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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-23 · 43 (23.10.1925) · p. Seite 697

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
43 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
Seite 697 (sequence 9)
Language
German
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697 Der deutsche Huchhänöler. Von Theodor MarcnS (Breslau). Anläßlich der Jahrhundertfeier des Börsenvereins der deutschen Buchhändler drangen in die weitere Ocfsentlichkoit bewegte Klagen über den reaktionären Geist, der in der ^pitzenorganisanon des deutschen Buchhandels immer und immer wieder zum Ausbruch kommt. Tie gesamte Linkspresse benutzte besonders den Vorfall, daß der Buchhändler-Börsenverein zu seinem Jubiläum nicht in den Aeichsfarben flaggte, zu heftigen Angriffen. Wir brauchten uns hier an dieser stelle mit dein Börsenverein aus diesem Anlas; nicht zu beschäftigen, denn es kann nicht oft und nachdrücklich genug betont werden, daß die G l e i ch s e tz u n g Centralverein gleich repnblikanischeParteien weder satzungs gemäß noch auf Grund des Mitgliederbestandes sich rechtirrt i gen läßt. Aber alle Mitglieder des Gentratvereins werden sic!) wohl der beifolgenden Ansrage an den Vorstand des Börsenvcreins anschließen, erschienen in einer kleinen buchhändlerischen Zeitschrist und von einem Kreis von Buchhändlern herausgegeben, die sich um die markante Berlcgerpersönlichkeit von Tr. Eugen Tiederichs i.Jen a) gruppiert. Es heißt dort: „Heute bedeutet Tchwarz-Not-Gold das Bekenntnis zur' derzeitigen Staatssorm; im Glauben, daß das deutsche Volk lernen nuiiK, sich selbst zu regieren. T<r Buchhändler ist bekanntlich konservativer als andere stände, man tann wohl nach dein. Stil der patriotischen Reden ans ihrer; Bereinsversamnrlungen annehmen, das; drei Viertel der Buchhändler Schwarz-Weiß-Not und nur ein Viertel etwa Schwarz-Not-Gold gesinnt ist . . . Tie Farben ^chwarz- Aot-Gvld haben aber ein Recht durch die vorn deutschen Bolle erlebte Vergangenheit. Sie sind das Symbol des großdeutschen Gedankens, verkörpert in der deutschen Burschenschaft und in der Einheitsbewegung von Z84R Bisrnarck würde tziese nach der Gründung des Teutschen Reiches wahrscheinlich zu dorr Reicheiarben. erhoben haben, wäre er nicht in der Zwangslage gewesen, in den deutschen Farben die preußischen Färber; aufgehen zu lassen. . . . Man steht im Buchhandel, zumal im süddeutscher;, mit recht gemischter; En;psindungen dem .Leipziger Geist* gegenüber. Tarnm die kurze Frage: Wer ist verantwortlich für jene Vergeßlichkeit — nein Taktlosigkeit — oder noch besser Anmaßung/ Ich hätte dieses Zitats nicht Erwähnung getan, wenn ich nicht zeigen wollte, inwieweit selbst in den Reihen der deutschen Buchhändler die Gefahr erkannt wird, die in d-er einseitigen politischer; Einstellung des deutsche u B u ch h änd - lers liegt. Wenn andere Berussstände beute links oder rechts orientiert sind, so ist dies für die Allgemeinheit kein großer Tchaden, weil sich ja der Charakter ihrer Ware nicht ändert, weit die politische Ueberzcngnng nicht -abfärbt auf das jeweilige Handels- Produkt. Beim Buch jedoch liegt die Sache wesentlich anders. Gern bei festlichen Angelegenheiten suhlt sich der Buchhändler, eingedenk eines Wortes Friedrichs des Großen, „als Quartiermacher des Geistes", und er beruft sich dann mit mehr oder minder Berechtigung aus seine K n l t u r m i f fi o n u n d auf seine volkse r z i e h e r i s ch e n A n f g n b er;. und aus diesem Grunde kann es der Allgemeinheit nicht gleichgültig sein, w-c'lches geistige Gesicht int derüschen Buchhandel herrscht. Ein die Endziele des deutschen Gedankens erkenuerrder