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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-23 · 43 (23.10.1925) · p. Seite 696

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
43 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
Seite 696 (sequence 7)
Language
German
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696 Kreise nichtjüdischer Deutscher führt. Tenn wenn man sich immer wieder vergegenwärtigen n;nß, das; man H e i m a t, Baterl a n d . Nt u t L e r p r a ch e und K ultn r gemeinsam haben soll mit solchen modrigen Verleumdern» die aus Unglück und Bolks- ^rlsttznng Vorteil nehmen und unsere Mitbürger jüdischen Glaubens der Wut des. gesinnungslosen^ Ntobs ausUesern wollen, dann ergreift einen ein. unbeschreibliches Gesicht grenzenloser Sch;m. in einem Lande geboren zu sein, in dem noch kein Parlament sich aufrasfen konnte zn jener so unbedingt nötigen Besreinngstat einer Gesetzgebung, die mit der Rassenb.eb.e endgültig und gründlich Schluß uraeht. Wenn die Parteien wollten und"a l l e unsere Parlamentarier gleichmäßig Tina hätten für Peinlichkeit des öffentlichen Lebens, wenn unsere Nichtcr und Staatsanwälte den heißen Wunsch nach wahrer Gerechtigkeit Hütten, dann müßte mit diesem Schwindel in: Lande der ,.Tichter und Denker" längst aufgeräumt sein! Max Kasler (Dresden). Streiflichter vom Erlanger philologentage. Hohberger rmv Heuslcr. Es ist leider eine Tatsache, au der auch Ableugnungsvermche nichts ändern, daß ein gewisser Teil unserer Lehrerschaft ihren wilden oder gemäßigten Judenhaß mitunter an recht nnpumnben stellen äußert. Man sollte nicht denken, das; auf einer geistig hochstehenden Versammlung wie der 5 5. T n g n n g d e n t s ch e r P l; itologe n u n d Schul m a n n c r . die vor kurzem in E r l a n g e n stattsand. Aenßernngen des "Antisemitismus gefallen wären, -vier sprachen Jachgenosjen zn ^achgenossen unter der stillschweigenden Voraussetzung wissenschafllicher Forschnncp Es war hier trotzdem Herrn Stndiendirettor Hohberger aus Schmölln vorbehasten, in einem Vortrag über vergleichende Kunstgeschichte in den oberen Klassen höherer Lehranstalten den altbekannten'Vorivurf der „Verjndung" der deusickjen Literatur in dem Sinne wieder ausleben zn lassen, das; er behauptete. dadurch fei eine unglaubliche Oberflächlichkeit und Süßlichkeit in das bis dahin männlich starke deutsche Schrifttum eingedrungen. Ta seine Rede sich iui übrigen durch erhebliche andere schwachen, namentlich verwaschene Tefiuitivneu auszeichv.ete, und da dieser bei den Haaren heraugezogene Ausfall nicht der einzige voar, der gegen die Inden versucht wurde, so verließen eine ganze Peihe von Zuhörern unter lautem Protest den Sitzungssaal. ' - Im Gegensatz dazu zollte der allergrößte Teil dev Hauptversammlung den ausgezeichneten Ausführungen Profepor H e n s l c r s (Base!) reichen Beifall, der sich über g e r m a n i s ch e n n d d e n t [ ch e (Eigenart anssprach. Ohne sie zu nennen, wies er die „wissenschaftlichen" Tedtlktionen „völtischer" Gelehrter ab, die dem deutschen Volk dauernd einreden wollen, in ihm leben die echten, unverfälschten sprossen urgcrmanischen Heldentums. An einer Neihe von Beispielen wies er nach, daß die Deutschen zahlreiche fremde Einflüsse über sich hätten ergehen lcrssew ja, er fügte sogar hinzu, daß dies ihnen vielfach durchaus nicht zum Schaden gereicht hätte. Taß Deutsch und Germanisch grundverschieden sei, zeigte er daran, daß, als die alten urgermanischen Lieder den Deutschen wieder bekannt worden seien, sic sie völlig mißverstanden und falsch interpretiert hätten. Gerade das ist Heuskcr deutsch, was unfern deittschtnmelnden „Gelehrten" ein Greuel scheint, nämlich die Aufnahme des Fremden und seine Eindeutschung. „Deutsche Zusammengesetztheit" — so etwa äußerte er sich — „können wir nicht beklagen im