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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-09 · 41 (9.10.1925) · p. Seite 671

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
41 (9.10.1925)
Date
1925-10-09
Page
Seite 671 (sequence 5)
Language
German
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671 auch nie von Feindschaft die Rede gewesen. Die Rede gewesen ist davon wiederum in Indien, weil eben Islam und Hindu» ismus auch abgeschlossene Religionen sind. Der religiös fundierte Antisemitisums war derstand lich — er sollte es freilich heute nicht mehr sein, denn es sollte heute eigentlich keine abgeschlossene Religion mehr geben; die Ansicht, daß jede Religion als „ein Gleichnis" Berechtigung hat, sollte Allgemeingut sein. Man redet nun wohl noch von einer „triebmäßigen" Abneigung zwischen Juden und Nichtjuden. Ich glaube nicht, daß hier etwas anderes als die Abneigung gegen das „Andere" vorliegt; die aber ist historisch und nicht wesensmäßig bedingt und fällt in sich zusammen, wenn selbst das einzige früher berechtigte absolute Anderssein, das religiöse, gefallen ist. Zugegeben, daß sich heute, obschon nur als Trieb gegen das „Andere", Abneigung gegen Inden, die ja immer noch ..dank" der Geschichte, in gewissem- Grade anders sind, triebmäßig äußert: Ist Tr i eb die letzte Instanz, der höchste Wert oder der höchste Maßstab? Gerade hier sollteil wir von einem Inden, von dem Nicht» juden schon so viel gelernt haben, noch einiges mehr lernen: von Spinoza. Er lehrt uns, daß negative Affekte nicht das Wesen des Menschen fördern und daher zu bekämpfen sind. Und er zeigt uns auch, wie mau sie bekämpfen kann: Man analysiere seine Affekte mit dem Intellekt, dann wird der üble Affekt durch den neuen guten Affekt der Erkenntnisfreude verdrängt; denn ein Affekt kann allerdings nur durch einen anderen Affekt überwunden werden. Hier also hat der, welcher verständig und guten Willens ist, ein Mittel, den Trieb gegen das '.Andere", falls er ihn besitzt, zu überwinden. Gewiß unterschätzen wir nicht die Wirkung des „Blutes", der Vererbung. Aber Vererbung wirkt in ELnzellinien und nicht kollektiv; und auch ihr Gegenstück, Mutation, wirkt im einzelnen. Ter „große" Mensch kann aus jeder „Raste" stammen; er ist ein Produkt seltenster Erbmischung und Mutation, theologisch gesprochen: ein Produkt der Gnade. Hier ist keine Rasse als solche, in irgendeinem Sinne des Wortes, bevorzugt. Aber dio Lehre vom Blut ist gar zu gern ein Ruhepolstet für Bequemlichkeit, wenn nicht für Schlimmeres. Wir wagen es zu sagen, daß bei sehr frühzeitiger Mischung der Rassen erster Ordnung, zumal der orientalischen mit den übrigen, es nie zu einer „Judenfrage" gekommen wäre. Was versäumt ist. hat die Geschichte nachzuholen. Hat doch Nietzsche gesagt, daß ein besonders hoher Menschentypus aus der Mischung jüdischen und „nordischen" Blutes entspringe. Fortsetzung der Beiträge über „Rassenfragen“ Seite 672. Ein „treuer" Geburtstagsgruß für öen Reichspräsidenten. Dr. Everlurg, Viömarck und Die JuDenernanzipation. Jeder Deutsche jedweder Konfession hat dem verehrungswürdigen Staatsoberhaupt der Deutschen N e P u - blik an seinem Geburtstag herzliche Wünsche für seine Gesundheit und Frische und für seine gewaltige Ausgabe, den inneren Frieden Deutschlands anzubahnen oder — gäbe es nur das Schicksall — herbeiznführen, dargebracht. An einem solchen Tage sollte es das Taktgefühl jedem, insbesondere denen, die aus den Spalten der Zeitung zu ihren Lesern reden, gebieten, alles zu vermeiden, was einen Mißton oder gar Beleidigungen gewisser Teile des Volkes darstellt. Tie überwiea'nde Zahl der deutschen Zeitungen hat im Sinne des Reichspräsidenten und ans dem Gefühl der Verantwortung heraus so gehandelt. Der Wunsch Lindenb u r g s, nicht durch den unseligen Flag gen st reit varteipolitische Auseinandersetzungen gerade an seinem Geburtstag herbeizuführen, ist verständnisvoll und dankbar ausgenommen worden. Nur den völkisch ei: Blättern und leider auch einem Teil der d e u t s ch n a t i o n a l e n Presse blieb es Vorbehalten, die „Treue" gegen die Wünsche des Reichspräsidenten dadurch zu wahren, daß sie ihre Geburtstagswünsck>e nicht im Geiste des inneren Friedens, sondern des inneren Ilnsriedens hielten. Es ist bemerkenswert, daß die „Kreuz-Zeitung", deren gute konservative Tradition ihr das an diesem Tage hätte gewiß verbieten sollen, einen Aufsatz des deutschnationalen Landtagsabgeordnetcn Dr. Friedrich Evcrling „Zmn Geburtstage unseres Hindenburg" veröffentlicht, der dazu herhalten muß. den — Juden eins tüchtig auszuwischen. Evcrling erinnert daran, daß im Geburtsjahre Hindenburg s der Abgeordnete v. B i § m a r cf, der spätere Reichskanzler, in seiner „berühmten