Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1925-09-18 · 38 (18.9.1925) · p. Seite 629

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
38 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
Seite 629 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277569-2277607--02429-3537368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

629 Hiobsbotschaften aus Oeßaeabien. Tie Zentralverwaltung des Verbandes der Gesellschaften zur Förderung des Handwerls und der Landwirtschaft unter den Juden )OBT" schreibt uns: Beßarabien, das gesegnete Land der Landwirtschaft, ist dieses Jahr von einer furchtbaren Mißernte heimgesucht worden. Die Mißernte hat in größerem oder geringerem Maße das gesamte beßarabische Gebiet ergriffen, aber nirgends gestaltete sic sich so arg wie in den Bezirken Velzi, Soroki, Benderh und Orhejew, will fegen, an den Orten, wo die meisten jüdischen Siedler ansässig sind. Bekanntlich erwies sich Beßarabien dank der Fruchtbarkeit seines Bodens und den günstigen klimatischen Verhältnissen als besonders günstig für die jüdische Landwirtsch a s t. Die ersten nenn Kolonien wurden schon in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts gegründet. Trotzdem die Negierung Alexanders III. die Inden vorn flachen Lande' fernzuhalten suchte, stieg die Zahl der Juden mehr und mehr, die eigenen und gepachteten Boden bebauten. Die Beschäftigung der Juden bestand hauptsächlich im Weinnnd Tabakbau, von dem sich viele Tausende Familien ernährten. Nach dem Kriege ging bekanntlich das gesäurte beßarabische Gebiet an Numänien über. Die rumänische Negierung hat eine Bodenreform durchgeführt, die auch den beßarabischen Juden zugute kam. An £000 jüdische Familien erhielten neue 40 000 Teßjatinen fruchtbarer Erde zu gewiesen. Die neuen Siedler hatten ungeheure Schwierigkeiten zu überwinden. Sehr viele Familien verfügten weder über Inventar noch über. Bauten. Tie Ansiedlung mußte aber unverzüglich in. Angriff genouunen werden, da sonst die rumänische Negierung den Ausicdlern die ihnen zugewiesenen Bodenanteile entzogen hätte. Trotz all dieser Hindernisse gedieh und beseüigte sich die jüdische Lan.dwirtschast in den letzten Jahren mehr und mehr. Die „OBT", später die „10 A", halfen dabei nach Kräften. Durch diese Bemühungen wurden neue Pslauzeukulluren cingeführt und moderne Arbeitsmethoden verbreitet. Die „OBT" gründete zwölf mit landwirtschaftlichen Maschinen an? gestatt eie Verleih pn.nl te, in denen, der unbemittelte Kleinbauer und Landwirt die modernsten Arbeitsgeräte zur Nutznießung für einen verhältnismäßig geringen Entgelt erhalten kann. Die verwahrlosten Weinberge und Obstgärten von rden w i ed e r h er ge st e llt. Und nun erfahrt diese gesunde Entwicklung durch die M i ß - ernte eine Plötzli ch e H e m m ung, die den unter so großen Opfern eingeleitoten Fortschritt jüdischen produktiven Schaffens vorderhand ansznhalten droht. Aus allen Enden des Landes dringen zu uns Nachrichten, nach denen die zuerst in den jüdischem Kolonien ansgebrochene Hungersnot sich aller Städte und Städtchen Beßarabiens zu bemächtigen beginnt. Die Agronome der beßarabischen „OBT" bereisten eine Anzahl von Punkten in den Bezirken Velzi und Orhejew und schilderten die furchtbaren Znstünde in den Kolonien . . . Laut Mitteilungen der beßarabischen Delegierten, Ingenieur