Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 43 (23.10.1925)
- Date
- 1925-10-23
- Page
- Seite 694 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-694 und gerade die ganzen Vorgänge a l l e n A n la ß böte n, die antisemitischen Scheuklappen cr b z u l e g e n. Die Barmat und Kutisker waren beide O st j u d e n, und dennoch wird niemand behaupterr, daß sie typische Vertreter des Ostjudentmus seien. Nichts ist dafür charakteristischer als das, daß sie beide gerade au8 ihren Kreisen herauslebhaftangefeindet wurden. Niemand hat zäber att dem Nachweis gearbeitet, daß Kutisker ein Betrüger sei, als der Ostjude Michael Holzmann. Barmats größter Widersacher war der Ostjude Tannenzaps. Ich habe von Anfang an aus dem Standpunkt gestanden, daß es gerade im Interesse aller übrigen Juden, besonders aber der deutschen Juden, liegt, wenn der Kampf aegen Schädlinge wie Barmat und Kutisker nicht den Antisemiten überlassen wird. Als ich vor fünf Jahren zum ersten Male von Begünstigungen durch verschiedene Reichs-- stellen erfuhr, waren meine Gewährsmänner in erster Linie Juden, und der damalige sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Da v i d so h n sekundierte mir in diesem Kampf am lebhaftesten. Es ist die ureigene Aufgabe der Republikaner, auf Sauberkeit in der Republik zu halten, und wo sich Schäden zeigen, müssen sie unbeirrt bekämpft werden. Die deutschen Juden haben in dem Kampf gegen Barmat größere Verdienste als das ganze antisemitische Gewäsch, das sich durch die Parlamentarische Untersuchung als ebenso böswillige wie haltlose Verallgemeinerung erwiesen hat. Schließlich muß noch eines Mannes gedacht werden, gleichfalls eines deutschen Juden, der im Falle Barmat die s achkundigste Aufklärung gegeben hat. Es ist der Kommerzienrat M a n a s s e, der. Leiter der Treuhand- und Liquidationsgesellschaft. Nach seinen knappen und Präzisen Aassagen ist die Familie Barmats „narr mit einigem Geld nach Deutschland gekommen". Den Konzern von 40 Unternehmungen hat nach den Aussagen M a n a s s e s I u l i u s B a r m a t i m w e s e n t l i ch e n a u s öffentlichen Krediten erworben. Das ist in der Tat ein Zustand, der ungeheuerlich ist. In der Zeit, wo die Reichsbank ihre Kredite aufs äußerste einschränkte, wo es Tausenden deutscher Geschäftsleute, christlicher wie jüdischer Konfession, unmöglich war, Gelder zu einem vernünftigen Zinsfuß zu erhalten, vermochte em Ausländer, Kredite solchen Umfanges an sich zu bringen. Hier kann kein Wort der Kritik gegen die Begünstiger dieser Kreditnahme und . die öffentlichen Kassen scharf genug sein, die den Kredit gewährten. Aber mit Antisemitismus hat diese Kritik nichts zu tun. Der KekeZe lm Städtchen. Die Glückwünsche des Laupheimer SLadtschullheiszenamts. Kürzlich feierte die ansehnliche und geachtete jüdische Gemeinde Laupheim unweit Ulm die Feier ihres zweihundertjährigen Bestehens durch einen Festgottesdienst, bei dem Rabbiner Dr. Straßburger (Ulm) die Predigt hielt und Stadtrabbiner Dr. Rieger (Stuttgart) die Wünsche des württembergischen Oberrats der Israeliten überbrachte. Aus Anlaß des Jubeltages hatte das Stadtschultheißenamt Laupheim der jüdischen Gemeinde ein Glückwunschschreiben übermittelt, das wir nach der ^Jüdisch-Liberalen Zeitung" hier