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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-30 · 44 (30.10.1925) · p. Seite 708

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
44 (30.10.1925)
Date
1925-10-30
Page
Seite 708 (sequence 7)
Language
German
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hiuwegzuwhen und so den Sprung von einem auf drei Mandate zu vollziehen/ Knüppeltunze scheint über seinen T r c i e r w a h l f i e g sehr erfreut zu sein, denn er triumphiert: „Welches ist null da? Ergebnis dieses Rennens? Der lahme Schinder (so wurde Kunze in völkischen Flugblättern tituliert, ihr Herren mit der völkischen Gesinnung, hat fast ebensogut Stimmen heransgeholb wie eure Partei mit allen Reichstags- und Landtag sabgeordneten/ Wenn das wahr ist, was Herr Kunze aus seinem Hauptbuch mitteilt. daß er den Wahlkampf mit 350 Mark in der Wahlkasse und 1000 Mark Schulden geführt habe, so ist sein Sieg sicherlich viel schwerer errungen als der seiner völkischen Rivalen. Wir haben keinerlei Grund, etwa unsererseits über die Niederlage der beiden völkischen Gruppen unsere Späße zu machen. W n l l c hat 27 543. Kunze 25 200 stimmen, und die Deutschnationalen haben s a st 4 0 0 0 0 0 Stimmen in reinen Arbeitervierteln erkämpft. Hier liegt die große Gefahr, die wir nicht unterschätzen dürgen. Mit allen Mitteln der Demagogie werden Tentschnatiouale und die 2 mal-3-Bölkischen, sich gegeniettig überbietend. den Berliner Rathanssaal in Wort und Schrift dazu benutzen., um weiter Eingang in den Kreisen leichtgläubiger Magen zu finden. Je größer die wirtschaftliche Not iw diesem Winter wird, desto leichter werden diese Piraten der Wirtschafrsnok das Ohr der Verzweifelten haben. Wer die Nebereiustimmung in gewissen Gedankengäugen aus völkischer und kommunistischer Leite kennt, wird wissen, wie notwendig gerade jetzt unsere Aufklärungsarbeit in den Massen ist. Esser, der als Vertreter Hitlers in Arbeitergegenden Groß- Berlins mehrmals in der Woche vor überfüllten Versammlungen spricht, machte am 26. Skt ober 1025 in der 0 Hausseestraße aus ] einem Herzen keine Mördergruben ,,Lieber als die Dcnlschnatrarraterr sind mir die Kommunisten, denn diese wissen wenigstens, was sic wollen, und diese lassen sich auch überzeugen. Wir kommen fetzt oster nach Berlin, denn darüber sind wir uns in München klar, das; die große Bewegung von Berlin ans erfolgen muß." Die Berliner Stadtvcrordnetenwahlen sind keineswegs dazu angetan. die Sorglosigkeit in uns zu stärken. Im Gegenteil! Wer den jndenseindlichen Wahlkampf auch der Deutschnauonalen erlebt hat und das Wahlergebnis mit gewissenhafter Sorgsalt liest, weiß, daß wir in diesem Winter ungeheure Anstrengungen werden machen in ü f s c n . lim großzügige Aufklärung der systematischen Verhetzung entgegenzusetzen. Seh—r. niederlage der WIkIfcfien in Baden. Die badischen Wahlen, die an demselben Sonntag wie die Berliner Stadtverordnetenwahlen stattsanden. haben fast dasselbe Kolorit, nur in einem unterscheiden sie sich, daß die Deutsche Bolkspartei im Gegensatz zu Berlin ihren Besitzstand am besten wahrte. Im übrigen Landtags- Reich^tags- Parteien Wahl wahl 26.10.25 30.10. 21 7.12. 24 Zentrum . « , . . 283 404 341 438 343 619 Sozialdemokraten . . . . 160 533 231 613 196 504 Demokraten ...... 66 842 76 254 92 595 Nechtsblock. 93 727 151 125 147 486 Deutsche Votlsparici . . 72 882 54 426 97 731 Kommunisten. 