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Central-Verein-Zeitung · 1925-09-11 · 37 (11.9.1925) · p. Seite 615

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
37 (11.9.1925)
Date
1925-09-11
Page
Seite 615 (sequence 11)
Language
German
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614 wird einen größeren Unterschied zwischen Kindern und Eltern ^derselben Familie konstatieren müssen, als man früher zwischen Menschen finden konnte, die keinen Tropfen gemeinsamen Blutes hatten. Tie langen Knochen, die langen Gelenke, die hohe, ranke und schlanke Gestalt, die früher Ausnahmeerscheinungen waren, sind heute die Regel, und Hand in Hand mit dieser Veränderung der äußeren Erscheinung geht ausgeprägterer, trenn auch nicht immer besserer Charakter. Nicht allein aus das männliche Geschlecht bleiben diese Veränderungen beschrankt; auch da? weibliche zeigt dieselbe Erhöhung der Turchschnittsgröße; nicht allein bei d cn „r a f f e - reinen Arier n", sondern auch bei den indischen Mitbürgern m a ch t sich das U e b e r h a n d n e h in e n der großen G e st a 11 c n bemerkbar, sa auch bei Japanern und Chinesen. Es müssen wohl Ursachen allgemeiner Natur sein, die diese Veränderung bewirken, wie ^Port, größere Berüasicytigung der Erfordernisse von Kindheit^. Jünglings- und Jungfrauenalter. Freilnft, praktischere Kleidung, kurzum Befreiung von Zwang, größere Freiheit. Es nicht nötig, ans diese Ursachen naher ein;u* gehen, die Konstatierung der Tatsache genügt. . Woyl aber kann in diesem Zusammenhang ans die L ä ch e r l i ch k e ich der Beft r c b u n g c n hiugewüesen rverden, aus der 6 v ö ß e r e n oder geringeren Länge auf arische oder n i ch t a r i s ag e Abstammung schließen zu wollen. Versuche, bei denen man sogar vor der hehren geistigen Größe eines Goethe nicht haltgemacht hat. Ten Nasscsauatikern scheint nicht bekannt zu renn, daß den Geistesgrößen sehr oft ein langer Oberkörper eignet. Aber schon Homer wußte das, beim er erzählt bei einen: 'Vergleich zwischen MenelauS und Odysseus, „daß Menelaus der größere war. wenn, beide standen, aber wenn sie saßen, war Odvsseus der Erhabenere". Ten Nachweis sichren, daß Odysseus semitischer Abstammung gewesen ist, wäre eine dankbare Aufgabe für einen arischen Unentwegten. Wenn die besseren Lebensgewohnheiten und die freiere Erziehung schon in verhältnismäßig kurzer Zeit einen Einfluß aus den Körperbau und den Charakter ausüben, um wieviel mehr muß die jahrhundertelange Knech tu ng ii n d Eutr e ch t u n g d e r Juden einen nachteiligen Einfluß aus ihre ö n ]) c r c Erscheinung, muß der Zwang, nur unter ganz wenigen, bestimmten Berufen wählen zu. dürfen, von allen öffentlichen Aemtern ausgeschlossen zu sein, in nnsanitären Verhältnißen unb in ständiger Anglt vor grausamen, blutigen Verfolgungen zu leben, einen unheilvollen Einfluß auf ihren Charakter ausgeübt, um wieviel mehr muß aber auch der Zwang, sich mangels anderer ausgleichender Betätigung mit geistigen Dingen beschäftigen zu muffen, aus die Entwicklung ihrer Verstandes- und Gemruskräfte fördernd gewesen sein, den Familiensinn entwickelt. also Eigenschaften gezeitigt haben, die man teils ihnen vorwirft, Wils, soweit sie keines Vorwurfs, sondern eher eines Lobes und der Nachahmung wert sind, als Beweis für ihre der „deutschen Art" wesensfremde Art anführt. Tabei wird der Begriff „deutsche Art" nicht umgrenzt, und jedes deuischvölkische Individuum hält die seinige für die allein richtige. Ist „deutsche Art" Haus und Hof verspielen, ans der Bärenhaut liegen und „immer noch eins trinken"? Wohl kaum! Tas war einmal zu Taeitns Zeiten. Ter Trmtsche von heute isFsteißig. zwar im Epen und Trinken noch wenig gemäßigt, in der Selbstbeherrschung