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Central-Verein-Zeitung · 1925-09-11 · 37 (11.9.1925) · p. Seite 614

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
4 (1925)
Issue
37 (11.9.1925)
Date
1925-09-11
Page
Seite 614 (sequence 9)
Language
German
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i>13 mufe bei Betrachtung derartiger Typen, zum Beispiel Paul Wegners, den Günther als Beispiel eines Ostbalten ansührt, der Gedanke kommen, ob hier nicht ein mongoloider Einschlag mitspiele. Die vorstehenden Jochbeine, die etwas schräg gestellten Lidspalten und das strasfe Haar, weisen darauf hin. Und die moderne .Anthropologie steht auf diesem Standpunkt. Zum Beispiel schreibt E. Fischer"): „Was weite Kreise als slawischen Typus bezeichnen, breite Gesichter, etwas betonte Backenknochen, gedrungene Gestalten, ist in Wirklichkeit nordisch-mongolische Mischung. Die heutigen Slawen haben samt und sonders starken, mongolischen Einschlag/ Weshalb nimmt nun Günther seinen abweichenden Standpunkt ein? Das ist nicht schwer zu verstehen. Jeder weisi, daß große Teile der Bevölkerung Schlesiens, Sachsens, Brandenburgs und Ostpreußens diesem eben geschilderten Typus augehören. Nun würde es aber die Theorie von der „rassisch bedingten Wesenssremdheit der Juden" in ihren Grundlagen erschüttern, wenn große Teile der übrigen deutschen Bevölkerung ebenfalls außereuropäischen Einschlag hatten. Tenn dann müssten ja auch diese Menschen dein deutschen Charakter „wesensfremd" sein. Zu dieser Behauptung dürften sich selbst die extreinsten Völkischen kaum verstehen. Die ^ache. liegt aber noch anders: Während der mongolische Einschlag in keiner näheren Beziehung zu deu oben erwähnten vier „europäischen" Rassen siegt, ist dre vorderasiatische Rasse, die doch in Deutschland dem indischen Typus sein charakteristisches Gepräge verleiht, mit der dinarischen Rasse eng verwandt. Fischer sagt von ihr"): „Sie steht der oven geschilderten „dinarischen" außerordentlich nahe, nur geringe Körpergröße unterscheidet sie. Beides dürften Schwesterrassen sein." Die Tinarier bilden aber nach Günther neben der nordischen Rasse den wichtigsten Bestandteil des deutschen Volkes, der insbesondere, rein oder in Mischung mit der nordischen Rasse, die größten Musikgenies hervorgebracht habe. Wir hätten also, um noch einmal zusammenzusassen in Deutschland: 1. Die dinarisch-nordische Mischung,'die Günther als kerndeutsch und als Hauptbestandteil der bayerisch-österreichischen Bevölkerung ansieht; 2. den jüdischen Volksteil, eine vorderasiaiisch-nordisch-ostische Mischung, — wobei zu bemerken ist. daß die vorderasiatischen Komponente mit der dinarischen Rasse eng verwandt ist. — Ihn bezeichnet Günther als undeutsch und dein deutschen Charakter wesenssrernd: _ 8. die mongolisch-nordisch-ostische Mischung in der Ostmark. Diese gliedert Günther ohne Bedenken unter dem Namen „oftbaltische Raste" in das deutsche Volk ein, obwohl die mongolische Rasse keine nähere Verwandtschaft mit den europäischen Nassen besitzt. Welch eine Kette von Widersprüchen! Aber abgesehen davon ist cs auch äußerst gefährlich, \imm Günther das Volk auffordert, sich mit Rassenkunde zu beschäftigen, und anderseits die Rassen gegeneinander ab wägt und Werturteile fällt. Glaubt er etwa, die Öftrer würden sich zum Beispiel mit der Rolle zufrieden geben, die er ihnen zumeist, und würden die „breite Masse" unter nordischer Führung bilden? Eine derartige Wertung in bezug auf nationale Fähigkeiten muß verbittern und Zwietracht säen. Wir sehen, wie umftritten noch die Tinge sind und wie weit wir noci) von einer Klärung entfernt sind. Natürlich ist es äußerst interessant, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, und auch eine gewisse praktische Bedeutung kann diesen: Studium nicht abgesprochen werden, zumal für den Arzt, der die