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Central-Verein-Zeitung · 1925-09-25 · 39 (25.9.1925) · p. Seite 643

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
39 (25.9.1925)
Date
1925-09-25
Page
Seite 643 (sequence 5)
Language
German
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Gl 5 rfrie&cnfjcit, ein Bild, das auch bei uns ernsteste Beachtung erordert. Nur wenige Tage trennen uns vom Versöhnungstage. Der Warnruf vor elftem Paktieren in Lachen der Religion, die Btahnung rnr S t e i g e r u n g der religiösen Entschiedenheit, Ser K a m p f!g e g e n a l l e i n n e r c U n freu e ist seine Botschaft. Wir sind eine' Minderheit, in der es nm jeden einzelnen nufommt. Vir brauchen eine feste Phalanx der Bekenntnistreuen, der lieberzengungsfesten. Air muffen unsere^ Reihen enger schließen, neue Liebe, neue Lstegeisterung für unsere Wahrheit in nnsZveckcn. Wie die Ritter vor ihrer Aufnahme in den Drden einen Tag der Einsamkeit fastend und betend durchleben mußten, bevor sie die Ritter- Weihe erhielten, so muß auch für uns der. Bersöhnungstag ein Tag innerer Heiligkeit werden, damit wir ihn, versöhnt mit Gott, mit dem Eidschwur des Treubekenntnisses schließen können. Winißee Dr. Scfjtveyev übet fiitfst und feine Oefefgfdjaft* Tie verbrecherische Tätigkeit der völkischen G e h e i in v e r - b ä u d e hat einen Geschichtsschreiber gesunden, dessen heißes Bemühen urn Tbjetnvilät sich nur unter Schwierigkeiten gegen seine nrsprüngl\üy: Neigung sür das, was er „vaterländische Bewegung" ^nennt. durchznsehen vermag. Hut so rvertvotler ift_dieses Zeugnis des früheren bayerischen Innenministers I r a n z vo e v e r , der uns in seineni soeben erschienenen Buch ,,P o l i t i s ch e G e h e i in v e r - bände" (Berlag Herder n. Er).. G. nt. b. H., Ire:bürg i. B.) eine reiche BUrterialsammlnng zur Verfügung stellt. Tie Darstellung gewinnt dadurch an besonderem Interesse, daß Schwester die Zusammenstellung einer großen Anzahl politischer Geheimbünde gibt und damit den Nahmen aktueller wagcsschriststellerei zugunsten einer genoisseu historischen Bollständigkeit überschreitet. ^eine Anssüyrungen über die deutsche vT tusche Bewegung geno innen dadurch, wenn nötig, iwch an sachlichem Abstand und historiographischer Ernsthastigleit. Besonders wertvoll sind seine au-i-führlichen Tarlegnngen über den „R a t i o n a l s o z i a l i s m n s", den er als bayerischer I n n e n m t n i ft c r gerade in den entscheidenden Monaten wie kaum ein anderer kennengelernt hat. Anmaßung und Terror. Schwester schildert zunächst den allmählichen Abschluß des R a t i o n a l s o z i a l i s m u s von der gesamten „vaterländischen Bewegung" und die Entartnngserscheinnngen., die diese Entwicklung begleiteten. „Je mehr die Bewegung .zunahm, desto anmaßender flainicn die Reden ihrer wortgewandten Führer, desto herausfordernder und selbslbeivnßter benahmen sich einzelne Gruppen in Ber- |anmifungcii und auf der Straße, desto mehr wurde ein ausge- Iprochener Terror gegen Andersdenkende zur fast täglichen Gewohnbeit. Ties machte ans den besonnenen Beurteiler einen um fo ividerlscheren Eindruck, als die Bollstrecter der neuen Bolkserziehungsgrundsatze zum großen Teile noch in einem Alter standen, das von vornherein zu einer solchen Ausgabe wenig berufen erscheinen mußte." Die Persönlichkeit Hitlers wftd in ihrer ganzen Unzulänglichkeit dadurch gekennzeichnet, daß sein anfänglicher Erfolg, der darauf beruhte, daß „wette .streife der Bevölkerung, die nicht tiefer blicken konnten, die anspruchsvollen, weltftüinnenden Reden der skrupellosen Inh rer sür bare Münze nahmen", ihn vollends verblendeten. „Mit der Erstarkung seiner Gefolgschaft, mit dem Wachstum seiner äußeren Macht wuchs auch sein Selbstbewusstsein bis zum Größenwahn". Das brachte ihn in immer stärkeren Gegensatz zu Gesetz und Polizeigewalt, was sich namentlich dann zeigte, „wenn er in maßlos aufreizenden Plakaten zu einer Vielzahl von Masseiwersammlungen ansricf. wenn er in den Berfannnlungeu m maßloser Weist hetzte'und die politischen Leidenschäften wachrief, wenn er durch seine Sturmabteilungen einen unerhörten Bersammlnugsterror ansübte und nach den Bersammlnngen nur zu oft die aufgeregten Blassen in lärmenden, alle Gesetze der Drdnnng mißachtenden Auszügen durch die Straßen ziehen ließ." „Bon einer Redefreiheit in den öffentlichen Bersammlnngen der Nationalsozialisten war keine Rede. Gegner wurden niedergeschrien oder auch niedergeschlagen." Hitlers Wortbruch. .Tie politische Erregung, die dank der völkischen Wühlarbeit im friedlichen München mit der Zeit zu einer chronischen Zlrankheitserfcheinung