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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-16 · 42 (16.10.1925) · p. Seite 687

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
42 (16.10.1925)
Date
1925-10-16
Page
Seite 687 (sequence 13)
Language
German
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687 Das Oktoberheft öes -Morgen". Ein Brief, mitgeterlt von Professor Jrrlirrs GoLDsLeirr. Nachsolgender Brief ist mir von einer Leserin des „Morgen" zugesandt worden. Mit freundlicher Erlaubnis der Dame gel^e ich ihn hier zum Abdruck: „Ich habe mief) bemüht, dein „Morgen" Freunde zu gewinnen, und batei eine merkivürdigo Erfahrung gemacht. Bekannte, die die „Nene Aundjchau" oder das katholische „Hochland" hielten und lasen, beschwerten sich, cs seien in den Heften des „Morgen" Aussätze, die ihnen „zu hoch" feien. Daraufhin lies; ich mir einige Nummern der beiden edcngenaunten Zeitschriften vorlcgeu, und konnte seststellen, dag die Herrschaften auch hier nicht altes gelesen hatten, weil es entweder ihrein Iuteresseulreis zu weit ab lag, oder weil es ihnen „zu hoch" war. Tiefe Tatsache hat sie aber nicht veranlasst, die betreffende Zeitschrift abzubestellen, lind nun suchte ich nach dem Grund ihrer Ablehnung des „Morgen". Das Ergebnis wox psychologisch nicht uninteressant. Sie waren an den „Morgen" herangegangon mit der vorgefassten Meinung, es sei eine jüdische Zeitschrift wie alle anderen: Entweder rein gelehrt, und dann übersteß man sie dem kleinen -streis der Fachleute, oder populär im Zinne einer dem Dagesniveau angepassten Journalistik. Das; der „Morgen" weder in die eine noch in die andere Andrst nnterznbringcu war, das; er etwas Neues ist und fein sollte, das musste ich ihnen erst klarmachen. Freilich muhte ich zngeben, daß die erste "Nummer von zu hoher intellektueller Spannung war. Ich kann mir freilich denken, daß Die damit eine ganz bestimmte Absicht verbunden l;aben. Die luoHUn von vornherein zu erkennen geben: Der „Morgen" ist von einer prinzipiell anderen Art als die bisherigen Zeitschriften unserer religiösen Gemeinschaft. — Um Ihre Zeitschrift für nns auch wirtlich fruchtbar zu machen, haben wir in nuferer Stadt folgende Einrichtung getroffen: Wir kommen einmal im Monat zusammen und tauschen unsere Eindrücke, Gedanken und Erwägungen über die Beiträge der jeweiligen Nummer ans. Dieser anregende „Morgenkreft", an dem auch Protestanten und ftatholiten testmchmcn, ist in seinem gesellschaftlichen Zwchnftt durch die Gemeinsamkeit des Geistes, aber nicht durch die Gemeinsamkeit der Gehaltsklasse bestimmt. Zeder berichtet über denjenigen Anssatz, der seinem Interessenkreis und damit seinen! Berständnis am nächsten liegt. Wir erreichen so, daß auch die Gedanken jener Aufsätze vermittelt werden, an die der eine oder andere nicht recht heran kann. Da ich mich besonders für Fragen religiöser Art interessiere, so referierte ich dieses Mal über die Aussätze von -Hans Schmidt. B. Italiener und B. I a c 0 b. „Das Alte Testament als kanonische Urkunde des Protestantismus" ist eine Arbeit von prinzipieller Bedeutung. Es ist durchaus nicht gleichgültig, welchen Wert der Protestantismus unseren heiligen Büchern zuweist. Der Antisemitismus ist sich der Tragweite dieser Frage wohlbewnßt. Ich finde es sehr glücklich, daß >^ie in der nächsten Nnnnner einen! führenden katholischen Gelehrten znui gleichen Thema vorn katholischen Standpunkt aus das Wort geben. Lolche Arbeiten schlagen Brüsten zwischen ftvnftssionen und stellen das Gemeinsame zwischen Juden und Ehristeu heraus. In ähnlicher Weise wirrt auch der Aussatz von B. Italiener. Bei der Lektüre habe ich an die Worte denken müssen, mit denen Lie in Ihrem Prospekt die Ausgaben des „Morgen" umschreiben: „Er 'oll in den Sprach und Anssassungsforn.en unserer Zeit das wieder ostenbar machen, was unsere Borväter erfahren und sestgehalten haben." Daß dies mit den von einem protestantischen Theologen geschaffenen Bcgrifsen geschieht, scheint