Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 42 (16.10.1925)
- Date
- 1925-10-16
- Page
- Seite 686 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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CSC sein, welche Bedeut u n § die gewühlte Vertretung für ein Gemeinwesen wste Gruß-Berlin in r e l i g i ö s e r , P o l i t i sch er, lv irisch a f t l i ch e r . f o 3 i a l c r u n d kulturelle r H i u sicht hat. Wenn die Völkischen in ricmrcirswcrlcr Zahl in dus Berliner Ltadtparlamcnt cirrzichcu, dann wird, wie in den VolksvcrsanimLlrngcn jetzt, die jndcnscrndliche Demagogie dort Orgien feiern können. Tchou heute muß nach den gewaltigen Krnstemstrengnugen der Völkischen ohne Uebertreibling gesagt werden: „Wer von jüdischer Leite in Grotz-Bcrlin am 25. Oktober nicht wählt, wählt völkisch." Ter Eentrnwerein wird ^an seinem Teile dazu beitragen, Ausklärnng in die Blauen zu bringen, damit die Tentschr-oltischeu es auf ihrem Dmmnense.ng nicht zu leicht haben. Bormissetzling für unsere Knmpsessrenbigkeit muß aber die Geio istheit sein, daß uns unsere Freunde nicht im 3ttri] lassen. Jeder r i ch t e s i ch s ch o n 1) c u t c ei n , d a ß e r a m 2 5. Oktober zur Wahl gehen kann, und rüttle die Gleichgültigen auf! Nicht dentschvölkischen Tiegestanmel, sondern Niederlage der Wnllo, Kunze und Genossen muß der 25. Oktober bringen! L ch r. — Neues aus öer Ter 14. Zion.iftenkongreß hat die Aufgabe, die Theodor Herzt den Kongressen zu gedacht hatte, 3 y m bol de s F r i e d e u s .i n u e r - halb des Zionismus zu sein, nicht erfüllt. Tie Weizmann-Krisen, dereit Beilegung fast nur deshalb zu erfolgen schielt, nm der Opposition Zeit für einen neuen Borstos; zu lassen, wurden zwar äußerlich schließlich durch eine rettende Formel beendet. Doch die Lchtnßbetrachtnng der zionistischen Prepe über die Ergebnisse des Zionistenkongreßes sind unmittelbar in eine eingehende Kritik d e S gegen to ä r t i g e n Z n - standes der zionistischen Organisation üdergegange.i. Tie „Jndiiche Rundschau" veröffentlicht tätige Aufsätze über das Problem der z i o n i st i s ch e n L e i t u n g und über die Notwendigkeit und die Richtung von Reformen. Daneben kommen von allen Teilen die Meldungen, daß die O p p o s i t i o n sich der Mehrheit nicht zu fügen gewillt ist, daß Rezessionen in Deutschland, Oesterreich und Rumänien teils bereits erfolgt sind, teils sich ankündigen. Taß daneben die Gestaltung der mit dem Palästina-Ausbau z.:- sannnenhängenden Probleme nur dazu beiträgt, die Meinungsverschiedenheiten zu vermehren und die Tchwicrigkeiten zu vergrößern, bedarf keiner Erwähnung. * Zionismus n n b L a n b c s p o l i t i k bewegen in hervorragendem Maße die Kopfe der zionistischen Opposition. In Wien hat sich eine „F r e: e z i o n i ft i s eh e B e r e i n i g u n g" gebildet, die einen Ausruf erläßt, der teilweise von alten Freunden Herzls unterzeichnet ist. In diesem Aufruf wird die völlige Aokchrung von jeder Anteilnahme an der Politik der einzelnen Länder, in denen die Zionisten sich anshaltm, von Partei wegen proklamiert. Es bleibt der persönlichen p o l i t i s ch e n T c n k u n g s a r t jedes einzelnen überlassen, wie er sich künftig zu diesen Fragen stellen will. Lediglich die Verwirklichung des Vaster Progrannnsatzes von „der Schaffung einer össentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina" soll Ausgabe der neuen Vereinigung sein. Es handelt sich bei den Programmunterschieden der alten Richtung und der neuen Gruppe nicht u m Gege n s ä tz e der W e l t a n s ch a u u n g , sondern lediglich um eine allerdings sehr wesentliche Verschiedenheit der politischen Taktik. Tie Frage, ob Beschäftigung mit der Landespolitik u n d Palästina oder n n r Palästina, hat seit jeher die zionistischen Gemüter bewegt. Eine radikale Beantwortung dieser Frage ist allerdings erst jetzt in organisatorisch faßbarer Form erfolgt. In der praktischen Turchiührung pendelte, je nach der allgemeinen Weltlage, die zionistische Politik schon lange zwischen diesen beiden Polen. 