47 304 35 375 64 926 Wirtstlzastliche Vereinigung . 22858 114*29 IG 701 Deutsch-Völüsche . . . . 6 590 — — Deutsche Au fwertung - partci 4 146 — — Badische Pächter nsw. . . 2 829 — — Arb.-Hitler-Pnrtei . . . . 8 896 — — herrschte wie in Berlin bei allen Parteien Wahlmüdigkeit, und geradezu katastrophal wirkte sie sich bei dem Nechtsblock aus, der fast die Hälfte seiner Stimmen einbüßto. Auch die sonstigen völkischen und rechtsradikalen Grüppcherr können keinen Gr folg arrswciserr, dir ihre Stimmen nicht zu einem Mandat ansrcichtcn. Prozentual hat sich gegenüber der Reichstagswahl im Dezember vorigen Jahres der Stimmennnteit bei den Sozialdemokraten von 20 ans 20.9 Prozent, derjenige des Zentrums von 34,6 aus 36,7 und derjenige der: Wirtschaftlichen Bereinigung von 1,7 auf 3 Prozent erhöht, wahrend die Demokraten und Kommunisten relative Verluste zu verzeichnen haben. Tie alten Regierungsparteien dürften also in dem Mrifterlcmdle mit einer zahlenmäßigen Majorität in den neuen Landtag einziehen. Schwarze Listen öer jüöischen Intelligenz? Wie die amtlichen Gelder der ,,Deirtschcn LlndcuLtttsckiast" mistbraucht werden. In den letzten Jahren mußte man häufig erleben, daß einzelne Fanatiker oder m Pogromp hau tasten schwelgende Gcheimbünde Listen der jüdischen Bevölkerung bestimmter Bezirke anlegten, sistbstvkrstän.dlich zu höchst „harmlosen" oder einwandfrei „wissenschaftlichstatistische!/ Zwecken. Bon der überwältigenden Bachrheit der deutschen Oesfentliehkeit ivurden derartige, lediglich eine Spekulation ans die niedrigsten Mordinstinkte darstellenden Btmlpoerke gebührend gebraudmartr. Blau maß aber mit Recht diesen Dingen keiiio allzu große Bedeutung bei: waren doch ihre Urheber meist höchst ^unbedeutende. schwer zu fassende Elemente. Anders liegt aber der Fall, wenn sich eine amtlichen Eharakter tragende Organisation in den Dienst dieser Bestrebungen stellt. Diesen „Ruhm" kann das K liitiirrt m t d e s K reifes Deut s ch ö st e r r e i eh (VI i V d e v Deut i ch e. n Studente n s ch a s t für sich in Anspruch nehmen. Die Studentenschaft Deutschösterreichs ist bekanntlich, im Gegensatz zn der mit ihr korporativ .znmmmengesehlonencu deutschen Studentenschaft. aus arischer Grundlage organisiert. Bis der haben sich diest völtiicheu Bor-ämpser in der Hauptsache durch ihre Hetzarbeit in der Deutschen Studentenschajt und ihre hervorragende Beherrschung der Vrügeltcehnik bekannt gemacht. Blau kann sich also ungefähr vorstelleu, welchen kulturellen Bestrebungen ihr Kulturamt zu dicn.en benimmt ist. Dieses Kntturamt hat als ossizielles Amt eines Kreises der Deutschen Studentenschaft das Recht, von den amtlichen Srganen der Deutschen Studentenschaft Auskünfte einznholen und sich ihrer Unterstützung bei seinen Erhebungen zu bedienen. Zn Ausübung dieses Rechts versendet es an die S t ir d c n t e n v e r - t r e tu ngen der deutschen Ho ch s eh u len einen fta t i st i {cf) c n Fragebogen, in b c m A n g a be n v e r -! a u g t werde n ü b e r die R amen der i n d e n e i u - z e l n c n Städten befindlichen leitenden A e r z t e der K r a u k e n h cmi s e r , der Universitätskliniken, H e i l a n st a l t e n . Sanatorien nsw.. über die R a men der T h e a t e r d i r e k t o r e n , der Z e i 1 n n g s r e d a l t e n r e , der Direktoren der Banken, der Lehrer. A n m alte. Richter nun. Bei jeder Rubrik steht eine besondere Frage, ans die anscheinend dieses „Knltnram/ besonderes Gewicht legt: „ . . . davon D D e u t s ch e — . . . A- Jude n/ Es werden dann noch weitere Angaben über die Führer der politischen Parteien, namentlich der Sozialdemokraten und Kommunisten, verlangt. Auch bei ihnen befindet sich selbstverständlich die eben angeführte Rubrik. Die „Republikanische Hochschul-Zeitung", das £ r g a n des K artell s republik a u i - s ch er t n b c n t c n , die sich gleichfalls mit diesem Fall beschäftigt, bemerkt dazu treffend folgendes: „Tie Teut'ckre Studentenschaft bat nach ihrer eigenen Satzung das Ziel, an den Ausgaben der deutschen Hochschule gegenüber dem deutschen Volke initznarbeiten. Tie österreichischen Studenten belehren uns setzt darüber, daß zu den Aufgaben der deutschen Hochschule auch eine Analyw des Kinobesitzerstandes ans den Grad seiner jüdischen Tnrchsctzung sowie ähnliche Untersuchungen an den Aerchen, Thcaterdirekteren, Redakteuren und Banken gehören. Wir glauben allerdings, daß die ärmliche österreichische Studentenschaft, der der Wiener Rektor trotz ihrer Minderheit die Würde einer osfisiellen Vertretung der Studierenden zutrkennt, über die wirklichen Aufgaben der Hochschule gegenüber ihrem Volk noch nicht genügend nachgedacht hat. Sic würde sonst gesunden haben, daß diese Ausgaben in Dingen bestehen, die die Studentenschaft Zwar weniger amüsant finden mag als eine Iudmistakistik. die aber für ihre eigene geistige 'Ausbildung und kulturelle Hebung bedeutend nützlicher wären und damit auch dein deutschen Volke maule kämen, dessen Würde zum erheblichen Teile in die Hand seiner Akademiker gegeben ist. Bei der „Sraefck/ und der Organisation „0" hat mau solche schwarzen Listen geführt: aber wie kann ein Kultnraint des Kreises Yfl der Deutschen Studentenschaft ihre Anlegung rechtfertigen?" Diese scharfe Kritik ist vollkommen berechtigt. Sie halt sich nur in zu engen Grenzen, mcim sie lediglich die materielle Kompetenz- Überschreitung zu rügen unternimmt. Denn die Anmaßung dieses Kulturamts tvird erst verständlich, wenn man berücksichtigt. daß ja diese ganze Aktion mit Hilfe der dem A m t zur Verfügung st e h e n d e n offiziellen Gelder durchgeführt wird, also mit Mitteln, die sich aus den Zwangsbeitragender Studierenden aller Parteien und Konfessionen u n b d e n S u b v e n t i o n e n der Negierungen zusammensetzen. Ans Kosten der amtlich aiiucvtrauten Gelder werden krasseste Parteiziele verfolgt. Anstatt pflichtgemäß an dem Aufbau des deutschen Kulturlebens und an der Erneuerung der deutschen Geistigkeit zn arbeiten, wird die amtliche Stellung da,Ul ansgenutzt. um Material für eine neue Hetzpropaganda Zu beschossen. Die Art und Weise, mic studentische Organe die ihnen anverk rauten Gelder verwalten, war in der letzten Zeit leider nur zn häufig Gegenstand unliebsamer Erörterungen. Der tut vorigen Monat neu gewählte Vorstand der Deutschen Studenten schuft hat bei feinem Amtsantritt versprochen, gegen Mißbrauche dieser Art energisch durchzugrcifeu. Blau wird deshalb erwarten dürfen, daß der Vorstand der Deutschen Studentenschaft das ihm unterstellte Organ gebührend in seine Schranken zurückweist. Die Vertreter der nichtvöltischen Srndentenorganisatiouen in den Studentenparlamenten! aber werden dafür zu sorgen haben, daß kein Organ der reichsdeukschen Studentenschaft die Oesterreicher lei ihren „kulturellen Erhebungen" unterstützt. VV. IL

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