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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-23 · 43 (23.10.1925) · p. Seite 699

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
43 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
Seite 699 (sequence 22)
Language
German
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699 i stanzösi'schen Vertreter in: Client genossen, erblickten in einer großen indischen Einwanderung und Ansiedlung eine Benachteiligung :hrcs eigenen Etnslttsses, und sowohl der langjährige französische Ge n e r a l k 0 ns u l in Jerusalem. M r. L e d 0 u r, als auch der jranchüsihe Bvtstbaster in Konstantmopel hatten Schritte unternommen, um eine „U e be r v ö l k e r u:: g, Materialisierung und P r 0 s a n i s i e r u n g" des Heiligen Landes zu verhindern.. Ticsstvar aber i'.icht der einzige Grund, daß Baron Rothschild jede sranzösischo JncerventioDn Suchern der.Kolonien ablehnte, selbst wenn es sieh um den persönlichen Schuh der Beamten in der Administration der .Kolonien handelte. Tie Kolonien sollten in keiner Weise den Charakter einer f r c nt den A nsiedl u n g tragen, sondern ausschließlich dem Schuh der Türkei unterstehen. Loyalität gegen.über der Türkei war seine Marimo. In seinen Ansprachen an die Kolonisten, die tnanchmal in der Synagoge stattnuiden. konnte Baron Edmond nieht genug zur Eina eh h e i t ’ A r beitsamkeit und nicht zuleht zur Loyalität gegen die^ türkischen Behörden ermahnen. Er bestellte Lehrer für die türkische Sprache in den Kolonien, freute sich über die guten Beziehungen. welche seine Administration zu den türkischen Behörden unterhielt, und über das freundschaftliche Berhältuis zwischen den Kolonisten und der arabischen Bevölkerung. Ter starke französische Einschlag, den die Kolonien ntclstsdestowcniger in den ersten. Jahren-erhalten mußten, weil die Administration französisch war und die Kolonieschulen das damalige Programm der A l l i a n e e s ch ulen hattet:, wurde Ende der neunziger Jahre zusehends geringer. Tw z i 0 n i st i s ch e B e na e g u n g hatte Baron Rothschild alarmiert, weil er in ihr eine Gefährdung der E n t w i ek l u n g seiner Kolonien e r b l i ck t e. Während er sich die größte Mühe gegeben hatte, um die türkische Regierung zu überzeugen, daß ihm jede politische Tendenz fern lag und daß er nur wirtschaftliche und kulturelle Ziele versiegte, prägte Herzl da? Wort vom Judenstaat, ein Schrcekeuswort in den Chren der türkischen Negterung und eine Waste in den Händen der G r 1) n c r der Kolonisation, die. wie schon gesagt, nicht unter ten Arabern, sondern den christlichen Missionen zu suchen waren. Herzl war über die schloss abw-ehrende Haltung Baron Rothschilds sehr vernimmt. Er sah aber im Lause der Jahre selbst ein. daß Baron Rothschild nicht im Unrecht war. Herzl sagte mir persönlich im Januar 1904, er hätte viel angelernt u u d verstünde es wohl, daß diejenigen, die praktische Arbeit in Palästina l e i st e n , i h n desavouier e 11 m ü ß t e u. Er selbst hoffte, den Argwohn der Türkei durch das Uganda-Projekt zerstreuen zu können. Tie Schwierigkeiten, welche sich dem Kolonisationswerk Baron Rothschilds in den Weg stellten, waren außerordentlich mannigfach, und nur diejenigen, welche den Ausbau von nächster Rahe verfolgen konnten, wissen, welche Arbeit geleistet wurde. Getviß sind viele Fehler geschehet:, und Baron Rothschild hat teures Lehrgeld zahlen müsien. Man kann auch die Tatsache nicht verleugnen, daß noch heute manche der Kolonien nicht ganz aus eigenen Füßen stehen. Indessen hat Palästina niemanden mehr zu verdanken als Baron Edmond de Rothschild. Mit vollem Recht wird er der Vater der jüdischen Kolonisation in Palästina genannt. Väterlicher Natur waren auch seine persönlichen Beziehungen zu den .Kolonisten. Er zürnte, schalt, ermahnte und drohte, lstwb aber stets der fürsorgende Vater, „kt Baron" nennen ihn die Araber, und jedermann weiß, daß