'In der „W i e n e r M o r g e n z e i t n n g" gibt T r. M a y c r - Ebner (Ezernowitz) eine Tarstellnng der eben gekennzeichneten Situation inib meint resigniert: „Welch ein Fonds gut jüdischer Gesinnung dabei zugrunde gehen wird, davon machen sich d'e Gründer der Freien Bereinigung in Wien keine Vorstellung. Tiefer Gedanke zerstört, was wir in Jahrzehnten mühselig geschaffen haben: das ist eine volksbewußte jüdische Mentalität, ein natioualjüdisehes Loben und eine Jcharse, enge Zusammenfassung aller national selbstbewußten Elemente." Mayer nennt die Gründung einen „unglücklichen Gedanken" und folgert, daß eine Befolgung des Wiener' Boispielden Zionistenkongreß von dem „Parlament eines nationalsühlendcn Volkes" zum „Kongreß jüdischer Philanthropen" werde, denen „die .Krim und Uganda soviel bedeuten wie Palästina". — In Rumänien und der Bukowina künden sich gleichartige Erschemnugm an. Auch in Berlin Hai sich ein Erekutwkomitee der zionistischen Revisionisten in Teutschland gebildet, das seine Arbeit über das ganze Land ausdehnen will. . * . 5n dwsem Zusammenhang lohnt es sich, kurz auf v\ic Anfsatzteifyc zurückzukommen, die vor einiger Zeit in der „Kölnischen Zeitung", ans der Feder ihres Sonderkorrespondenten Richard v. M a ch veröffentlicht worden ist. Ein „Z i o n t s m n s n n d P a t r i o t i s ni n ö" überschriebener Artikel hatte Kurt Blnmenseld, den Präsidenten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, ans den Plan gernseu, der ansführte, daß das Judentum, ob man es nun als besondere Nationalität oder irgendwie anders aussaße, den Juden nicht hindere, ein g it i e r 3 t a a t s b ü r g e r zu sein. Von einer Entfremdung vom Tcntschtnm kann bei den Zionisten nicht die Rede sein, die nicht nach Palästina auswandern, sondern in Teutschlandbleiben. Ter Ziou i s m u s f e i ii a ch s e i n e r Bk e i u n n g mit e d) t e m P a t r i v - t i s m n s voll v e r e i n b a r. Mach hat in, einem Schtußanfsatze sich mit Blnmenseld in treibender Weise atlseinandergesetzt und, nachdem er auch eine an ihn gerichtete Zuschrift des Gentralvereins iviedergeben hat, schreibt er: „Mancher, der in Tentsehlaud mit Herz und Hand Zionist iß. mag noch au seinem Teutschtnm hängen. Wer indes, wie die leitenden Köpfe des Zionismus, es so verstanden hat und versteht, Begeisterung und Hingebung in. ihrer jungen Generation zu iveekeu und zu erhalten, für den mag die Betätigung seines Teutsehtmus nur die tägliche kleine Münze sein, der Tchatz gehört Zion. Tas Kleingeld der Gesinnung ist zu ivenig. wir verlangen Gold." lind schließt mit den Worten: „Es schien mir zeitgemäß, sestznstellen, daß jetzt, in dieser Zeit, ivo wir unserer gesamten Bolkskrast bedürfen, um Tentschlands Niedergang zu ertragen und an seiner Ansrichinng zu arbeiten, eine mächtige zionistische Propaganda eine N e b c n s o n it e sehaistm ivill, die außerhalb der denk s ch e n H e i m a 1 l i e g t." * Tas E ch o des Wiener Kongresses und seiner Beschlüne ist begreiflicherweise dort sehr stark, ivo man im besonderen Blaste ihr Objekt ist, in Palästina. Im „IK.ar Hnjcm" und im „Hnaroz" iverdcn leidenschastlieh die derzeitige Leitung der Erektil ive und die unter ihrem Einfluß znstandegctommcnen Beschlüsse über alle Palästina und seine jüdischen Bewohner angehenden Fragen kritisiert und z n m g r ö ß t e n Teil