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Central-Verein-Zeitung · 1925-09-18 · 38 (18.9.1925) · p. Seite 630

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
38 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
Seite 630 (sequence 11)
Language
German
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as sollen unsere Rmöer VerZenl Ratschläge für öle Berufswahl. Oer Beamte. Ich möchte hier einmal die Frage erörtern, ob nach Lage der gegenwärtigen Politischen und w i r t s ch a s t l i ch e n Verhält nisse für geeignete jüdische Bewerber mit entsprechender Vorbildung der Eintritt in den Reichs- oder Staatsdienst zu em p f c fj Ic n i st. Für Deinntenstellen werden ohnedies nur die jüdischen Bewerber in Frage kommen, die aus jugendlichem Idealismus und ehrlicher Begeisterung zur Milderung. Klärung und Beseitigung der jahrhundertealten Vorurteile, Gegensätze und Antipalh'.en das hohe Ziel allezeit im Auge hatten, durch Arbeit nndchMühcn. durch Ansdauer und Fleiß den Nachweis zu erbringen, daß der jüdische Mitbürger nicht nur als Kaufmann und Industrieller, als Arzt, Anwalt und Journalist, sondern auch als Richter, Lehrer, Verwaltnngs- und Verkehrsbeamter im öffentlichen Dienst für das Staatsnwhl sich bewahren und der allgemeinen Achtung und Wertschätzung erfreuen Im übrigen will ich mich auf die Erörterung verschiedener Punkte von allgemeiner und g r u n d s.ütz l i ch c r Wichtigkeit beschranken. Bei allen Reichs- und Staatsverwaltungen ist heute unter dem Druck der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse erster und leitender Grundsatz: Sparen, Vereinfachen, Abbanen und Verbilligung des Betriebes. Die Annahme und Einstellung von neuen Bewerbern wird daher öfters gesperrt (z.^ B. höhere und mittlere Postbeamtenlausbahn). (Ergänzend hierzu sei noch bemerkt, daß mir bisher u n t e r' d e n rund 2300 höheren P o st b e a m t e n nur drei Beamte jüdischen Ela u b e n s bekannt gelvorden sind, während nach dem Verhältnis zur Bevölkerungszahl — 1 v. H. — 23 höhere Posibcamtc jüdischen Glaubens vorhanden sein müßtenbei den mittleren und unteren Beamten werden die Verhältnisse wahrscheinlich ähnlich liegen.) Auch werden durch Einführung des Maschinenbetriebes zahlreiche Beamte allmählich entbehrlich, ^ind deshalb im allgemeinen die Aussichten auf Annahme schon an und für sich ziemlich ungünstig, so wird gleichwohl die Einstellung von neuen Bcamlenkrästcn bei Hier abtrenncn- WOWOLLffWMN (Öifig erdeten bis 2U September für die Nummer-vom 25. September.) Ich bitte um Aufnahme nachstehender Familienanzelge in die „C.V.-Zeitung" zum ermäßigten Zeilenpreis von 45 Pfennig für die 27 mm breite Zeile. Diese Anzeige in Grösse von 10 zweispaltigen =20 Zeilen kostet M.9,-nette. J Text der Anzeige (bitte recht deutlich:) Besteller: Beurlaubungen und Erkrankungen, Versetzungen in den Ruhestand ustv. erforderlich werden. Zum Eintritt in den Beamtendienst halte ich nur die jüdischen Anwärter für geeignet, die, aus guter Familie stammend, sorgfältig erzogen sind und nach den Grundsätzen des Centralvereins in unverbrüchlicher Treue für Deutschtum und Judentum eintreten. Bewerber, die der orthodoxen oder der jüdisch-nationalen (zionistischen) Richtung angehören, halte ich mit Rücksicht ans die Arbeitseinteilung "(strenge Sabbatheiligung) im Beamtendienst sowie auf die unvermeidlichen Auseinandersetzungen und Unstimmigkeiten mit den christlich und anders eingestellten Mitarbeitern, nach meinen persönlichen und langjährigen Erfahrungen hierfür nicht geeignet. Aber auch bei den nicht religiös orthodox eingestellten Staatsbürgern jüdischen Glaubens ist es dringend erforderlich, daß sie für ihren Berns eine genaue <tt e n n tnis ihrer eligion, i h r e r Geschichte, i h r e r S a tz u n g e n und B r ä u ch e mitbringen. Eie kommen sehr oft in die Lage, den Andersgläubigen über den Inhalt unserer Religion und Moraletlsik, über Zweck und Ziel der alten Zeremonien klare und erschöpfende Auskunft geben zu müssen. Ans diese Weise kann der jüdische Beamte schon