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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-23 · 43 (23.10.1925) · p. Seite 698

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
43 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
Seite 698 (sequence 11)
Language
German
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698 Dr. ytrLur Lanösbergrr verteiöigt sich ... Zu der Besprechung de? Landsbergerschen Buches „Berlin ohne Inden" von Tr. Kurt Alexander, Krefeld (vgl. „C. B.-Zeitung" Nr. 40), sind uns eine große Zahl Zuschriften zugegangerr. Viele von ihnen finden die Besprechung des Buches zu milde und hätten eine schärfere Beurteilung des Romans gewünscht. Im Gegensatz zu diesen Aeußerungen au? unserem Leserkreise steht ein Schreiben, das Dr. Artur Landsberger am 13. Oktober an den verantwortlichen Schriftleiter der „(F. B.-Zeitung" gerichtet hat, und das wir im folgenden wiedergeben, da wir annchmen. das es auch diejenigen unserer Leser, die Landsbergers neuestes Buch ablehnen, interessieren dürste. Das Schreiben lautet: Sehr verehrter Herr Doktor! Sie zeichnen verantwortlich für den mir heut erst zu Gesicht gekommenen Artikel des Herrn Dr. Kurt Alexander (Krefeld» „Berlin ohne Juden", der sich mit mir und meinen Büchern beschäftigt. Darf ich an Ihr Gerechtigkeitsgefühl appellieren und Sie bitten, Ihren Lesern nun auch diese Erwiderung zugänglich zu machen. Herr Dr. Alexander schreibt: „Jedem anständigen deutschen Juden überkam bei der Lektüre der Landsbcrgerschen Romane der Ekel, wenn er sah, wie hier jüdische Charaktere in den Schmutz gezogen wurden." — Das ist eine ganz ungeheuerliche Behauptung. Bon meinen 22 Noinanen spielen überhaupt nur drei („Hilde Simon", „Moral" und „Millionäre") in einem jüdischen Milien. Tiefe drei Bücher sind in dem „Berliner Tageblatt", der „Vossischen Zeitung", der „B.-Z. am Mittag", der „Morgenpost", „Nationalzeitnng", „Berliner Börsen-Eonrier", der „frankfurter Zeitung", des „Prager Tageblatt", dein. „Literarischen Echo", also lauter Blättern, die den Juden zum mindesten nicht übel wollen, in langen Feuilletons ganz glänzend besprochen worden (die Kritiken stehen Ihnen zur Einsicht gern zur Verfügung^ speziell über „Hilde Simon" haben der verstorbene Profesior Ludwig Geiger in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" und der große' jüdische Literaturhistoriker Professor Georg Brandes aus Kopenhagen in einer Berliner Zeitung außerordentlich lobende Besprechungen veröffentlicht. Nicht ein ei n - ziger Kritiker (und cs befinden sich darunter prominente.jüdische Namen) ist auf deu Gedanken gekommen, daß hier der jüdische Charakter oder gar die jüdische Frau in den Schmutz gezogen werden. In „Hilde Simon" ist geradezu die Jdealgestalt einer jüdischen Frau geschildert, in „Moral" stehen gute Juden neben weniger guten, ebenso in „Millionäre", wo ganz aufs Aeußere gestellte jüdische Eltern einen Sohn und eine Tochter haben, die der bekannte Walter Turszinsky in einem langen Feuilleton der „Breslauer- Zeitung" als jüdische Jdealgestalten bezeichnet hat. Tiefe „Millionäre" sind in unzähligen linksgerichteten Blättern, darunter in hebräischer Sprache, in amerikanisch-jüdischen Blättern nachgedruckt worden. Bedarf es da noch eines Hinweises, wie unrecht mir Herr Tr. Kurt Alerander tut? — Kritik an deu Auswüchsen zu übern ist Recht und Pflicht eines objektiven Schriststellers. Bei mir geschah das stets in satirischer Form, und ich bestreite, dabei die Grenzen des