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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1925-09-18 · 1 (18.9.1925) · p. Seite I

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
1 (1925)
Issue
1 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
Seite I (sequence 1)
Language
German
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Verlin, 18. September 192S Jahrgang 1 Nr. 1 Weg unö JfeL / Der Jugenöberlagr Zum Geleit. Ter deutsch-jüdischen Jugend sollen diese Blätter, die heute zum ersten Male erscheinen, gewidmet sein. Leoor wir den Kreis der neuen Aufgaben und Probleme, die damit dem Leser der „6. V.-Zeitnng" nähergebracht werden sollen, schärfer umreißen, müssen nur erst eine grundlegende Frage aufwerfen: Gibt es eine deutsch-jüdische I n g e n d? Wollen wir hieraus eine Antwort geben, die mehr als die Oberfläche des Geschehens streift, so müssen wir einen Augenblick r ü ck w ä r t s schauen. Der 6 e nt r a lv er e i n hat in bcu letzten zwei Jahrzehnten eine bedeutsame Entwicklung durchgemacht. Ohne die Ausgaben, die durch die Ereignisse des Tages gegeben sind, ans den Angen zu lassen, hat er den geistig e n I n h a l t der Bewegung erweitert und vertieft. Tie deutschen Inden haben erkannt, daß sie, über die staatsbürgerliche Gleichberechtigung hinaus, Anspruch erheben können, als selbständiger und wertvoller Typus i m 9i a h m e n der deutschen Kult u r gewertet zu werden. Wir wissen jetzt nicht nur, wogegen wir kämpfen, sondern auch wofür: für den d e u t s ch - j ü d i s ch e n M e n s ch o n. So erwuchs dem Ecntralverein neben der Führerschaft im Kampfe gegen den äußeren Feind eine neue Aufgabe: S a m m elpunkt zu werden für alle Kräfte, die an der Verwirklichung dieser Kulturausgabe Mitarbeiten wollen, in der sich altes G e i st e s g u t lt n b wegweisende neue Ausg a b e n in b e g e i st e r n d e nt S ch affen verbinde n. Bei dieser Entwicklung mußten sich mit innerer Notwendigkeit die Wege des Eentralvereins und der neuen jüdischen Jugend kreuzen. Die deutsch-jüdische Jugendbewegung ist ein Glied der großen deutschen Jugendbewegung. Es ist das große kulturelle Verdienst der Jugendbewegung, schon vor dem Kriege einer rationalistisch und materialistisch gewordenen Welt die Forderung eines uentn, reineren M e n s chent u m s vorgehalten zu haben. Sie war schon vor der großen europäischen Katastrophe von der Ueberzengung durchdrungen, die heute Gemeingut aller Geistigen geworden ist: daß die Lösung der Kulturaufgaben, die immer größer und bedeutsamer aus dem Chaos des Zeitgeschehens anjtanchen, nur dann gelingen kann, wenn wir wieder den Menschen in des Wortes höchster Bedeutung über alles stellen. Wir haben aber auch gelernt, daß nur der Menschentyp Zukunftsbedeutnng gewinnen kann, der in dem Boden einer in sich geschlossenen Kultur 'wurzelt. So mußte die jüdische Jugend mit Notwendigkeit die Forderung des neuen Menschen ergänzen zur Forderung des deutschjüdischen Menschen. Damit ist schon gesagt, daß sie die Konstruktionen eines engherzigen Nationalbegrisfes ablehnt. Sie weiß, daß es viel jugendlicher ist, sich zu einer Weltanschauung zu bekennen, die ihre Begeisterung ans der Bejahung schöpft, als in Resignation fernen Traumbildern nachzujagen. Und so treffen sich in ihren Zielen die Alten und die Jungen: W e g e b e r e i t u