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Central-Verein-Zeitung · 1925-10-02 · 40 (2.10.1925) · p. Seite 660

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
40 (2.10.1925)
Date
1925-10-02
Page
Seite 660 (sequence 15)
Language
German
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660 uiu-tmüMirfjcu Fleiß und der Umsicht der Oveschästsinhacher gelang es, die GesamLeinnahme des ersten Geschäftsjahres aus 10 < OoO Mark au bringen. Lauge hielt es Oscar ließ in den engen Verhältnissen m Gera nichi ans. Mit Frau und einem einhalbjährigcm Söhnchen zog er nach Manchen. In der Nähe des Bahnhofes, am dachns, das damals noch keine „Lage" war, erösjuete er ein Manusakiurwarengeschäst nach Geracr Art. Nachdem Oscar Ti eh im harten Kamps mit Böswilligkeit und unlauterer Konkurrenz glänzend obgesiegt hatte, entwickelte sich nicht zuletzt unter dem Eindruck der sür ihn äußerst günstigen Prozeßurteile das Geschäft zusehends. Bald wurden in verschiedenen Gegenden Münchens, in Stuttgart, Karlsruhe, Planen, Hamburg und zuletzt in Berlin Filialen errichtet. Tie Jahre IE!-0/1900 bedeuten die Niedcrlas - s u n g in B e r l i u. Am Dönhoffsplatz wurde das bekannte erste Warenhaus der Firma Tietz errichtet. Wenige Fahre später baute Oscar Tietz das gewaltige Warenhaus am Alexanderplatz und bald darauf das Hans in der Frankfurter Allee. Nach dem Urteil eines bekannten Berliner Blattes verstand es Oscar Tietz, „einen eigenen Geschästsstil zu siuden, der auf die Berliner Atmosphäre zugeschnitten und trotzdem außerordentlich großzügig. wirtschaftlich und erfolgreich war". Was Oscar Tietz. der im Januar 1923 seine klugen und sür seine Neligionsgemeinde, für die Ein- und Ethisierung des Warenhausgedankens Oscar Tietz $. A, gütigen Angen schloß, sü h r u ng. Durch s etzu ng in Teiibschland, in seinem hervorragenden Wirken in den Ehrenämtern der Stadt, des Staates und vor allem für unsere E. B.- Arbeit bedeutet, kann hier nicht dargelegt werden. Nach seinem plötzlichen Tode haben diese Blätter unseren Freunden dies nahegebrach t. Adolf v. n r n q cf, einer der größten Gelehrten unserer Zeit, beneidet in seinen Schriften einmal den Kaufmann, der über dem Erwerb des Tages hinaus der Wirtschaft und Wissenschaft Nat und Hilfe gewahrt, der dem allgemeinen Wohl fördernd und führend ergeben ist, der damit hingebungsvoll ohne große Worte dem.Vaterland dient. Er nennt einen solchen Kaufmann, einen i o nig- I i d) g n Kaufma n n. Wohl dem deutschen Batertande, wohl dem deutschen Judentum, daß Oscar Tietz ein solcher war. So sicht ihn unser Liebendes Gedächtnis allezeit. 13"? TTTT " K er n'-i ZrS h Tfc\ £ Das erste Tietzsche Geschäft in Gera, wieviel Herliner besuchten öie IesLgottesAiensLel Tie hohen Feiertage liegen hinter uns. Sie brachten wie gewöhnlich einen e r h ö y t e n B e s n ch d e r G o t t e sh ä n s e r. Die Synagogen genügen dann nicht, um die Zahl der Beter zu fassen. Daher werden wie in vielen anderen Gemeinden auch in Berlin sogenannte I u t e r i m s gott e s dien st e veranstaltet. Bereits uin die NUtte des vorigen Jahrhunderts wurden hier solche G o t t esd i e n st e ein ge r i ch t e t. Der Bau der Synagogen hat mit dem Wachstum der Gemeinde nicht Schritt gehalten/ /o ist auch die Zahl der Betsäle von Jahr zu' Iah/ gestiegen, sowohl a b s o l n t als im B e r h ä l t n i s zu der Zahl der ständigeist Synagogen. Nach der Eröffnung der N c imt S y n a g o g e im September 1866 wurde vorübergehend von Jnterimsgottesdiensten abaescyen. Seitdem stieg aber die Zahl der Betsäle beständig. 1694 bestanden neben vier Synagogen sieben Jnterimsgotlesdiensie. Im letzten Friedeussahr. 