mir von symptomatischer Bedeutung zn lein. — Die fortlaufenden Einführungen in das 1. Buch Mose von B. Jacob geben uns Gelegenheit, die entsprcchndcn Bibelabschnitte an der Hand seiner Erläuterungen noch einmal gemeinsam zu lesen. wieviel neue Schönheiten, wie viele neue Wahrheiten entdecken wir in dem alten, ewig neuen Tcrt! Tie beiden philosophischen Aussätze des Heftes: „Das neue Denken" von Franz N 0 s e n z w e i g und „Philo" von Fritz H ctuciiifl n n hatte ein Altphilologe übernommen. Einigen von uns war der Aufsatz von Nosenzweig zu schwer. Sich haben in Ihrer Borbemerkung ja schein die Motive angedcuket, die Lie veranlasst haben, die Bosenzweigschen Ausführungen nuszunehmen. Lchließlich gibt cs wr eine Zeitschrift vorn Niveau des „Morgen" auch ein point ft honm-ui-. Ich meine bannt die Berpstichtung. hin mW wieder auch solche Beiträge lmfznmchmcm, die nur dem kleineren -streift' der geistig Führenden in allen Einzelheiten -zugänglich und. Wir anderen haben dieses ..Pathos der Distanz" gegenüber einem Franz Nosenzwcig cinftch anznerkennen. Die Anerkennung einer Aristokratie dco Geistes ist eine notwendige Ergänzung der Demokratie. Im übrigen ober gewähr: der Noftnzweigfthe Aussatz durch Sprache und Gedaukcmwrnmng auch demjenigen hohen Genuß, der ihn in 'einer ganzen Tragweite nicht ersaßen kann. — H eine m a n n s Anführungen über P h i l 0 v 0 n A l e r a nd r i e 11 haben uns ein wichtiges Stück mem'chhcitlichcr Geifteweschichle ausgeschlossen. Wie Lies dieser jüdische Geist das europäische Denken mitgestaltet hat, ist mw jetzt erst klar gemorsten. Die Frage von „Staat und Erzieijung" hat durch die Bcrhandlungen zum hleuchr-schulge'ctz aktuelle Bedeutung gewonnen. Während der Anftatz von Silo Meller in Nr. -st den rein kacholifthen Standpunkt zn dimer Frage vertrat, hat nns der vorliegende Aussatz von Niebergall die Auffassung des Protestantismus vermittelt. Es ist erstaunlich, wie tief sich Protestantismus und .Katholizismus in dieser Frage jchciden. Ich möchte wohl wißen, ob alle Nichtungen des Prvtestantisnms mit der Niebergattsch.cn Glcichwertung von Staat und ätirche einverstanden und. Ter prächtige Auftft.tz von Selw.a Stern über den „Frauentbpns der Nomantil" hat uns Frauen natürlich besonders interessierst. Wir haben uns vorgenommcn, die Literatur über dieftn Gegenstand weiter zu verfolgen. La>l not Ion st danken wir alle Ihnen her zischst ftir Ihren Beitrag, die Festansprache. Wir warteten von Nummer zu Nummer aus einen Beitrag von Ihnen. Zwar konnten wir uns denken, daß Sie mit Ihrer Heransgeberftuigkeft so sehr in Anspruch genommen und, daß wir im Am'ang nichts von Ihnen erwarten dursten. Um fo mehr har uns diese Wiedergabe der Festawpracift bei der Tagung der N. j. F. in Worms er'reut. Wir haben sic laut vorgelesen. Biel mehr als beim Ictvn Leftn kam die befthwiugte Wucht der Sätze zur Geltung. Zum Schluß noch einen Wuuschi -gönnte der „Morgen" nicht auch von Zeit zn Zeit eine literarisch wertvolle Novelle bringen.:" Nachschrift nu diesem Falle nicht der Dame, sondern des Herausgebers des „Morgen"): Literarisch wertvolle Novellistik ist schwer zu beschaffen. Doch hofft ich. die Berhandlungcn mit einigen angesehener! Schriftstellern zu glücklichen! Endo zu ftihrcn und in einem der nächsten -Hcsie den Wunsch der Dame, der mir auch von anderen Leiten schon geäußert worden ist, crft'Ulcn zu können. I. G. Kostbuch Alleinige Anzcigcn-Annahmc Rudolf Mossc, Anzeigen-Annahme für sämtl. Zeitungen Dcutschlamls und des Auslands ffirtlin SW 30, ^mifairmri'2irot:c 4G'4'.) j SBrc-ilau; klrcmnch i Trcöten f Tüfscldors / CrnrN; Jvraufmrt a.Al. £a(le{3aa!cj Ham Nur-.! Hannover evartende Köln a. Rh. Leipzig / Macidebnra , Niennhenn l Minichor / 9itmUnr;\ ' , Stuttgart i AuUtcrdaru j Barcelona / Basel 1 Budapest , Bukarest; stra^ / Mars.l air i iOic» / Zürich. F> ✓i <>0 UiJOOjUJ 7 f\^?f V? -?\ u-wseMSt a o i L-x-J L-J DIE 0EUT5CHE UJERT-ZIQRRETTE

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