Hinblick ans das, was sie in Erwin, Gottfried, Goethe geleistet ball" Und er schloß mit dem Bekenntnis.' „Ein wahrhaft reiches Volk wird dadurch reich, daß es von andern lernt und das Erlernte weiterbildet." Lolche Ergebnisse wirklich wissenschaftlichen Denkens sollte man unseren Deutschtümlern und Antisemiten ins Stammbuch schreiben! Professor Dr. Hildebrandt. HliiH dem neuen Goethe-Jahrbuch. Jüdische Deutsche nehmen seit alters her lebhaften Anteil an der Goethe-Forschung und an ihrer Hauptträgcrin in Deutschland: der G o e t h c - G c s e l l s ch a s t. Einen neuen Beweis dafür findet man in dem Bericht der Goethe- Gesellschaft in dem soeben erschienenen Band XI ihres Jahrbuches. Ter Bericht gedenkt anläßlich des 4 N j ä h r i g e n B e st c h e n s der Gesellschaft der Verdienste ihres langjährigen Atitgliedes des Geheimen. Kommerzienrats Dr. N. Moritz (Weimar). Dr. M o r i tz war seit der Begründung der Gesellschaft Mitglied des geschäscssührendcn Ausschusses und in den ersten 15 Jahren zugleich Schatzmeister der Gesellschaft, der er wertvolle Dienste geleistet hat. Tr. Moritz entstannnt einer alten Weimarer Familie, die schon zn Goethes Zeiten eine Nolle ge'piclt hat. Einer seiner Vorfahren ist der in Goethes Gedicht „Auf Miedings Tod" erwähnte „geschäftige Jude". Von den wenigen jüdischen Familien, die damals m Weimar lebten, sind dort keine Nachkommen mehr vorhanden. Auf dem alten jüdischen Friedhof, der sich im Privatbesitz des Herrn Moritz befindet, ruhen die Toten jener Zeit. Herr Dr. Moritz, der sich bereits in vorgerückten Jahren befindet, hat sich, hochgeehrt von allen Kreisen, ganz vom öffentlichen Leben zurückgezogen. - Noch eines anderen jüdischen Deutschen wird in dem Bericht rühmend gedacht. Es ist das der F r ain f) u x t c r Bankier Hcinri ch Emden, der an den Wiederaufbau der Ocinrich-Einden-Stistlmg für das Archiv herangegangen ist. Heinrich Emden spielt aber außerdem im öffentlichen Leben eine hervorragende Nolle. Er ist Ehrenbürger der Stadt Frankfurt am Main, Ehrenpräsident des Philanthropin und bekleidet noch andere Ehrenämter. Auch im jüdischen öffentlichen Leben ist er hervorragend tätig. So ist er seit Bestehen der Ortsgruppe Frankfurt am Alain des Centralvcreins ein geschätztes Mitglied. Samiel hilf! Tie „Aufklärung" des Ladislaus Adama N. Olövowy. Die „N e i ch s - S t u r m f a I) n c", völkisches Organ, heransgegeben von Alfred Noth, muß beim Stürmen schon arg gelitten haben, wenn sic in ihrer Nummer 38 vorn 19/21. September 1925 ihren Lesern unter dem Titel „Zur I n d e n f r a g e" etwas vorznsetzen keinen Anstand ninnnt, das tatsächlich die Grenzen des Möglichen bereits überschreitet. Wäre nicht leider der Wille, von derartigem Unterhaltnngsstoss den Geist kitzeln zu lassen, bei den Lesern stärker als die Neigung, ans dem hier in Frage kommenden Gebiete die prüfende Vernunft in Anwendung zu bringen, so müßte Herr Roth durch solche Publikation zum mindesten den Verlust einer erheblichen Anzahl von Abonnenten riskieren. In dem erwähnten Artikel kommt laut Unterschrift ein Herr „Ladislaus Adama N. £ l s d o \v l), r ö m i s ch - k a t h o l i s ch e r E h r i st", zn Wort. Diese von ihm ausdrücklich betonte Qualität scheint die einzige zu sein, die er besitzt. Aber bedauerlicherweise genügt das Ehristjein nr irgendeiner Konfession noch keineswegs zur Urteilsfähigkeit über Dinge, voit denen man beim besten Willen nichts versteht. Und außerdem sollte einem Christen das Gefühl der Menschenliebe bei so ungeheuerlichen, wie den von Herrn Olsdowft vorgebrachten Bebanptnngen doppelt vorsichtig machen. Herr Olsdowy schielte anläßlich des bekannten Welianschnnnngsvrozmses über den Darwinisnlus eine „Aufklärung" an das Schwurgericht in Dnylon (U. S. A.), tvorin empfohlen wird, die Inden in ihrem Glauben an die Abstammung des Menschen