ein Lehrling, aber — wenigstens, was das Heranwachsende Geschlecht angeht — geneigt, sich an Enthaltsamkeit und Maßhalten zu gewöhn-en. Ist vielleicht der Kasern-enhoston, ist das ^trammstehon „deutsche Art"? Ist deutsch, vor jedem Höherstehenden, vor jedem Titel in Ehrfurcht ersterben, aber gegen Untergebene, gegen die Familie ein Tyrann sein? Nein, das ist nicht deutsche^ Art. Tas ist „deutsche Abart", die nachznahmen nicht der Ehrgeiz eines Juden fein kann. Die wirkliche „deutsche Art" sieht anders aus. Tie ist verkörpert — um nur ein Beispiel für viele zu nennen — in der edlen Gestalt des Pastorensohncs Eotthold Ephraim Lessing, der eine Kampfnatnr war, indessen feinen Mut, die Schärfe seines klaren Verstandes nicht für niedere Ziele mißbrauchte, sondern die Bekämpfung des Rückschritts, des Dünkels, des Unechten und Umvahren zu seiner Lebensaufgabe gemacht und bei aller Schärfe seiner Waffen nie eine unedle Kampfesweise angewandt, nie seine anständige, edle Gesinnung verleugnet hat. Der hatte „deutsche Art", und solcher Leute gibt es, obwohl ihre Stimme über dem Geschrei und Geschimpfe der anderen nicht gehört wird, auch heute — Gott sei dank — noch zur Genüge in mycrem Vaterlande. Solchen Leuten nachzueifern, foll Aufgabe des deutschen Juden sein, wenn die anderen auch noch fo weit von dieser echten deutschen Art abirren und ein Zerrbild deutschen Wesens für deutsch unterzuschieben versuchen. In diesem Streben soll den jüdischen Deutschen auch der An- Wurf nicht irremachen, daß die Juden gar nicht fähig seien, die Geistesgrößen der klassischen Zeit zu verstehen. Mögen sie reden! Es lohnt nicht, zu antworten. Wenn eine Statistik möglich wäre, welchem Prozentsatz deutscher Inden und welchem Prozentsatz der Leute, die deutsches Wesen in Erbpacht genommen haben, unsere Klassiker Teil eigenen Wesens, inneres« Erlebnis, Heiligtum geworden sind, die Statistik würde ein überraschendes Resultat ergeben. Nachdem die Schranken des Ghettos gefallen sind, wird die Zeit die lleberreste dieser Periode vom deutschen Inden abstrcifen. wird sie feinen wirklich deutschen Charakter, das Produkt aus Boden. Klima, Umwelt enthüllen. Bis dahin muß für den jüdischen Deutschen, besten wahres Deutschtum zu verstehen sie gar nicht fähig sind, die tjkirole lauten: Kamps! Mehr Stolz! Mehr Würde! Und das Streben, durch intensive Beschäftigung mit den hohen Geistesgütern der Nation immer mehr „wahrhaft deutsch" zu werden. (Schluß der zweiten Nummer über die „Rassenfrage".) Dis politische Verhetzung ösr Schuijugerrö. D o r b e m e i f u n g. Der Preußische M i n i st e t für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat unter dein 29. August d. I. an die Provinzialschulkollegien und Regierungen einen Erlaß gerichtet, der an die Erlasse vom CO. Tezember 1921, 4. April 1922 und 23. Dezember 1922 erinnert; nach denen ist den Schülern verboten. Vereinigungen anzugehören, die sich gegen den Staat oder die geltende Staatssorm richten, und Abzeichen. Bänder und andere Symbole jeder Art in der Scholle selbst und bei Veranstaltungen der Schulen zu tragen, da durch die parteipolitische Betätigung der Schüler die staatsbürgerliche Erziehung gefährdet wird. Bei der Bedeutsamkeit dieses Erlasses, lei der Tatsache, das; leider nicht uiwet räch laiche Teile der höheren Schuljugend v ö l k i s ch e n Verbänden angehören, haben wir uns an den Landtagsabgeordneten Studiendirektor Tr. Bohner (Magdeburg) mit der Bit!