wiedergeben. „Die israelitische Gemeinde Lau p he im feiert heute die 200. Wiederkehr der Gründung ihres konfessionellen Gemeinwesens. Bei dieser seltenen Feier nimmt. auch die Stadtverwaltung Veranlassung, der israelitischen Gemeinde die besten Glückwünsche darzubringen. Sw K sich hierzu besonders gedrängt, da das Verhältnis zwischen der litischen Gemeinde als Konfessionsgesellschast und der politischen Gemeinde stets ein harmonisches war. Auf denselben Ton abgestimmt ist das Verhältnis der israelitischen Genieindeangehörigen zur politischen Gemeinde. Sie waren stets ihrer engeren Heimat zugetan und haben wahrlich nicht zum mindesten dazu beiaetragen, daß Laupheim das ist, was es heute ist. Und wenn draußen m der Welt Laupheim einen guten Klang hat, so verdankt es dies vielfach Angehörigen ihrer Gemeinde. Wir freuen uns. Ihnen an Ihrem Jubelfeste dies 'ausrichtig bestätigen zu können.. Mochten außerhalb unseres geliebten Laupheim die Wogen konfessioneller Verhetzung in den letzten Jahren euch hoch gehen, der Friede hier blieb stets bewahrt. Dies beweisen auch die unliebsamen Vorgänge im letzten Jahre, als von 'außen herein Zwietracht in unserer Mitte gesät werden sollte. Dieser Saat blieb jegliches Wachstum versaat, weil eben auf unserem Laupheimer Boden solche Saat nicht ausgehen kann. Heute hoffen und wünschen wir gemeinschaftlich, daß das schöne Verhältnis zwischen Ihrer Gemeinde und den andern Konfessionen, aus das wir bisher so stolz waren, nie eine Trübung erfahren möge. zu Nutz und Frommen der ganzen Gemeinde unseres geliebten LmphcirnD Die Herbsttagung des hauptvorftanZes. Starker Besuch — starke Geschlossenheit. Die Beratungen des Hauptvorstandes, die nach alter, erprobter Gewohnheit zu Beginn der Winterarbeit den Hanptvorstand des C. D. in Berlin zu vereinen Pflegen, ergaben auch in diesem Jahre bei stärkster Teilnahme au§ dem Reiche reichen Gedankenaustausch Und wertvolle Anregungen für die Bereinstätigkeit. Der Vorsitzende des Vereins. Justizrat Dr. Julius V r o d n i n, irröffnete die Sitzung mit einem Nachruf auf die in der Beri-hp-^i: verstorbenen Freunde des C. V.: Berichard Ca spar ins. Stad!' rat Kalisch, Justizrat Fritz K i r s ch n e r (Brandenburg'- und Hugo Preuß, und begrüßte als neues Hauptvorsrandsrnitglicd Rechtsanwalt Dr. Gustav Mayer (Freiburg im Breisgan). Zuerst wurde das Thema „A n t i s e m i t i s m u s a n d c it Hochschulen" von Dr. Hermann B e r l n cf behandelt. Zn den Thesen, die der Referent niedergelegt hatte, nahmen besonders die dem Universitätsleben nahestehenden Mitglieder des Hauptvorstaudes Stellung, so Professor Dr. Arthur Nußbaum (Berlin), ProKiwr Koburger (Ludwigshafen), Geh. Medizinalrat Vrofeüor Tr. F a l k e n h e i m (Königsberg), ferner Justizrat Dr. 3 t r n ß in a n n (Berlins der Begründer der ersten paritätischen. Stndentenvereiriigung Deutschlands. Dr. Bruno Weil (Berlin), Dr. Krombach (Essen). Rechtsanwalt Löwenstein (Aachen). Die behandelten in der Aussprache das Problem vom Standpunkte des Dozenten wmie des inkorporierten und „wilden" Studenten und des Akademikers. In dreifacher Richtung wurde eine Kernfrage der E. B.