Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 4 (1925)
- Issue
- 38 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- Seite 627 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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627 Vizeadmiral Galfter an General Luöenöorff. „Es ist unverständlich../ Vizeadmiral Karl Ga Ist er. vr. phil. h. c. der Universität Halle-Wittenberg, hat soeben in I. Scheibles Verlag in Kiel ein sehr lestnowertes Buch über „England, deutsche Flotte und Weltkrieg" hernusgegeben. Es ist sehr.lehrreich zu lesen, was dieser genaue Kenner der Tinge über die Ursachen sagt, die zum Kriege führten und die sein unheilvolles Ende bedingten. Wichtig ist seine Feststellung über den von General Ludendorfs behaupteten vermeintlichen Anteil des I u b c it 111 m s. lim so wichtiger, weil ja heute noch der „völkische Schirmherr" in fast jeder seiner Reden feine ungeheuerlichen Beschuldigungen des Judentums wiederholt. Kraftvoll und überzeugend beginnt G a l st e r sein Buch also: „Der gewaltigste Krieg, den die Menschheit erlebt hat, sehwerwiegende Umwälzungen für Deutschland liegen hinter uns. Zn seinen traurigsten Begleiterscheinungen gehört eine Trübung des moralischen Urteils und eine Außerachtlassung sittlicher Werte. war eine Zeit, in der Unwahrheit und Berdächtignugcn willig Glauben fanden, der Haft geschürt wurde und die christliche Religion der Rächstenliebe Feittden und Volksgenossen gegenüber versagte. Rohe Gemalt und Leidenschaft, Habgier, R'eid, Ehrgeiz und Herrschsucht zeigten sich mächtiger als die Vernunft und die guten Triebe im Menschen." Tresstnd sagt er: „Es hat keinen Ruhen, den Pharisäer zu spielen und iimner nur andere für unser Unglück verantwortlich zu machen . . ." Sodann wendet er sich General Ludendvrss zu: „Auch das Judentum ist, obgleich gerade viele hervorragende Vertreter für friedliche Verständigung der Völker und als Pa Insten gegen den Knieg mstgetreten sind, von anliiemitischer Seite für den Krieg verantwortlich gemacht worden. Es ist unvcrst-indlrckt, wie die Persönlichkeit des (Generals Ludcudorsf der antiscnntischcn HcL;c in Deutschland hierbei Vorschub leisten konnte. (Von uns seit gesetn. Tie ^christleitung.) In seinem Buche „Kriegführung und Politik" findet sich folgende Anschuldigung, für deren Richtigkeit er irgendeinen Beweis nicht erbracht hat: „Mit Frankreich und England Hand in Hand arbeitete die Oberleitung des jüdischen Volkes. Vielleicht führte sie beide. Sie sah den kommenden Weltkrieg als das Mittel an, ihre politischen und wirtschaftlichen Ziele durchznscften, den Inden in Palästina ein Staatsgebiet und Anerkennung als Volk zu erwerben . . . Dazu brauchte das jüdische Volk die Riederlage Deutschlands." Der mit Ueberlegung niedergeschriebene Saft Ludendorifs ist ein drastisches Lehrbeispiel, wie aus einem Endergebnis ans die Ursache eines Krieges geschlagen wird. Deshalb erschien seine Anführung wünschenswert." Das Buch enthält noch mancherlei Stellen, die für eine ruhige und gerechte Beurteilung der sogenannten „Schuldfrage des Judentums". auch an der Revolution, bedeutungsvoll sind. Im Interesse der bitter nötigen Befriedung im Innern, nicht nur etwa auf deutschjüdischem Gebiete, kann man dem flüssig geschriebenen Buche nur recht viele Leser wünschen. A . . . r. Der „Zwiesprnch", eine Iuaendzeiiung, die freie Anssprache in allen Fragen der Iugendbenoeanng ermöglichen will, enthält eine Besprechung der Schrift von Dr. H. Schmidt „Warum haben wir den Krieg verloren?" Man müsste mit dieser Schrift, so führt Waldemar Röldechcn aus, im Bolle umheraeben und'den von Schlagworten Geblendeten die Augen öffnen. Das Suchen nach Schuldigen, nach einem Sündcnbock ist ein Verlegenheitsmittel, ein Zeichen innerer Unsicherheit und Ratlosigkeit. ..Unsere Riedertage ist ein geschichtliches Ereignis, das man mit der Schuldirage nur auf das unfruchtbare Glcicdes Zankes schiebt, wie mir das seit sechs Jahren mit Schart! sehen müssen: an der Oberflächlichkeit dieser Anschauungsweise, die ganz ohne Sinn für geschichtliche, innerlich begründete Vorgänge und schicksalhaften, ursächlichen Zusammenhang ist, krankt unser ganzes innerpolitische? Leben. Ein Beispiel, das besonders deutlich die Verworrenheit der Lage Zeigt: Das Hinstarren gewisser Kreise auf die Juden frage: es vergiftet unser ganzes innerpolitisches Leben deshalb, iveil dadurch, daß man die Juden allein verantwortlich machen uni! an nnserm Unglück, die Eigenverantwortlichkeit der Blassen immer wieder abgelenkt wird. Ohne damit die Beden lang der Frage zu leugnen, steht es sest, daft es ein großer I r r t u m n n d v e r mit» wortnngslose Irres ü h rung der M