wurde, bewog Hitler zu einer Erklärung gegenüber dem bayerischen Innenminister, in der er ehrenwörtlich Der« lief) eite, er werde nie in seinem Leben einen Putsch machen. Am 8. November 1928 wurde Hitler wortbrüchig, indem er eine vaterländische Versammlung mit seinen bewaffneten ^Garden überfiel und durch Verhaftung bzw. Verschleppung der Staatsoberhäupter ^inen Staatsstreich mit allein Zubehör versuchte. „Es zeigte sich, daß die nationalsozialistische Vewegn-ng uns einer anfänglich vaterländischen Bewegung zu einer vollendeten g e - Heimen 1l m st u rz p a r te i sich entwickelt hatte, und daß Hitler trotz seiner wiederholten Loyalitätsversicherungen auch vor der äußersten Gewalt und selbst vor hochverräterischen H a n d - Jungen nicht zurüclschreckte, wenn er hierdurch seinen Ehrgeiz zu befriedigen und seine politischen Ziele zu erreichen hoffte.^ ,Was kümmern einen Halbgott wie Hitler entgegenstehende klare Gesetzesbestimmungen oder gar feierlichst abgegebene e h r e n wgö r t l i ch e BMichernngen? Tas alles gilt ja nur iür gewöhnliche Sterbliche!" Nähere Einzelheiten über die Behandlung der verschleppten Minister verschweigt Schwester. obgleich er als Augenzeuge davon berichten könnte. Iür die Tatsache der Verschleppung selbst hat er nur die Erklärung, „daß die Betroffenen die Seelenqualen eines unsicheren Schicksals in besonderem Maße zu fühlen bekommen sollten. Bei der Behandlung der Verhafteten haben sich die beteiligten Nationalsozialisten jedenfalls als vollendete Sadisten erwiesen". LudsndorffS Mitschuld. Nur schweren Herzens kann Schwester es mit einer verständlichen Ehrerbietung für die kriegernchen Leistungen Ludendorsfs vereinbaren, seiner Mitwirkung in der Politik Erwähnung zu tun. ..Mit schmerzlichem Bedauern muß ans die verhängnisvolle Rolle hingewiesen werden, die General Lndendoiss in der nationalsozialistischen 'Bewegung seit dem Sommer 11*23 spielte. ^Zn einer ernsten, unmittelbaren Gefahr für den Staat ist die nationalsozialistische Welle erst geworden, als Ludendorff offen für die nationalwzialistnche Sache eintrat und durch sein Eintreten der Bewegung ihren letzten und stärksten Antrieb gab." Der Zusammenbruch. „Ties alles vermochte aber an der Tatsache nichts zu ändern, daß die nationalsozialistische Bewegung einstweilen zusammengebrochen war, und trotz aller Anstrengungen Ludendorsfs, oder erade wegen seiner unklugen, maßlosen Haltung, nicht mehr zur rühereu ttrastenlststumg gebracht werden konnte." „Rach vorübergehenden, größeren Erfolgen bei den Frühjahrswahlen 15*24 zeigte es sich bet den Tezemberwahlen 1924 bereits deutlich, daß die „völkische Bewegung", wie sie feit längerer Zeit mit Borliebe genannt wird, ihre Anziehungskraft auf große Teile des Volles bereits verloren hatte. In den Parlamenten haben ihre Bertreter bis jetzt keine Erfolge .zu verzeichnen." „Die mit so vielen Versprechungen in den .stampf eingetretene und von weiten Schichten der Bevölkerung mit so großen Hoffnungen anfgenommene Bewegung hat schließlich mit einer schweren Enttäuschung, mit einem schmerzlichen Erwachen ans einem kurzen Traum geendet." Letzte Versuche. Hitler verbüßte seinen Hochverrat mit einer Festungshaft, wurde aber vorzeitig mit Bewährungsfrist entlasten. Schwester steht in der Annahme dieser Vergünstigung mit Recht einen Mangel an Wahrhaftigkeit; da Hitler in Wirklichkeit bei einer Wiederaufnahme der politisthen Tätigkeit die gleichen Mittel gebrauchen müßte wie vorher, ,,bleibt ihm nichts anderes übrig, als mir der gleichen Anmaßung, mit dem gleichen Selbstbewußtfein, mit der gleichen Selbstüberhebung gegen die bestehende Staats-, Geseftschasts- und Wirtschaftsordnung wie früher auszntreten, mit den gleichen Schlagivorten und Drohungen wie früher die Reform der bestehenden Zustände in seinem Sinne zu verlangen und mit der gleichen Leidenschaft wie früher sich als den Retter des Vaterlandes anzupreisen". In einer zusammenfassenden Würdigung des Ideengehalts der Bewegung hebt S ch w eher besonders die a n t i k i r ch l i ch e, letzten Endes sogar a n t i ch r i st l i ch e Gesinnung hervor und folgert, daß die Verwirklichung der kulturpolitischen Forderungen „eine schwere Gefahr, ja den Untergang u n s e - rer gegenwärtigen ch r i st l r ch e n Kultur bedeuten würde". Schwester ist ein streng nationaler, entschieden rechtsgerichteter Politiker, dessen unmutvolle Ablehnung von Umsturz und Sozialismus ihn zu einem natürlichen Anhänger der „nationalen Bewegung" aller Schattierungen macht. Er findet Worte aufrichtiger Trauer und bitterster Enttäuschung, wenn er von der Zer-

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