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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-23 · 43 (23.10.1925) · p. Seite 693

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
43 (23.10.1925)
Date
1925-10-23
Page
Seite 693 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, 23. Oktober 1925 IV. Jahrgang * Nr. 43 Einzelnummer 10 Golöpfenniz MonQtsaboinieinent 4c Goldpfemiig .Xq Alltöernein© £eiiunö de zuzüglich Bestellgeld Verlag u. Schriftleitung: Berlin SW 63, LinLenstr. 13. . . Fernsprecher: Amt Dönhoss 8594,8565. PostscherNonLo: Berlin 304 stube G, Berlin SW 63, Lindenstr. 7, und von Goldschrnidt-Rothschild L Co., Berlin W 8. Dlleiniqr Anzeiaenannahme: Annoncen-Ernedition Rudolf Moste, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,00 .v. — o---u Ziormalzeilenrnestcr Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Crnrralvereins 0,4s die 90 mm breite Reklamezeile von <dtto Nuschke, M. ö. L. Der Barmat - Auss ch u ß de? Preußischen Landtag? hat nach mehr als fünfzig Sitzungen seine Arbeiten abgeschlossen und das Ergebnis seiner Untersuchungen in Leits ä tz e n sestgestellt. Wohl werden darin einigen Parlamentariern und dem früheren Berliner Polizeipräsidenten R i ch t e r N ü g e n erteilt. Wohl wird insbesondere die fahrlässige Handlung der Preußischen Seehandlung kritisiert, aber nicht ein Satz der Feststellungen, die zum größten Teil von dem deutschnationalen Berichterstatter Tr. v. Waldtha u s en stammen, enthält irgendeinen Borwurf, den die antisemitische Agitation gegen die deutschen Juden ausschlachten könnte. Es ist überhaupt bei den ganzen Erörterungen viel zu wenig beachtet worden, daß sich auch nicht der kleinste Vorwurf gegen einen deutschen Juden im Zusammenhänge mit dem ganzen Staatsbankskandal erheben läßt. Gerade auch die deutsche Judenhaß befindet sich unter den Benachteiligten. Als Herr Varmat mit den Reichsstellen große Lieserungsgeschäste abschloß, waren es nicht zuletzt alte jüdische Jiuporthäuser, die sich über eine Benachteiligung durch die Reichsstellen beschwerten. Gewiß hat daun bei den großen Kreditgewährungen auch die Firma Jakob Dt i ch a e l Kredite von der Preußischen Staatsbank erhalten, aber der deutschnationale Berichterstatter war es, der feststellte, daß diese Kredite ordnungsmäßig abgewickelt worden sind und dem preußischen Staate keinerlei Schaden erwuchs. Ich habe mir erlaubt, im Ausschuß ergänzend zu den Feststellungen des Berichterstatters zu sagen, daß die Verknüpfung des Namens Michael mit Barmat und Kutisker seinerzeit von den deutschnationalen Antragstellern für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses rein willkürlich erfolgt ist. Michael ist Deutscher, und ehe er als Kreditnehmer der Preußischen Staatsbank auftrat, war er längst Kreditgeber öffentlicher Institute gewesen. Die Wechselseitigkeit seiner Kreditgeschäfte unterscheiden ihn neben der strengen Solidität in der Abwicklung dieser Geschäfte grundsätzlich von den Barmat und Kutisker. Es war am Anfang des Jahres natürlich zu erwarten, daß dieDeukschnationalen und die Völkischen sich aus die fetten Bissen Barmat und Kutisker stürzen würden. Aber das ist .gerade eins der wenigen wichtigen Ergebnisse des preußischen Untersuchungsausschusses, daß klar erwiesen ist, wie unberechtigt die antisemitischen Verallgemeinerungen sind. Die beiden O st j u d e n Barmat und Kutisker wurden nicht biircl) Inden oder demokratisch-republikanische Kreise in den Genuß von Krediten gebracht, sondern es waren alte konservative Beamte der Staatsbank, die ihnen M geradezu unverantwortlicher Weise öffentliche Gelder zur Verfügung stellten. Mit welcher Naivität und Unbegabtheit dabei vorgegangen wurde, zeigt wohl am besten der Vorfall des H a n a u c r Lagers. Die Preußische Seehandlung hat dieses Lager zunächst als Zusatzdeckuug hereingenommen,"ohne sich überhaupt darüber zu vergewissern, ob Kutisker der Eigentümer jenes Lugers ist. Tann hat Kutisker im Beisein eines Vertreters der Staatsbank in Hamburg eine Verkaufskomödie mit einem bestochenen rumänischen Attache gespielt, und die Staatsbank hat diesen an ihr, selbst verübten Betrug mit ihrem guten Golde finanziert. Als ich im Ausschuß aus den Zeugenaussagen diesen Tatbestand herauskriftallisierte, wehrte sich zunächst der Vorsitzende gegen diese in der Tat ungeheuerliche Annahme. Aber der Geheime Finanzrat Tr. Hellwig bestätigte nicht nur meine Darstellung, sondern ausdrücklich auch meine Formulierung. Dabei ist es wirklich so, daß die Beamten der Staatsbank in diesem Falle nicht etwa bestochen wurden oder absichtlich ein Auge zudrückten; die Schmiergelder für die fingierte llebernahmekommission hat der Vizepräsident der Staatsbank, Geheimrat Rugge, persönlich angewiesen. Ich konnte mich in meinem Plädoyer des Hinweises nicht enthalten, daß der Staatsbank der Kaufmann gefehlt hat. Ich erenrplisizierte aus das Beispiel der Thüringischen Staatsbank. Wo Herr Loeb seinem Lande " in der gleichen Zeit Millionen verdient hat, haben die alten Beamten der Preußischen Staatsbank zahlreiche Millionen verwirtschaftet. In Thüringen hat es gleichwohl eine antisemitische Hetze sertiggebracht, den erfolgreichen Staatsbankpräsidenten zu verdrängen, aber selbst die deutschnationalen Ausschußmitglieder widersprachen nicht, als ich seststellre, daß in der Preußischen Staatsbank ein Loeb gefehlt habe. h 1/ vK?. 0 M 'MiMi I Das üntersuchungsergebnis des Barmat- Ausschuffes. Von Otto Nuschle, M. d. 2. Woher kommt die Teuerung? S. sys. Der deutsche Buchhändler. Von Theodor Marcus (Breslau). S. 697. Beilage: Don deutsch-jüdischer Zugend. Nr. 2. u_r; x&eizrt i£3*tsu33SMzxdtaM'£3ü»*£2t3'.*b-w. >m&{jr*£zi±3u£i (1 I

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