phnsivlogische Variationsbreite kennen muß, um Pathologische Abweichungen erkennen zu können. Diese Probleme aber zur Grundlage von Weltanschauungen zu machen und aus ihnen soziale oder gar politische Konsequenzen zu ziehen, ist unsinnig und schädigt das deutsche Volk, das heute Einigkeit mehr als je braucht, aus das schwer st e. Die Zukunft der menschlichen Nasse. Grundlagen und Forderungen der VcrcrEungolchre. Don I>r. jur., I>r. mcd, h. e. v. Dchr-Pinnow. Berlin 1925. F. Fontane u. Co. Tie Eugenik oder Nassenhygiene macht es sich zur Ausgabe, p l a n in ä ß i g die Qualität des menschlichen Nachwuchses zu verbessern. Man ist eifrig dabei, wissenschaftliche Grundlagen für dies Bemühen zu gewinnen. Das Auch von Behr-Pinnow, das sich in wesentlichen Punkten an das bekannte umfangreiche Werk von Daur, Fischer, Lenz anlehnt, gibt einen klaren Ueberblick über den heutigen Wand dieser Bestrebungen. Eine ausführliche Besprechung der Vererbungslehre bildet die Basis der Darstellung. Aon derz speziellen eugcnischen Forderungen seien hier die nach Ausschließung erblich minderwertiger Elemente (Geisteskranke, Alkoholiker, Gewohnheitsverbrecher) von der Fortpflanzung, und die der gesundheitlichen Beratung vor der Eheschließung erwähnt. Auf die Bedeutung der Besonderheit der verschiedenen 9! a s s e n geht das Buch mit betonter Absicht nicht ein; nüt Recht, denn die Verquickung der Eugenik mit rassenpolitischcn Fragen hat bisher nur dazu geführt, die ganze Bewegung in den Augen ernsthafter Menschen zu diskreditieren. Die Zurückl>altung deS Verfassers geht so weit, daß man in dem ganzen Buche kaum einmal das Wort Jude findet, obwohl fast auf jeder der 200 Seiten von „Rasse" die Rede ist. Ganz konsequent bleibt der Verfasser allerdings nicht, denn er versucht in einem eigenen, nüt dem Hanptthema nur sehr lose zusammenhängenden Kapitel die besonderen seelischen Eigenschaften der nordischen Rasse und ihres deutschen Zweiges zu schildern. Trotz mancher Einseitigkeiten ist das Buch auch dem jüdischen Leser zu empfehlen, da die behandelten Probleme für Anhänger aller Richtungen von Interesse sind. F. Säst ff (Berlin). ") Eugen Fischer; „Die Rcrffenun-Lcrschicde des Menschen". Unwissenschaftliches über öas Rassenproblem. Von Louis Basthnm (Berlin-Buchholz). Zwei Hunde, die die nämliche Mutter und — was bei Hunden nicht immer erweislich ist — denselben Vater haben, werden unter verschiedenen Lebensbedingungen aufgezogen. Ter eine kommt in eine kinderreiche Familie, wird Gefährte und Spielkamerad der Kinder, teilt mit ihnen Leiden und Freuden, Esten und Trinken, Schläge und Liebkosungen, und wird treu und gut von Charakter. Ter andere hat es nicht so gut getroffen, denn er hat einen Wächter zum Herrn, der ihn an die Kette legt und zum Hofhund erzieht. Tagsüber darf er nicht herumlanien, sondern wird von jeden: Verkehr völlig abgesperrt, damit er sich an niemanden anders gewöhnt, und wird nur nachts losgelassen. Er wird tückisch, so bösartig von Charakter, daß sich niemand außer dem Wächter, der ihm sein Flitter gibt, in seine Nähe wagen kann, leistet zwar seinem Herrn als Hofhund gute Dienste, ist aber von seinem Bruder, der die angenehmere Karriere durchgemacht hat, im Charakter und selbst im Aussehen so verschieden, daß ttiemanb glauben würde, die beiden hätten dieselbe Mutter und denselben Vater gehabt. Schlüsse ans den: Verhalten der Hunde und der Tiere im allgemeinen auf das Verhalten der Menschen zu ziehen, kann kein ernsthafter Grund hindern, und so ist der Schluß erlaubt, daß Aussehen und Charakter eine Funktion von Erziehung, Umgebung und Lebensnmstünden sind, daß, wenn die letzteren anders werden, auch die ersteren sich ändern, daß die Spielarten der Nasse Mensch das Resultat der Zustände früher Zeiten sind, daß ferner nur bei ihrem unveränderten Fortbestehen unverändertes