Erlaubten je überschritten zu haben. Gänzlich unverständlich ist mir. wie Herr Dr. Alerander den angeblich von mir in einer Berliner Zeitschrift veröffentlichten Satz: „die Kokotte sei der vollendetste Frauentyp der Schöpfung" hier heranziehen konnte. Der völkische „Fridericus" und die „Deutsche Zeitung" haben ihn mir vorgeworfen. Er stand nie in einer Berliner Zeitschrift, soll vielmehr im Leipziger „Neigen", der vor etwa zehn Jahren ein paar Skizzen von mir nachdruckte, gestanden haben. Ich habe bent edlen Herrn Schlaikjer, der die Behauptung in der „Deutschen Zeitung" aufstellte, erwidert, daß ich mich nicht erinnere, je einen solchen Satz, den ich, zumal so aus dem Zusanunenhang gerissen, als ekelhast empfinde, geschrieben zu haben, und ich habe ihn öffentlich aufgefordert, mir zu sagen, wo dieser Satz steht. Er ist ttrfc bis heute die Antwort schuldig geblieben. . . . . Bitte, sehr verehrter Herr Doktor, lassen Sie mir die Gerechtigkeit widerfahren, Ihren Lesern diese Erwiderung, die ja nicht mehr als eine Berichtigung ist, bekannt zu geben. In vollkommener Hochachtung De. Artur Landsberger. Wir haben den Brief des Dr. Artur Landsberger auch dem Kritiker des Buches, Dr. Kurt Alerander, vorgelcgt und erhalten solgende Antwort: Ich habe den Brief des Herrn Dr. Landsberger mit großem Interesse und auch mit einer gewissen Freude gelesen. Zum Schlüße Besprechung gab ich ja schon der Hoffnung Ausdruck, daß Vas Buch vielleicht ein Zeichen dafür sei, daß Landsbergers Einstellung zu den jüdischen Dingen sich ändert. Ter Brief kann in dieser Hoffnung bestärken. Wenn die von mir kritisierte Wendung Landsberge-? über den vollendetsten Frauentyp von ihm tatsächlich nicht gefallen ist, wäre da? besonders erfreulich. Rach dem Material, das niir Vorgelegen hat, konnte ich keinen Zweifel haben, daß die Aenßerung geschehen war. Nach wie vor aber muß ich au der Auffassung sesthatten, daß die Schilderung jüdischer Typen in feinen früheren Werken nur eine erhebliche Schädigung jüdischer Jntereistn bewirkt hat. Wenn große Zeitungen diese Bücher lobend besprochen haben, kann das an meiner Ueberzeugung nichts ändern, denn dicke Blätter und nicht die Vertreter jüdischer Belange und infolgedcksim auch nicht hinreichend über das unterrichtet, was uns frommt. <cie haben ia auch keine Veranlasiung. ihre Besprechungen von jüdi'chcu Erwägungen leiten zn laßen. Auch an meinen-. Urteil über das jetzt vorliegende Buch vermag ich nichts zu ändern. Kurl Alexander' (Krefeld). Erknnrrungen an baroo. Eömonö öe Rothschild Von Yphrarm Cohn-Neis;. „Tie Reichen müssen ihren Sfwrt haben. Der Sport Baren Edmond de Rothschilds sind die jüdischen Kolonien in Palästina." So hörte man noch bis vor dreißig Jahren manchen Zyniker in Palästina und außerhalb des Heiligen Landes sagen. Eingeweihte wollten wißen, daß Baron Edmond manche Spötteleien seitens seiner ä l 1 e r e n B r ü d e r A l s o n s e und G u st aP e wegen seines Palästiuaspleens über sich hat ergehen lassen müssen. selbst k\w Schwiegervater. Baron Willi von Rothsihild, in Frankfurt a. Ab. der. selbst ein Lamdan (Talwu-dgelehrter). den religiösen In-- stitntionen und Rabbinen in Palästina naro.hajte Untersuchungen znwandtc, konnte sich für die Kolon isatwnsidee nicht erwärmen. Er hatte vielmehr Bedenken wegen d cj religiösen V o r - fei) Triften, insbesondere bezüglich des <eabba1jahres. die nicht eingehalnm werde:: könnten. Nur die Frau Edmond5, A d e l e i d e von Rothschild, teilte da? Juteresie ihres