vom Assen nicht .gl stören, da diese Lehre völlig der von ihnen vertretenen religiösen Wahrheit entspreche. Es ist natürlich sehr anerkennenswert, daß der Schreiber der „Aufklärung" sich so eifrig für die Glaubensfreiheit wenigstens der Inden ins Zeug legt in eitlem Lande, von dem die Sage ging, es sei dort Glaubensfreiheit allgeineitt. Weniger anerkennenswert sind dann allerdings die Arginnente, durch welche er die Amerikaner für die jüdische Glaubensfreiheit zu gewinnen sucht. Nach ihm lehrt der Talmud, bei dessen bloßer Erwähnung dem ahnungslosen Leser die erste Gänsehaut schauernd über den Nucken lauft: Nur die Inden sind Meilschen, alle Nicht jnden dagegen bloß Dreck. An solchen Unsinn soll nun nicht nur der arische Leser glauben, sondern nach einem gar nicht eristierenden „Schlußgesetz im T a l ul n d" sogar der arme Jude, nild noch dazu bei Todesstrafe! Die ans solche Weise von Herrn Olsdowy chemisch gcrcinigle und stark verminderte jüdische Menschheit hat min im weiteren Verlauf ihrer Geschichte Ursprnngserinnernngen nicht leswerdcn können. Das zeigen angeblich zwei B i b e l st e l l e n. Zuerst 3. Mose 17, 7. Da heißt es bei Luther: „Und mitnichten sollen sie (die Inden) ihre Opfer hinfort den Feldtenseln opfern, mit denen sie Abgötterei treiben." Herr Olsdowy übersetzt: „damit sie nicht mehr den Haargötzen, den Assen, opfern, denen sie nachg . . . . t, das heißt mit ihnen geschlechtlich verkehrt haben". W i r nehmen sicherheitshalber den hebräischen Originaltert und finden, daß hier Herrn Olsdowh ein Haar ins Gehirn geraten ist. Denn das von Luther mit „Feldtenfcln" wiedergegebene Wort hängt allerdings mit „Haar" zusammen. Tie Gleichsetzung mit „Assen" wäre jedoch nur dann richtig, wenn n u r die Affen Haare hätten. Ta das nicht so ist, soll cs lieber bei der lntherschen Lesart bleiben, die unter „F e l d t e n f el n" richtig bocksartige Sathre versteht als verächtlichen Typus heidnischer Gottheiten überhaupt, und das um so mehr, als Assen den Inden gänzlich unbekannt waren. Nicht besser steht es um den Begriff „nachh ... n". Der bedeutet ganz und gar nicht, „geschlechtlich verkehren", wie der einfältigste Mansch leicht merken wird, vorausgesetzt, daß er die Bibel selber wirklich ohne Voreingenommenheit liest, und nicht bloß antisemitische Zitate daraus. Auch hier hat Luther mit seinem „Abgötterei treiben" völlig recht. Nock) erschütternder ist dann die Behauptung, die Propheten des Alten Bundes, insbesondere Ezechiel, berichteten, das; die Inden sodomitische Unzucht trieben und mit Assen geschlechtlich verkehrten. Bei solchem, ans der puren.blauen Lust gegriffenem Schwindel muß sich jedes ehrlichen Mannes Herz empören. Haben die Antisemiten beim Talmud immerhin die Entschuldigung seines schwierigen Verständnisses, so brauchen sie in diesem Falle doch nur in der in alle Kultursprachen übersetzten Bibel nachzusuchen. Geschieht das nicht, und muß sich die völkische Bewegung immer und immer wieder mit solchen übelriechenden Unwahrheiten zur Begeisterung entflammen, dann können einem nur die armen Arier leid tun. Glücklicherweise lehnen die meisten von ihnen solche Minderwertigkeiten ab. Wer aber die unheilvolle Wirkung von Volkspsychosen kennt, kann immer nur wieder warnen: Wer da steht, der sehe, daß er nicht falle! Sollte der seinem Namen nach, kaum arische, in seiner Beweisführung verunglückte Herr Ladislaus Adama N. Olsdowh zufällig in Danton (bl. S. A.) wohnen, so empfehlen wir ihm, falls es nicht schon zu spät ist, vorsichtig zu sein. Tenn wenn seine famose „Aufklärung" zur Kenntnis des Gerichtes kommt und einer der Richter sich darülrer totlacht, so könnte der Artikel bei der Neigung mancher amerikanischer Volkskreise zur Lynchjustiz unangenehme Folgen für ihn haben. I>, Wirrdfnhr.

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