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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1925-09-18 · 1 (18.9.1925) · p. Seite II

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
1 (1925)
Issue
1 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
Seite II (sequence 2)
Language
German
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Die herrisch-Mörschs Iugenöbewe§ung. Martin Ssbotker (Scrlin) ^akob Itohnstamm (Münchcn) / Wilhelm Lewinski Merlin) Ernst Heinrich Seligsohn lberlin) Wir haben die Leiter der deutsch-jüdischen Bewegung 'gebeten, sich in der ersten Nummer unserer Jugcndbeilage Aber Wesen und Wirten ihrer Verbände zu äußern* Die nachstehenden Beiträge sind uns bis jetzt hierfür zur Verfügung gestellt worden. Die Schriftlcitung. die deutsch-jüdische Iugenögemeinschast. Bon MartinSobotker (Berlin). Unsere G e m c i n f d) a f t ist ft a r f ft c § religiöses Erleben. Geschaffen 1922 in Reaktion ans den „Rur-Wandervogelch ist die Deutsch-jüdische I ll a e n d g e m e i n s ch a f t g u t jüdisch u n b b o H f o m men j ü di s ch. Einseitige Jugendlichkeit drohte die deutsch-indische Jugendbewegnng zu Zersplitwrn lind ihr den eigentlichen Sinn zn nehmen. T i e den t j ch - jtidi s ch e Jugend war in größter Gefahr. Für sie gab es nur zwei Wege. Entweder sie erkannte, daß ihr tiefster^wie DlartinÄuber vom jüdischen Annlschen sagt, ,,d i c 3 t i s t u n g einer neuen Einheit für I ll h a l t^" war, oder aber sie mußte in Resignation versinken und einen Typ Menschen schassen, der weit entfernt voll dem gewollten „jüdischen Menschen" zu siichen war. Solange diese Jugend nicht begreift, daß sie Positiv jüdisch-religiös sein muß, solange wird sie auch nicht erkennen, daß ohne positives Judentum keine Gemeinschaft bestehen kann. Jede deutsch-jüdische Jugendbewegung, die da glaubt, nur einen Abstrich voll dieser Grnndsorderuna machen 311 können, wird am Widerstand d e r I ll g e n d selb st scheitern. Zur Einheit des jüdischen Menschen, zum wirkl i ch e n Inden, gehört aber auch für u n s u n l ö? bar v e r b u n d e n der wirklich D e n t s ch e. Geboren ans deutscher Erde und erfüllt von deutscher Geistes- und Knltnrwelt, ist der junge Jude unserer Gemeinschaft getragen vondem Gedanken der^Berantwortung und Hingabe der HUitarbeit an Staat und Volk. Tie jüdische Jugend, die den Staat freudig bejaht, mit jeder Faser ihres Herzens dem deutschen Lande aufs engste verknüpft ist, wird und kann es aber auch nicht dulden, daß die, die unter dem Deckmantel der „wahren Volksgemeinschaft" ihre gierige Profitmacherei besorgen, ein Anrecht daraus erheben, ständig die BolksgeuOpen andereil Glaubensbekenntnisses zu beschiuwsen und ihnen die Liebe zum ^taat zu vergällen. Dem Antisemitismus gilt daher .unser schärsster und rastl 0 s er K arnps. Als deutsche Juden in jeder Faser ihres Tuns und Handelns, getragen von dem göttlichen Gedanken imseres Judentums, erfüllt von der unauslöschlichell Liebe zn dentschenl Land unb deutschem Volk, ist die Deutsch-jüdische Jngendgemeinschast der Quell der Z w e i e i n h e i t von D e ü t s ch t u rn und I u d e n t u m. Und noch ei n I nha l t f ü g t sich zu n n se r e r d r e i - fach gegliederten Einheit — inner 9Jt c rt f