Mannes Zur die Kolonisationsarbeit in Palästina im vollsten Ilmsauge. Sie wll sogar in den ersten Zähren sich persönlich mit ihrem Nadelgeld daran beteiligt haben. Mit der Zeit wurde es aber allen klar, das; es ßch iüd>t um einen Sport handelte, and) nicht um vorübergehende Untwstützungen. sondern um die Verwirklichung eines Ideal s. Bereits in den neunziger Jahren de? letzten Jahrhunderts hatio Baron Edmond etwa f ü n s z i g M i l l i o n e n G o l d s r a u c s in Palästina investiert gechrbt, und seitdem soll das investierte Kapital 1 2 0 TI i il t o n e n Goldsranes ü bers ch ritte n haben. Die jüdischen Kolonien in Palästina wurden sein L ebenewerk, seine Sorge und Freude. Allerdings überwogen in den crstwn 25 Jahren die morgen bei weitem das Gefühl der Besriediguug. Wie kam nun Baron Rothschild zu den Kolonien? Tie ersten Ansiedler der Kolonie R i f ch o u - l e - Z i o n bei Jaffa hatten in kurzer Zeit die mitgebrachten Geldmittel verbraucht und befanden sich in Geldnöten. Einer der Pioniere, Feinberg mit Namen, bcgn.o sich nach Paris, um dort Hilfe zu suchen. Es handelte sich, um eine „A n l e i h e" von drcißigtausend Francs. Er fand Zutritt zu Baron Edmond Rothschild, welcher als Präsident bc§ Comitß de Birn-! a i s a n c e b c r G e m eindeinParis engere Beziehungen zum G r o ß r a b b i n e r Z a d o c K ahn, zu Michael Erlanger und Eli Scheid hatte, tvelche diesem Komitee angehörten. Baron Edmond hat sich bereitgefunden, die verlangten dreißigtausend Francs herzugeben, und diese Summe war das Angeld für die vielen Millionen, die im Laufe der Jahre folgten. Ein Besuch Rabbiner Mohiliversin Paris hat ebenfalls dazu beiaetragen, Baron Rothschild in seinem Ideal zu bestärken. In Palästina jüdiick? Ackerbauer anstatt A l m o s e n e ni p s ä n ge r zu sehen, jüdische Ansiedler, die durch Produktive Arbeit aus eigenen Füßen stehen, war allein das Motiv. von weichem Baron Rolhwhlloin seiner Kolonisationsarbeit geleitet wurde. Der Konsolidierung der Kolonie Rischon-lc-Ziou folgte der Ausbau der Kolonien Pelach- T s k w a h, einer Gründung von altansässigen Palästineru, E k r o n, S i ch r o n - I a k o b in Samaria, R o s ch - P i n a h und I e s s o d - Ham aal a in Galiläa und späterhin die Begründung neuer Kolonie:!. Ter erste persönlicl)e Besuch Baron Rothschilds in Palästina erfolgte im April 1887; er kam in Begleitung seiner Frau. Zur Charakteristik seiner Stellungnahme zur t ü r £ f f ch e n Regier u n g diene feine damalige Unterredung mit mir. Ich begegnete ihm im Deut sch - j ü d i s ch e n W a i s c u h a u s in Jerusalem, und Baron Edmond' gab sich große Mühe, mich davon zu überzeugen, daß die Zöglinge dee> Waisenhauses nicht europäisch, sondern orientalisch gekleidet werden müßten und daß insbesondere die türkisch und arabi'ch nationale Kopftracht. der kleidsame Fez, nicht fehlen dürste. „N oni.- devons adopter les mocurs du pays' (Wir müssen die Landessitten annehmen) war seine Begründung. Bei seinen Unterredungen mit Naouf Pascha, dem damaligen Gouverneur Jerusalems, der viele Jahre Palästina administrierte, unbestechlich und vorurteilsfrei war, erfuhr Lstrron Rothschild, daß die Eiuschräuluugserlaße, welche gegen jüdische Einwanderung und Kolonisierung aus Konstantinopel kamen, eine Folge der Vorstellungen seitens der f r a n zö s i s che n diplomatischen Vertreter waren. Tie katholischen Missionen, welche zu allen Zeiten den tatkräftigsten Schutz der

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