o f s e u b e l ä m p s t. Bk an glaubt, die Kampfansage dcr Bereinigung der radikalen Zionisten gegen Weizmann und seine engsten Freunde zu lesen, die in Wien unmittelbar nach Abschluß des Kongreßes gefaßt wurde, wenn man im „0c av Hast m" folgendes findet: „Derselbe Kongreß, ivelcher ein Minimum von Vertrauen dem Präsidenten votiert hat, übergibt ihm ein Marimum der Herrschaft. Ist so etwas im parlamentarischen Leben eines anderen Volkes schon vorgelommen? Es scheint nufer Bkißgeschick zu sein, eine „verkehrte Welt" zu schaffen . . . Ter gerade und logische Weg wäre gewesen, das Kabinett Weizmauu. dem ein offenes Mißtrauensooknm gegeben wurde, durch ein anderes zu ersetzen. Anstatt dessen hat man sich beeilt, sich ans einen neueren Beschluß zu einigen —, und welche NeHerrn sch nug! Man gibt demselben Präsidenten, der nicht einmal eine kleine Majorität für ein Vertrauensvotum erlangen konnte, die Vollmacht, sich die Mitglieder der Erekuiioe selbst zu wählen". Tasselbe Blatt überschreibr einen weiteren Artikel über den Kongreß mit „Tebaelo" und „Haarez" konstatiert: „Ter Kongreß ist in der Mitte abgebrochen", nm an anderer Trolle sestznstellen, daß kein Mensch an den Bestand und Nutzen der „Jcwir-h Atr< nev" glaubt, deren Tieg Weizmauu mir allen Mitteln herbeiznsühren sich bemühte." T ie zahlreichen Keron -!i a j o s s o d Z e i ch n c r in Tont f cl) l a n d wird cs interessieren, einmal ein amerikanisches Urteil über ihren Eifer für dieie Institution zu hören. In dem „American l^iaeliic", einer den Zionisten nahestehenden Zeitung, stand vor einiger Zeit ein kurzer Aussatz über die Fortschritte des Km ii hajes-cd. Tarin wurden die Gesamteingänge der .Hauptgeschäftsstelle bis zum stl. Januar l'.M5 aus 1.66Nd.M,45 englische Pfund angegeben. Allein im Januar U.»25 feien annähernd 15 nun Pfund Tterling ans Rumänien. -‘»Tns Pfund sterling ans Polen, -16-11 Pfund Tterling ans Amerika, 525s Pfund Tterling ans Tentsclp land in den Keren Iiajcssod geslosfe-t. In dem Artikel heißt cs dann wörtlich weiter: „E s i st it berr a schend . d a ß Deuts ch land, R u m ä - n i e n u n d P ölen, w o s o v i e l N o t und A r m nt h e r r - s ch e n , n n d besonder s Polen, rv o die Juden an g e b - l i ch voll stün d i g ruiniert sind, T p e u d e n in so l ch o r H ö fj c sollten anfbringen f ö nn c n. TL e n u diese Berichte richtig sind, so ist es eine T ü u d e neu den Juden dies er Länder, soviel Geld ins Ausland zu senden, wenn es doch so dringend nötig gebraucht wird, um die Rot in der H c i nt a t z u b e - hebe n." Wir haben nichts weiter hinzuznfügen. Ilidiscb-Dheoloalschcs Seminar, Breslau. Im Wintersemester 1925 20 werden folgcitbc siIovlcfuuncu ßcbahcu: Seuiinarrabbiucr Prof. Dr. Michael G ii ttma n n : Talmud Gittin (ftat.); Talmud 6 a u I) c b r i n (curs.) für Anfänger (II); Dezi so reu: Eben £> ci a c r (Iorts.) und Iorc Dca von $0Kab(A); Apologetis ch e Vorlesungen mit Uebungcn. Dozent Dr. Isaak i)ciimnanii : Abschluß dcr hebräischen Grammatik ((’); Einführung in die aramäische Sprache oer Bibel, des Targuin irnd dco bablisonischerr Talmud Ol, (*); Leichte Abschnitte aus dem babylonischen Talmud (<') u. a. m. Dozent Dr. Albert Lcwkowitz: Uant und der Neuü'.'.tianismus in ihrer Bedeutung für die jüdische rleligionsphilosophie; Die Religionen des alten Orients tTortfetzung); Die jüdischen Denker der Gegenwart und ihre Ansct)attungen vorn Wesen des Judentums u. a. »t. Dozent Dr. Israel A. Ra bin: Bibel; Geschichte: Geographie Palästinas; Talmud: n) Makkot (curs. A); 1>) Nethubot II (ftat. 10 u. a. m.. Beginn des Winterseniesters: 25». Oktober. Me Anfragen sind zu richten an Dr. Hcincrnann, Breslau, Wallstraße 14.