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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-09 · 41 (9.10.1925) · p. Seite 672

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
41 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
Seite 672 (sequence 7)
Language
German
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672 Gobineau und Ehamberlain. Eine frttifcfje Studie von Sagt man Go bi ne au. so ist da? Rassenprobtem auf dm Tagesordnung gesetzt. Deutschlands Erneuerung erhoffen stch die Schwärmer von der Parteiechten Einstellung des Voltes zu dieser Summe unklarer und verwickelter Fragen der Biologie und Ethnologie — es bleibt für die Umvipcmschaftlichen lediglich der Name einer rechtsradikalen Monatsschrift. Ob der vielwendige Mar Maurenbrcchcr jetzt in seinen Predigtbeften seine völkischen Rassenbelange in Friedrich Nietzsches tradttwusschatiensreier. rnächttgcr Was wuh alle einzustellen versucht; oder ob uns Börries von Münchhausen begeistert über Günthers Meisterwerk dieser Gcsinunngsrassenülnde etwas vorschvoärmt: sie bleiben unterwegs; |ic ersetzen das Ueberzeugen durch Ueberredem sie iu:\yu viele plinste und tpunn'n Lllstgespinste und kommen weiter von denn Ziel ... Bor 70 Jahren erschien erstmalig Joses Artur Gras Geb-.ueaus vierbändiaes Hauvibuch über die Ungleichheit der menschlichen Ratzen (französischst ein Ricscnesfay. gestßnmt (oder verstimmt) mu heroischen Pessimismus. Der adelige Ror-nanne (1816 bis 1882). wurde in seiner bewegten Naturgeschichte in rundem Bogen um die Eigenart des Pariser Geistes hernmgesnhrt, der Wettwanderer und Arier. Seine Naventheorie — zn deren voeiischcn Urkunden auch seine ...Geschichte der Per so iE (als Einzelbeispiel aus der Geschichte) und seine „Asiatiscbcn Novellen" (als dichterische Arlsstrahlv.ug) gehören — w'll die Volker charakterisieren und gruppieren. Rühmlich ist GobineauS Geschichtswiüen und seine Jntnttion: desto unzulänglicher erscheinen seine anatomischen, zeoloaischeu, anthropologischen uiid prähstlorU'.hen Beweismittel. Weder die Verschiedenheit des Klimas und der Umgebung. noch irgendwelche soziale und cthisthe Entwmtting. liech überhaupt Zeitereianisie vermögen in Gobineaus Glanbensbeken.nlnis den bevorzugten 'Menschenrassen etwas anznhaben. auf deren Konstitution und'Geist er brünstig baut und stch andächtig erbaut! Ihre Zivilisation (Huiiiu) wird nicht zersetzt, wie man gemeuchm annimntt, durch Lurns und Sittcnverderb, durch Religwn<?verlall iind durch Mißregierung — nein, ruft der wahnersernde Vorkämpfer, nein! Immer loieder schleppt er beide Arme voll ..Material" als urkundliche Belege ans allen Schatzkammern der Welt z;nii Erweis herbei: die Hauptvölker erliegen der Degeneration, die unevenbürtigs Vermischung mit anderen Rasten entartet, eutadelt. entwertet sie. Das Rassenwahnwerk Gobineaus von I855 blieb zunäch:c nnbcaehioi; man stand, wie Rudolf Birchow, vor einem Rätsel. Seither flössen die Rassensorschnngen in die Breite, die Flut bleibt im Anschwellen. Einen Kronzeugen wider G o v i it c n n bernse ich: seinen leidenschaftlichen, eugliscl^französtsch-deutschen. arischen Rassenwllegen, den eben jetzt siebzigjährigen Bayrenther Forscher und Schristsrelter Houston Stewart Ehamberlain — also einen gewißlich nnbesangenen Eideshetser. Ehamberlain? Zeugnis, das ich als charakterstark empfinde, soll meinem Wurzelsesten Zweifel an der wissenschaftlichen Brauchbarkeit und an der soziologischen Würde der sogenannten Rassenfragen Nahrung geben. Houston Stewart Ehamberlo.ru ist so undiplomatisch-ehrlich, in seinen', originell anregenden Lesebuch von den Grundlagen des 19. Jahrhunderts die These Gobineaus zu bekämpfen, daß die Welt von Sem. Ham und Japhet l jüdische Urvätersage) bevölkert worden sei. Diesen dogmatischen „Riß in seinem Urteilsvermögen" bescheinigt ihm Ehamberlain. Er bemängelt auch seine Behauptung als Irrtum: daß die von Hause