1913. waren es bereits 21 neben sieben Synagogen. Zn den diesjährigen Feiert a g e n wurden neben 11 Synagogen 3 6 I n t e r i m s - gottesdi e n st e veranstaltet, dazu kamen noch 13 Jugendgottesdienste. Die Gottesdienste der ^Vcka-^lliorocl'-Genieinde sind dabei nicht mitgezählt. Eine große Zahl ehrenamtlicher und besoldeter Kräfte haben sich zur würdigen Ausgestaltung des Gottesdienstes vereinigt. Es waren etwa 6 0 b i s 8 0' A a b b i n e r lt u d P r e d i g e r und 16 0 bis 1^8 0 B o rbet e r L ä t i g. Mehr als 1 0 0 o S ä n g e r u n d S a n o e r t n ii c n trngei/znr Verschönerung des Gottesdienstes bei. Die Zahl der den Gemeindeinstgliedern zur Bersügung stehenden Plätze beträgt etnm 2 0 0 0 0 <c\) n a g o g e n p l ä tz e und etwa 23 000 i n den Bet s ä l e n. Dazu kommen noch rund 2 0 von der (Gemeinde subventionierte Prioatvcreiue mit etiva 1 0 000 P l ä 1; e n. Die G e s a m t z a h l der versügbaren Plätze beträgt demnach etiva 53 000. Dies ist a n ß e r o r d e ii tj i cf) io enig, U'ciin man in Betracht zieht, daß die Zahl der Steuerzahler in Berlin alein 1 1 0000 beträgt. Aechnet mau dazu die Ehefrauen und nichtsteuerzählenden Kinder, so kommt man zu dem Resultat. daß nicht e i ii nt a l s ü r die Hälfte der Berliner Jude n P l ä tz e bei de n F e st g o t L e s d i e n st e n vorhanden s i ii d, Iranz Kofen^toeig« jüngste Schrift. Zum dritten Male läßt der Verfasser des ..Sterns der Erlösung" einen Sendebriest) ansgehen: an eine Persönlichkeit — es ist diesmal Martin Bnber — gerichtet und um deswillen, was diesem und gerade diesem Adressaten gesagt wird, an alle. Das ist ja das scheinbar paradore Wesen des „offenen Briefes", daß er den Augenblick bezeichnet, in dem das BewußLfein für Verantwortlichkeit jo stark wird, daß die persönliche Zwiesprache vor aller Ohren und um der ganzen Gemeinschaft ivilleu sortklingeu und jeden eiubeziehen muß. Ter erste Brief des noch Unbekannten — „Zeit i[tTg" — ging heischend an die Wissenschaft und ihren Vertreter; der zweite, deutlich Programm des bald gegründeten Freien jüdischen Lehrhauses, sprach anfmunternd und auffordernd trotz des mürrisch klingenden „Bildung — und kein Ende" vorn Zugleichseiu von Lehrer und Lerner, vom gemeinsamen und hosfuungsstarlen Wandern in die Welt alles dessen, was in jüdischem Leben wißbar ist. Dem immer klarer, Heller und wirklicher iverdenden Wort des Mannes, an den dieser dritte Sendbrief fragend gerichtet ist, klang bereits der zweite entgegen. Nosenzweig hat den Umkreis des Wortes dnrchinessen: von senier „sprechenden Methodik" im System der Philosophie des „Uterus" bis zu dem Sendbries vom Dolmetschen — sei dieser Vergleich gewagt — in der Ichuda - Hatevi - Uebertragnng führt der Weg; was bisher gesagt und geschrieben war, gilt der Lehre. Nun, da es sich um das Gesetz handelt, wird jede Einsamkeit des Denkers unmöglich. Die Kunde spricht von dem iin persönlichen Leben Errungenen und sucht die Mitlebeuden aus. _ Au Bubers gesammelte acht 3!edeu knüpft Nosenzweig au: er bezeichnet cs als dessen befreiende Tat, daß er das jüdische Lernen aus der Unters ch e i d n n g v o n „W esentliche in" un d „11 n w c f e u 11 i eh c nt" b e j r c 11 h a t, daß er diesem Lernen schlechthin nichts Jüdisches mehr fremd sein läßt, und daß der Weg vom Wissen zur Lehre, von allein Wißbaren zu „meinem, deinem, unserem Wissen" gezeigt und beschritten ist. Und nun verlangt Nosenzweig für die andere große jüdische Frage der Zeit: „Was sollen wir tun?" die genau ebenso befreiende Antwort. Er fordert für das Gesetz, was für die Lehre erreicht ist. fordert diesem anderen Inbegriff unserer Thora und unserer lebendig anfbanenden Uebcrlieserimg die Lösung von allen Begrenzungen durch unsere Orthodorie wie durch uisteren Liberalismus. Er zeigt mit strenger Logik und in bildstarker Sicht ans den Weg. der — wie dort durch alles Winbare hindurch znm Wissen und schließlich zu unserem Wissen, zur Lehre, führt — jetzt durch die Welt alles Tnbaren zur Tat, durch alles Gebet bare znm Gebet geht. Wie die L ehre a ii f h ö r t, b l o ß I nhalt z u sein, u nt sichinu n s e r e K r a s t z u v e r io a n d e t n, s o m u sr das Gesetz wieder Gebot werden, das im A u g e n b l i ck des B er n o m m e nw e r d e n s sich „in Tat um setzt". In H F r a n z R o s c n z w e i g: „D i c D a u l c u t e." Berlin 1925. Philo- Verlag.

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