-Aroein ,.P o l i t i s ch e Arbeit, unter besonder r B e r it cf f i ch t i -- gnng der B o yk o t t b e w e g u n g", behandelt. Rechtsanwa-; Grumach (Königsberg) untersuchte die gegenwärtige Lage am denn flachen Lande und dem wirtschaftlichen Gebiete. DircUor Dr. Ludwig Holländer schilderte den gesellschaftlichen Boykott. un.d die Möglichleiten seiner Behebung, und Syndikus Dr. Alfred W i c n c r inneezog die innerpolitische Situation in unserem Bat er lande einer Betrachtung unter dem Gesichtspunkt der praktischen G. B.-Arbeit. Begreiflicherweise nahm die Aussprache über diesen Punkt den weitesten Raum ein. Rechtsanwalt Baum (Berlin), der bekannte Speziatiü ans dem Gebiete des Wirtschastsrechts. legte seinen Standpunkt zur Boykottsrage dar. Rabbiner Dr. Lcvi (Mainz) erbat besondere Aufmerksamkeit kür die Vorgänge im befehlen Gebiet. HenrN Rothschild (Frankfurt a. M.). Gutsbesitzer S a n d e l o w s k n (Norgehnen), Geheimrat Wies ent hal (Berlin). Dr. Baut Nathan (Berlin) beschäftigten sich mit der Möglichkeit, judeuscind' lichen Strömungen auf dem flachen Lande cnigegenzuwirken.. Weiiere wertvolle Beiträge aus ihren Landesteilen brachten Rechtsanwalt K a ß e n st e i n (Kassel), Rechtsanwalt Dr. Go l d b c r g »Plauen Ernst Markus (Berlin), Rcchtsanwalt Dr. Jakob Marx (Karlsruhe) und Justizrat Gallinger (Nürnberg). Wichtige Fragen der Vercinsorganisation wie Vorschläge zur Aenderung einzelner Destinnnungen des Vereinsftatnts. die ui der Hauptversammlung 1926 zur Beschlußfassung kommen sollen, wurden vorgetragcn. und über die nächste Hauptversammlung selbst gesprochen. Hier ist vor allem zu erwähnen, daß beschlossen wurde, die Hauptversammlung außerhalb Berlins zu veranstalten. Direktor Dr. Holländer berichtete sodann über den Wiener Z i o n i st e n k o n g r e ß. Mit größter Aufmerksamkeit wurden trotz der späten Stunde die Ausführungen Zy. Holl anders angehört, die die Vorgänge im zionistischen Lager selbst zum Gegenstand hatten, gleichzeitig aber ein Bild von der Gestaltung des österreichischen Judentums gaben. * Veamstentagung des <?. V. Tie Uebertragung der Richtlinie der Hauptvorstandsußung in die praktische Arbeit war auch ' diesmal Hauptinhalt der Beamtentagung, die unter Teilnahme von über vierzig beamteten Mitarbc-itern des C. B. am Montag, den 19. Oktober, stattsand. Die Beschlüsse, die hier nach reiflichem Ab wägen der Möglick)keiLen gefaßt wurden, werden, und dies war der faste Wille aller unseren Mitglieder, der Arbeit des kommenden Winters ihr Gepräge geben. * Anläßlich der Hauptvorstandssihung hatte dcr Erste Dorsihende dcs C. D.. Justizrat Drodnih, am Sonnabcn.d nachmittag zu einein Tee geladen. Hauptvorstandsmitglieder und Beamte waren vereiinat. ran Vorträge von Tr. Paul Nathan und Tr. S i n g n l o w s k p „Nebcr . das Problem drr Umsiedlung d<r russischen Juden" entgegenzulcchnccn. Gleichfalls im Zusammenhang mit der Anwesenheit der führenden Persönlichkeiten dcs G. V. hatte unser Haudtvorstandsmitglied Rechtsanwalt Tr. Bruno Weil die Hauptvorstandsmitglstder und einige bekannte Fachgelehrte geladen, um einem Vortrag dcs Herrn Prostjior Tr. Hubert Grimme in Münster ,,Ncbcr die ältesten hebräischen Juschristen aus den: Sinai, und über die Möglichkeiten einer wissenschaftlichen Grpcditian dorthin" beizuwohncn. Diese Bcransialtlnm fand it, d.r Bertincr Prc!'ä> einen starl-.n Widerhall. Wir lotr'.'.n.'N da: ans n.ch z w'örk.