Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 41 (9.10.1925)
- Date
- 1925-10-09
- Page
- Seite 674 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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674 Kindern das Blut verschieden reagiert, während das Blut irgendeines Fremden ähnlicher ist. Tie Behauptung, das; dann eben die beiden Eltern verschiedener Nasse seien, entbehrt jeder Grundlage. Ueberhaupt hat sich die Auswertung der Blutreaktionsweise für die Differenzierung der einzelnen Individuen nach ihrer Rassezugehörigkeit als durchaus abwegig erwiesen. Diesen Standpunkt vertritt auch Abderhalden, den wohl selbst der verbohrteste „Völkische" als Autorität anerkennen wird. Seit 1901, also fast einem Bierteljahrhundert, wissen wir durch die Arbeiten von Landsleiner') u. a.. daß cs bezüglich der Blutkörperagglntination unter den Menschen etwa vier (nach neuerer Ansicht noch einige mehr!) individuelle Bluttvpen gibt, die, wie gesagt, nach den Meudelschen Gesetzen vererbt werden. Landsteiner gibt folgende Einteilung: I. Die Blutkörperchen dieser Gruppe werden von der Vlutstüssigkeit (Serum) der drei anderer; Gruppen agglutiniert. II. Die Blutkörper werden nur von den Sera der Gruppe 1II agglutiniert. III. Die Blutkörper werden nur von den Sera der Gruppe II agglutiniert. IV. Die Blutkörper werden durch Menscheuserum überhaupt nicht agglutiniert. Innerhalb jeder Gruppe tritt keine Agglutination ein. Menschen der IV. Gruppe stellen gewissermaßen universelle Blutspender dar. Da in allen von Bcrzarch und L. u. P. Hirschseld") untersuchten Völkern, Rassen und Nassengruppen (etwa 16!) mehr als 30 Prozent, bei Italienern sogar 47 Prozent, also etwa ein Drittel bis uahe.pl die Halste, aller Individuen der IV. Gruppe angehören, ihr Blut demnach durch kein noch so freindcs Blut zur Agglutination gebracht werden kann, so ergibt sich mit genügender Deutlichkeit, daß es Unsinn ist, aus dem Eintritt einer Agglutination aus Rasscverschicdenheit von Blutspender und Blutempfänger zu schließen. Wenn ferner z. B. von den in der Ententearmee in Saloniki unter- ] suchten S-enegalnegern 22,6 Prozent, also beinahe ein Viertel, mit den übrigen Sencgaknegern Agg! utinatior; ergaben, aber 48,2 Prozem, also mehr als zwei Fünftel, zur Gruppe IV gehören, ihr Blut also auch von dem eines Deutschen, Engländers usw. nicht agglutiniert werden kann, wie sollte es dann möglich sein, allein ans o i e s e m Wege sicher einen Inder; von einen; Germanen zu unterscheide;;!! — Es dürste vielleicht von Interesse sein, daß von den untersuchten Juden 38,8 Prozent, von den Deutschen nach Hirschseld 40 Prozent, nach Derzär, der die deutschen Ansiedler der Theißebene, die, vor mehr als 200 Jahren aus Mitteldeutschland in Ungarn ciugewandert, kaum fremdes Blut ausgenommen haben, aus ihre Blutreaktiou pruste, 40,8 Prozent der Gruppe IV angehören. Für die Einzekindividueu besteht also in der Bkutreaktiou kein Kriterium für die Rassenzugehörigkeit. Dagegen haben die genannten Forscher versucht, festzustellcn, ob nicht' für Volksgruppen, die nach anthropologischen und sprachlichen Methoden je eitler und derselben Raste oder Unterraste zugerechnet wurden, eine gleichartige Verteilung der Bluttypen bestände. Wirtlich ergaben sich aus den Vorhältniszahleu charakteristische Indizes. Und dieser Inder stimmte z. B. für die Theißdeutschen genau mit dem von Hirschseld und Tungen für die Gegend