n g f ü r e i n n c u c § b e u t f ri) c § und jüdisches Menfchentn m. Die Frage nach dem Bestehen einer deutsch-jüdischen Jugend ist somit bejaht; die Frage nach den W egen, auf denen diese Jugend ihren Zielen nachgeht, sotten diese Blätter in e r st e r Linie beantworten. Sie sotten die Kenntnis von ihrem Wesen und Wollen in die weitesten Kreise tragen. Und sie sollen damit den Zusammenhang zwischen alt und jung festigen helfen. Tie jüdische Jugendbewegung hat die ertreme Richtung der E l te r n f e i n d l i chkeit nie gekannt: dazu waren die Bande des jüdischen Familienlebens zu stark. Unsere Eltern werden hier die Gewißheit finden, daß sie in ihrem Wollen uns tiefst verbunden sind. Aber sie werden bei der genaueren Kenntnis, zu der ihnen hier verhelfen werden soll, auch erkennen, daß die Wege, auf denen die junge Generation ihr Ziel zu erreichen sucht, notwendigerweise oft andere sein müssen, als die der alleren. Sie werden, im Gefühl des gemeinsamen Zieles, dafür mehr und leichter Verständnis haben. Damit ist auch gesagt, daß diese Blätter keineswegs die eigenen Zeitschriften der Jugendbewegungen überflüssig machen wollen. Alles, was eigenste Angelegenheit der Jugend ist, wird sie and) weiter in ihren Kreisen erörtern. Selbständigkeit ist die erste Voraussetzung einer sinnvollen Jugendbewegungsarbeit. Diese Blätter sollen eine L ücke anssüllen: was bisher in Versammlungen und Besprechungen nur flüchtig erörtert werden konnte, das soll hier eine tiefer greifende Behandlung finden. A l l e große n P roBtcmc des beut s ch -jüdische n K n l t n r k r e i s e s , soweit sie die Jugend berühren, sollen mit Niche und Gründlichkeit erörtert werden können. Das wird, so hoffen wir, reichen Gewinn für beide Teile, die Aelteren und die Jüngeren, tragen. Darüber hinaus soll hier Gelegenheit gegeben werden, sich über Einzelheiten aus der praktischen Arbeit der Jugendbewegungen zu orientieren. Regelmäßige Arbeitsberichte sotten dieser Aufgabe dienen. Und schließlich knüpfen wir Jüngeren noch eine Hoffnung an das Erscheinen dieser Blätter: daß sie dazu verhelfen werden, den inneren Zusammenhang der deutschjüdischen Jugendbewegung immer inniger und fester zu gestalten. Wer, in der Arbeit stehend, die Entwicklung der einzelnen Bewegungen in den letzten Jahren verfolgt hat, der wird gesehen haben, daß die Einigkeit über das Ziel immer größer geworden ist. Daß über die Wege dorthin die Meinungerl oft auseinanderaehen, das liegt im Wesen der Jllgend begründet. Aber ein Ideal einigt sie immer wieder: d e u t s cb e s u u b j ü d i s ch e s M e n s ch e n t u m. Dieses Gefühl immer wieder wachzuhatten, wird die größte Ulid schönste Aufgabe dieser Blätter sein. Gelingt es, dann wird sich eine geeinte deutsch-jüdische Jrcgend als neiles Glied an eine Kette von Generationen reihen, die sich seit Jahrtausenden int lebens- und znkunstsbejahenden Schaffen an einer großen Kultnraufgabe finden. Friedrich B r o d n i h. Äs hem Mal Friedrich Brodnih: Weg und Ziel. — Marlin Soboiker: Die Oeuisch-jüdische Zugcudgcmeinschast. — Zako'o Kohnstamm: Vom Lund der „Kameraden". — Wilhelm Lewinsti: Die Deuisch-jüdische Zugend. — Ernst Heinrich Geligsohn: Oie jüdisch-liberalen Zugendvereine (Zlis). — Wir und die anderen. — Eine Schniheljagd und anderes.

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