kein anderer darunter gemeint ist als Baron Edmond de Rothschild. War ein Unternehmen mißlungen, so horte man die Juden sagen: „Der arme Baron!" und die Araber: „Maslcm il Baron!", was dasselbe bedeutet. Von keiner Seite Schadenfreude, soni>ern nur ausrichtige Teilnahme. Tenn ein jeder wußte, daß er nur das Gute wollte. Allerdings blieb auch ihm, dem größten Wohltäter Palästinas, ätzende Kritik nicht erspart. Es ist eine Ironie des Schicksals, daß ähnliche Kritik in verschärftem Maße jetzt gegen die Partei geübt wrrd. der die früheren Kritiker angehört haben, und zwar von eigenen Parteigenosse::. Tie Rothschildsche Administration, die seit 1900 der ICÄ angegliedert und seit einigen Jahren auch als PICA. (Palestino Jevrlsh Colonisation Association) Palästinaarbeit leistet, weist Erfolge aus, die nachahmenswert sind. Auch von dem heutigen Besitz jüdischen Bodens in Palästina sind fast fünfzig Prozent von den Geldmitteln Baron Rothschilds erworben. Bei seinem ersten Besuch in Jerusalem im Jahre 1987 faßte Baron Edmond de Rothschild den Plan, die Häuser um die Klagemaner herum, welche einen nur engen Straßenzugang zur Klagemauer und eine noch engere Passage für die Betendet: gestatten, vom Bakus — Verwaltung kirchlichen Eigentums — abznkausen und nieder^ureißen. Ter so freigewordeue Platz sollte zunächst in eine Gartenanlage verwandelt werden und zu einem späteren Zeitpunkt den Bauplatz für eine Synagoge abgeben, die. sich an die Klagemauer anlehnen sollte. Raottf Pascha erbot sich, das Projekt ztt fördern, und tatsächlich schienen d:e Schwierigkeiten, die dem Erwerb von Dakusgnt entgegenstehet:, auf de::: Wege des Tausches überwindbar. Allein leitetide Persönlichkeiten innerhalb der jüdischen Gemeinde glaubtet:, ihrerseits gegen das Projekt Stellung nehmen zu müssen. Sie äußerten Bedenken über Bedenken, die darin gipfelten, daß die Sicherheiten für die Ausführungsmöglichkeitcn zurze.it noch ungenügend wären. Schweren Herzens entschloß sich Baron Rothschild, zu warten, es heißt aber, daß er nichtsdestoweniger die Pläne jür den Syuagogenbau anfertigen ließ. Ob heute die Realisierung dieses schönen Planes überhaupt noch möglich ist? . . . KormtterzicuraL Sigmund Fracnrct (München) gestorben. Am 30. September verstarb in München nach schwerem Bwen Kommerzienrat Sigmund Fraenkel im Alter von 65 Jahren. Mit ihm ist eine der führende n Persönlichkeit e n t> c r Münchener Gemeinde und des deutschen In d c n t u ai -j dahingcgangen. Fracnk.l war eine Willensstärke, gcistesgewc Kige, nbövwrstche Mrsönlichkeit. Wenn wir versuchen, diese Persönlichkeit nach der ^e'.te timr Betätigung zu entfalten, so drängt sich uns eine Fülle der Erscheinungen entgegen, die wir kaum meißern können. Er war der w e i L b l i ek e n d e deutsche Wirtschaft-Politiker. Seit 25 Jahren gehörte er der Handelskam m e r M ü n ch e n als eines ihrer tätigsten Mitglieder an. Lange Zelt ^tenerrestrem,^ oesteidstc er stit einer Reihe von Jahren das iilint des zweit.n VizevrasiduUen. Cr war einer der besten Kenner unseres 2strkebrsweiens, Mitglstd des Landes- und Neichseisenbahnrats und bayerischer Vertreter im Fahrplanau-'chuß des deutschen Industrie- und Handelstages. Fraenkel war der große j i 'i d i s ch e Gelehrte und Forscher, er war ein glänzender Schriftsteller und hinreißender Redner, er war der edle?Jlc n s chenfre n n d und s v .5 iale Helfer, an den aus dem ganzen Reiche Anliegen in kaum zu bewältigender Fülle herantraten. Das Arbeitsgebiet aber, dem er nnt seinem ganzen Herzblut anbina, war die Fürsorge für ferne religiöse Gemcinscha : t. Fraenkel war Mitglied des D 0 r st a n d c s der G e 11t ci n b c 9)t ü n ch c n it n b des ‘Hat? im Verbände b a v. e r i ich e r i s r a e l i t i s di c t Gemeinden, Vorsitzender der orthodoxen 0! c l i g i 0 n s g e s e l l s ch a f t C b c I Jakob. Turch vier Generationen mit dem Münchcgier Boden verwachstn.. stellte er die Synthese zwisthen dem