von Heidelberg gesundenen (2,8) genau überein. Ebenso scheint sieh durch diese Methode der auch sonst vermutete Zusammenhang der Zigeuner Ungarns (0,6) mit den Indern (0,5) sowie die gemeinsame -Verleitung der Magyaren (l,6) und Türke:; {1,8) von nral-altaiichen Völkern zu bestätigen. Merkwürdig ist aber die Jndexgkcichheit (1.3) der Juden von Monastir mit den Russen und die der Deutschen mit den Italienern (2,8). Die höchste Indexzahl haben die Engländer (4,5), die niedrigste die — doch so c\zxn von den „Ariern" für sich reklamierten Inder! — Wenn die letzten Sätze der zitierten Ausführungen des Herrn v. Konopacki sich ans diese Forschungen beziehen — etwas anderes kam; er kann; nieinen —, dann ergäbe sich die Erklärung des offenbaren Unsinns derselben vielleicht am leichtesten dadurch, daß er falsch gelesen und das Wort „Juden" mit dem in mancher Schrift ähnlich aussehenden „I n d e r" verwcchwlt habe!' Wie dem auch sein :nag, so ergebe!; sich doch bei genauer Durchsicht der Zahlen Unstimmigkeiten, die zu den; Eindruck sichren, dein sich die Autoren selbst auch nicht ganz haben entziehen können, daß nämlich die Reihenfolge des Indizes weniger die Rassenzugehörigkeit als die geographische Lage der Heimat zum Ausdruck bringe. Der Index urrd noch vielmehr die Häufigkeit des Zugehörens zur Gruppe II *) Landsteiner: „Wiener Um. Wochenschr." U [1001], S. 1132, „Ztrbl. f. DaL. lerrologie" 27, S. 361, 3L, S. 548. *) VerzLr u. Weszecky: ,ßßiorfjm. Zllchr." 126 [1921], 6. 33; Verzär: „$Uin. Dochenschr." I 11922], 6. 930, dort auch weitere Literatur. •) L. u. P. Hirschseld: „Lancet", 2 [1919], 6. 675, u. ^'Anthropologie" 29 119191, S. 505. nimmt nämlich von Weilen (und Norden) nach Osten (und 8üden) ab, in gleichen; Maße die Zugehörigkeit zur Gruppe III zu. Die Extreme werden — wie schon gesagt — durch die Engländer und Inder repräsentiert. Diese geographische Orientierung der Indexzahlen läßt vermuten, daß Klima, Lebensgcwvhnheiten und andere äußere Faktoren eine nicht zu unterschätzende Rolle als Ursache der Blutgruppenbildung spielen. In allerneuesier Zeit brachte auch die „Berliner Illustrierte Zeitung" eine Notiz, daß die mit Unterstützung des Reckeseller-Institutes unternommene Forschung zweier — nicht mit Namen genannter — 'Würzburger Biologen den zuverlässigen Nachweis erbracht habe, daß die Bildung der Blutgruppen mit Nasse;;ichts zu tun habe, sondern; allein ans die genannten äußeren Faktoren zurückzuführeu sei. Eine Bestätigung dieser Nachricht habe ich trotz großer Mühe nicht erlangen können, so daß die betreffende Frage noch offen bleibt. Das aber inöchte ich an; 8chtusse noch einmal betonen: Sollte diese Nachricht selbst falsch seil;, so hätten die Forschungen bisher höchstens ergebe;:, das; in größere;; Volksgemeinschaften die Verteilung der Blutreaktioneweisei; verschieden ist'); n i e m a l s a b e r k a n n d;; r ch d i e Blutreaktiou ein E i n z e l i n d i v i d n u nt einer b e - st i m u; t e n R a s s e z u g e w i e s e n iv erde n. Bewahrheitet sich aber die Notiz der „Berliner Illustrierten Zeitung", so eröffnet sich wieder die neue — und auch wieder so alte — Frage: „Sind nicht überhaupt die Rassen ihrer Entstehung nach durch Milieu, Klima. Lebensgewohuheiten, Ernährungsweise und ai;dere äußere Faktoren bedingt?" — Doch das geht über den Rahmen dieses Aussatzes hinaus. Schluss der letzten Nummer über die y3Rasscnfrcv:e<f. 3ö völkische Versammlungen in Sroß-9er'in. ,,Wernr Vrc letzte Not Vre wahrhaft Völkischen ruft.. An; 25. Oktober wählt Groß-Berlin zun; Stadtparlament. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, werden wir in der letzten Woche vor der Wahl eine Wahlbewegung nach amerikanischen; Muster erleben können. Die Parteien treffen zunächst ihre Borbereitungen in aller Stille. wie wir's bei den letzten Reichspräsidenten- und Reick)-:--- tagswahlen beobachten konnten. Die alle r g r ö ß i c n k r n t t a n st r r n g nnge n sind, wie es scheint, von den Völkischen zu erwarten. Ein Blick auf den Groß-Berliner Bereinskalender derer um Wulle und Kunze stützt diese Vermutung: 36 völkische Versammlungen in Grof;-Berlirr während einer Woche! An; 6. Oktober große öffentliche Versammlungen mit den Führern der Völkischen in fünf verschiedenen Gegenden Groß-Berlins, au; 7. Oktober vier völtiscl)e Versammlungen in den Arbeiterzentren Groß-Berlins (Familicnabcnd und Tanz als lockende Nachspeise«, am 9. Oktober konzentrisches Vorgehen in vier öffentlichen Versammlungen in; Westen usw. Beliebtestes Thema scheint das alte und e;vig neue zu sein: „Deutschland den Deutsche!;." Der Toi;, den die Herren Kube und Kunze in den Versammlungen belieben, berechtigt, wie wir uns überzeugt haben, zu den besten Hoffnungen für die letzten Tage der Wahl. Wenn wir eines Trostes bedürfen, so wäre es der, das; die Radauantisemiteu selbst den Reichspräsidenten Hindenburg in die Drecklinie ihres Angriffes hineinzuzieheu sich nicht entbinden. lieber all hört man in den Versammlungen die geheiinnisvollen Hinweise aus die! Tage der Reinigung und Befreiung, die da kommen werden, und auf die n; an jetzt in den völkischen Kreisen s r ü h e r h o s f e n könne, als man cs je g e d a ch t. Wenn inan sich beinüht. ans denr Phrasenschwall;n;d der Großmannssncht heransznschäken, was an ernsten Hoffnungen und W'.ünschen übrig bleibt, so erhält inan einen Fingerzeig durch den Münchener „Völkischen Kurier" von; 25. 8epten;ber. Hier wird eiu Ausruf der Re du er schule der völkischen Freiheitsbewegung G r o ß - T e u t s ch l a n d veröffentlicht. Diese trete auf dringenden Wunsch der atten Teilnehmer wieder auf den Plan, weil große Ereignisse bereits ihre Schatten vorauswürfen. Die innenr:nv arrswnpolilischcn Verwicklungen zielten auf eine Katastrophe grössten 2rnsmaftcs hin, und cs sei deshalb notwendig, sich aus die kommenden Ereignisse rechtzeitig genug cinznstcllerr und ans dem Platz;rr stehen, wenn die letzte Not die wahrhaft Völkischen ruft. Auch auf dem Gebiete der F t u g b l a t t p r o p a g a n d a scheint man einen großen Feldzngsplau in Vorbereitung zn haben, um auf dos kommende U n g l ü ck Tentschlands, das dic heranziehende völkische (Glückseligkeit bedeuten wird, gebührend hinzuweisen. Tos „Deutsche T a g e b l a t t" gibt, gewaltige Geldmittel ver7 rate;;d. Sonderausgaben heraus, deren Inhalt ans das Thema zugeschn.itten ist: „Was will die völkische Bewegung?" Mau wird in Groß-Berlin jetzt im besonderen die Augen ofscnhalten müssen, um genauestens zu verfolgen, wohin der Weg der Herren Wulle und Kube geht. Wenn wir unsere Freunde ansfordern, uns in den nächsten Wochen in unserer Arbeit nach Kräften 7) Andere Methoden rein serologischer Art haben zu gar keinen; Re-sultat geführt. Auf serologischen, Wege kann n,an nicht einmal sicher das Mut Eines höheren Affen von den; des Menschen, trennen.