affe u ist, wenn gesagt wird, daft nach Verjagen oder Totschlägen aller Inden in Deutschland ideale Zustände entstehen würden! Wir müssen endlich die irrsinnige Manie, als wenn die tragische Schuld (um eine andere kann eo sich gar nicht handeln) für nufere Rot und Unfreiheit in außer imserer Art liegenden Gründen allein läge, fahren lassen? Es müsste doch endlich das Maß unserer n a t i o n a len Leiden s o voll ew ordert sein, bitft ein Ruck durch alle Reihen ginge und sich die rkenntnis Bahn bräche, daft wir in erster Linie bei uns selbst twzufangen haben, wenn es bessere Zustände in Deutschland geben soll. und wenn wir frei werden wollen. Die I n g e n d b e \v e g u n g soll das Beispiel geben, ein „Fanal" sein zur Besinnung. Da der „ZwiesPrnch" sich an die vielerlei Bünde, u. a. an die „Adler und. Falken",- an den junggermanischen Orden der „Rordnnger", an den jungvölkischen Bund der „Geusen" nsw. wendet, ist sein Ruf zur Selbstbesinnung um so beachtenswerter. Rabbiner Tr. A. L e v h (Bonn.) Die unterirölsche Gefahr. Zur Entlarvung des deutschen Ku-Klux Klan. Mitten in nachsommerliche Ruhe der Schrecken de? „Ordens zum feurigen Kreuz". Man hatte noch so sanft die Rächt geschlafen. Weithin waren auf dem Kasteetisch die großen Buchstaben unter dem Zeitungskops sichtbar: Entlarvung einer völkischen M o r d v e r sch w ö r u n g. Man traute seinen Augen nicht. 400 kleine Handwerker, Studenten, Industrielle und Arbeiter in dem „Orden zum feurigen Kreuz" vereint, der nach seinem Statut ein Orden der Tat sein will und zwei Paragraphen weiter verkündet, daft Inden im deutschen Baterlande nicht geduldet werden dürfen. Das Ordenszeremoniell in blutroter M y st i t: ein bißchen „Kn-K!nx-K1an"-Karueval zur Anlockung: Hakenkreuz, Tokenkopf und Kerzenschein zur Bekräftigung des Eides, den man hier nicht mehr unter dem Eindruck der Rache anslösenden geheimnisvollen Oisenbarnngeu der „W eisen v o n I i o n" schwören brauchte. Tie in den Orden kamen, waren znm größten Teil Kunzes Mannen und Herrn v. Graefes Garde, unter Fühlung einer dunklen Persönlichkeit. Herr Stroh schein war von Deutschland nach Amersta als Maurer ausgewandert, und was er dort sich an Willen angeeignet hatte, genügte völlig, um unsere Völkischen als geistiger Führer zu beherrschen. Sein verbrecherischer Instinkt sagte ihm, daft Judenhaß in Deutschland in den Kreisen derer, die nicht alle werden, noch immer ein s e h r g e s u cf) t e r Bedarfsartikel ist. So kam er auf die schwarze Plaste, die weifte Spiftlappe, die den Kopf vollständig verdeckt, und das langherabsallende weifte Gewand des katholikeu- und judenseindlichen „Km KIux Klan"., dem er in Amerika niemals angehört hat. Die Aburteilung wegen Geheimbündelei wird, wie wir hören, sehr bald vor sich gehen. Das Verfahren schwebt, und wir schweigen. Wir könnten nur das wiederholen, was in der großen Tag es presse bereits in aller Ausführlichkeit zu lesen war. Viag es manchem als Tragik unserer Arbeit erscheinen, daft wir schweigen mühen, wenn inan so gern etwas von uns hören möchte, — die größte Befriedigung in der eigenen Arbeit ist, wenn man die Arbeit anderer durch 1!ebereifer nicht stört. Uns i st der Schrecken nicht in die Glieder gefahren, als wir von der neuesten unterirdischen Gefahr hörten, weil wir uns noch nie zn dem Optimismus haben ausschwingen können, daft wir jüdischen Deutschen iu unserem Baterlande bereits ans festem Boden stehen. Wenn wir die leisten Jahre nur flüchtig rückschauend überblicken, können wir klar erkennen, daft immer in finden weiteste Bekanntgabe durch die Beachten Sie den Bestellschein in dieser Nmrrmer! den Zeiten der größten Sorglosigkeit, immer dann, wenn, schon recht viele unter uns vollkommen ununterrichtet verkündeten, wir seien jeftt endlich über den Berg, der Schuft losging und der Schrecken kam. Gestern war es Feine, heute ist es „Kn Khix Kinn"? — was kann nt o r fl r n sein? Wir wissen, daft noch viel Feuer unter der A sch e glimmt, mib müssen deshalb doppelt wachsam sein. Die Gefahr des „feurigen Kreuzes" ist mit dem Augenblick beseitigt, worden, wo man es zn Gesicht belatu. Wir werden tveiter in stiller Arbeit Tag ttub Rächt ans der Wacht sein, unterirdische Gefahren zu erkennen; die Stollen ausfindig zu machen, in die verbrecherischer Wahnsinn der Iudenhasser IW tuen gelegt l>at. Tiefe Arbeit gibt uns das stecht, nicht nur warnend unsere Stimme zn erheben, wenn in unseren Kreisen das Morgenrot einer sorglosen Zeit bereits erträumt ist, sondern die sich täglich mehr breit machende Sorglosigkeit in unseren Reihen als eine ernste Gefahr für unsere Arbeit und für das deutsche Indent u m zu bezeichnen. A. S ch w e r i n e r.