deutschen Staatsbürger und ''einer religiösen Gemeinschaft dar, und er war von diestm ^tandvnnk! in bcsonderen: Maße berufen, die Fahne seines Glaubens hoch-,'.!halten und zu verteidigen. Persönliche Verunglimpfungen sind ihn: dabei nicht erwart geblieben. In den Jahren 1907 und 1908, als das schon wrglimmcnde Feuer des Kulturkampfes wieder auszustackcrn drohte und ein tiefer Riß durch die Gemeinde ging. war es W.amnnd Fraenkel, der in: Verein mit den: Rabbiner BrmVstr Sr. W c r n e r das j ii b i s ch c G efamtintcrcffc in den Vordergrund stellte und aus die Einheit der G e m e i 11 b e mit Erfolg hinarbcstete. Wenn heute die jüdische Bevölkerung Bayerns in einer Srganimürn vereinigt ist. in der alle Richtungen sich frei und ungestört bewegen können, und wenn in den Gemeinden das Wort gilt, daß cs in Gcwiöenssragen keine Mehrheit gibt, w ist der letzte Grund für die'e Gut- Wicklung in jener Haltung Fraenwls mit zu erblicken. Aus dem Totenbette noch sprach er zu seinen Freunden die Worte: Tie Einheitsgemeindc soll erhalten bleiben. Sie Münchener Gemeinde übernahm ehrenhalber die Kosten der Beerdigung. Tie Vertreter der Körperschaften beklagten hier in warmen Worten den Verlust des ausgezeichneten Mannes. Auch der Handelsminister befand sich unter den Leidtragenden- Obrrlandeögerichtsrat Neurncycr (München). Erklärung. Ter Anschauung des Hanptvorstand-es, daß der niedrige ^on und Inlzalt der Angriffe deZ „Rationawent''chen Juden" gegen mich und andere Vorstandsmitglieder des E. V. eine Antwort verbieten, schließe ich mich im Prinzip selbstverständlich an. Ans persönlichen Gründen muß ich aber auf folgende Feststellungen Wert legen: Es ist nicht wahr, daß ich selber das getan habe, was ich Raumann und seinem Kreise vorwerfe, nämlich, daß ich jemals Fragen i n n e r j ü d i s ch e n W e l t a n s ch a n u n g s k a m p s c § vor ein w e l t l i ch e s G e r i ch t gezogen hätte! Wahr i st, daß ich einmal einen B e l e i d i g u n g s P r 0 z e ß erfolgreich gegen einen R e ch t s a n n? a [ t W. d u r ch - führen mußte! Wahr ist aber, daß mein damaliger Gegner nicht Jude ist! Wahr i st ferner, daß es " sich um keine Weltanschnunngsfrage gehandelt hat, sondern um einen Persönlichen Vorwurf. W a h r i st ferner, daß ich den Prozeß anstrengen :n u nie, weil ich als R a b I>: n e r Beamter bin, n n d m eine B e - Hörde, der B 0 r st a n d der israelitischen R e I i g i 0 n s - gemeinde Leipzig, es verlangte. Wahr ist ferner, das; trotzdem von meiner und meines AnwaKZ Seite jederzeit die Bereitwilligkeit zu jeden: annehmbaren Vergleich betont worden ist. Die eigentlich Grundlage des gegen mich gerichteten Angriffs ist demnach eine grobe Unwahrheit. ^lix (Soldnrann. .Herr Slechtsairwalt Dr. Jakob Marr (Karlsruhe) legt Wert daraus, festzu stellen, daß aus die schweren 'Angriffe persönlicher Art, die Herr '^anitätsrat Sr. Peyser in dem „Mitteilungsblatt des Verbandes uationaldentschcr Juden' gegen ihn gerichtet hat, zu gegebener Feit Antwort erteilt werden wird. fterv SaintätSraL Dr. Pollrww und Gemahlin in Königsberg begehen am 30. Oktober die Feier ihrer silbernen Hochzeit. Sie zahlreichen Freunde des Potlnowschen Ehepaares nehmen voller Freude an diesen: Festtage teil. Ser Eentralverein im Vordergründe der Glückwünschendcn wünscht den: verehrte:: Vorsitzenden des Landesverbandes Ostpreußen und feiner Gemahlin, daß beide noch lange Jahrzehnte so sristh und gesund und beliebt l>ci jung und alt durchs Leben schreiten wie bisher. Chefredakteur Georg Bernhard beging am 20. Oktober feinen 50. Geburtstag. Wir beglückwünschen den bervorragcnden Journalisten, Politiker und Vollswirtschaftlec zu diesem Abschnitt seines Lelnms in der Zuversicht, das; er noch weitere Jahrzehnte so rührig und erfolgreich wirke wie bisher. Seines wiederholten rednerischen Auftretens für unseren E. P. gedenken wir an diesem Tage dankbar. •0.-:

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