Rede" vorn 13. Juni liegen die sogenannte ,.J u d e n c m n n z i p a t i v n" ausgetreten sei. Er kommt dann zu dem reichlich kühnen Schluß, daß Hiudenbnrg selbst „vor einer der letzten Auswirkungen jener Judenemanzipation. vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß der Herren Sinzheimer, Katzenstein und Cohn gestanden habe". Man kann über die Einsetzung der Untersuchungsausschüsse und über die vermeintliche Notwendigkeit, einen Mann wie Hindenburg von ihnen vernehmen zulasten, geteilter Meinung sein. Daß sie aber „eine der letzten Answirlungen der Judenemanzipation" seren, das entdeckt zu haben, ist ein bleibendes Verdienst des Herrn Dr. E v e r l i n g. Auf der gleichen Höhe geschichtlicher Erkenntnis steht die Beschlagnähme Bismarcks für eine jrrderrgegnerische Einstellung. In der angeblich berührnten Rede vor dem Bereinigten Landtag gegen die Judenemanzipation hat Bismarck den Satz gebraucht, als er sich mit dem christlichen Staat beschäftigte: „Daß wir mit Hilfe der Juden diesem Zwecke näher kommen sollten (nämlich der Aerwirklichung der christlicherr Lehre durch den Staat), kann ich nicht glauben." Also ein wahrhaft erschütternder Beweis für Bismarcks Auftreten gegen die Judenemanzipation. Ta ja die Deutschnationalen immer aus die geschichtlichen Grundlagen des Staates Hinweisen, so sei Herrn Dr. Everlrng eine Aeußcrnng Bismarcks zur Zeit, als er schon Reichskanzler war, in einer Sitzung des Preußischen Abgeordnetenhauses (30. Januar 1872) dargeboten: „Sobald wir den Staat in konfessionelle Stücke schneiden, an dem jede Konfession ihren verhältnismäßigen Anteil haben muß, so kommt auch noch die ganz beträchtliche Kopfzahl der jüdischen Bevölkerung in Betracht, deren Mehrheit sich durch besondere Fähigkeit und Intelligenz für die Staatsaeschäste auszeichnel." Was nun, Herr Tr. Evcrling? Und nun gar das Folgende: Poschinaer berichtet („FürstBismarck, Nene Gespräche und Interviews". S. 113) über ein Familiendiner im November 1830 und eine Aeußeruug des Kanzlers. „Ich mißbillige ganz entschieden diesen Kampf gegen die Inden, sei es, daß er pch aus konfenioneller- oder gar auf der Grundlage der Abstammung bewege. Mit gleichem Recht könnte man eines Tages über Deutsche von französischer oder polnischer Abstammung herfallcn wollen und sagen, es seien keine Deutsche. . . Ich werde n i c m n 1 s darauf ein gehen, daß den Inden die ihnen verfassungsmäßig zustehenden Rechte in irgendeiner Weise verkümmert werden." Vermögen wir wohl aus Grund diese? beiaebrachten Materials Tr. Evcrling tatsächlich zu berichtigen — seine Gesinnung können wir nicht berichtigen. Wer vermeint, im Geiste des Reichs- Präsidenten zu handeln, wenn er seinen Geburtstag benutzt, um (nicht nur) gegen die jüdischen Deutschen loszuziehen, dem ist nicht zu Helsen. Es ist tief bedauerlich, daß man von gewister dentschnationaler Seite, wie hier deutlich gekennzeichnet, den ernsten und bedeutsamen Bestrebungen des Reichspräsidenten, endlich dem deutschen Bolle den inneren Frieden aus einer gesunden vaterländischen Grundlage zu geben, so Steine in den Weg wirst. Ob das wirklich deutsch u n d national gehandelt ist, haben alle gerecht denkenden Deutschen bereits entschieden. * Der Münchener „B ölkischc Beobachter", das Leibblatk Adolf Hitlers, veröffentlicht einen „Offenen Brief an Hindenburg" (Ar. 133 vom 30. September), unterschrieben von A. Dreßler, königlich bäuerischer Hauptmann a. D. Zum Sck)luß dieses Brieses heißt es: „Sie. den ehrwürdigsten deutschen Helden, mnaelwm zu sehen von Feigheit, Mittelmäßigkeit und Parteihaß, bereitet ,mir und manchen Kamerad' Pein und Not. Machen Sie sich frei von solcher Umgebung und geben Sic dem Mann das Wort, der berufen ist, uns rille dereinst freizumachen!" Also Adolf H i t l e r , der kühne F r e i h e i t s h e! d und allein die Z u k u n s t Deutschlands, und Reichspräsident Hin den bürg, dereinst der große Feldherr des Wellkrieges, heute nach völkischer Auffassung ein säst seiner Willensfreiheit beraubter Schwächling im Kreise von niederen Kreaturen. Eine hohe völkische Einschätzung des Reichspräsidenten! Zur Umsiedlung der russischen Iuöen. Eine Dcsprechnng bei Tschitscherin. Der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenst ei ten,- Tschit scher in, empfing gelegentlich seiner Anwesenheit in Berlin die Herren Tr. B a e ck. Dr. B r o d n i h, Dr. Paul Nathan. Kurt V l u m e t» f e I b und Professor Albert Einstein. Es wurde die Frage der jüdischen Kolonisation in Rußland eingehend besprochen. Tschitscherin gab eingehende Aufklärung über die Haltung! der Sowjetrcgiernng zu dem von ihr geförderten Projekt der landwirtschaftlichen Ansiedlung von Juden.

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