deutscher Buchharrdel rnuß früher oder später sich mit verantwortlich fühlen, wenn durch seine Hilfe das deutsck)e Volk verhetzenden Gedanlengängen zum Opfer fällt, und getreu unserer Arbeitsdevise rrrüssen wir in diesem Augenblick einschreiten und versuchen, daß durch diese einseitige Einstellung nicht noch mehr schaden anacrichtet wird als bisher. Tenn unser gesamter Abwehrkarnpf rvill ja immer neben der rein negativen ^oilo auch die Positive des Problems erfassen. Es ist jetzt Zeit, daß sich jeder einzelrre von uns mit dem Pro bleu; des einseitig eingestellten deutscher; Buchhändlers beschäftigt. Ist es doch schon so weit gekommen, das; vor ein paar Monaten der bekannte Herausgeber des „Hammer", Theodor Fritsch, eine Broschüre hat erscheinen lassen, in der er in äußerst flüchtiger Arbeit, wie dies bei chm auch nicht anders zu erwarten ist, alle Buchhandelssirmen zusammenaestellt hat, die in jüdischer; Händen sind, oder in denen er jüdisches Kapital verrnritet. Er wertet bei -all diesen Firmen weder ihre Berlagstätigkeit noch auch ihre sonstigen Verdienste in;b fordert ziemlich nnverhüllt zurr; Boykott'all dieser Firmen ans rnit der Begründung, daß, was aus dem „Quell Juda" kommt eo ipso verseucht und den; deutscher; Geiste schädlich ist. Nicht wir sind es also, die hier den Fehdehandschuh den; Partner zugeworfen haben, sondern auch in diesem Kampf, einen; Kampfe, der nur mit geistigen Waffen ausgesuchten werden kann, s i n d w i r d i e A n g e g r i f f e n e n. Es würde zu weit führen, wollten wir untersuchen, inwieweit der Buchhandel in den Jahrzehnte;; des letzten Jahrhunderts innner die Strömungen des Landes aufgefangen hat. Es liegt ja in seiner Aufgabe, Werke zu erzeugen, die den Tagesströmungen entgegenkouunen, und so wird naturgemäß in einem Zeitalter völkischer Ein - st e l l u n g das Gesicht des B u ch h a r; d e l s völkischer werden, in einer Zeit des Jnternalionalienms pazifistischer, denn man verkenne nie, daß der Buchhandel trotz aller Eigenheiten letzten Endes doch ein Berns ist, der nach kaufmännischen Gesichtspunkten betrieben werden muß. Und nock) eines sollte uns klar sein: Eng verknüpft rnit dem Leben an den deutschen Hochschulen, kann sich der Buchhandel derer; Einfluß nicht entziehen, und da dort i;n Augenblick zum Teildie objektiven Grundsätze wissenschaftlichen Schauen.) und Erkennens zugunsten oder zuungunsten völkischer n:;d pseudowissenschaftlicher Studien verwendet werden, so erhält der Buchhandel auch von dieser Seite nur einseitigen, sicher aber feinen reinigenden Bildungsstofs. Buchhandel ist letzten Endes Handel, und wenn wir unseren Kampf gegen dieses verzerrte Gesicht des Buchhandels aufnehmen wollen, so müssen wir über alle unsere Almoehrmaßnahmen das Wort schreiben: Alle wirtßch.ütlrchen Kämpfe regeln sich nach dem ehernen Gesetz von Angebot und Nachfrage. Jeder von uns kann an seinem Platze rnitwirten. daß dieser Berhetzu'ng des deutschen Volkes im Interesse des deutschen Volkes und in; Jnterene derdeutschen Gedankens Einhalt getan wird. Ein paar Gebote für uns mögen statt weiterer langer Ausführungen genannt werden: 1. Gerate nicht in Glstase, wenn du im Schauscnstcr des Buchhändlers völkische Literatur siehst, vor allen Dingen aber gehe nicht in den Laden und taufe diese Schrift, denn du stärkst dadurch nur den Ladenvuchhändlcr und letzten Ende den Verleger. 2. Gehe vielmehr in den Laden und verlange die eine oder andere Schrift, welche den gegenteiligen Standpunkt darlcgt. 3. Veranlasse darüber hinaus deine Bekannten, daß sie ebenfalls diese Schrift oder ähnliche bei dem betreffenden Ladenbuchhändler verlangen. 