cf) c n 111 m. Losgelöst von allem Formalismus und gesetzt in eine Welt der Wirklichkeit, will die Deutsch-jüdische Jngendgemeinschast ein jüdisches Geschlecht heranziehen, das von den Idealen eines reinen und freien Menschentums getragen ist. Ellen Key hat recht, wenn sie sagt, was nützen uns denn aller Formalismus lind alle S t a t i st i k e n über h i n z u k 0an m e n d c und abgehende Mitglieder, wenn wir nicht die Kraft besitzen, das Wesentliche zu erkennen, die \ c § mit aller Innerlichkeit zu füllen u n d für dieses mit aller Wahrhaftigkeit zn handel n. Dieses Wesen!liehe HL die Erziehung der jüdischen Jugend 311 Menschen, die fähig sind, die Dinge in Liebe und Äit Wahrhaftigkeit 31t behandeln, die nicht immer sofort den äußeren Zweck in den Vordergrund schieben, die, wie es in der Meißner-Formel (1013) hieß, „wollen, daß ihre Gemeinschast von der Jugend selbst getragen luevbc". Die Gemeinschaft kann aber nur von der Jugend selbst getragen werden, wenn sie durch Kampf des Herzens und der Seele Menschen „formt", die Gemeinsamkeit, soziales Gewissen und religiöse Erbauung kennen. Losgelöst von allen Statuten und Paragraphen, fern davon, eine Gemeinschaft nur „größter" Ideale und von Utopien zn sein, wird die Deutsch-jüdische Jngendgemeinschast, von dem Dalwillen jüdischer Menschen getragen, eine Gemeinschast größter Datbereitschaft, eine Ta t g e m e i n s ch a s t sein. Diese Jugend wird sich nicht absthließen, darf nicht nur die Auswahl der Besten treffen, die altzuleicht den Typ der „Vergeistigten" darzustellcu drohen, sondern sie muß durch ihre Aktivität, durch ihre Tat überall dort wirken, wo junge jüdische Menschen vorhanden sind, die mit ihr kämpfen wollen, sie wird als Teil der a l l g e m eine n deu 1 s ch e n Jugenvbewegu n g überall dort wirken, wo es heißt, in dem Ringen um 'alle großen Kulturprobleme mit der nichtjüdischen Jugend'gemeinsam zu arbeiten. -Die praktischen Arbeitsergebnisse lassen sich in dem engen Nahmen dieses Beitrages nicht mehr behandeln. Wenn auch die Deutsch-jüdische Jugendgemeinschaft noch nicht „Tausendes zn ihren Anhängern zählt, so hat sie dennoch kraft einer festgefügten Berliner Ortsgruppe (37 llntergruppen) in einigen Orten des Reichs Fuß fassen können. Sie gliedert sich in eine BuudesleituugH und in einzelne Ortsgruppen. Tie Bundeszeitschrist-) „Ter Kämpfer" wird von der Bundesleitung in zwangloser Folge herausgegeben; der Führerrat der Ortsgruppe Berlin hat sich ein eigenes Rachrichtenblatt geschaffen. Sie richtet ihr besonderes Augenmerk auf die körperliche Ertüchtigung der Jugend durch Turnen, Spiel und <-port. So wird sich die D e u t s ch - j ü d i s ch e Jugendgemeinschast dennden klaren Blick verschaffen, die große Idee, die uns beseelt, voll und ganz zu erfassen. Sie w i r d der n e u e n Einheit Inhalt geben, sie w i r d den deutsch-jüdischen Al e n s ch e n Ichasscn, .. vom 9unö öer „RaMeraörm". Von Jakob K 0 h n st a m in (München). Unser Bund ist geworden, nicht gegründet. Die geistige Rot unserer Zeit, die die deutsche Jugend zum Ansbruch gemahnt hat, die sie 1013 am H 0 h e 11 M c ißne r zusauunensührte und sie neue W ege der L e b e u s g e st a l t u n g gehen hieß, sie rüttelte auch junge Inden in allen Gauen des