durch seine Gegenwart in einem sonst rein christlichen Preise und durch seine Bl e n n t u i s v o n j ü d i s ch -religio s en T i n g e n ausllärend und vermittelnd wirken und wesentlich dazu beitragen, antisemitische Strömungen und Einflüsse nachdrücklich und erfolgreich zu bekäinpsen. Die Unkenntnis von jüdischen Dingen, unserer Religion und Geschichte ist in christlichen Kreisen trotz aller dankenswerten Aufklärungsarbeiten und -schristen des E. B. und des Philv-Verlages immer noch erschrecklich groß. Vor einigen Jahren sagte mir ein christlicher College, mit dein ich. freundschaftlich verkehrte: „Ich sehe jetzt ein, daß die Juden genau dieselben Menschen mit denselben Vorzügerc und Fehlern wie wir sind. In meiner rheinischen Heimat wurden die Inden früher als eine besondere Menschenklasse angesehen und behandelt, vor der wir innner eine gewisse Scheu und Abneigung empfunden haben!" Anderseits muß der jüdische Beamte Ruhe und Zurückhaltung und den nötigen Takt zeigen, wenn einnial im dienstlichen oder außerdienstlichen Verkehr das Wort „Jude" ohne beleidigende Nebenabsichten fällt oder jüdische Einrichtungen aus dieser allgemeinen Unkenntnis heraus gelegentlich abfällig besprochen oder kritisiert werden. Allzu großer, hitziger oder blinder Eifer kann dabei nur schaden und leicht einen störenden Mißklang oder ernste Mißstimmung und das endgültige Zerreißen von mühsam geknüpften freundschaftlichen Beziehungen herbeiführen. Bei genügender Befähigung, dein nötigen Fleiß und D i e n steifer und bei zufriedenstellenden Leistungen hat der jüdische Bewerber Zurücksetzungen oder Erschwerungen in seiner Laufbahn in bezug auf Beförderung oder 'Ausrncknngsmöglichkeiten durch antisemitische Einflüsse nicht zu befürchten. Tie wilhelminischen Zeiten, in denen jüdische Einjährige wegen ihrer „nicht ehrfurchtgebietenden Gestalt" nicht einmal zu friedlichen Sommerleutnants in Preußen besördert werden konnten, sind vorüber, und alle Behörden sind heutzutage bemüht, offenkundige und heimliche Zurücksetzungen von Beaniten aus konfessionellen Rücksichten zu vermeiden; die in der Regel an derartige Einzelfälle sich knüpfenden, hochnotpeinlichen Erörterungen in der Presse oder in den Parlamenten verursach':) den verantwortlichen Stellen stets viel unerquickliches Schreibwerk und sind deshalb sehr unbeliebt. Unter den heutigen ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen und dev dauernden Preissteigerung auf allen Gebieten des täglichen Lebens ist es erklärlich, daß gerade der kärglich besoldete Beamte den Einflüssen und Einwirkungen der antisemitischen Presse und Volksbeglücker leicht zugänglich' und dafür besonders empfänglich ist. Es bedarf deshalb für den jüdischen Beamten eines hohen Grades von Mut und Entschlossenheit, von Takt und Umsicht, wenn er in den meistens ganz judenreincn Kreisen seiner Mitarbeiter Eingang. Achtung oder' Verkehr suchen will. Hat der jüdische Bewerber nach glücklicher Umschifsnng dieser gefährlichen Klippen Eintritt und Ausnahme gefunden, und haben die christlichen Mitarbeiter sich mit dieser ihnen befremdlichen und außergewöhnlichen Tatsache einmal abgesunden und den jüdischen Kollegen als gleichlvertigen Mitarbeiter kennengelernt, so wird sich allmählich ein kühl-korrektes, seltener ein herzlich-freundschastliches Verhältnis entwickeln. Meine Persönlichen Beobachtungen und Erfahrungen, die ich während meiner langjährigen T ä t i g k.e i t in: R e i ch s d i e n st wiederholt und reichlich zu machen Gelegenheit halte, habe ich in den vorstehenden Ausführungen zusammengestellt zu Nutz und Frommen der beteiligten Kreise unserer Eltern und unserer Jugend. Wie einst ein bekannter Zentrnmsführcr seinen Parteifreunden zurief: „Heraus aus dem Turm", so möchte ich heute in demselben Sinne sagen: Heraus ans dem geistigen Ghetto der ängstlichen Bedenken und der beruflichen Einseitigkeit; hinein in den Dienst für das Vaterland, für Reich, Staat und Gemeinde! Es gilt wahr- CÄame und genaue Adresse)

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