4. .Kaufe dann aber auch diese Schriften, denn wenn du nur Scheiuaufragcn bci ihm stellen willst, so wird er, sobald er dies merkt, in stärtcrcrn Maße sich der völkischen Literatur zrrwcudeu. 5. Sofern dn Kunde in dem Laden bist, veranlasse den Buchhändler, das; er diese Literatur ebenso aueckegt wie die völkische. 6. Vertiefe dich in die Abwehrliteratnr und scheue nicht die geringen .Kosten, wenn du bci dem einen oder anderere Deiner christlichen Bekannten Vorurteile findest, ihm die eine oder andere Broschüre zwecks Vustlärnng in die Hand zu drücken. 7. Vergiß nie, das; das gedruckte Wort eine viel schärfere Waffe ist alo das gesprochene Wort, ,,dcnrr was man schwarz auf weis; besitzt, rann man getrost nach Hause tragen". 8. Hast du Schwierigkeiten mit deinem Buchhändler, indem er sich, mit der Zcilströmung entschuldigend, nicht bereit findet, neben völkischer Literatur auch die gegenteilige zu führen, so melde den Vorfall dem nächsten dir bekannten jüdischen Buchhändler. l). Neberlasic zunächst ferner Vermittlung den werteren' Verlauf der Angelegenheit. Gr kann vielleicht durch persönlichen Zuspruch und weil er die inneren Zusammenhänge besser kennt als du, manches erreichen., was du nicht erreichen kannst. 10. Sollte eine solche Vertrauensperson nicht anwesend sein, so wcn.de dich unter genauer Schilderung der Angelegenheit und unter genauer Bekanntgabe des wirtlich Vergesatlcnen an deine zuständige Ortsgruppe, die entweder durch Vertrauensmänncr oder durch andere ihr geeignet erscheinende Wege das Weitere veranlassen wird. WektgZricht. Wochendctrachtrma.. Tie ersten Kapitel der Bibel, welche uns von der Schöpfung der Welt u;;d des Menschen berichten, sind von besonderer Bedeutung für die Erkenntnis der sittlichen Grundlagen der menschlichen Gesellschaft. Es wird uns gelehrt, daß die großen Katastrophen, welche über die Erde m;d die sie bewohnenden Menschen hereiubrachen, für den religiös orientierten Menschen nicht als bloße Ergebnisse naturnüssenschaftlicher Erkenntnis;:nd Notwendigkeit gelten können, sondern daß sie auch als Zeichen des Waltens einer die Beobachtung des Sittengesetzes überwachenden gerechten Vorsehung gewertet uht« den rnüssen. Bei der Erzählung von der großen Flut ist deshalb der wichtigste Satz das Einleitnngswort: Tie Erde war verderbt vor Gott, die Erde war voll von Gewalttat, NW a war ein gerechter, untadliger Mann in seiner Zeit. Nva wandelt mit Gott. Eine Welt, die erfüllt ist von sittlicher Verwahrlosung n;;d sozialer Vergewaltigung, in welcher, diese Nebel rückst nur nicht bekämpft und beseitigt werde:;, sondern geduldet und zu leitenden Grundsätzen der Gesellschaft ge« worden sind, ist wert, das; sie zugrunde geht. Nur darin hat eine Welt ein Recht zu bestehen, wenn lQneclstigkeit und Nntadligkeit die Hochziele sir;d, denen sie entgegenstrebt. und wen;; sie die diesen Zielen Zuwiderhandelnden rügt m;d straft. Eine Welt, die nicht r i ch t e t, w i r d g e r i ch t e t. Es ist die erhabene Idee des Weltgerichts, welche sich ans dieser Erzählung sür uns ergibt, rvie ein Wort der Alten es treffend ansdrückt. Wenn rucken lein Gericht ist, wird oben ein Gericht sein. Tiefen Gedanken hat Israel der Menschheit geschenkt m;d seine Wahrheit in seiner eigener; Geschichte erlebt. Ter gewaltige Gedanke des Weltgerichts ist eilt Trost gewesen für die Geknechteten aller Zeiten. Auch in unseren Tagen scheint jetzt der Augenblick getonnnen zu sein, wo alle Nationen zu der Einsicht gelangt sind, das; sie zuerst unter sich Neckst schassen rnüssen. wenn sie vor dem höheren Rechte desien bestehen wollen, der da die Welt in Gerechtigkeit richtet und den Nationen ihr Recht gibt. h o s s m ü n n*

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