Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 40 (2.10.1925)
- Date
- 1925-10-02
- Page
- Seite 657 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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657 Stirnen halten. Man hat in der badischen Judeuheit die Abwehrkämpfe, die durch die judenfeindlichen Angriffe in den letzten Jahren nötig waren, viel zu schnell vergessen. Man hat sich durch die scheinbare Stille in Sicherheit wiegen lassen, man leidet den jüdischen Fragen gegenüluw an einem Jndifserentismus, der an Verantwortungslosigkeit grenzt. Zugegeben sei, daß die Stoßkraft des Ncichsblocks seit der letzten Aeichspräsidenteuwahl durch die erfreuliche Ablage der Deutschen Balls Partei an ihn gemindert worden ist. Wir sind aber der festen Ueber.zeugung, daß Baltische, Deutsehnatianale und vor allem Landbund auch bei diesen Wahlen den billigen antisemitischen Paradeganl weiter reiten werden. Es gilt also für die badische Jndenheit, Hürden anfznbauen und bereit zu halten, die das Nennen der Antisemiten zum mindesten so stark behindern, daß ihnen der Sieg genommen wird und sie sich mit einem schlechten Platz begnügen müssen. So weit darf aber das Verantwortungsgefühl der badischen Inden nicht herabgesunlen sein, daß man ihnen ausdrüeklich sagen müßte, was zu einem solchen Hürdenbau nötig wäre. Die Parität an öen höheren Schulen Preußens. Von Direktor Dr. F. Reich (Weißensee). Unter dem Titel „Der Numerus clausus und die Parität au den höheren Schulen Preußens" veröstentlichle Professor Tr. Go er big aus Aenwied in der „Täglichen Rundschau" am 3. September einen Artikel, der auch uns manches recht Interessante osfenbart. Bon 3991 Studienassessoren und 862 Studieua s s e {f o r i n u e n , zusammen 4853, wurden in die Anwärter liste am 24. April 1924 erstmalig etwa ein Viertel, das heißt 1257 aufgenammen. Diesen ist eine Stelle im Lause der nächsten fünf Jahre sicher. Für die restlichen 3600, unter denen Kollegen bis zu 48 Jahren sind, besteht vorläufig keine Aussicht für eine Anstellung. Es ist selbstverständlich, daß, wie Goerbig sestsiellt, die Arbeitssreudigkeit dieser 3000 Kollegen und Kolleginnen nicht bestehen bleiben kann. Aber auch die Art der Ausstellung dieser Liste wird von dem Verfasser scharf kritisiert. Und zwar glaubt er van einer starken Zurücksetzung der evangelischen Studienassessoren und -assessorinnen gegenüber den katholischen sprechen zu müssen. Tie wenigen Stellen, die den jüdischen 'Anwärtern zugeteilt sind, will er aber unter die evangelischen und katholischen ansgeteilt haben. Seine Begründung hierfür ist reichlich oberflächlich. Bergleichen wir seine Zahlen und seine Forderung! Bon den im Jahre 1924 vorhandenen 4853 Studienassessoren(innen) waren: 2864 evangelisch, 1914 katholisch, 75 jüdisch oder D i s s i d., — 59 Prozent, — 39,4 Prozent, 1,6 Prozent. Aul die Anwärterlifte kamen 1257, davon: 775 evangelisch, 468 katholisch. 14 jüdisch oder Tisstdent, — 61,7 Prozent, 37,2 Prozent, — 1,1 Prozent. Der Vergleich beweist, daß man also 2,7 Prozent den Katholiken, Inden und Tissidenten zugunsten der Evangelischen, entzogen hat. Trotzdem hält Goerbig die Verteilung der Stellen für die evangelischen Anwärter für ungerecht. Tenn der Bedarf müßte den Ausschlag geben. „Ter Bedarf aber muß sich richten nach dem Verhältnis der Konfessionen der S ch ü l e r (i n n e n)." Ties Verhältnis ist bei den Schülern der höheren Lehranstalten folgendermaßen: 72,7 Prozent evangelisch, 21,4 Prozent katholisch und — aber das läßt Herr Professor Goerbig stillschweigend weg, 5,9 P r o z e n t j ä disch oder Tissidenten. Nach diesem Verhältnis verlangt Professor Goerbig die Zuerteilnng von Stellen an die evangelischen Stndienassessorenlinnen). Danach fehlen den evangelischen Anwärtern noch 13,7 Prozent Stellen, dagegen hätten die katholischen 18 Prozent zu viel. Er sagt: „Das bedeutet eine grolle Imparität../ Wenn man nach dem konfessionellen Verhältnis der Schülerzahlen die Anzahl der Anwärter(inuen) ansrechnet, kämen 913 Stellen für die evangelischen und nur 269 für die katholischen Anwärter nach seiner Ausrechnung in Frage. Es kämen, was Herr Professor Goerbig falsch angibt, nicht 61, sondern 75 Stellen für Juden und Dissidenten in Frage.. Aber nein, so weit geht die (Gerechtigkeit nicht. Er behauptet kühn, daß die „61" den Inden und Dissidenten „znkonnncnden" Stellen von diesen „nicht iu Anspruch genommen werden", und so verteilt er sie (an die Evangelischen 48 und an die Katholiken 13). Herr Professor Goerbig irrt sich ober. Wenn, wie er feinen Artikel schließt, „im Interesse des konfessionellen riedens die Forderung ausgestellt werden muß, daß in Zukunft bei usstellung und Ergänzung der Anwärterlisten nicht bloß die „Eig. nung" maßgebend ist für die Auswahl der Studienassessoren, sondern auch der Bedarf, Gsonders in konfessioneller Beziehung" — wenn