Reiches auf. Die Rot, die sie um ihr Judentum litten und die ihr Judentum litt, gab ihrem Bündnis die besondere Art und die besondere Kraft. Gedankenwelt und Lebensstil der deutschen Jngendbewegung sind uns ureigenster, unverlierbarer Besitz geworden. Unsere Verbundenheit mit deutschem Land mib deutschem Volk, unser Berantwortungsbewußtsein für die deutschen Dinge, unser Lauschen auf jede Stimme lebendigen Judentums und unsere Bereitschaft zn 7 ü d i s ch e r Erneue r u n g einen uns. linier Bund will die Kräfte lösen, die in deutsch-jüdischer Jugend schlummern und sie zu neuer, einiger Gestaltung führen. ^0 ist er eine Befreiungsbewegung der Jugend und zugleich der Vortrupp neuen Werdens, der Kerntrupp einer kommenden neuen deutsch - jüdischen Gesellschaft. Selb st siche r c, w u t zelhafte M e n f dj c 11 sind 'unser Ziel, Alcnschen. die nicht um ihrer selbst willen sind, sondern um des Ganzen willen, das sie tragen und das sie trägt. Darum ist unser Weg: freudige Einordnung, Einordnung in Gruppe. Bund und Voik. Das frohe, prachtvolle Leben seiner Jungmannschast ist die Grundlage dieses Blindes. Die Jungen und Mädel spüren zu lassen, dag nur als Glied eines Ganzen der Mensch gilt und wirkt, dieses Gemeinschaftsleben der Gruppen in Freude des. Körpers und Aufgeschlossenheit der ^eele zn Geschlossenheit und Eiliheit zu führen, ist unser erstes und crnftcftco Bemühen. Diese Gruppen unserer Jungen und Mädel, unser Jungvolk, tragen Miseren Bnnd^). Die EGewähr feiner Dauer aber und seiner Zicklmstöbedeutling hat er irr der Offenheit seiner Aeltercrr für die Ausgaben der Gegenwart, in der Geradheit und dem tiefen Ernst, mit der sie an ihre Lösung Herangehens. Alle Kräfte, die in deutsch-jüdischer Jugend lebendig sind, lvirken sich hier au?, nicht in Sätzen und Formeln erschöpft sich unser Wollen. Eine Formung des ganzen Menschen. der ganzen Gemeinschaft, ist es. Verschiedene Wege führen die einzelnen, die Gruppen zmn gemeinsamen Ziel. Aber all ihre Arbeit ist Arbeit des Bundes. Heimabend und Fahrt sind die Formen unseres Zusammenlebens. Tie Heimarbeit, dies gemeinsame Werk, die Fahrt, die gemeinsame Freude, was sie uns bedeuten, erkennt nur der recht, der bei uns ist nnb um den Geist weiß, der uns zu birfen neuen Formen kommen ließ. Formell, die wir an die Stelle der alten gesetzt haben, die uns nichts mehr sind, an Stelle der — wie es uns scheint — inhaltlos gewordenen Formen der gegeulvärtigen Gesellschaft. Sport lmd Spiel schließen nn^ enger zusammen; gemeinsame Feste lind gemeinsamer Gottesdienst sind uns stärkster Allsdruck unserer Gemeinschaft. | - - * K Btindosäilcr: 'Ludwig Tick, Berlin, unb Martin Gotjotfcc, Berlin NO 55, Wm5st rage 31 Gutschrift). -) iörrauc-acccbcu von Friedrich Broünitz, Berlin W 62, Cchillsiraße 0. 3) Das Leben dieser Grunpcn fpicr»clt sich in bem Blatte, das wir für dis Buben des Bundes hcrausgeben. Das „Jungvolk" erlernt tnonatlich. Preis 20 P sinnig. *) Dafür legt unser Rundesblatt Zeugnis ob, von dessen neuer Folge arcci Hefte vorliegen: „Jugend urtb Staat" (60 Pfennig) unb , Bon jüdischer NoG (Preis 70 Pfennig). Weitere Hefte siitd in Borberctttrng, z'-mächsi eines über unseren Bundestag 1025.

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