-? um seine Stellungnahine gewandt, (Tie Schristleinmg.) LandtagSLbge-rdnrkec Stirörerrdirekior Or. Dchuer schreib! Vor lieben Phantasien sollte sich Zn rechter Zeit der Knaben Sinn enthalten. In seiner Folgsamkeit verwundete T-er Törichte die Wurzel seines Wesens, Ten jungen Trieb, zu wirten und zu siegen. Tiefe Hölderlin-Verse enthalten alles, was ein Erzieher gegen die verfrühte politische Betätigung der Schuljugend zu sagen hat. Ist es nicht eine liebe Phantasie von Knaben.'daß sie. und als Knaben, das Vaterland zu retten haben? Und verwunden üe nicht in Folgsamkeit gegen Erwachsene, die ihrem Stolz schmeicheln, die Wurzel ihres Wesens, den jungen Trieb, zu wirken und zu siegen, wenn sie ihn mit dem Anlegen einer Uniform oder eines Abzeichens abtun. statt ernsthaft an ihre eigenen Ausgaben, die Erwerbung innerer Bildung und die Schulung ihres Körpers, heranzugeheu? Ter Staat wird nur in Fällen äußerster Verwirrung die rvat unreifer Schüler fürchten müssen, wie wir cs schaudernd im Nwderntnken Raihenaus erlebten. Ten Schaden hat in ruhigeren Seiten der Schüler, der zum mindesten veräußerlicht, oft verwirrt und über sich selbst betrogen wird. Kann ein Knabe die inneren Wurzeln einer Partei, dort, wo sie aus Weltbestimmung und Weltersahrung geboren wird, ersasteu, wird er nicht beim Schlagwort stehen bleiben, sich nur jede politische Weiterbildung damit betrügend und das Vaterland? Begreifen Knaben, daß keine Partei die Verantwortung für das Ganze allein übernehmen kann, sondern immer sich der Ergänzung durch die Kritik, durch die Opposition als eines Nötigen, Nichtzuentbehrenden bewußt bleibt? Und ist die Gefahr der Veräußerlichung nicht heute besonders groß, wo alle Parteien in der Agitation zu äußeren Mitteln mitgreifen? Und wie schnell ist im Knaben der Traum vom Vollerlandsretter durch die Uniform erweckt! Dazu kommt jene innere Abtrennung, jene Selbstüberhebung, die in Unreifen nie die Toleranz auskommen läßt, und die hier leicht den Zögling seinem Lehrer entfremdet. Ein tolles Beispiel dieser Sinueswirrung erlebten die Lehrer eines Realgymnasiums in der Provinz Sachsen kürzlich, als ihnen die Schüler nur noch militärischen Gruß boten, weil ihre „Vorgesetzten", irgendwelche namenlose Vercinsmeier, cs ihnen so besohlen hätten. In diesen Blättern ist öfters behandelt worden, daß nichts so schr der eigenen Eitelkeit schmeichelt, als der angenehme Glaube, durch das bloße Verdienst der Geburt nicht nur ans dieser sozial geschichteten Erde, sondern auch für die ganze metaphysische Ewigkeit über den anderen erhoben zu sein, ob man nun als Franzose mehr als der „Boche", als ..deutscher Arier" mehr als der Jude sein will. Wie rasch ist diese „liebe" Phantasie Knaben boiacbracht! Ich bedauere in diesem Zusammenhang, wenn vielfach in unseren neu heranskommeuden Schulbüchern die Rückkehr, die Einstellung auf das „Völkische", will sagen, deutsche Volksgut, verlangt wird. Ich ließe es hier bei dem guten und vertrauten Wort „Deutsch", das nach seiner Abstammung vom Worte Thiod — Volk ja auch nichts anderes will. Durch den Gebrauch des Wortes „Völkisch" dafür gibt man zunächst völlig unnötig die Geschichte des Wortes ..Deutsch" preis. Man bringt aber die durch die deutsche öl lische -Letze scheu Verwirrten in noch mehr Verkehrtheit, und macht sie blind für Vorkämpfer gerade deutschen Volksgutes, wie zum Beispiel Berthold Auerbach, der mit seinen Schwarzwälder Dorfgeschichten den deutschen Süden dem deutschen Norden nahcbrachte, und damit der deutschen Einheit seinen Dienst leistete. Für eine zu frühe politische Einstellung des Kindes ist selbstverständlich zuerst das Elternhaus verantwortlich. Aber die Schule wird sich vom Elternhaus Vorhalten lasten müsien, daß sie erst mit der Berührung der Schüler untereinander den Nährboden bietet. Ich habe in einer großen Tageszeitung kürzlich darauf hingewiefen, wie es in dieser Hinsicht immer noch an unseren Schulen aussieht. Daß

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