der Pressevertreter, die sich im wc'cutlichen aus die Jew*^h .äm-nae, die Ausuahmesähigkeil Palästinas, die wirtschaftlich? Lage in Palästina und auch ans das Projekt der jüdischen Kolonisation im Osten bezogen. Weizmann üusterie Zu diesem lebten Punkle Ansichten, die die gleich? Richtung erkennen lassen lvie die Ausführungen der ,,Jüdischen Rund'chau" zu diesem Problem, mit der nur uns weiter unten noch beschäftigen. * Wladimir Iabotinski. der Führer der^Zionistenrevionisten, sprach am 22. Oktober im Blüthner-^aal. Gr behandelte zunächst die Siedlnngsf r a g e in Palästina. Sollte sich die Einwandrung in demselben Blaste wie bisher weiter entwickeln, so um st Palästina aus sich selbst heraus für die wirtschaftliche Lage der Einwanderer sorgen. Tw E i u w a u d e r e r f r a g e wird zu^ einer A b s a tz s r a g e. Taster fordern die Revionisteu politischen ch 11 tz der P 1 0 dukti 0 u. Tie Unmöglichkeit, die Einwanderer in der I n d u st r i e nuterzubriugen. macht ihre Neberleitnug in die Landwirtschaft notwendig. L a u d w i r 1 s ch a s t! i ch e K 0 l 0 n i s a t i 0 n 1 st a b e r . w i c I a b 0 t i n s k i i n? G e g e n s a tz zu ossiz i e l l e n B e h a u p t im; g e u s e st stellt, h e u t e i n P a l ä st i n a a u § g e s ch t 0 s s e n. solange der freie Kauf und Verkauf des Boden? besteht, werden die Preise durch Angebot und Nachträge geregelt. Tadnrch werden der 'Spekulation Tür und Tor geöffnet. und die B 0 d e n p r e i s e ins llngc m offene gesteigert. Schon jetzt koste die Annedlung einer Kolonistensamstie -4000 Pstmd. Eine dritte ungelöste Frage ist die Forderung des S e l b st sch u tz e s g e g e n Men r a b i f ch e Gesa!; r. Iabotinfki eeliärt den Ansgang der Abstimmung auf dem Wiener K.ongreß für eine!I e b e r r a s ch u n g. Tie Delegierten fürchteten sich vor den ltonseguenzen ihrer eigenen Abstimmung. Tie -schuld daran misst Iabotinski de^Politik der Jowish Acrcncy 311. Tie Stimmung des 44. Kongreßes sei der Ausfluß der negierenden Politik der E relative. In diesen Ausführungen Iabotiuskis kommt die Unzufriedenheit weiter Kreise mit der Leitung zum Ausdruck, die nicht mit Unrecht als Krise im Zionismus bezeichnet werden kann. Wieweit diese Keife gediehen ist. sieht man an den krankhaften Bemühungen der leitenden Kreise, die Nichtexistenz einer solchen Krise zu beweisen. * Tie zionistischen Führer benutzen die Gelegenheit des in Berlin tagenden Attionslomitees zu einem Massenmeeting an: 2 5. Cf tob er. S 0 k 0 l 0 w sucht, ebenso wie vorher R 0 s e n b l ü t h . bei der Erössmmg feine Antchuger und wohl mehr noch das uichtziomslische Publikum' davon zu überzeugen, das: von einer Krise innerhalb des Zionismus incLjt die Red? fein könne. Tas, was man als Krise bezeichnet, sei nichts als eine g e? u u'd e Kritik. . rwkolvw ch?grünt es dann, daß jetzt endlich in zionistischen Reihen Tisziptm herrjchv. Tie einzelnen Gruppen müßten untereinander Burgfrieden halten, mtd es sei kein Grm.d, nustu'rieden zu sein, lveuu man auch zu geben in ü sie, daß noch mehr erreicht werden rönne, als bisher geschehen fei. Tic Lage des Zionismus in Palästina bezeichnet er als l»esriedigeud. Zunächst herrsche im Lande Ruhe, rväljrend ringsrun iu der arabischen Welt, besonders in Sprieu, ein Et:aas herrscht. Trotz der starken Zunahme der Einwanderung gibt cs iu Palästina teinc Arbeitslosigkeit. Ten Boden, der zur Äuüedlung benötigt wird, haben die Juden bisher mit ihrem eigenen Gelde angekanst und werden cs auch weiterhin tun. Mit Genugtuung stellt Sokolow fest, das; es in Palästina jetzt keine Juden frage, wohl aber eine Arabersrage gebe. Eine zusriedenstetteude Methode, diese zu lösen, bilde nicht die militärische