er das fordert in bezug aus die 72,7 Prozent evangelischen'Schüler, damit das „der evangelischen Bevölkerung angetane Unrecht nicht verewigt wird", so hoffe ich, wird er es auch in bezug auf die 5.9 Prozent jüdischer oder Tisidentenusw. Schüler fordern, damit das Unrecht, das diese Minderheiten viel prinzipieller erdulden mußten und schon vwl länger getragen haben, endlich aus der Welt geschafft wird. D^m, Herr Kollege Goerbig. wir Inden und auch die anderen verachten keineswegs auf Gerechtigkeit und gleiche Behandlung. Bon Dr. Paul Nathan. >,Thero has bcon an assumption on fho pari of monnoy thai the new rfforl for nussian Jowi-h agricultural work has a doliherale purpose wcaken tho Zionist cause in America, 1 can say to you that whoever makos this Statement utlors an absolute untrulh. David A. Brown in „American Israelile“; 3. IX. 5. Damit ein Gedanke, auch wenn er nützlich und gesund ist, sich durchsetzt, bedarf es einiger Zeit. Viele Personen haben sich, wenn es sich lim eine ernste Frage handelt, mit dem entsprechenden Problem bereits beschäftigt; sie sind zu bestimmten Anschauungen gelangt, und wenn diese Anschauungen den alsdann auslaucheudeu Plänen entgegengesetzt sind, so gilt es, dem besseren Plane allmä hlich zum Siege zu verhelfen. Es war zu erwarten, daß die Vorschläge darüber, was mit den zusammengedrängten jüdischen Massen der russischen Weftgonvernements geschehen solle, um sie einer besseren Zukunft eutgegenzuführen, natürlich auch aus Eiuwäude, auf Widerspruch, auf Ablehnung stoßen würden. Die sachliche Opposition, wie das Mißverstehen, wie nnvernünitige parteipolitische Emphase sind aus meinen Artikel in diesen Blättern vom 14. August nicht ausgebliebeu. Ich will vev'uchen, ya einer weiteren Klärung der vorliegenden Aufgabe beizutragen, und ich möchte nochmals betonen, daß eine günstige Entwicklung des Judenproblems in Nutzt and alsdann naturgemäß auch seine Nüclmirknng auf das jüdische Problem in P ölen wie in R n m ä n i e n wie in anderen russischen R a n d ft a a t e n ausüben würde. Sobald die unnatürliche Lage der Inden in Sowjetrußland beseitigt ist, kann mit denselben Mitteln auch ans eine Lösung des gleichen Problems in den Randstaaten hingewirkt werden. Das ostjüdische Problem, das der Weltkrieg in eine Reihe von Teilproblemen zerrissen har, kann in seinem gesamten Umrang gelöst werden, sobald sich erwiesen hat. daß das gesamte Gebiet der Union der Sowjetstaaten für eine Umsiedlung i n U eberein stimm ung und unter Zustimmung der maßgebenden Regierungsstellen in Moskau ofsensteht. lieberslüssig, aus das nachdrücklichste hervorzuheben, daß das Ei uv e r st ä n d n i s d e r AR o s t a n e r N e g i e r u n g d i e Vorbedingung für jeden Schritt vorwärts bleibt. Tie Moskauer Regierung, der nationalistische und religiösnationalistische Vorurteile nicht nachge'agt werden können, ist einfach vor die Frage gestellt, ob sie eine zweckmäßige Verteilung russischer Staatsbürger im Sowjetreich für erstrebenswert hält, ob nicht: ob sie es für nützlich hält, daß proletarisierte Massen in Verhältnisse gebracht werden, die für die intellektuelle wie für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Bevölkerungsschicht vorteilhaft sind, oder ob ein solcher Schritt naheliegendster Staatsklngheck nicht gemacht werden soll- D i e Entscheidung ü b e r d i e s e G r n n d f r a g e i st bereits gefallen. Bei der geistigen Individualität der führenden Männer in Moskau war es voransznsehen, daß sie sich für die Fortsetzung der Verkümmerung einer Millionenbevölkernng nach zaristischem Vorbild nicht begeistern würden: und so haben denn die ersten Ueberstedlnngen von Juden aus dem früheren Rayon nach Südwestrußland und nach der Krim bereits stattgefuudeu. Bleibt zu erörtern, ob diese ersten, vorsichtigen Versuche fortgesetzt und ans einer breiteren Grundlage weitergesührt oder ob sie aufgegeben werden sollten. Ein Eiuwaud von hervorragender Beschränktheit geht aus p a r t c i m ä ß i g e r Einbettung hervor. -Wir ist ein von zionistischer Seite geschriebener Artikel zu Gesicht gekommen, der in meinen Vorschlägen im wesentlichen n i ch t s sieht, als ein 9Ji a növer, den Z i o n i s m u s durch ein K o n k n r r e n z n n t e r n e h m e nt zu schädigen. Daß ich einen solchen idiotischen Standpunkt nicht einnehme. wird mir wohl vielfach ohne viele Worte geglaubt werfreu. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß eine weitere Einwanderung von Ostjuden nach Palästina keineswegs unerwünscht sein kann; nur wird durch eine solche Wanderung niemals die Ostjudcnsrage zu einer Lösung gebracht werden, und zwar aus dem Grunde, weil auch durch die eindrucksvollsten zionistischen Bersammluugsredeu und durch die eindrucksvollsten zionistischen Artikel die Größe dieses winzig kleinen palästinensischen Erdenwinkels sich nicht ansdehnen läßt, und wenn.von 1918