Fortbestehen der besonderen Nassenmerkmale denkbar ist. Verpflanzt man Menschen in anderes Klima, macht man aus freien Menschen Sklaven oder aus Sklaven freie Meschen, bringt man sie aus einem Lande, wo Milch und Honig iließt, in ein Land, das nur wenig ergiebig ist, so andern sich Aussehen und Charakter. Auch der Berus drückt dem Menschen seinen Stempel auf, biegt das Individuum nach der Art seiner Tätigkeit um, dergestalt, daß durch Vererben des nämlichen Berujes gerade die für diesen Berus besonders notwendige!: körperlichen und geisten Eigenschaften gezüchtet werden. Tie M usikerfamilie der Bach sei als Beispiel angeführt. Tie handwerklichen- Berufe waren vor den: Zeitalter der Maschinen an gewissen Anomalien der körperlichen Organe kenntlich, aber auch die "geistigen sind rein äußerlich erkennbar. Die Denkerstirn ist nidjt etwas von ewig her Ererbtes, sondern etwas durch eigene und die Tenkrätigkeit der Vorfahren Erworbenes. Ter engstirnige Rassenfanatiker sieht das Gegebene, hat aber nicht die Fähigkeit, und, wenn er sie hätte, nicht den Willen, zu erkennen, daß das Gegebene nur gerade heute das Gegebene und ewigem Wechsel uuterworfel: ist, daß, wie nch Eigentümlichkeiten der Generationei: und Familien in Jahrzehnten, sich die Eigentümlichkeiten der Völker in Jahrhunderten und der Rassen vielleicht in Jahrtausenden, ja in Jahrmillionen ändern. Aber sie ändern sich. Ter Schmelztiegel der Nationen „Amerika" bietet ein gutes Beispiel. In verhältnismäßig kurzer Zeit verlieren sich in den Vereinigte:: Staaten die typischen europäischen und nationalen Merkmale des Eingewanderten, treten amerikanische Besonderheiten hervor, wie der ausgeprägtere Qinterkopß und in ein, zwei Geschlechterfolgen sind die Eingewandcrten völlig amerikanisiert, so daß nicht rnehr erkennbar ist, welchem europäischen Lande die Voreltern entstammen. Man sagt ja sogar, daß sich an den Nachkommen der amerikarrischen Ansiedler durch den Einfluß des Klimas und des Bodens schon gewisse Merkmale zeigen, die den Indianern eigen waren, der eingeborenen Rape, die der „weiße Mann" verdrängt hat. Und noch für etwas anderes kann Amerika den Beweis bringen, nämlich dafür, daß d e r d e u t s ch c Jude nicht in erster Linie Jude, sondern in erster Linie Deutscher und mit allen guten und schlechten Eigenschaften seiner Nation ist. Ein deutscher Jude, der nach den Vereinigten Staaten kommt, wird schon an seine::: Aeußern, an seiner Kopfform, den: Ausdruck seiner Züge, seiner Art, sich zu geben, sofort als Deutscher erkannt, ehe er noch den Mund zum Sprechen aufmacht, und sein Judentum wird bei den typischen Merkmalen des Deutschtums, die ihm für amerikanische Augen anhaslen, gar nicht wahrgenommen, oder, wein: er ausdrücklich darauf hinweist, nur als ein von der christlichen Religion verschiedener Glauben angesehen. Wenn den jüdisehen Deutschen in Amerika etwa? von: eingewanderten christlichen Deutschen unterscheidet, so ist es der Umstand, daß der Jude oft sein Deutschtum mehr betont, nicht alles bedingungslos schön findet, was in Amerika, und nicht alles bedingungslos häßlich findet, was in Deutschland ist, sehr im Gegensatz zu seinen: christlichen Landsmann, der — meistens aus kleinen Verhältnissen stammend — sein Deutschtum bald völlig vergessen hat und für sein Vaterland verloren :st. Pflege der deutschen Sprache, Vertrautheit mit der deutschen Literatur sind für den aus Deutschland eiugewanderten Inden Ehrensache. Um aber den Einfluß der Erziehung, der Lebens'- gewohnheitei: au f Körperbildung u n d Charakter nachzuweisen, bedarf es gar nicht eines so weiten Weges. Den Beweis kann man im eigenen Lande finden. Man braucht nur die herangewachsene und Heranwachsende Generation mit dem Geschlecht von vor 20, 30 oder mehr Jahren zu vergleichen, und man

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