ans reinen Rassen, sich im Ablauf der Historie vermischend, mit jeder Vermischung unreiner und unedler würden! Eine solche Pessimistische Ansicht von der Gegenwart und der Zukunft de? Menschengeschlechts sei Wahn, sei eine Kette von Widersinuigkeiten (I, 207). Der atzenden Kritik folgt die Zornesschale Ehamberlains auf Gobineaus Haupt: Was dennein Arier sei?! Nur wer nichts wisse von Ethnographie, könne eine klare Antwort aus solche Frage Wägern In das Gestrüpp ungewisser Hypothesen gerate man. beschränke man sich nicht auf die zweifelsohne miteinander verwandten Jndo-Eranier. Tie „Arier" weichen Physisch weit voneinander ab. Sie weisen den verschiedensten Schädellnu auf, auch verschiedene Farbe der Haut, der Augen und des Haares. Und selbst wenn es eine gemeinsame indo-europäische Urrasse gegeben hat. so wachse doch das Material für die Wahrscheinlichkeit, daß — auch aridere ganz unverwandte Typen von jeher in unseren sogenannten ,.arischen" Nationen reichlich vertreten seien. Mithin dürfe man höchstens von Einzelwesen sagen, daß sie arisch seien, nimmer von einem ganzen Dolle . . . Sprachverwandtschaft — kein zwingender Beweis für Blutsgemeinschafl! Einwanderung der Jndoeuropäer aus Asien — waren sie nicht seit undenklicher Zeit in Europa ansässig? Oder Kolonisation Indiens von Europa aus? Der unerbittliche Fragesteller, Vogelsteller Ehamberlain urteilt: „Es ist diese Frage das, was die Bergleute ein schwimmendes Land nennen; wer die Gefahr kennt, wagt sich möglichst wenig daraus" (l. 268) . . . Virchow folaerte kühl nach dem anatomischen Befunde: Tie ältesten Troglodyten Europas seien vom arischen Stamme gewesen! —- Den Sprachforschern stiegen die Schädelmesser nach. Bis die reisenden Ethnographen die Nachrichter wurden an den zuversichtlicken „Eranivlogen": der lebende Mensch zerstörte den fiktiven seinaebildeten) Wert der Knochenrncssnug. Verzagt ries der deutscl)e Mtionalist Ehamberlain: „Wer weiß, was man im Jahre 1950 über den Arier lehrt?!" Bei der vollendeten Verwirrung der Wissenschaft könne der Laie nur schweigen. Trotz dieser entsagenden Geste versuchte Ehamberlain in der Rassennot einen naiven Ausweg: er beschloß nämlich als Selbstversorger weiter zn leben: „Würde auch bewiesen, daß es in der Vergangenheit nie eine arische Rasse gegeben hat, so wollen w i r ('), daß es in der Zukunft eine gebe; für Männer der Tat ist dies der entscheidende Gesichts- Punkt. . . Diese verblüffende Lösung des Problemlnotens entwaffnet — was Wissenschaft! Blau kauft sich eine Kanone und zieht selbständig, einstimmig, in den Krieg . . . Gobiuean zog das Entscheidende seiner Nassengewißheit aus dem gleichen G e f ü h l s b e z i r k. Ich beweise auch dies: Graf Gobiuean besuchte von Stockholm aus mit einem Freunde die kleine Felseninsel Djursholm. Die Trümmer einer zyklopischen Blauer ragten auf der Höhe, alte Tannen und Föhren klammerten sich um das mächtige Gestein. Wie ein Jüngling hatte der alte Herr mit den Graulocken um das Aristokratengesicht, mit dem weißen Spitzbärtcheu, der bedeutenden Stirn und den klaren Augen die Höhe erklömmen. Im Hinausblick aus die blaue, weite Flur/ der die Inseln eutstiegeu, sagte er überzeugt: „Dies war Altar Jarls Burg, hier stamme ich her. ich suhle das." Er hatte auch verkünden können: Dies war die Urheimat der weißen Rasse'! In solche seelische Unbedingtheit fährt keine Wisseuschast unsanft slöreud hinein; kein ausdörrendes System stört die 'Flamme des Glühgeistes, kein katter Wasserstrahl löscht das heiße Herz — der Freund rühmt au Gobineau diese Gaben des Himmels . . . Grat Gobineaus rassckuudlichen Arbeiten fassen wir allesamt, die wissenschaftlichen wie die vornherein künstlerisch gestalteten. Versuche mit untauglichen Mitteln, als Gesänge tragischer H e l d e n d i ch t u n g. Wir tun dem hochttiegenden Geiste damit kein Unrecht au. Der Heid dieses Poeten ist die weiße Rasse, die du rech