Gottlreb und Dr. H a l a n a j, benötigen an f ü ns- bis s e ch s - Lausend Kolonisten sofortiger Hilfe. Die Brotpreise stiegen bereits um mehr als 100 Prozent. An vielen Orten sind selbst für Geld weder Weizen noch Mais zu haben. Die jüdische Bevölkerung steht vor der Gefahr des Hunger? mit seinen Folgen: Krankheiten und große Sterblichkeit, besonders unter den Kindern. Der Zentralrat des „01!T"-Berbaudes hat in den letzten Tagen einen Betrag in der Höhe von £060 Dollar zur regelmäßigen Kredithilse für die jüdischen Ackerbauer iu Beßarabien während der nächsten sechs Monate vorgesehen. Außerdem sind für eine außerprdentliche Hilfsaktion, die sofort einzusetzcn hat, 0000 Dollar nach Beßarabien abgesandt worden, damit die jüdischeil Ackerbauer in die Lage gesetzt werden, ihre Felder zu bestellen. Allerdings ist dieser Betrag ungenügend, wenn mau bedenkt, daß laut den Berechnungen der Gewährsmänner die Hilfsaktion, selbst wenn sie nur beschränkt unternommen wird, mindestens eine Summe von 40 000 Dollar erfordert. Tie „ Hand clsw acht" verleumdet. Als von der Vertreib u n § der Deutschen aus Polen und von ihrem Eintreffen in Schneidemühl gemeldet wurde, haben wir sofort. wie wir in Nr^ 3.'! der „G. V.- Zeilung* eingehend berichteten, einen Mitarbeiter nach ^chueidemühl gesandt. mit einwandfrei die Z a h! der j ü d i s ch e n Vertriebenen festzustellcn. Namenlisten darüber sind in den Nummern 33 und 30 von uns veröffentlicht worden. Durch diese unanfechtbare Festellang hat der E. V. den Völkischen das Konzept verdorben. In ihrer Hilflosigkeit und ihrem Aerger greifen sie zu dein billigen Nüttel der Verleumdung. Tie „Deutsche H a n d e l s w a ch t", das Lrgan des D e u t s ch n a t i o n a l e it H a u d l u n g s g e h i l s e n - B e r b a n d e s , entblödet sich nicht, in ihrer Nummer vom 2. September als Beweggrund für die 90 Prozent der Posener jüdischen Deutschen, die für Deutschland optiert haben. Gcschäststüchtigkeit, „cs den ostjüdischen Brüdern gleich- Zutun", unterzuschieben. Das „überparteiliche" 'Fachorgan der Handlungsgehilfen schreibt wörtlich: „Nu, mcx will doch von dem guten Geschäft auch was abkriegenV Und sie meint weiter, nur die Angst vor dem 'polnischen Antisemitismus habe die jüdischen Optanten veranlaßt, sich für Deutschland zu erklären und Polen zu verlassen. Wir sind überzeugt. daß selbst weit rechts stehende Kreise derartig schmähliche Beschimpfungen und Unterstellungen ebenso verurteilen wie alle anderen gerecht denkenden Teile unseres deutschen Volkes. Unsere Antwort heißt nur: „Pfui!" Unö nun öie Beamten . . . Der Haß kennt feine Grenzen. Als ich im Sommer 1918 als Aolksschullehrer einer Bezirks- Versammlung beiwohnte, waren die Machenschaften gegen die Inden schon so stark, daß ein sonst loyaler christlicher Kollege^ eure judenfeindliche Bemerkung in der allgemeinen Aussprache^ fallen ließ. Ich reagierte daraus mit der Warnung, daß Haß keine Grenzen kenne, daß er sich zwar heute gegen die Juden wende, morgen schon aber auch gegen Pfarrer und Lehrer sich richten könne. Wie haben in der Folgezeit die Geistlichen es spüren müssen, daß Neid und Haß auch vor ihnen nicht haltmachen! Aber auch die Lehrerschaft hat von dieser S<eite, namentlich vom T-entschnationalen Bauernbund, schon manchen gehässigen Angriff anshalten