Mischung mit duntteren Rassen untergeht, ^ie symbolisiert das Göttliche in der Menschheit. Faust ringt mit Mephisto: Ormndz und Ahriman, der Gott und der Teufel, der Menschensohn und der Dänwnenkneebt stehen im Widerstreit. Und wer behauptet das Feld? Gobiuean dichtete: Die Seele ift's. die siegt.. Sie wirft Licht auf alle Gipfel. Erde und Himmel beben vor Entzücken. Sein ^tan.uu- Vater hieß Odin. Die Geschichte der Menschheit schaute er als ein gewaltiges Gewebe, gespannt aus den Webstuhl der Erde. Die Jahrhunderte lassen das Weberschiss über den Einschlag laufen. Tie schwarze und die gelbe Rasse sind Baumwolle und Wolle: die zweitrangigen Familien aus der weißen Rasse machen den groben Grund geschmeidig durch ibre ^eidenmttchung. Die arischen' Edelgesehlechter der Feinsäden bringen zugleich ihre goldenen und silbernen Arabesken am Gewebestoss an. Tie Phantasie als Bildmirkerin. Was ist Wahrheit? Wir lieben Gobineaus geistfnnlelnden dramatischen Sinn aus der Renaissance, in deren Mittelpunkt, als guter Genuas seiner Zeit und seines Landes, in Wahrhaftigkeit und Reinheit Michelangelo leuchtet. Doch dieser Schauende und Gestaltende verharrte als Zweifler: das Mysterium, das die Alten schon kannten, blieb bestehen, auch wenn wir es mit anderer Methode umkreisen. Wir suchen und finden nichts. Die Erkenntnis der Menschen flattert in Unbestand und bleibt in ihrem Kreise festgebannt. Tie Menschheit übertrifft nie sich selbst: sie ist nicht ins Unendliche fähig der Vervollkommnung. Also sprach Graf Gobineau . . . Irrlinö Goldstern: „Rasse und Politik". Vierte, erweiterte und rungcarbcrtcte Auslage. Mit einer Vorrede über Ghristerrtrrm, DerUschiru« und Iudcnsrage, von Heinrich Frick. Verlag: Ernst Oldenburg, Leipzig. Als ich im vorigen Jahre gleichzeitig mit Julius G o l d st e i n in Amerika weilte, iim an einer Anzahl amerikanischer Umversttäten soziologische und philosophische Vorlesungen zu hatten, war es mir vergönnt, eine der Vorlesungen von Goldstein über Rasse und Politik in 'Jlcm Port zu hören und mich von ihrer Wirkung auf das anierikanische Publikum persönlich zii überzeugeu. Goldstein hat in den drei Jahren seit der ersten Auflage dieses Buches manches hinzugelernt und deshalb im sechsten Kapitel. „Sind Rasseeigenschaften feststellbar?", mancherlei erweitert und umgearbeitet. dagegen die Struktur seines Buches mit vollem Recht beibehalten. Sehr erfreulich ist die Berücksichtigung der Forschungen des deutsch-amerikanischen Gelehrten Franz Boas, welche für die Frage, ob Nayecigenschasten feststellbar sind, entscheidendes Material dargeboten haben. In meinen eigenen Vorlesungen an der Universität in Chicago, wo and) Professor Goldstein geweilt und dort einen wertvollen'Mitarbeiter in Mar Klee gestunden hat. habe ich mich über das gleiche Problem wie Goldstein verbreitet, und seit dem Erscheinen der neuen Auflage des Goldsteinschen Buches im Ehicagoer „Iniornational Journal ot Elhics" veröffentlicht. Die in Amerika gehaltenen zwanzig Vorträge an dortigen Universitäten norden demnächst in englisckzer Sprache unter dem Titel „Evolutionary Oplimism" in Amerika erscheinen. In diesem Buche sehe ich mich mit Gokdsteins Auffassungen über Rasse und Politik eingehend auseinander. Im Wesentlichen und Grundlegenden teile ich die Aufsasstmg Goldsteins, die ich bereits in meinem vor zwei Jahrzehnten bei Teubner erschienenen Buche über „Tie Anfänge der mensch!icl)en Kultur" >n einer besonderen Auseinandersetzung mit Houston Stewart Ehamberlain soziologisch erörtert habe und wo ich insbesondere den logischen Problemen des Rassenbegrisss methodologisch nachgegangen bin, um ihre Fragwürdigkeit anszndecken. Die Nassensrage ist und bleibt für mich ein Problem der Definition. Mährend Goldstein die Entstehung und Ausbreitung ver Nassentheorie. die nationale Idee und den Nationalismus. dir Frage der

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