müssen. Neuerdings richten sich die Angriffe dieser haßerfüllten und machtgierigen 5treise gegen die gesamte deutsche Beamtenj cf) a f t. T-as Organ des D e u t} d) n a t i o n a 1 e n Bauernbundes in Württemberg, die „Schwäbische Tageszeitung", griff vor einiger Zeit die deutsche Beamtenschaft in zwei gehässigen Artikeln „Die"Beamten freuen den Staat" und „Ter Beamte und der Untertan" an. In letzterem Artikel heißt es u. a.: . . Wir sind ein Beamtenstaat geworden, aber kein Dolks'taat- Angesichts der ungeheuren Vorrechte, die das Beamtentum in wirtschaftlicher, sozialer, politischer und juristischer Beziehung hat. nimmt es nicht wunder, daß sich eine starke Mißstimmung gegen das^Beamtentuiu überhaupt bemerkbar macht, und man nach Abhilfe sucht. . . . <rchon längst wurde die Forderung erhoben, daß für die Beamten ... das aktive und passive Wahlrecht für die Zeit ihrer Beamtenschaft zu ruhen hat." In Nr. 91 der „Zeitschrift der Deutschen Beamtenbnndes" schreibt Richard 0k e i l a n d (Schwerin i. Mckt.) eingehend über diesen Entrecht u n g s v e r s u cf) reaktionärer K reis e. „Die organiüerle Beamtenschaft denkt nicht daran, sich die ihr wie allen anderen Beruw-krstün in der Bersawang gewährleisteten politischen Ncchte nrknncn und sich damit zu Staatsbürgern zweiter oder gar dritter K lasst berabdrücken .zu lauen. Wer Forderungen der beanstandNcn V.xZ erhebt, fördert nicht die Vokksgemcinschast, sondern sät Haß und Zwietracht. Der Bedarf daran dürste aber in Teutschland bis aus weiteres gedeckt sein. Tie deutsche Beamtenschaft verlangt als aleichberechtiatw Voll?-eil in jeder Beziehung respektiert zu werden, wie sie gern jedem die Hand zur Mitarbeit reicht, der es gnt nieinst mit dem deutsapen Volte. Nio)t nur aus Gründen der Lclbstcrhaltung, sondern auch aus Liebe zu innerem Vaterlande und unserem Volke bleiben deshalb unsere versafsungsmäßigcn Nech-re für uns zu allen Zeiten ein o.sti rr,2 tan<rcro!‘ Setzt man in diesem Aus'atz für „d c n t s ch e B e a m tenschaf t* „d c u 11 ch e I u d c n heit" und für „B c r u f § f r c i \ e" „B olks - freife, so lieft er sich wie eine Abwwhrbemerknng des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Z. Wschcnu'.ark, Hanptlehrer a. D. (Crailsheim). tnBniiiriniinBiinnriiiiiiiiiiinnunKfnntBnnniBininniinnniniiiiBinniHiiiiiiinBinnniiini! mmlmm sowie oud) alle anderen Fami'iienanzei'gcn werden für die nächswöchentlichcNummcrbiS späießens 21. EepLenwe? an die Anzekgev-SeflyWfleLe der „L.S.-Zeitnn.g" in Verlin Kly, Zernfalemer StraZe 16-49, vermittels des umstehenden Bestellscheines erbeten. * Bestellschein umstehend. ©er Lentral-Verem legt den größten Wert darauf, die FamilienaiWigen seiner Issikglieder in der „E.V.-Zeitung" veröffentlichen Zu können. Es ist daher der ermäßigte Preis von 0,45 M. für die Zeile festgesetzt, so daß die reguläre Anzeige von 40 Zweispaltigen — 20 Zeilen sich mit nur 9 M. berechnet. Diese Veröffentlichung aller Familien anzeigen in der„E.V.- Zeiiung"dient vorallemd-n eigenen Interessen der Mitglieder, weil infolge der hohen Auflage des Älatkes die weiteste Velarmlgabe I'n den jüdischen Kreisen ganz Deutschlands verbürgt ist. NIII»!IIlIIl!ll>Il»»IIlI!I!I>!>IIlI»!>>!»I!I>I»l!II»I»lIlII'IIIIlIiIIIIII!III!»IIlIl»»!II!!»I»!II!!!I»II>lII

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.